Chancen für unsere Arbeitswelt – von Resilienz zu Antifragilität

Die Neue Normalität der Arbeit – rethinking work @ the next stage

Im Chinesischen setzt sich das Wort Krise aus zwei Schriftzeichen zusammen: Gefahr und Chance. Wie wäre es, wenn wir damit anfangen, in der Krise eben auch Chancen für unsere Arbeitswelt zu sehen? Chancen wie die Senkung redundanter Kosten oder die Steigerung der Produktivität?

Der Weg in die neue Normalität der Arbeit sollte Schritt für Schritt umgesetzt werden. Eine Vorgehensweise in 3 Phasen beschreibt der Autor am Ende des Beitrags. (Bild: Doran Erickson - unsplash) 

Das Bewusstsein darüber, welche Vorteile eine Krise bieten kann, ist der erste Schritt in Richtung Antifragilität – aus der Krise heraus nicht nur resilienter werden, sondern auch erstarkt und verbessert hervorgehen.

Wie können wir die Krise und die damit einhergehenden Veränderungen für eine langfristige Verbesserung unserer Arbeitsformen nutzen?

Die letzten Wochen haben die Bedeutung flexibler Arbeitsmodelle verdeutlicht. In einer Welt voller plötzlicher und unvorhersehbarer Veränderungen sind agile und flexible Organisationen, die sich schnell an diese Veränderungen anpassen, klar im Vorteil. 

Zu den wichtigsten Opportunitätsfeldern flexibler Arbeitsformen gehört die Kostensenkung. Wie bedeutend wird es beispielsweise zukünftig noch sein, jeden Tag den Weg ins Büro oder eine Geschäftsreise zum Kunden oder zu Veranstaltungen auf sich zu nehmen? 

Das Ideal besteht nun darin, ein Gleichgewicht zwischen den Tätigkeiten im Büro und solchen, die verlagert werden können, zu erzeugen, um unnötige Bürokratie und Kosten zu vermeiden. Wo der physische Ort an Relevanz verliert, verteiltes Arbeiten zunimmt und so Ressourcen besser eingesetzt werden können, da entstehen vorteilhafte Synergieeffekte, die sich jedes Unternehmen zunutze machen sollte. Durch weniger Fahrten ins Büro, weniger Staus, geringere schädliche Luftemissionen und geringere Flächennutzung profitieren nicht nur wir als Unternehmen, sondern auch unsere Umwelt.

Ein weiteres wichtiges Opportunitätsfeld ist die Steigerung der Produktivität. Ein flexibles Modell ermöglicht Unternehmen, Spezialisten an beliebigen Orten einzusetzen. Reaktionsgeschwindigkeiten können erhöht werden. Ein verteiltes, ausgebautes Netzwerk, mit diversen Kulturen und Sichtweisen, generiert nicht nur neue und kreative Lösungen, sondern auch neue Produkte und Dienstleistungen.

Doch wie wird unser Arbeitsalltag in der Post-Corona-Zeit aussehen? Wird er sich nach und nach wieder normalisieren und Flexibilität wird dann wieder der Vergangenheit angehören? Die Antwort ist "nein". Denn wir nehmen wahr: So wie zuvor können unsere Organisationen nicht mehr funktionieren.

Wie können wir den derzeit umgesetzten Notfallplan in ein langfristiges und strategisches Arbeitsmodell umwandeln, um uns auf die neue Normalität der Arbeit vorzubereiten?

"Antifragilität ist mehr als Resilienz oder Robustheit. Das Resiliente, das Widerstandsfähige widersteht Schocks und bleibt sich gleich; das Antifragile wird besser" – Nassim Nicholas Taleb

[Aus: Antifragilität – Anleitung für eine Welt, die wir nicht verstehen (2012)]

Flexible Arbeitsformen sind für die neue Normalität der Arbeit nur die Spitze des Eisbergs, die nicht ohne Weiteres umgesetzt werden können. Es steckt ein strategischer Prozess dahinter, der wichtige Aspekte wie Ergebnis- und Zielorientierung, digitale Kultur, Transparenz, Vertrauen und Kommunikation berücksichtigen muss, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. 

Jede Organisation hat hier unterschiedliche Herausforderungen zu bewältigen, die unterschiedliche Maßnahmen erfordern. Aus diesem Grund schlägt BICG für die ganzheitliche Transformation eine Vorgehensweise vor, mit der Organisationen ihre bestmögliche neue Normalität konzipieren und implementieren können, um Wettbewerbsvorteile während und auch nach der Corona Krise zu erzielen.

Phase 1 – Ganzheitliche Analyse: Wo stehen wir und wo wollen wir hin?

Um das Potential einer Organisation zu ermitteln, ist es zunächst notwendig, die bisherige und aktuelle Situation zu analysieren. Hierbei werden Entwicklungspotentiale und vor allem Opportunitätsfelder ermittelt.

