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Frank Hegenbart (ADVYCE & PERLITZ) Der Countdown läuft

Ab 1. Januar 2023 werden mit dem Lieferkettensorgfaltsgesetz (LkSG) und der EU-Taxonomieverordnung (EU 2020/852 – Corporate Social Responsibility Directive CSRD) zwei entscheidende neue Rechtsinstrumente in vollem Umfang verpflichtend, die viele Unternehmen vor neue Herausforderungen stellen. Zwar trifft es vorerst nur die größeren Unternehmen. Ein Ausblick von Frank Hegenbart.

Frank Hegenbart, Advyce & Perlitz (Bild: Advyce & Perlitz)

Beim LkSG sind das Unternehmen mit Sitz in Deutschland und mehr als 3.000 Mitarbeitenden und bei der CSRD, die in der ganzen EU gilt, müssen nur zwei der folgenden drei Kriterien erfüllt sein:

  • Mehr als 250 Mitarbeitende
  • Umsatz von mehr als 40 Mio. €
  • Bilanzsumme von mehr als 20 Mio. €

Allerdings ist die Ausweitung in alle Wirtschaftsbereiche bis hin zum Kleinunternehmen bereits abzusehen. Im Falle der Nichteinhaltung bzw. von Verstößen drohen empfindliche Strafen, die im Falle des LkSG bis zu 2% des Jahresumsatzes betragen können.

Was ist zu tun?

Der Großteil der in Deutschland tätigen Managementberatungen bemüht sich aktuell gemeinsam mit ihren Klienten um eine bestmögliche Antwort. Auch die Berater selbst stellen Nachhaltigkeit zunehmend in den Fokus ihrer Geschäftsmodelle und Arbeitsweisen. Digitales & Remote-Arbeiten sind längst zum Alltag in den Beratungen geworden. Reisen erfolgen möglichst klimaneutral mit der Bahn oder Elektro-Autos. Soziale Engagements werden verstärkt und zunehmend kommen Umweltaktivitäten hinzu.

In allen Wirtschaftsbereichen wächst also das Bewusstsein, ebenso aber auch der Druck seitens Kunden, Investoren und Gesetzgeber zur Nachhaltigkeitstransformation.

Die Ausgangssituation der Unternehmen ist dabei höchst unterschiedlich. Manche haben schon vor Jahren Nachhaltigkeitsaspekte in ihren Transformationszielen verankert, andere werden gerade erst aktiv. In Bezug auf die Erfüllung der Anforderungen aus LkSG und CSRD steht aber im Vordergrund, die dafür notwendigen Berichts-, Kontroll- und Reaktionsmechanismen im Unternehmen zu schaffen und umgehend scharf zu schalten. Das betrifft vor allem die nachweisbare Erhebung von Kenngrößen wie Energieverbrauch und die damit verbundenen Emissionen, Anteil aus Sekundärquellen bezogener Materialen oder Recyclingfähigkeit der eigenen Produkte.

Zur Wahrnehmung der Verpflichtungen aus dem LkSG sind zu überprüfen und ggf. anzupassen bzw. einzurichten:

  • Interne Prozesse zur Absicherung der Sorgfaltspflicht zu jeder Zeit
  • Durchführen von Risikoanalysen, z.B. bei der Lieferantenauswahl und turnusmäßige Aktualisierung
  • Definieren von Präventionsmaßnahmen und Einrichten eines Beschwerdemechanismus
  • Regelmäßige Veröffentlichung eines entsprechenden Jahresberichts

Nachhaltiges Beraten

Nachhaltigkeit spielt in der Unternehmensberatung seit jeher eine große Rolle. So ist das primäre Ziel der Berater, zumindest gilt das für die meisten Strategie- und Managementberatungen, ihre Klienten langfristig wettbewerbsfähiger, resilienter bzw. anpassungsfähiger gegenüber Veränderungen in den Märkten und attraktiver als Geschäftspartner oder Arbeitgeber auszustellen. Heute ist der Begriff der Nachhaltigkeit wesentlich weiter gefasst. Der Klimawandel hat Umweltaspekte, insbesondere die durch die Wirtschaft verursachten Treibhausgase, deutlich in den Vordergrund gestellt. Anders als Umweltschutzstandards bisher, die in verschiedenen Ländern unterschiedlich ausgeprägt sind, handelt es sich nun um ein globales Problem. Kein Land und kein Unternehmen kann sich aus der Verantwortung nehmen.

Sicherlich haben die Unternehmen der energieintensiven Branchen die größten Herausforderungen in der Transformation zu emissionsarmen und perspektivisch emissionsfreien Technologien. Es eröffnen sich aber auch eine Vielzahl von Chancen. Nachhaltigkeit bedeutet gleichzeitig Zukunftsfähigkeit. Wurde Zukunftsfähigkeit bisher primär auf die eigene Situation (Organisation, Produktportfolio, Märkte etc. bezogen, vergrößert sich nun die Dimension entscheidend. Nachhaltig aufgestellte Unternehmen sichern Ihre eigene Zukunft und leisten gleichzeitig ihren Beitrag zur Begrenzung der Erderwärmung und damit zum Erhalt der Lebensbedingungen auf der ganzen Welt.

Das ist eine neue Dimension sowohl für die Wirtschaftsunternehmen als auch ihre Berater. Transformationen sind komplexer geworden und eigentlich liegen die gravierendsten Umstellungen noch vor uns, sei es die Umstellung von Verbrennungsmotoren auf emissionsfreie Antriebe bei Autos und Nutzfahrzeugen oder die Energiewende.

Nachhaltiges Beraten ist also gefragte denn je. Die Veränderungen sind gravierend bis disruptiv. Haben disruptive Veränderungen in der Vergangenheit meist zu einer Substitution im Markt geführt, d.h. ein neuer Anbieter verdrängt die etablierten, so geht es jetzt um Disruption ganzer Wirtschaftszweige und Sektoren inkl. der darin agierenden Unternehmen. Nachhaltige Berater nehmen hier die Vordenkerrolle ein, damit ihre Klienten die Zukunft aktiv gestalten können. Nachhaltigkeit ist somit der Garant für Überleben und darüber hinaus profitables Wachstum.

Frank Hegenbart, Advyce & Perlitz (Bild: Advyce & Perlitz)
Über Frank Hegenbart

Frank Hegenbart ist Partner der Strategieberatung ADVYCE & PERLITZ und Experte für nachhaltiges Lieferkettenmanagement im Maschinen- und Anlagebau, der Fahrzeugindustrie und Elektrotechnik/Elektronik. Er berät Klienten im Schwerpunkt in Fragen der strategischen Ausrichtung von Produktions- und Beschaffungsnetzwerken, Produktkosten- und Lieferantenmanagement sowie an der Schnittstelle von Produktentwicklung und Operations.

 

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