Druck durch hohe Energiepreise Rasche Kosteneinsparung in Unternehmen: 8 wichtige Maßnahmen für fast alle Branchen

Vor allem die derzeitigen Energiepreise treffen viele Unternehmen schwer. Einsparungen jeglicher Größenordnungen sind deshalb wichtiger denn je, solange sie schnell sind. Die gute Nachricht: Viele Firmen haben dafür noch Potenzial, ohne zunächst großartige Investitionen tätigen zu müssen.

Ganz so rabiat müssen die Massnahmen im Büro dann doch nicht sein, um durch den Winter zu kommen (picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer). 

Deutschland ist schon seit langer Zeit ein Land, in dem der Kostendruck für Unternehmen deutlich höher ist als in vielen anderen Staaten. Was beispielsweise die steuerliche Belastung von Betrieben anbelangt, zählt die Bundesrepublik schon seit Jahren zur traurigen Spitze der Europäischen Union – als Zweitplatzierter hinter Portugal.  

Angesichts dessen arbeiteten bereits viele Unternehmen mit einer bedenklich schmalen Gewinnspanne, bevor Russland Ende Februar 2022 die Ukraine überfiel. Infolgedessen bringen die seitdem dramatisch gestiegenen Energiepreise viele Betriebe nicht nur in eine bedenkliche Lage, sondern teils sogar in eine Situation, in der ein Weitermachen wie bisher zum generellen Verlustgeschäft wird. 

Beispiel Automobilzulieferer: Einer DIHK-Umfrage zufolge will fast ein Fünftel seine Produktion verlagern, weil die hiesige Lage so dramatisch ist. In einem Land, in dem beispielsweise allein die unternehmerischen Gaspreise das Zehnfache derjenigen in den USA betragen, sieht der DIHK sogar eine ernsthafte Bedrohung für zehntausende Betriebe

Angesichts dessen benötigen sehr viele Firmen nicht nur schnelle Entscheidungen der Politik, sondern rasch umsetzbare Einsparmaßnahmen. Die folgenden Punkte können vielleicht nicht die hohen Energiepreise völlig ungeschehen machen, aber sie können sicherlich in einigen Firmen helfen, sie in der Gewinnzone zu halten.  

1. Home-Office maximieren 

Jeder einzelne Arbeitsplatz in einem Unternehmen verbraucht Strom. Ferner muss jeder Arbeitsplatz nach den aktuellen Vorgaben (pdf) beheizt oder klimatisiert werden. Je größer ein Unternehmen ist und/oder je weniger energetisch seine Räumlichkeiten optimiert sind, desto dramatischer wird der Effekt.  

Angesichts dessen sollten Firmen derzeit alle Hebel in Bewegung setzen, um so viele ihrer Mitarbeiter wie nur möglich von zuhause aus arbeiten zu lassen. Was die Heizkosten anbelangt, so bedeutet dies für viele Teammitglieder keinen Unterschied, da sie sowieso tagsüber heizen. Es entstehen für diese Menschen also häufig nur Mehrkosten beim Strom – die durch eine Pauschale für beide Seiten gütlich geregelt werden können.  

Jedoch: In diesem Fall sollten Firmen tatsächlich ihre nunmehr ungenutzten Räumlichkeiten wirklich stilllegen und nicht in irgendeiner Form von Bereitschaft halten. Nur bei Frost sollten die Räume leicht beheizt werden. Ansonsten sollte sprichwörtlich „Feuer aus“ gelten. 

Tipp: Mitunter können solche Flächen ver- bzw. untervermietet oder bis auf Weiteres aus dem Mietvertrag ausgeklammert werden. 

2. Marketing reduzieren und fokussieren 

Gutes Marketing hat seinen Preis und ist in einer Welt voller Konkurrenten für die allermeisten Firmen völlig unverzichtbar. Dennoch gibt es in vielen Betrieben einen Unterschied zwischen tatsächlich zwingend nötigem Marketing und solchem, das lediglich eine Annehmlichkeit ist.  

