Berufsrisiken einschätzen, steuern und minimieren

Berufsrisiken im Consulting

Jeder Beruf bringt einige Risiken mit sich. Das gilt auf verschiedenen Ebenen gleichermaßen für Berater. Um diese steuern und minimieren zu können, sollten sie zunächst individuell identifiziert werden. Was ist zu beachten?

Berufsrisiken (Bild: stok.adobe.com - beitragslizensiert)

Fehler im Consulting können zu Haftungsfällen und hohen wirtschaftlichen Einbußen führen (Bild: Adobe Stock, © thodonal) 

Berufsrisiken individuell einschätzen 

Im Bereich Consulting können Schäden durch den Berater sowohl bei den Kunden als auch bei der Consultingfirma selbst entstehen. Ersteres kann vor allem der Fall sein, wenn bei der Beratung Fehler gemacht oder wichtige Faktoren übersehen werden.  

In einem solchen Fall besteht in einigen Fällen die Möglichkeit, den Consultant haftbar zu machen. Je nach Ausmaß des Schadens kann dies sogar die Existenz des Beraters gefährden, zumindest aber große monetäre Probleme mit sich bringen.  

Der Blick auf die Branche, in der beraten wird 

Zum einen sollte ein Consultant einen Blick auf die Branche werfen, in der er beratend aktiv ist. Wie hoch ist das Risiko, dass hierbei Fehler entstehen? Ist die Lage in der Sparte kompliziert oder eher einfach zu überschauen?  

Zudem kann es sinnvoll sein, nach Referenzfällen zu suchen. Gab es bereits Consultants in der Branche, die einen Schaden verursacht haben und haftbar gemacht wurden? Falls ja, wie häufig ist dies vorgekommen?  

Darüber hinaus können die vorhandenen Kontakte in der Branche genutzt werden. So kann abseits der öffentlich zugänglichen Quellen ein noch detaillierteres und eindeutigeres Bild entstehen.  

Des Weiteren sollte die Branche, in der beraten wird, dahingehend beleuchtet werden, ob sie zukunftsfähig ist. Auch das Wegbleiben von Aufträgen aufgrund von dauerhaften Verlusten in einem Wirtschaftsbereich kann zu den Risiken für Consultants gehören. Dies hat zwar mit Fehlern und der Haftbarkeit hierfür wenig zu tun. Der Aspekt ist jedoch für eine Beratungsfirma gleichermaßen überlebenswichtig.  

Wie groß und weitreichend können potenzielle Schäden sein, die der Berater verursacht?  

Des Weiteren lohnt sich ein Blick auf den Faktor, wie groß die potenziellen Schäden bei der Falschberatung bezüglich eines gewissen Projektes sein können. Je geringer der mögliche Schaden, desto geringer natürlich das Risiko. Kleinere und auf dieser Basis weniger riskante Projekte bringen jedoch gleichzeitig weniger Gewinn.   

Neben den direkten wirtschaftlichen Schäden durch fehlerhaftes Consulting können Probleme bestehen, wenn ein Unternehmen falsch beraten wird und daraufhin durch entsprechendes Handeln nachhaltig seinen Ruf schädigt und Kunden verliert. 

In einem solchen Fall besteht der wirtschaftliche Schaden nur mittelbar, kann aber dennoch Verluste bis hin zu einer Insolvenz mit sich bringen. Der Grund: Der Ruf eines Unternehmens ist die Basis für den Erfolg, nicht umsonst gibt es mittlerweile das sogenannte Reputationsmanagement. Gerade bei großen und etablierten Firmen kann der Schaden in diesem Bereich also immens sein.  

Die wirtschaftlichen Schäden und entsprechende Konsequenzen für den Kunden können gleichermaßen den Ruf des Consultants beschädigen. In diesem Fall hat er neben den Verlusten durch den Schadensersatz womöglich zusätzlich einen Einbruch der Aufträge zu beklagen, da das Vertrauen in die Leistungen nicht mehr besteht. Dies ist dann besonders drastisch, wenn es sich bei dem Kunden, der fehlberaten wurde, um eine große Firma handelt und der Fall öffentlichkeitswirksam durch die Presse geht.  

