Ein Blick in die Zukunft auf vier Rädern

Zukunft der Automobilbranche

Elektroautos, die Reichweiten von mehreren hundert Kilometern erzielen, Sammeltaxis, die den Individualverkehr in Ballungsgebieten weiter reduzieren, und Fahrzeuge, die via 5G miteinander kommunizieren, um Stau und Unfälle zu vermeiden. Das klingt zwar für viele nach High-Tech-Fiction, doch die deutschen Auto- und Motorradhersteller haben sich schon längst auf Elektroantriebe, Digitalisierung und autonomes Fahren eingestellt. Potentielle Folgen werden bereits jetzt scharf diskutiert.

Wohin führt der Weg der Automobilwirtschaft? (Foto: Pixabay)
Wohin führt der Weg der Automobilwirtschaft? (Foto: Pixabay)

Warum Elektroautos immer noch nicht bei der Breite der Konsumenten angekommen sind

Um die nationalen wie internationalen Klimaziele zu erreichen, führt kein Weg daran vorbei, den Einsatz von fossiler Energie zu verringern, sofern der Strom auch aus erneuerbarer Energie kommt. Konsequenz der deutschen Politik lautet: Elektromobilität über Elektroautos und E-Motorräder fördern. Dafür wurde der sogenannte "Umweltbonus" sogar bis 2025 verlängert. Die Hälfte dieser Zulage zahlt der Staat, die andere Hälfte die Industrie. Für viele Verbraucher sind Elektroautos trotzdem noch zu teuer. So ist der Marktanteil der leise surrenden PKWs in Deutschland immer noch gering, auch wenn das Image von Elektromobilität und entsprechenden Automarken wie Tesla oder Polestar äußerst positiv belegt ist. Grund dafür ist die unzureichende Ladeinfrastruktur. Möchte man lange Strecken zurücklegen, müssen Autofahrer ihre Routen bislang im Voraus planen, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Immerhin: In den nächsten zwei Jahren sollen deutschlandweit 50.000 neue Ladestationen hinzukommen. Aber auch die Reichweiten der meisten E-Autos lassen noch zu wünschen übrig.

E-Motorräder als günstige Alternative zu E-Autos

Zweiradfahrzeuge wie E-Motorräder oder E-Scooter sind im Vergleich zu E-Autos eine kostengünstige Alternative. Je urbaner diese Fahrzeuge eingesetzt werden, desto einfacher können die wendigen Elektrofahrzeuge aufgeladen werden. Viele Arbeitgeber ermöglichen es mittlerweile sogar, die Zweiräder aufzuladen. Nicht nur E-Motorräder oder E-Scooter, auch Elektrofahrräder, sogenannte Pedelecs, werden immer beliebter. 

Wie deutsche Autohersteller sich im elektrisierten internationalen Wettbewerb schlagen - nicht gut!

Immerhin ist der Groschen bei den großen deutschen Herstellern gefallen. VW investiert bis 2024 33 Milliarden Euro in die Elektro-Sparte und plant sogar ein eigenes Batteriezellwerk. BMW kauft seine Akkus hingegen immer noch zu, zum Beispiel von der chinesischen Firma CATL. Selbst In den kommenden drei Jahren plant BMW 25 Elektro-Modelle, wovon weniger als die Hälfte Hybride und der Hauptteil vollelektrischen Fahrzeugen sein sollen. Mit dem E-Scooter BMW C Evolution will man auch am E-Zweiradmarkt sicher Fuß fassen. Auch Daimler zieht mit: Die EQ-Reihe umfasst beispielsweise einen SUV EQC und einen Minibus EQV. Volvo hat jüngst ebenfalls einen SUV mit vollelektrischem Antrieb herausgebracht: den XC40.

Während der US-Hersteller Tesla als Vorreiter gilt, nicht zuletzt wegen des dicht ausgebauten eigenen Netzes an Ladestationen, mangelt es nach wie vor an der Fähigkeit, E-Autos in großen Stückzahlen zu produzieren. Und nicht nur Autonarren wissen: Der US-Marke fehlt die jahrzehntelange Erfahrung im Autobau - die Spaltmaße von Teslas sehen richtig alt aus im Vergleich zu den traditionellen Autobauern. Doch Tesla-Gründer Elon Musk plant eine Fabrik in Brandenburg. Dort sollen schon Ende 2012 der Kompakt-SUV Model Y, Batterien und Antriebe gefertigt werden. Deutsche Autobauer dürften langsam ängstlich um ihre Ingenieure werden. 

Doch Musk sollte nicht nur die alteingesessenen Traditionskonzerne im Auge behalten. Die ehemalige Volvo-Performance-Marke Polestar fertigt mit ihrem Polestar 1 eine Hybrid-Limousine. Der Polestar 2, ein Vollelektro-Auto, steht den Modellen von Tesla in puncto Reichweite in nichts nach. Oben drauf ist dieses Auto eine Augenweide für Design-Liebhaber.