Um eine klare Grenze zwischen beiden Varianten ziehen zu können, ist es im ersten Schritt unverzichtbar, präzise zu analysieren, welche Marketing-Maßnahme bei welchem Kosteneinsatz welchen messbaren Ertrag liefert. Alles, was nicht hinreichend performt, sollte gestrichen werden. Alles andere hingegen sollte weiter optimiert werden: 

  • Für Print lässt sich mitunter günstigeres Papier (respektive Karton oder Wellpappe) verwenden. Speziell, was Verpackungen anbelangt, besteht eine ebenfalls sehr effektive Methode darin, auf frei konfigurierbare Kartonagen umzustellen. Sie reduzieren die Materialkosten im Vergleich zu Standardabmessungen, bieten zudem oftmals bei Versandkosten weiteres Einsparpotenzial – und verkleinern nebenbei den unternehmerischen CO2-Fußabdruck. 

  • Spots im Radio und TV können vielfach lediglich durch einen Neu-Schnitt zeitlich reduziert und somit günstiger werden, ohne ihre Botschaft zu verlieren.  

  • Kostspielige Suchmaschinenwerbung kann mitunter durch stärkere (Inhouse-) Suchmaschinenoptimierung reduziert werden. 

Vorsicht jedoch bei bereits gebuchten und womöglich gar bezahlten Maßnahmen: Hier ist genaues Rechnen vonnöten, um eine echte Ersparnis zu erzielen. 

3. Schlecht performende Produkte konsequent abverkaufen und streichen 

Wohl jedes Unternehmen hat Produkte, die besser und schlechter performen. In guten Zeiten haben letztere sicherlich eine Existenzberechtigung, um das Portfolio und die mögliche Zielgruppe breit aufzustellen. 

In der jetzigen Lage jedoch, wo es in vielen Betrieben tatsächlich auf jeden einzelnen Euro ankommt, stellt eine solche breite Streuung einen Luxus dar, den viele sich nicht leisten können – nicht zuletzt aufgrund der Lagerkosten und anderer Punkte, mit denen derartige Produkte verbunden sind.  

Solche Teile des Portfolios sollten, gegebenenfalls durch Rabattaktionen, konsequent abverkauft werden, um mehr liquide Mittel bereitzustellen. Solange sie nicht unter dem Selbstkostenpreis verkauft werden, wird selbst dann noch ein Gewinn gemacht. In Häusern, in denen der Sparzwang besonders hoch ist, sollte jedoch sogar das nicht indiskutabel sein. 

4. Mietgespräche führen 

Selbst mit einem großen Homeoffice-Anteil können viele Unternehmen ihre Notwendigkeit für Räumlichkeiten nicht gänzlich eliminieren. Zumindest dann, wenn diese angemietet sind, sollte dementsprechend zeitnah das Gespräch mit dem Eigentümer gesucht werden. 

Das Mietrecht für Gewerbeimmobilien lässt deutlich mehr Varianten, Spielräume und Freiheiten zu als dasjenige für Wohnimmobilien. Mit genügend Überzeugungsarbeit, Verhandlungsgeschick und belegbaren Zahlen lässt sich vielfach eine Reduktion der Kosten erzielen. 

Vermieter müssen letztendlich auch wirtschaften. Eine geringere Miete ist für sie deshalb der vielfach bessere Weg als die womöglich langwierige Suche nach einem anderen Unternehmen, das die ursprünglich aufgerufenen Preise bezahlen kann. 

5. Energieberatungen durchführen lassen 

Das Thema Energieverbrauch im Unternehmen ist äußerst komplex. Zwar ist es auch für „energetische Laien“ möglich, verschiedene Einsparpotenziale zu nutzen. Ein Maximum an Effektivität ist jedoch nur dann möglich, wenn die gesamte Firma fachmännisch analysiert wird. 

Angesichts dessen sollten Unternehmer sich zeitnah an ihre zuständige Kammer wenden, konkret den dort residierenden Technik- oder Umweltberater. Er kann mehrere Leistungen erbringen: 

  • Generelle Kontaktanbahnung zu professionellen Energieberatern. 

  • Informationen rund um den Themenkomplex Kostenerstattung und Fördermittel. 

  • Hilfe und Informationen zum Thema Entlastung bei der Stromsteuer

Ein auf unternehmerische Belange spezialisierter Energieberater kann nicht einfach nur Einsparpotenziale entdecken. Er ist überdies befähigt, diese Potenziale im Rahmen unverzichtbarer betrieblicher Notwendigkeiten zu finden. 