Berufsrisiken im Arbeitsalltag steuern  

Nun gibt es auf dieser Basis einige Möglichkeiten, die Berufsrisiken ein wenig zu steuern. Dies funktioniert unter anderem durch:  

  • Branchenwahl 
  • Wahl des Auftraggebers 
  • Zeit für einen Auftrag 
  • Ein verlässliches Team 

Branchenwahl und Kenntnis des Sektors  

Zunächst kann mit der Branchenwahl das Risiko ein wenig gesteuert werden. Hierfür sollten Berater schauen, dass die Sparte, in der sie einsteigen, möglichst zukunftsfähig und somit eine sprichwörtliche sichere Bank ist.  

Darüber hinaus hat die Kenntnis der Branche und der Inhalte eine wichtige Bedeutung. Wenn der Consultant sich damit bereits seit Längerem beschäftigt, senkt er in logischer Konsequenz das Risiko, dass ihm Fehler unterlaufen.  

Eine Kenntnis der Branche bedeutet zugleich außerdem, mögliche Referenzfälle bezüglich Falschberatung zu kennen. So kann leichter vermieden werden, selbst den gleichen Fehler zu machen.  

Berufsrisiken (Bild: stok.adobe.com - beitragslizensiert)

Ein enges Verhältnis zum Auftraggeber hat Vorteile für die Vermeidung von Beratungsfehlern (Bild: Adobe Stock, © Konstantin Yuganov) 

Wahl des Auftraggebers  

Zudem hat die Wahl des Auftraggebers eine große Bedeutung. Dabei können Kontakte eine Hilfe sein. Denn in einigen Fällen gilt: Je enger das Vertrauensverhältnis ist, desto geringer ist das Risiko von Fehlern auf Basis einer falschen Einschätzung.  

Dies ist dadurch gegeben, dass der Berater aufgrund der Bindung womöglich umfassendere Einblicke bekommt als bei einem völlig fremden Unternehmen. Daher fußen seine Einschätzungen wiederum auf einer solideren und breiteren Grundlage, die näher an der Realität ist.  

Consultants, die lange im Geschäft sind, haben bezüglich dieses Punktes einige Vorteile. Im besten Fall haben sie bereits früh begonnen, enge Kontakte aufzubauen, die zu langjährigen Geschäftsbeziehungen führen. Zusätzlich können sie sich durch ihren gewachsenen Ruf Aufträge tendenziell eher aussuchen als Einsteiger und somit von einer Zusammenarbeit fernbleiben, bei der sie glauben, zu wenig Einblicke vermittelt zu bekommen.   

Viel Zeit für einen Auftrag  

Des Weiteren sollte daraufgesetzt werden, für einen Auftrag ausreichend Zeit zu bekommen. So kann das Risiko eingeschränkt werden, durch den Druck wichtiges zu übersehen und daher Fehler zu machen.  

Das kann in einer schnelllebigen Businesswelt, in der positive Ergebnisse und Gewinne besser gestern als heute zustande kommen, oftmals gar nicht so einfach sein. Es besteht das Risiko, dass der Kunde sich einen anderen Consultant suchen könnte, der den Auftrag schneller umsetzt.  

In einer solchen Situation sollte deutlich und transparent kommuniziert werden, dass für eine sinnvolle Beratung eine gute Basis geschaffen werden muss, was wiederum Zeit benötigt. Das soll keineswegs heißen, dass ein Consulting-Unternehmen fortan auf langsames Arbeiten setzen und sich besonders viel Zeit lassen sollte.  

