Auf Nachhaltigkeit umrüsten: Nützliche Strategien für Unternehmen

Unternehmen im Wandel

Wie sollen wir vernünftig auf den Klimawandel reagieren? Wie können wir unsere Umwelt schützen? Das fragt sich längst nicht nur die Politik. Auch immer mehr Unternehmen, die bislang noch auf konventionelle Prozesse setzten, wollen umrüsten. Eine systematische Herangehensweise entscheidet dabei über den Erfolg. Bei den meisten Firmen helfen ein paar grundlegende Faktoren.

Bevor Unternehmen grüner werden können, müssen sie kluge Konzepte erarbeiten. (Quelle: stock.adobe.com @Gorodenkoff)

In ökologischen Belangen geraten Unternehmen heute immer stärker unter Druck. Politik und Gesellschaft fordern mit zunehmender Vehemenz ein nachhaltiges Wirtschaften zum Wohle von Klima und Umwelt. Das stellt vor allem ältere Firmen, die noch nicht unter diesem verstärkten Umweltdenken groß geworden sind, vor ein substanzielles Umrüsten. Eine gelungene Nachhaltigkeitsstrategie wird für sie zum neuen Business Case.

Kunden und junge Mitarbeiter treiben den Wandel ebenso an wie neue politische Auflagen. Für die Konsum- und Handelsbranche beispielsweise hat eine Studie der Landesbank Baden-Württemberg ergeben, dass Unternehmen ihre EBIT-Marge im Durchschnitt um sechs Prozent steigern können, wenn sie sichtbar nachhaltig sind. Eine gezielte Nachhaltigkeitsarbeit kann sich also über das Image auch auf den Erfolg eines Unternehmens auswirken.

Natürlich gibt es einzelne konkrete Ansatzpunkte, die meist relativ simpel umsetzbar sind und erste schnelle Erfolge in der ökologischen Transformation einer Firma zeitigen. Diese beziehen sich in der Regel auf die Energieeffizienz und das Abfallmanagement. Doch für eine langfristige und umfassende Nachhaltigkeit im Unternehmen sind grundlegende sowie systematische Strategien erforderlich.

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Dafür ist die gesamte Wertschöpfungskette in den Blick zu nehmen und auf das Muster einer Triple Bottom Line hin zu analysieren: Wo lassen sich ökonomischer, ökologischer und gesellschaftlicher Mehrwert generieren und kombinieren? Nur wenn diese drei Säulen stets gleichzeitig in der Betrachtung berücksichtigt werden, kann eine Nachhaltigkeitsstrategie wirklich sinnvoll und erfolgreich werden.

Übergeordnete Leitlinien formulieren

Bevor die Geschäftsführung also zu viele Einzelmaßnahmen auf den Weg bringt und ohne klaren Plan ihr Unternehmen in den Transformationsprozess stürzt, sollte auf jeden Fall eine fundierte Nachhaltigkeitsstrategie formuliert werden. Ihre Einhaltung ist über den Nachhaltigkeitsbericht regelmäßig zu überprüfen und zu dokumentieren. Sie sollte folgende Punkte beinhalten:

  • Den Anspruch festlegen: Inwieweit soll die Nachhaltigkeit zum integralen Bestandteil der Unternehmensstrategie werden? Welches Leitbild mit welchen Werten will das Unternehmen dahingehend künftig leben?
  • Schwerpunkte setzen: Was sind die wesentlichen Handlungsfelder? Welche internen und externen Umstände müssen bei der Strategie bedacht werden? Wie können Erkenntnisse aus Studien und Markt- bzw. Wettbewerbsanalysen helfen?
  • Controlling sicherstellen: Wie kann die Geschäftsführung den Transformationsprozess gemäß Governance-Ansatz übergeordnet kontrollieren? Welche zusätzlichen Gremien und spezialisierten Aktionsteams braucht es? Wann sollen Standards und Zertifizierungen durch interne sowie externe Audits überprüft werden?
  • Kommunikation forcieren: Welche Entwicklungen, Risiken und Chancen lassen sich im Dialog mit den Stakeholdern eruieren und als Input in die Strategie aufnehmen? Wie können die nachhaltigen Unternehmensziele wirkungsvoll nach außen getragen werden, um sich positiv auf die Reputation auszuwirken?