Ohne Smartphone läuft auch im Auto bald nichts mehr

Der neue VW Golf ist beispielsweise ständig online, neben einem Infotainmentdisplay sind auch alle Instrumente digital. Die Projektionen im Fahrer-Sichtfeld sind da fast schon Technologie von gestern. Der Wolfsburger Autobauer setzt auf Cloud-Dienste in Kooperation mit Microsoft. Der Polestar 2 ist mit Android ausgestattet.

Aber auch die Kommunikation außerhalb des einzelnen Fahrer-Cockpits wird zunehmend digital. Sogenannte "car to car" und "car to x" Kommunikation sollen den Verkehrsfluss optimieren.

Warum der elektrische Fortschritt den Gewerkschaftern Falten auf die Stirn setzt

Komplett elektrisch betriebene Fahrzeuge - egal ob PKW, LKW oder Motorrad - haben deutlich weniger Komponenten als Fahrzeuge, die mit Verbrennungsmotoren betrieben werden. Darauf stellen sich natürlich auch Händler wie Autodoc.de ein. 

Dies wird auch dazu führen, dass Bandarbeiter künftig viel weniger zu tun haben. Gleichzeitig fällt mehr hoch spezialisierte Arbeit an. Die Klientel der Gewerkschafter sowohl bei Autobauern als auch -Zulieferern muss um ihre Jobs bangen. Laut dem Center of Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen sollen sich die Stellen bis 2030 im Zuge des Wandels hin zu Elektromobilität um 234.000 verringern - das allein in Deutschland. Neue Jobs in der E-Branche werden lediglich 109.000 erwartet.

Selbstfahrende Autos werden kommen. Punkt.

Im Bereich des autonomen Fahrens hecheln die Traditionsmarken aus Deutschland der internationalen Konkurrenz hinterher. Nicht nur US-Firmen wie die Google-Schwester Waymo, die Robotaxi-Services testet, sondern auch der schwedische Autobauer Volvo ist ganz vorne mit dabei. In der Volvo-Mutterstadt Göteborg werden bereits selbstfahrende Autos auf öffentlichen Straßen getestet. Das concept car 360c, in seinen Entwürfen ausgestattet mit einem Bett oder Büro - erinnert äußerlich an Fahrzeuge aus dem Film "Time Cop". Um im Wettbewerb mithalten zu können, kooperieren die deutschen Rivalen Daimler und BMW sowie Volkswagen und Ford.

Auch wenn Autoversicherer, Politiker und Ethiker sich darüber streiten, ob künstliche Intelligenz in Unfallsituationen über Leben und Tod entscheiden sollen: Alternde Gesellschaften in allen Industrienationen bergen großes Potential für selbstfahrende Autos: Ältere Menschen mit dem nötigen Kleingeld könnten sich künftig insbesondere in ländlichen Gebieten via Robo-Autos fortbewegen.

Autobauer müssen sich von alten Geschäftsmodellen verabschieden. Zumindest teilweise.

Das Auto, ebenso wie das Motorrad, ist längst kein Statussymbol mehr unter Gen Y, Z und wie sie alle heißen. Insofern werden den Autoherstellern in Zukunft ganze Kundengenerationen wegbrechen. Deshalb investieren die Automarken mal mehr mal weniger erfolgreich in Car-Sharing. Daimler und BMW sind immerhin in Ballungsgebieten mit Car2Go und DriveNow sehr erfolgreich. Doch außerhalb der Innenstädte deutscher Großstädte sucht man vergebens nach Fahrzeugen der beiden Flotten. VW hat seinen Dienst Quicar in Hannover wieder eingestellt und versucht. WeShare ist der zweite Anlauf. Diesmal soll es vollelektrisch sein. Erstmal nur in Berlin.

Der schwedische Autobauer Volvo geht einen radikaleren Weg: Mit Care by Volvo abonniert man seinen fahrbahren Untersatz. Man zahlt für eine Mindestvertragslaufzeit wie beim Handy. Um Versicherung, Steuern, Reparaturen und Co. braucht man sich nicht zu kümmern. Alles im Abo inbegriffen.

Schlechte Konjunktur und Corona machen es den Autokonzernen noch ungemütlicher

In vielen Industrienationen wie aufstrebenden Volkswirtschaften stockt das Wachstum. Das führt zu weniger Bestellungen für die Autobauer. Zollstreitigkeiten zwischen den USA und China dämpfen den kompletten internationalen Handel. Und wäre das nicht schon genug, stehen wir vielleicht vor einer erneuten Weltwirtschaftskrise wie 2008 - diesmal verursacht durch das Corona-Virus. Ob es nur unterbrochene Lieferketten sind, die Autobauer zu Kurzarbeit zwingen oder gar bereits Abbestellungen - für die Autobranche ging dieses Jahrzehnt nicht allzu gut los. 

E-Motorräder als leistungsstarke Alternative zum E-Auto

Durch das Design von Motorrädern ist die Größe des Akkus begrenzt. Zwar entsteht so eine geringere Reichweite, allerdings erhält der Fahrer durch die Kombination eines drehmomentstarken E-Motors mit einem leichten Motorrad eine absolut starke Beschleunigung. Zudem fällt bei E-Motorrädern das bei Verbrennern übliche und für viele lästige Schalten weg. 

sh

Veröffentlicht am: 27.04.2020

 

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