BDU Geschäftsklima-Index Multi-Krisen-Situation kommt auch bei den Consultants an

Noch wird die aktuelle Geschäftslage vom Großteil der deutschen Consultingfirmen als gut bezeichnet. Gleichzeitig schätzen aber die Unternehmensberatungen die Aussichten für ihre Geschäftsentwicklung in den kommenden sechs Monaten deutlich zurückhaltender ein, so die Ergebnisse der aktuellen Welle der BDU-Geschäftsklima-Erhebung im dritten Quartal 2022.

Die Aussichten werden trüber, der BDU-Geschäftsklimaindex sinkt unter die 100er-Schwelle (Beitragsbild: picture alliance/dpa | Frank Rumpenhorst).

So langsam kommen die multiplen Krisen auch bei den Beratungshäusern an. Das zeigt die aktuelle BDU- Geschäftsklimabefragung für das dritte Quartal, die Anfang Oktober erhoben wurde. Der BDU-Geschäftsklimaindex sinkt auf den Wert 95,3 und damit erstmal seit Ende 2020 wieder unter die Marke 100. Im Unterschied zum Ifo-Geschäftsklimaindex fällt der Abschwung aber deutlich weniger steil aus.

Der BDU Geschäftsklimaindex knickt deutlich weniger ein als der ifo Geschäftsklimaindex. Dennoch zeigt die Richtung nach unten. (Grafik: BDU)

Aktuelle Geschäftslage vielfach noch gut

In vielen Unternehmensberatungen sind die Auftragsbücher aktuell noch gut gefüllt. Deshalb gehen die meisten Häuser davon aus, dass 2022 ein gutes Geschäftsjahr wird. Neun von zehn Marktteilnehmern geben an, dass sie mit ihrer aktuellen Geschäftssituation im Plan (49 %) oder sogar darüber liegen (41 %).

Vergleich der Geschäftslage und Aussichten im Vergleich Q3 und Q2 2022 (Grafik: BDU)

Bei der Einschätzung der Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate überwiegen allerdings in der Consultingbranche erstmals wieder die Skeptiker. Der Anteil der Unternehmensberatungen, die eine ungünstigere Geschäftsentwicklung erwarten, ist auf 27 Prozent gestiegen (Anteil im Q2/2022: 19 %).

Sanierungsberatung noch optimistisch - IT-Beratung vermehrt auf der Bremse

Endlich, dürften die Sanierer sagen: Der Anteil der Unternehmen in der Sanierungs- und Restrukturierungsberatung, die mit ihrer aktuellen Geschäftslage über Planung liegen, ist im Q3/2022 deutlich auf knapp 60 Prozent gestiegen (Q2/2022: 37 %), eine Folge der zurzeit vermehrten Insolvenzen in der Wirtschaft. Auffällig ist aber, dass selbst bei den Sanierungsberatungen für die kommenden sechs Monate nur noch ein Viertel von einer nochmals günstiger werdenden Geschäftslage ausgeht. Im Q2/2022 hatte dieser Anteil noch bei 53 Prozent gelegen.

Im Beratungsfeld IT ist hingegen die zunehmende Investitionszurückhaltung der Kunden angekommen. Während Mitte des Jahres noch 60 Prozent der IT-Beratungen ihre Geschäftslage als gut (über Plan) bezeichneten, ist deren Anteil im Q3/2022 auf 40 Prozent zurückgegangen. Diese Entwicklung ist darauf zurückzuführen, dass die Kunden d angesichts der volatilen Rahmenbedingungen in der Multi-Krisen-Situation besonders große und langlaufende IT-Projekte zeitlich schieben. Aus Sicht der IT-Beratungen wird dies auch erst einmal so bleiben: 38 Prozent gehen davon aus, dass die Geschäftsaussichten sich im kommenden Halbjahr verschlechtern werden (günstiger werden: 20 %).

Multi-Krisen machen auch vor den Beratern nicht halt

BDU-Präsident Ralf Strehlau fasst die Situation zusammen:

„Die derzeitige Multi-Krisen-Situation erzeugt bei unseren Kunden aus Wirtschaft, Industrie und Verwaltung mehr und mehr Verunsicherung. Verstärkend wirkt sich dabei aus, dass seitens der Politik zu wenig Klarheit über die zukünftigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Das lässt die Investitionsbereitschaft der Unternehmen zögerlicher werden. Auch auf die Consultingbranche wird sich diese Zurückhaltung voraussichtlich auswirken. Ein schwächerer Start ins Geschäftsjahr 2023 wird immer wahrscheinlicher.“

Erhebungsmethode Onlinebefragung
Befragte Zielgruppe Consultants aus der gesamten Consultingbranche
Stichprobengröße n = 320
Feldzeit 30. September bis 5. Oktober 2022
Land Deutschland
 

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