CSR-Faktoren ganzheitlich berücksichtigen

Die bereits erwähnte Triple Bottom Line ist zentraler Bestandteil des Konzepts der Corporate Social Responsibility (CSR) und zielt auf die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. Dazu treibt etwa die EU-Kommission eine Initiative voran, die bereits 2011 als Langzeitprojekt gestartet wurde. Soziale, ökologische, ethische, Menschenrechts- und Verbraucherbelange sollen in Abstimmung mit den Stakeholdern in die Kernstrategie der Firma einfließen.

Folglich steht die Nachhaltigkeit im Idealfall nicht nur über eine separate Strategie im Fokus des Unternehmens, sondern wird von Grund her bei allen Entscheidungen in sämtlichen Geschäftsfeldern mitgedacht. Für größere, börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern gibt es in den EU-Mitgliedsstaaten sogar eine CSR-Berichtspflicht seit 2017.

Bei der Definition der drei Säulen wird klar, wo Firmen entlang der Wertschöpfungskette konkret ansetzen können: So setzen die ökonomischen Werte zum Beispiel auf ein Umsatzwachstum durch innovative, nachhaltige Produkte, eine Erhöhung der Produktivität von Mitarbeitern durch deren Motivation oder das Senken operativer Kosten durch Materialeinsparungen.

Der Ansatz der Corporate Social Responsibility (CSR) ist für große Unternehmen Pflicht. (Quelle: stock.adobe.com @onephoto)

Die ökologischen Werte beziehen sich auf einen umfassenden Klimaschutz, die Verbrauchsreduktion von Rohstoffen und anderen natürlichen Ressourcen sowie auf eine Verringerung des CO2-Fußabdrucks des Unternehmens. Negative Auswirkungen von Produkten und Wertschöpfung auf die Umwelt sind stets mitzudenken. Die sozialen bzw. gesellschaftlichen Werte schließlich betreffen einerseits das Wohl der Beschäftigten durch verbesserte Arbeitsbedingungen und andererseits die Etablierung gemeinnütziger Einrichtungen, etwa über Social Businesses oder Social Enterprises.

Beschaffung und Lieferkette überdenken

Zwei wesentliche Bestandteile der Wertschöpfungskette sind für produzierende Unternehmen die Beschaffung und das Lieferkettenmanagement. Sie stellen in der Regel die zentralsten Anforderungen in Bezug auf Nachhaltigkeit dar. Hierbei sollten Firmen vor allem vier Handlungsfelder mit geeigneten Maßnahmen in ihre Gesamtstrategie aufnehmen:

  • Achtsam einkaufen: Welche Nachhaltigkeitskriterien lassen sich für benötigte Materialien zur Fertigung des eigenen Produkts finden? Wie kann deren Einhaltung beim Einkauf beachtet werden? Welche Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllt der Verkäufer, etwa in Sachen Abfall, Recycling, Klimaschutz oder Einsatz kritischer Chemikalien?
  • Austausch mit Lieferanten: Wie kann die eigene Nachhaltigkeitsphilosophie effektiv an die Lieferanten kommuniziert werden? Gibt es regelmäßige Lieferantenbesuche- und Gespräche zur Evaluation der Maßnahmen? Finden Beratungen und Qualifizierungsangebote für die Lieferanten statt?
  • Lieferkette nachvollziehen: Lässt sich die gesamte Lieferkette von der Materialbeschaffung bis hin zur Auslieferung des fertigen Produktes transparent nachverfolgen? Gibt es Vorlieferanten außerhalb des eigenen Einflussbereichs? Lässt sich die Lieferkette vielleicht mittels Produktkettenzertifizierung absichern?
  • Produkte überprüfen: Wo beinhaltet das Sortimentsportfolio eventuell kritische Produkte mit fragwürdigen Materialien oder Effekten auf Menschen und Umwelt? Wie können diese Produkte möglichst schnell ausgetauscht werden? Wo lassen sich umweltfreundlichere Verpackungen einsetzen? Welche technischen Mittel bieten sich zur Nachhaltigkeitsoptimierung der Produkte an?

Start-up-Ideen können helfen

Gerade diese Aspekte entlang der Lieferkette müssen regelmäßig im Nachhaltigkeitsbericht überprüft werden. Oftmals hilft es den Verantwortlichen eines Unternehmens schon sehr weiter, wenn sie Innovationen auf dem Markt stets im Blick behalten - sei es technologischer oder organisatorischer Art. Dabei bieten vor allem Start-ups vielfach interessante Angebote, um den Wertschöpfungsprozess mit scheinbar kleinen Kniffen nachhaltiger zu gestalten.