Das Ziel ist es, auf Basis dieser Ergebnisse ein neues Arbeitsmodell mit spezifischen Maßnahmen zu entwickeln, das den Bedürfnissen des Unternehmens und der Mitarbeitenden entspricht; Unter Berücksichtigung ihrer unterschiedlichen Herausforderungen, kulturellen Widerstände und Hindernisse.

Phase 2 – Konzept: Gestaltung eines neuen Arbeitsformen-Modells

Mit einem ganzheitlichen und integrierten Arbeitsformen-Modell, welches die wichtigsten Disziplinen des Unternehmens berücksichtigt (Kultur, Arbeitsorganisation, Technologie, Architektur und Raum), werden Aktionspläne und Maßnahmen definiert, die den Weg zur Antifragilität und somit für eine nachhaltige Transformation ebnen.

Phase 3 – Schritt-für-Schritt-Umsetzung zur neuen Normalität der Arbeit

Für eine erfolgreiche Umsetzung des neuen Arbeitsformen-Modells sollten die festgelegten Ziele schrittweise implementiert werden, so dass die neuen Arbeitsweisen und Veränderungen mit großer Akzeptanz und Effektivität im Einklang mit der Unternehmensstrategie gelebt werden.

Ein umfangreiches Change-Management und eine transparente Kommunikation sind in einer Transformation von hoher Bedeutung. Auf diese Weise werden die verschiedenen Initiativen und ihre angemessene Einführung durch die Mitarbeitenden sichergestellt.

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Welche Rückschlüsse ergeben sich somit aus der gegenwärtigen Situation für ein neues Arbeitsformen-Modell?

Mit Blick auf die beispiellose Beschleunigung der digitalen Arbeitsweisen durch die Corona-Krise, entsteht ein großes Potential an verschiedenen Opportunitätsfeldern für eine neue Arbeitswelt. Kehren wir nicht in alte Muster zurück, sondern profitieren wir vom Momentum!

Ein neues Arbeitsformen-Modell sollte das Ergebnis eines Destillationsprozesses sein, der vergangene, gegenwärtige und zukünftige Szenarien umfasst. Verlieren wir nicht den Schwung zur Verbesserung unseres Unternehmens!

Das neue Modell erfolgreich zu gestalten, ist eine komplexe und mehrdimensionale Aufgabe. Daher sollten wir einen systemischen und ganzheitlichen Ansatz wählen.

Die derzeitige Übergangszeit ist noch nicht "the next stage" der neuen Arbeitswelt, jedoch sollten wir unsere kurzfristigen Bedarfe und Bedürfnisse mit dem verbinden, was wir mittel- und langfristig erreichen wollen. Gestalten wir die Übergangsphase nicht einfach, ohne zu verstehen, wohin wir als Nächstes gehen wollen.

Ein ausgewogener integrierter Nachhaltigkeitsansatz kann zu einem besseren Gleichgewicht in unserer Gesellschaft beitragen. Wir haben es in der Hand.

Wir und andere Unternehmen werden uns verändern... und auch unsere Kunden. Neue Möglichkeiten zu finden, wird die nächste große Chance sein.

Das Fazit:

Die gegenwärtige Situation kann paradoxerweise auch hilfreich sein.
In Krisenzeiten...

  • ... ist es möglich, die Entscheidungsfindung zu beschleunigen, um uns zu verwandeln: es ist dringender und notwendiger denn je!

  • ... sind Organisationen Veränderungen gegenüber aufgeschlossener und die Märkte gehen davon aus, dass die Veränderung notwendig ist.

  • ... sichern sich Unternehmen, die auch in tiefsten Krisen innovativ sind, einen Wettbewerbsvorteil für die Zukunft.

  • ... können wir Ineffizienzen, Bürokratie, Privilegien und Zombie-Projekte besser erkennen.

  • ... ist es richtig, über unser Unternehmen, welches wir sein wollen, und unser Vermächtnis nachzudenken.

  • ...  dürfen wir das, was uns vorwärtsbringt, nicht verlernen.

DIE ZEIT IST REIF!

Prof. Dr. Inaki Lozano Ehlers, BICG
Über den Autor: Prof. Dr.-Ing. Iñaki Lozano Ehlers ist CEO und Managing Director der Business Innovation Consulting Group (BICG), einem Spin-Off des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO). BICG unterstützt seit über 20 Jahren Unternehmen in mehr als 20 Ländern bei der Einführung von neuen Arbeitsformen und ganzheitlichen kulturellen und digitalen Transformationen. In einem Gespräch des Autors mit dem Fraunhofer IAO erfahren Sie mehr zu dem Thema.

Veröffentlicht am: 01.07.2020

 

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