Betriebsmittel richtig finanzieren – welche Möglichkeiten existieren?

Finanzierung

Die Finanzierung von Betriebsmitteln wird für viele Unternehmen stets wichtiger. Mittels der Finanzierung wird der laufende Betrieb aufrecht gehalten, gleichzeitig können die Vorräte angeschafft werden, die dringend benötigt werden. Aber wie gelingt eine solche Finanzierung und welche Möglichkeiten bestehen allgemein? Dieser Artikel schaut sich drei Varianten einmal an.

Eine Betriebsmittelfinanzierung ist eine Herausforderung, der sich nicht wenige Unternehmen stellen müssen (Bild: Benjamin Child / Unsplash.com)
Eine Betriebsmittelfinanzierung ist eine Herausforderung, der sich nicht wenige Unternehmen stellen müssen (Bild: Benjamin Child / Unsplash.com)

Von Henri Kern

Variante 1: Betriebsmittelkredite

Betriebsmittelkredite sind rein dafür da, das laufende Geschäft zu finanzieren. Wobei an dieser Stelle ein wichtiger Unterschied gemacht werden muss: 

  • Geschäftsfinanzierung - das bedeutet, dass saisonale Einbußen ausgeglichen werden, aber auch künftige Aufträge vorfinanziert werden. Ein gutes Beispiel besteht darin, dass eine große Rechnung noch aussteht, der Betrieb jedoch neue Materialien für die Sicherstellung der kommenden Aufträge anschaffen muss. Diese werden nun finanziert. 
  • Erhaltungsfinanzierung - Betriebsmittelkredite dienen nicht dazu, ein marodes Geschäft auf den Beinen zu halten. Sicherlich können kleinere Problematiken darüber ausgeglichen werden, doch würde eine solche Finanzierung dazu genutzt werden, die Insolvenz um zwei Monate hinauszuzögern, bewegen sich Betriebe auf einem gefährlichen Gebiet, da durchaus der Tatbestand der Insolvenzverschleppung bestehen könnte. 

Ein Betriebsmittelkredit wird also dafür genutzt, um Materialien anschaffen, die zur generellen Aufrechterhaltung des künftigen Betriebs benötigt werden. Einige Beispiele: 

  • Maschinen/Anlagen – wenngleich sie über Investitionskredite angeschafft werden können, kann ein Betriebsmittelkredit beispielsweise dazu verwendet werden, notwendige Reparaturen an den Anlagen durchführen zu lassen. Das geliehene Geld wird in die Zukunft investiert, denn ohne diese Betriebsmittel können keine Waren hergestellt werden. 
  • Materialien – auch der Einkauf notwendiger Materialien, die mit dem Kern des Betriebs in Verbindung stehen, lässt sich mit einem Betriebsmittelkredit realisieren. 
  • Weitere Möglichkeiten – auch das Personal kann kurzfristig über einen solchen Kredit bezahlt werden. 

Betriebsmittelkredite dienen stets einer Überbrückung. Früher wurden sie oft von Banken vergeben, heute können Unternehmen auch online einen entsprechenden Finanzierungskredit finden. Wichtig ist, bei der Aufnahme genau hinzuschauen und nicht allein die Konditionen zu vergleichen, sondern auch die Bedingungen zu beachten. 

Wie bei allen Finanzierungen ist es auch bei Betriebsmittelkrediten heute wichtig, die einzelnen Möglichkeiten einem Vergleich zu unterziehen. Ein Vergleich der Angebote für Betriebsmittelkredite ist dabei etwas komplizierter, jedoch zeigen Portale wie Kreditvergleich.net auf, wie das Ganze funktionieren kann. Die Angebote sind dabei nicht so homogen wie bei Ratenkrediten, dafür lassen sich je nach persönlicher Situation dafür auch jeweils passgenaue Lösungen finden. So spielen beispielsweise auch FinTechs eine zunehmend wichtige Rolle bei kleinen und mittelständischen Unternehmen. 

Variante 2: Factoring

Liquidität lässt sich auch über das Factoring beschaffen. Darunter versteht man die Vorfinanzierung eigener Rechnungen, wobei es hierbei verschiedene Varianten gibt: 

Rechnungsverkauf – bereits gestellte Rechnungen verkauft das Unternehmen an den Factorer. Dieser prüft die Bonität des Rechnungsempfängers, zahlt dem Unternehmen den Rechnungsbetrag, fordert die Rechnungssumme jedoch vom Empfänger ein. 

