Design Thinking: 6 Phasen als Schlüssel zum Erfolg

Fachbeitrag von Björn Ruland

Die Entwicklung von neuen Ideen, Konzepten und Produkten gehört zu einem der schwersten Arbeitsprozesse. Auf Knopfdruck kreativ und innovativ zu sein, gelingt nur wenigen Menschen. Eine Methode, mit der das gelingen kann, ist das Design Thinking: Es geht dabei um neue Herangehensweisen zum Lösen von Problemen und zur Kreation überzeugender, nutzerorientierter Ideen. Die daraus hervorgehenden Innovationen passen maßgenau auf die Bedürfnisse des Benutzers.

Björn Ruland

Wer hat nicht schon einmal selbst erfahren, dass der Kopf in einer nicht alltäglichen Umgebung ganz andere Ideen ausspuckt? Design Thinking bedient sich dieses Musters und gliedert sich dabei in sechs verschiedene Phasen.

1. Erkennen des Problems

Phase eins beginnt ganz grundlegend mit dem Verständnis des Problems: Denn vor dem Austüfteln von Lösungen geht es darum, die Problemstellung zu durchdringen, zu verstehen und die richtigen Fragen zu stellen. Darauf folgt eine gründliche Analyse der Problemstellung und eventuell eine Anpassung der Fragestellung. Immer im Zentrum: der Nutzer. Zusätzliche Hilfe holen sich die Zuständigen jederzeit durch Gespräche mit Experten, Extremnutzern des Entwicklungsmilieus oder Mind Mapping.

2. Beobachten und analysieren

Die zweite Phase beginnt nach der endgültigen Identifizierung des Problems. Da die Zielgruppe die zentrale Rolle spielt, wird sie zunächst genau beobachtet und beschrieben, um grundlegende Wünsche und Bedürfnisse so gut wie möglich zu verstehen. Dabei geht es vorrangig darum, Widersprüche und Spannungen aufzudecken. Denn diese deuten oft auf Innovationspotential hin. Zusätzlich analysieren Entwickler Lösungen und Produkte aus der Vergangenheit, deren Potentiale und Scheitern. Sie setzen dabei qualitative Methoden wie Interviews und Shadowing ein, um möglichst genaue Customer Touchpoints zu dokumentieren. 

3. Standpunkt markieren

Im letzten Schritt der analytischen Phase findet Erfahrungsaustausch statt. Zuvor gesammelte Informationen werden geordnet, sortiert und verdichtet. Große Wichtigkeit kommt Zwischentönen und Emotionen zu. Daraus resultiert eine gemeinsame, umfassende Sichtweise als Grundlage für die weitere Arbeit an der Innovation. Unterschiedliche Methoden visualisieren den wichtigen Schritt der Festlegung des Point of View. Personae vereinen beispielsweise alle beobachteten und zusammengefassten Erkenntnisse in sich. Mit ihrer Hilfe versetzen sich Entwickler in die fokussierte Zielgruppe hinein. Eine Empathy Map stellt den Kunden ins Zentrum einer verbildlichten Darstellung. Customer Journey Maps bilden die Reise des einzelnen entlang der Customer Touchpoints ab und versuchen dessen Gedanken und Gefühle zu ergründen. Story Boards helfen, Status Quo und Gedankenwelt nachzuvollziehen. 

4. Ideen finden

Das Finden von Ideen startet zunächst mit einem Prozess der Erleichterung: Gesammelte Erfahrungen, Mobbing, Furcht vor dem Chef, hierarchische Strukturen, starre Unternehmenskultur, Versagensängste, Leistungsdruck oder Ermattung schieben nämlich ungehemmter Kreativität schnell einen Riegel vor. Daher räumen Teilnehmer diese Hindernisse und Gedankenschranken aus dem Weg. In der Phase der Ideenfindung kommt vor allem das klassische Werkzeug des Brainstormings zum Einsatz: Assoziationen und Einfälle fließen in ein Ideen-Füllhorn. Dabei ist das Üben von Kritik tabu. Alle Teilnehmer inspirieren sich ohne Unterbrechungen gegenseitig und jeder kommt zu Wort. Zu zusätzlichen Ideen führen Techniken wie Rollenspiele, Szenarien-Aufbau oder Identitätswechsel. Was würde Frodo an dieser Stelle tun? Batman, der amerikanische Präsident oder Horst Schlämmer? Die Erlaubnis, völlig anders zu denken, setzt ungeahnte Energien frei. Effizient sind auch verrückte Methoden wie die „Sternstunde“: Hier liegen Teammitglieder sternförmig auf dem Boden. Hinter jeder Person steht ein Kollege und schreibt die Gedanken des Liegenden auf. Analogien aus komplett anderen Umfeldern können ebenfalls einen entscheidend innovativen Schub liefern. 

5. Prototypen entwickeln

Um die ausgewählten Ideen greif- und erlebbar zu machen, werden sie im Anschluss an das Brainstorming haptisch visualisiert. Entwickler verändern, erneuern und verwerfen die rudimentären Prototypen während des Prozesses mehrmals. Das ist gewünscht und Teil des Prozesses. In diesem Zusammenhang lautet das Motto: Je weniger Aufwand in ein Modell fließt, desto leichter fällt es, sich wieder davon zu trennen. In dieser Phase dürfen alle möglichst viele Fehler machen, um den Erkenntnisgewinn zu maximieren. Dabei fördern eine Vielzahl an Materialien wie Bauklötze, Legosteine bis hin zu Bastelbedarf in die greifbare Entwicklung.  

6. Testen

In der Abschlussphase erfolgt der Test des Prototyps zusammen mit den potenziellen Nutzern. Wesentliches Element bildet dabei das Feedback von außen. Tester bewerten die Innovation kritisch und bringen Ergänzungen zur Idee offen auf den Tisch. Angst vor Kritik hat hier keinen Platz. Die Entwickler verarbeiten die Rückmeldungen sofort. In der letzten Phase steht deshalb oft ein Sprung zurück in die vorangegangenen Phasen an. Der Prozess wird solange erneut durchlaufen, bis am Ende eine rundum überzeugende Innovation die Bühne betritt.

Zum Autor: Björn Ruland ist agiler Coach und Trainer aus Leidenschaft. 15 Jahre Erfahrung bei der Deutschen Telekom als Mitarbeiter und Führungskraft in unterschiedlichen Aufgabenbereichen helfen ihm dabei, die jeweilige Situation aus Sicht des Kunden bestens zu verstehen und mit gesundem Menschenverstand zielgerichtete Lösungen zu entwickeln. Seine umfangreichen praktischen Erfahrungen sind eine wichtige Grundlage seiner Arbeit. 2015 gründete Björn gemeinsam mit Lars Guillium die 4craft GmbH. 

Die Agile Coaches und Unternehmensberater des Darmstädter Unternehmens 4craft packen das Problem an der Wurzel: Egal ob Angestellte, Entwickler oder Führungskräfte – für alle, die bei der Kreation neuer Produkte auf Granit beißen, bieten sie Workshops in Design Thinking an und unterstützten bereits mehr als 100 Organisationen und Teams auf dem Weg in die Agilität.

 

 

Veröffentlicht am: 10.10.2019

 

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