Studie von Strategy& CEO-Fluktuation in der DACH-Region durch volatile Finanzwirtschaft stark gestiegen

Mit einer Fluktuationsquote von 16,7 Prozent sind deutlich mehr Vorstandsvorsitzende der 300 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgeschieden als im Vorjahr (10,3 Prozent), so eine Studie von Strategy&.

31,7 Prozent und damit immerhin knapp ein Drittel dieser CEO-Demissionen wurden vor Ablauf der vertraglich fixierten Amtszeit initiiert, beispielsweise wegen mangelnder wirtschaftlicher Performance. Die restlichen Neubesetzungen erfolgten wie geplant aufgrund auslaufender Verträge (58,1 Prozent) oder wegen Übernahmen bzw. Fusionen (10,2 Prozent). Als besonders volatil erwies sich 2015 allerdings die Finanzwirtschaft: So wurde mit einer Wechselquote von 21,1% mehr als jeder fünfte der in die Studie einbezogenen Vorstandsvorsitzenden aus dem Banken-, Finanz- und Versicherungswesen ausgetauscht.

Ein weiteres Ergebnis der Studie von Strategy& ist, dass die deutschsprachigen Konzerne ihre ambitionierten Zielvorgaben in Bezug auf den Frauenanteil im Bereich der Senior-Management-Positionen im vergangenen Jahr verfehlt haben dürften: Die Quote der mit weiblichen Kandidatinnen nachbesetzten CEO-Posten sank bei diesen Konzernen von 10,3 Prozent in 2014 auf nur 2,2 Prozent. Dafür waren die neuen CEOs bei Amtsantritt erst 49 Jahre alt und damit im Vergleich zum internationalen Median von 53 Jahren mit Abstand die jüngsten. Und die internationalsten: Denn jeder dritte neue CEO (33 Prozent) der untersuchten deutschsprachigen Blue Chips hat eine andere Nationalität als das Unternehmen, das er leitet. Weltweit liegt dieser Wert bei lediglich 17 Prozent, in den USA und Kanada bei 15 Prozent. In Japan und China stammen sogar nur 3 Prozent bzw. 6 Prozent der neuen CEOs aus einem anderen Land. Zudem haben 44 Prozent der neuen CEOs deutschsprachiger Unternehmen vor dem Sprung an die Spitze langjährige Auslandserfahrung in operativen Funktionen gesammelt. Im globalen Schnitt können das nur 28 Prozent von sich behaupten.

Auch erhöhte sich 2015 in Deutschland, Österreich und der Schweiz die durchschnittliche Verweildauer der Vorstandsvorsitzenden leicht, sie blieben dort im Durchschnitt 6,3 Jahre (2014: 6,0 Jahre) im Amt. In Westeuropa liegt dieser Wert bei 5,5 Jahren und weltweit bei 7,5 Jahren.

Unternehmen setzten verstärkt auf externe CEOs

Den Studienergebnissen zufolge bestätigt sich der aktuelle Trend, dass sich Aufsichtsräte bei der Besetzung der Spitzenjobs zunehmend für externe Kandidaten ("Outsider") entscheiden. So wurden im deutschsprachigen Raum 2015 immerhin 33 Prozent externe Kandidaten berufen. Insbesondere in Industrien, deren Geschäftsmodelle derzeit von einer technologischen oder strukturellen Disruption in Frage gestellt werden, schlägt aktuell die Stunde der externen Kandidaten, so Strategy&. Weltweit setzen derzeit vor allem Telekommunikations- und Healthcareunternehmen sowie Energieversorger auf neue, externe CEOs, um den anstehenden strategischen Herausforderungen von der Digitalisierung bis zu staatlichen Regulierungen besser und vor allem kompromissloser begegnen zu können. Zudem fordern aktivistische Investoren konsequent die Einbindung in strategische Entscheidungen ein und forcieren über aktiv gemanagte Aufsichtsratsmandate den Trend zu externen CEOs, um eingefahrene Strukturen aufzubrechen. Daneben überzeugt aber auch die wirtschaftliche Leistung der "Outsider": Bereits das dritte Jahr in Folge lassen Unternehmen, die von einem externen CEO geführt werden, Unternehmen mit intern besetzter CEO-Position im weltweiten Vergleich in Bezug auf die Unternehmenswert- und Dividendenentwicklung deutlich hinter sich. Andererseits haben neu installierte CEOs heute signifikant weniger Zeit, um entscheidende und messbare Ergebnisse zu erzielen. So verkürzte sich die durchschnittliche Amtszeit von CEOs in Deutschland, Österreich und der Schweiz binnen zehn Jahren von 8,3 auf lediglich 6,3 Jahre in 2015.

Weibliche CEOs bleiben international eine Ausnahmeerscheinung

Der Anteil weiblicher Vorstandsvorsitzender, die 2015 auf eine Topposition berufen wurden, war jedoch nicht nur in der deutschsprachigen Region, sondern auch weltweit mit 2,8 Prozent äußerst überschaubar. In den USA und Kanada erreichte die Quote weiblicher CEOs sogar das dritte Jahr in Folge einen neuen Tiefpunkt. Unter den 87 in dieser Region neu ins Amt berufenen CEOs war 2015 lediglich eine Frau.

Zur Studie:
Strategy& untersuchte in der "2015 CEO Success"-Studie die 2.500 weltweit größten börsennotierten Unternehmen. Für den deutschsprachigen Raum wurden ergänzend die 300 größten Unternehmen in dieser Region analysiert. Es floss sowohl die Performance der Unternehmen zum Zeitpunkt der Ablösung als auch die Art und Weise des Ausscheidens des CEOs ein.

mr

 

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