So hat zum Beispiel die Sustainabill GmbH aus Köln eine umfassende Cloud-Plattform entwickelt, die Unternehmen bei der transparenten Nachverfolgung der Lieferkette von der Rohstoffquelle bis hin zur Auslieferung des Endprodukts unterstützt.

Die Parcello GmbH aus Berlin dagegen macht den Lieferprozess grüner, indem sie über eine App Zustellungsprozesse analysiert und mit jeder 1000. zugestellten Sendung einen Baum anpflanzt. Der eigentliche Service, die Sendungsverfolgung von Lieferungen verschiedener Paketdienste, wird somit durch die CO2-Analyse erweitert.

Die Lieferkette bietet viele Ansatzpunkte für mehr Nachhaltigkeit. (Quelle: stock.adobe.com @Travel man)

Ein anderer innovativer Betrieb nutzt für die Verpackungen des eigenen Produktes die nachhaltigen Lösungen der Hamburger Bio-Lutions AG, die Verpackungsalternativen aus Agrarabfällen herstellt. Für viele Facetten des alltäglichen Wertschöpfungsprozesses gibt es Ideen wie diese. Nutzt ein Unternehmen sie, kann es die Zusammenarbeit mit dem Start-up zudem optimal in sozialen Medien bewerben und damit auch den eigenen Ruf nachhaltig gestalten.

Leitfaden durch Kodex erhalten

Eine weitere hilfreiche Strategie zu mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen ist die Umsetzung des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK). Dabei handelt es sich um einen Transparenzstandard, der branchenübergreifend funktioniert und eine Grundlage für den Nachhaltigkeitsbericht eines Unternehmens bilden kann. Er wurde 2011 vom Rat für Nachhaltige Entwicklung begründet, der die Bundesregierung in Fragen der Nachhaltigkeit berät und wird seither immer wieder aktualisiert.

Der Kodex basiert auf 20 Kriterien, anhand derer ein Unternehmen seine Strategie ausrichten kann und die zugleich eine Orientierung hinsichtlich der CSR-Berichtspflicht gibt. Ein Beratungsbüro des DNK unterstützt interessierte Firmen kostenlos bei der Erarbeitung des eigenen Umsetzungsplans. Zusätzlich stehen diverse DNK-Schulungspartner und -Mentoren zur Verfügung.

Als Herzstück des DNK gilt eine Datenbank, über die alle bisherigen Anwenderfirmen ihre Berichte und Erklärungen zu dem Konzept veröffentlicht haben. Sie soll die Bemühungen um die Nachhaltigkeit der über 600 Unternehmen sichtbarer und vergleichbarer machen.

Vorausschauen, Verändern, Vernetzen

Auch die Unternehmensberater von Deloitte haben ein Konzept für eine gelungene Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt. Diese geht von einem ausbalancierten Dreiklang unter den Schlagworten Vorrausschauen, Verändern und Vernetzen aus. Beim Vorausschauen sollen Firmen zukünftige Risiken sowie Chancen der Nachhaltigkeit analysieren. Dabei geht es vor allem um eine Überwindung des typischen Quartalsdenkens.

Ein langfristiges Denken soll an dessen Stelle treten, um über den "Zoom in/Zoom out"-Ansatz neue Geschäftsmodelle zu eruieren. Dabei muss ein sehr langfristiger Blick um bis zu 20 Jahre in die Zukunft eingenommen werden, um von dort aus zurück in die Gegenwart zu blicken. In dieser sollen dann die Implikationen von Langzeittrends über gezielte Maßnahmen ausgearbeitet werden.

Beim Stichwort Verändern geht es um die Umstrukturierungen des operativen Geschäfts, damit die Nachhaltigkeitstransformation vorangebracht wird. Auf Grundlage einer umfassenden Innenanalyse des Unternehmens sollen entweder Nachhaltigkeitsthemen in existierende Geschäftsmodelle eingebunden oder neue nachhaltige Geschäftsmodelle entworfen werden. Dabei geht es um bereits beschriebene Prozesse wie die Einbindung von Stakeholdern, ein effektives Ressourcenmanagement oder das Umsetzen ethischer Prinzipien.

Das Vernetzen schließlich rundet den Dreiklang nach Deloitte ab. Es zielt darauf, bestehende Business-Ökosysteme für die Transformation nutzbar zu machen. So sollen beispielsweise bei fehlender Expertise in bestimmten Bereichen externe Dienstleister genutzt und nicht das eigene Unternehmen ständig erweitert werden. Doch auch die Vereinigung von Firmen zur nachhaltigen Zusammenarbeit bei bestimmten Themen ist eine mögliche Teilstrategie.

/cb

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