Allerdings kann diese Person naturgemäß nur Empfehlungen aussprechen. Doch selbst, wenn diese einige Änderungen in den Betriebsprozessen bedingen, sollten Unternehmer darauf hören. 

6. Personalkosten prüfen und optimieren 

Nein, mit dieser Zwischenüberschrift ist nicht gemeint, damit zu beginnen, bisherige Mitarbeiter aus betriebsbedingten Gründen zu entlassen. Dabei sollte es sich grundsätzlich nur um eine finale Notfallmaßnahme handeln, die erst dann angewendet wird, wenn bereits alle anderen Optionen versagt haben – dafür ist es heute einfach zu schwierig, gutes Personal zu finden.  

Trotzdem gibt es verschiedene Optionen, zu große Personalkosten zu reduzieren. Eine mögliche Reihenfolge wäre folgende: 

  1. Überstunden abbauen bzw. künftig auf Zeitkontomodelle setzen statt finanzieller Ausgleiche. 

  1. Bisherige freiwillige Arbeitgeberleistungen reduzieren oder streichen. Vorsicht jedoch: Diese Maßnahme ist erwiesenermaßen sehr unbeliebt. 

  1. Flexible Arbeitszeiten einführen. Etwa in Form von Gleitzeitmodellen mit lediglich festgelegter Kernarbeitszeit. 

  1. Einvernehmliche Änderungskündigungen. Beispielsweise für die Umwandlung von Vollzeit- in Dreiviertel- oder Halbtagsstellen.  

All diese Maßnahmen sollten allerdings unbedingt in enger Zusammenarbeit mit der betrieblichen Rechtsberatung geplant und durchgeführt werden. Besondere Vorsicht ist naturgemäß bei den Änderungskündigungen notwendig. Das gilt insbesondere, wenn hierbei echte Gehalts- ohne Arbeitszeitkürzungen erzielt werden sollen. 

7. Versicherungen optimieren  

Jedes Unternehmen nutzt verschiedene Versicherungsprodukte. Einige sind vorgeschrieben, andere sind zumindest sinnvoll. Jedoch: Viele Firmen haben diesbezüglich schon seit Jahren nichts optimiert. 

Einerseits gibt es deshalb in vielen Betrieben längst überflüssig gewordene oder sogar doppelte Versicherungen. Andererseits haben sich vielfach die Konditionen geändert. Das führt beispielsweise zu Situationen, in denen die gleichen Versicherungsleistungen wie bisher zu einem deutlich günstigeren Preis zu bekommen wären. 

Erneut sollten Unternehmer sich nicht scheuen, hier sorgfältig zu analysieren und anschließend die Schere anzusetzen. In solchen Ausnahmefällen genügt es, wenn lediglich solche Risiken abgesichert sind, die a) eine hohe Eintrittswahrscheinlichkeit aufweisen und b) im Fall der Fälle tatsächlich existenzbedrohend sein könnten. 

8. Fahrzeugkosten reduzieren 

Aus Leasing- und ähnlichen Verträgen von Betriebsfahrzeugen vorzeitig auszutreten, ist oft schwierig und selten gewinnbringend – sollte aber natürlich trotzdem geprüft werden.  

Deutlich universellerer Natur und überdies schneller wirksam sind dagegen Einsparungen bei den Fahrzeugen selbst: 

  • Limitierung aller Nutzungen ausschließlich auf betriebliche Belange. 

  • Analyse von Fahrten, um stets die günstigsten Routen zu wählen. 

  • Zusammenfassen von Strecken, um vor allem die Kosten für An- und Abfahrten zu minimieren. 

Nicht zuletzt ist es eine Option, vorhandene Fahrzeuge, die selten bis nie genutzt werden oder durch geschickte Planungsänderungen (zeitweilig) überflüssig geworden sind, schlicht abzumelden. Die bereits bezahlte Kfz-Steuer wird abzüglich des bereits zugelassenen Zeitraumes sofort zurückerstattet und es fallen künftig keine weiteren Versicherungskosten an. 

Tipp: Bei diesen Fahrzeugen kann es sich durchaus lohnen, den Tank zu entleeren, um den Kraftstoff in anderen Fahrzeugen zu verwenden. Insbesondere Diesel ist sowieso nur wenige Monate haltbar, bevor er sich zu zersetzen beginnt. 

 

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