  • Rechnungsvorfinanzierung – sie kann offen oder still erfolgen. In jedem Fall wendet sich ein Unternehmen bereits im Vorfeld eines Auftrags an den Factorer und teilt ihm das Auftragsvolumen mit. Dieser prüft erneut die Bonität und gibt es OK. Das Unternehmen erhält nun bereits Geld, erfüllt den Auftrag, stellt die Rechnung an den Auftraggeber. Beim offenen Factoring erfährt der Auftraggeber von der Einschaltung des Factoring-Anbieters. Bei der stillen Variante wird ein zusätzliches Konto auf den Namen des Unternehmens eröffnet, welches als Zahlungskonto dient. Der Factoring-Anbieter hat hierauf direkten Zugriff. 
  • Eine weitere Variante, die zwar gerne als Factoring bezeichnet wird, aber nur indirekt dazu gehört, ist das Finetrading – die Warenvorfinanzierung. Wenn Unternehmen Materialien benötigen, so können sie diese Waren vorfinanzieren lassen. Der Finanzierer zahlt den Warenbetrag direkt an den Lieferanten, behält das Skonto ein, während das Unternehmen eine lange Frist hat, die Ware beim Finanzierer zu bezahlen. Diese Option ist immer dann sinnvoll, wenn die Vorfinanzierung speziell für Waren benötigt wird und Unternehmen vermeiden möchten, dass ihre Lieferanten aufgrund von Zahlungsproblemen auf den Rechnungsbetrag warten müssen. 

Variante 3: Förderkredite 

Viele Experten raten Unternehmen, zur Sicherung des Betriebes Förderdarlehen anstelle von Betriebsmittelkrediten zu nutzen. Hier gilt: 

  • Auswahl - es gibt diverse Förderprogramme von Bund, Ländern und der EU. Sie wurden mitunter dazu geschaffen, um sicherzustellen, dass der Wettbewerb nicht durch Betriebsschließungen verzerrt wird. 
  • Optionen - es gibt Zuschüsse, aber auch Förderdarlehen. Der Vorteil der Darlehen ist der oft deutlich niedrigere Zinssatz im Vergleich mit herkömmlichen Angeboten. 
  • Konditionen - auch sie sind oft günstiger. Es gibt Darlehen mit Haftungsfreistellungen bis zu 70 Prozent, tilgungsfreie Jahre und günstigen Zinsen. 

Die beste Option finden

Keine der vorgestellten Varianten darf als einzig positiv oder negativ betrachtet werden. Unternehmen müssen zur Sicherstellung der Betriebsmittel immer prüfen, welche Option für sie allein in dieser Situation sinnvoll und natürlich kostengünstig ist. Muss beispielsweise nur der Kauf von Werkstoffen finanziert werden, obgleich bereits Rechnungen offenstehen, deren Zahlungsfrist noch nicht abgelaufen sind, lohnt sich das Factoring. 

Zur Überbrückung einer jahreszeitbedingten Flaute kann der Betriebsmittelkredit die beste Option sein, doch auch die Förderkredite sind in ihrer Ausprägung so breit gefächert, dass sie letztendlich für alle Bereiche genutzt werden könnten. Daher sollten Betriebe überlegen: 

  • Ursache – welche Ursache steht hinter den aktuellen Finanzproblemen? Haben sich Werkstoffe aufgrund besonderer Bedingungen verteuert oder ist die Zahlungsfrist offener Rechnungen noch nicht abgelaufen? Oder gibt es innerbetriebliche Finanzprobleme wie ausbleibende Aufträge? 
  • Zeitdauer – wie lange wird diese Situation voraussichtlich andauern? Viele Schwierigkeiten sind tatsächlich kurzfristig, sodass ihr Ende bereits absehbar ist. Sollten die Schwierigkeiten jedoch längerfristig andauern oder sich bereits wiederholen, ist neben einer unmittelbaren Finanzierung die Überlegung notwendig, wie künftig solche Situationen vermieden werden können. 
  • Lösung – nun wird die für den Betrieb beste Lösung gesucht, wobei alle drei Varianten nicht nur miteinander, sondern auch innerhalb der Variante miteinander verglichen werden müssen. Es gibt so unterschiedliche Förderkredite wie Factoringangebote und Betriebsmittelkredite. Auch hier kann ein Betrieb nur für sich entscheiden und schauen, wo es die besten Konditionen und Bedingungen gibt. 

Fazit – viele Lösungen für ein Problem 

Benötigt ein Unternehmen eine Finanzierung für Betriebsmittel, so ist es heute nicht mehr auf sich allein gestellt. Stattdessen hat es diverse Optionen an der Hand, deren jeweilige Sinnhaftigkeit allerdings situationsbedingt entschieden werden müssen. Das Factoring bietet sich kaum an, wenn die Rechnung an klamme Kunden geht, denn diese Rechnungsfinanzierungen werden meist abgelehnt. Wer Werkstoffe finanzieren muss, der kann das eventuell auch über das Finetrading erreichen. Aber auch Förderkredite und echte Betriebsmittelkredite sind lohnenswert, sofern das Unternehmen selbst weiß, wie es aus dieser Situation herauskommt. Wichtig ist, keines der Angebote rein dazu zu nehmen, um die endgültige Schließung noch ein wenig hinauszuzögern. 

Veröffentlicht am: 07.10.2019

 

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