Ein verlässliches Team 

Zugleich sollten Consultants, die in ihrer Firma Angestellte beschäftigen, dafür sorgen, ein kompetentes und zugleich verlässliches Team zu haben. Grundsätzlich gibt es bei der Einstellung von Mitarbeitern gewisse Aspekte, die zu beachten sind.  

Des Weiteren kann es gerade für eine jüngere Consultingfirma sinnvoll sein, erfahrenes Personal zu engagieren. Hierdurch besteht die Chance, das potenzielle Fehler durch die über Jahre und Jahrzehnte angeeigneten Fähigkeiten des Angestellten früh erkannt und vermieden werden.  

Das soll wiederum nicht heißen, dass junges Personal keine Hilfe sein kann. Ganz im Gegenteil. Denn neben der Erfahrung kommt es gleichermaßen auf Faktoren wie Verlässlichkeit und Gewissenhaftigkeit an, um Fehler zu vermeiden, die zu einem Haftungsfall führen können.  

Berufsrisiken (Bild: stok.adobe.com - beitragslizensiert)

Erfahrene Mitarbeiter kennen typische Fehler im Consulting aus ihrer bisherigen Laufbahn und können sie daher womöglich rechtzeitig identifizieren (Bild: Adobe Stock, © Bojan) 

Minimieren der Berufsrisiken durch Absicherungen verschiedener Art 

Neben diesen Aspekten des Arbeitsalltages können die Berufsrisiken im Consultingbereich durch verschiedene Absicherungen verringert werden. Dazu gehören unter anderem:  

  • Versicherungen 
  • genaue Beachtung von juristischen Faktoren 

Versicherungen 

Mit den richtigen Versicherungen können Consultants vermeiden, für einige potenzielle Schäden selbst aufkommen zu müssen. Dies gilt gleich für eine Reihe von Bereichen und Schadensarten.  

So kann der passende Schutz zum einen bei Sachschäden aufkommen, die zum Beispiel im Rahmen eines Seminars entstehen und in jeder Branche vorkommen können. Durch andere Versicherungsformen wiederum sind Vermögensschäden gedeckt, die durch Alltagsfehler des Consultants zustande kommen können.  

Aus diesen Gründen ist es äußerst sinnvoll, bereits bei der Gründung des Beratungsunternehmens genau über die potenziellen Schäden nachzudenken und diese Punkte und Bereiche möglichst umfangreich zu versichern.  

Genaue Beachtung von juristischen Faktoren 

Zudem sollten verschiedene juristische Faktoren genau beachtet werden. Dazu gehört bei der Gründung die Wahl der Rechtsform. Je nach konkretem Modell können Haftungen in verschiedenem Umfang auftreten.  

Genaue Details dazu gibt es auf unserer Seite bereits an anderer Stelle. Zusätzlich kann es sinnvoll sein, diesbezüglich eine professionelle juristische Beratung in Anspruch zu nehmen, die sich mit dem konkreten individuellen Fall detailliert auseinandersetzt.  

Des Weiteren sollte darauf geachtet werden, dass die Verträge mit den Kunden einen möglichst geringen Umfang an Haftung zulassen. In vielen Bereichen lässt sie sich nicht ausschließen, bei einigen Details je nach individuellem Fall vielleicht schon. Da dies juristisch oftmals äußerst kompliziert sein kann, sollte dies in jedem Fall durch Profi umgesetzt werden.  

Der Newsletter der Consultingbranche

News +++ Jobs +++ Whitepaper +++ Webinare

/jre

Über CONSULTING.de

consulting.de ist das zentrale Informationsportal für Unternehmensberatungen. Unser breites Informationsangebot rund um Consulting richtet sich sowohl an Management- und Strategieberatungen, Personalberatungen, Controlling- und Finanzberatungen, Wirtschaftsprüfungen, Marketing- und Kommunikationsberatung und IT-Beratungen als auch deren Kunden aus Industrie, Handel sowie Dienstleistung.

facebook twitter xing linkedin linkedin