Geschäft mit Fahrzeugdaten Entwicklung der vernetzten Mobilität setzt Automobilbranche unter Druck

Die Automobilindustrie steht vor gravierenden Umwälzungen: Wie McKinsey nun in einer Studie ermittelte, wird insbesondere das Geschäft mit Fahrzeugdaten rapide wachsen. Bis 2030 könnte in diesem Segment ein Umsatzpotenzial von 750 Milliarden Euro entstehen.

Schließlich lassen sich aus den Informationen, wie ein Auto bewegt wird, wohin es fährt und wer sich darin befindet, zahlreiche neue datenbasierte Services entwickeln. Diese könnten beispielsweise vor Staus warnen, automatischen einen Parkplatz suchen oder Wartungsintervalle individuell festlegen. Am Ende dieser Entwicklung könnte schließlich das autonom fahrende Fahrzeug stehen. Laut einer McKinsey-Studie ist das Interesse der deutschen Autokäufer an diesen Trends enorm. So wären 70 Prozent von ihnen bereit, für datenbasierte Dienstleistungen Geld zu bezahlen. Die höchste Zahlungsbereitschaft stellte McKinsey bei der Unterstützung auf der Suche nach freien Parkplätzen, der Organisation von auf Verschleiß beruhenden intelligenten Wartungsintervallen sowie der Bereitstellung von Informationen zur Fahrzeugnutzung, die bei einem Weiterverkauf einen umfassenden Qualitätsnachweis erlauben, fest. Eine große Aufgeschlossenheit zeigen die deutschen Autokäufer auch beim Thema autonomes Fahren: Acht von zehn Befragten (81 Prozent) würden ein derartiges Fahrzeug kaufen – falls sie die Steuerung auf Wunsch auch selbst übernehmen können.

Deutsche Autokäufer vertrauen vor allem den Automobilherstellern

Wer von diesem großen Potenzial profitieren kann, ist allerdings noch längst nicht ausgemacht: So kommt McKinsey zwar in seiner Studie zu der Erkenntnis, dass das Vertrauen der Deutschen insbesondere auf den etablierten Autoherstellern ruht. Demnach trauen mehr als drei Viertel (78 Prozent) ihnen am ehesten zu, die autonome Mobilität serienreif zu machen. Zudem wäre eine etwa ebenso große Gruppe bereit, den Automobilkonzernen anonym Positionsdaten zu übermitteln.

Laut einer weiteren Studie von Strategy& wird die Branche im Rahmen der Entwicklung der vernetzten Mobilität jedoch zunehmend von neuen Mobilitätsdienstleistern, Technologieanbietern und Zulieferern unter Druck gesetzt. So geht das Beratungshaus davon aus, dass der Anteil der traditionellen Automobilhersteller am Gewinn der gesamten Mobilitätsbranche bis 2030 von derzeit 70 auf dann nur noch 50 Prozent sinken wird.

"Mobilität wird durch neue Angebote wie autonom fahrende Robo-Taxis verfügbarer, flexibler und günstiger. Zusätzlich zu dem dadurch entstehenden Preisdruck müssen die Hersteller steigende Entwicklungs- und Produktionskosten für die hochtechnisierten Autos der Zukunft schultern, insbesondere für die Themen Vernetzung, Automatisierung, Elektrifizierung und Mobilität. Dies führt zu strukturellen Veränderungen und hohem Investitionsbedarf. Gleichzeitig verlagern sich Erlöspotenziale hin zu neuen Mobilitätsanbietern", berichtet Dr. Richard Viereckl, Senior Vice President bei Strategy&. "Kurz- und mittelfristig profitieren die Technologiezulieferer am stärksten von den stark wachsenden Volumenzahlen der vernetzten Automobile. Es ist davon auszugehen, dass hohe Margen insbesondere in den Automatisierungsalgorithmen und in der Analyse von Nutzungsdaten entstehen."

Die Geschäftsmodelle der Mobilitätsbranche wandeln sich rapide

Nach Einschätzung von Strategy& sollten Automobilhersteller den mit der Etablierung der vernetzten Mobilität einhergehenden Übergang von produkt- zu dienstorientierten Geschäftsmodellen sowie von Hardware zu Software daher aktiv mitgestalten, um nicht abgehängt zu werden. "Vor allem für traditionelle Hersteller ist es essentiell zu begreifen, dass vernetzte Mobilität kein reines Produkt, sondern ein Technologie-Ökosystem ist, das ihr Geschäftsmodell im Kern verändert. Vor allem die Verknüpfung aus Dienstleistungen und Daten führt zu unzähligen neuen Angeboten im Bereich der Mobilität", erklärt Prof. Dr. Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management, der die Studie von Strategy& als Co-Autor begleitet hat. "Neue Marktteilnehmer und Start-ups sichern sich bereits heute Marktanteile, weil sie die Daten strukturierter nutzen und vor allem auch das Potenzial des ständigen Kontakts zum Kunden erkannt haben. Dabei spielen Größenvorteile eine entscheidende Rolle. OEMs müssen deswegen dringend darüber nachdenken, ob sie mit eigenen Lösungen konkurrenzfähig sein werden oder auf plattformbasierte Lösungen mit Drittanbietern setzen."

Zu den Studien:
Für die McKinsey-Studie befragte die Unternehmensberatung mehr als 3.000 Autokäufer in Deutschland, den USA und China sowie zahlreiche Industrieentscheider.

Strategy& hat für seine Studie weltweit über 100 Interviews mit Herstellern, Zulieferern, Technologieunternehmen und Experten geführt, direkte Konsumentenbefragungen in Kernmärkten wie zum Beispiel China durchgeführt und die heutigen Angebote der weltweit führenden Hersteller und Zulieferer analysiert.

tt

 

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