Design Thinking: Nicht jede Methode eignet sich für jedes Unternehmen

Fachbeitrag von Björn Ruland

Agiles Arbeiten, Scrum, Design Thinking: Begriffe, mit denen die meisten Chefs und Angestellten zumindest theoretisch schon mal in Kontakt gekommen sind. Zusammengefasst unter New Work sollen sie Arbeitsprozesse erneuern, vereinfachen und beschleunigen. Doch zunächst einmal ist Vorsicht geboten: Nicht jede agile Arbeitsweise eignet sich für jedes Unternehmen.

Björn Ruland

Von Björn Ruland

Verschiedene Methoden sprechen unterschiedliche Bedürfnisse an. Für wen sich insbesondere die Methode zur Produktneuentwicklung, Design Thinking, lohnt und für wen sie in der Praxis keinen Sinn ergeben, erklären die Agilen Coaches von 4craft im nachfolgenden Beitrag.

 

Design Thinking: überleg‘s dir 

Design Thinking beginnt an der Stelle im Entwicklungsprozess, an dem es eigentlich noch keinen gibt. Das Besondere an der Methode definiert sich durch das tiefgreifende Verständnis von Ausgangssituation und Kundenbedürfnissen. Diese Findungs- und Entdeckungsphase gehört zwingend zum Prozess dazu. Deshalb ist es nicht sinnvoll, mit der Methode zu arbeiten, wenn das Umsetzungsteam die Bedürfnisse und Problemlage des potentiellen Kunden bereits verstanden hat und direkt mit der Ideenfindung starten kann. Sollte aus irgendeinem Grund die Lösung des Kundenproblems bei der Entwicklung nicht im Vordergrund stehen, ist Design Thinking ebenfalls die falsche Wahl. Dann sind Innovationsdesigner mit konservativen Methoden besser beraten. Gleiches gilt, wenn eine etwaige Lösungsidee bereits existiert. Design Thinking beginnt idealerweise im nebulösen Nichts und entwickelt seine Ideen erst im laufenden Tun. 

Produktentwickler und ihre Chefs müssen sich zudem darüber im Klaren sein, dass Design Thinking mehr Ressourcen erfordert als herkömmliche Produktentwicklungsprozesse. Sollte im Unternehmen keine Expertise im Umgang mit dem Design Thinking Prozess vorhanden sein, empfiehlt sich das Heranholen von außerhalb, zum Beispiel in Form eines Agile-Coaches. Da Design Thinking allen Beteiligten offenen und ständigen Austausch abverlangt, ist die Verfügbarkeit der Teammitglieder an einem Ort unabdingbar. Müssen vorgegebene Meilensteine oder Fristen eingehalten werden, üben Unternehmen besser Vorsicht bei der  Wahl der agilen Entwicklungsmethode. 

Design Thinking: her damit!

Dass Produktentwicklungen mit Design Thinking von großem Erfolg gekrönt sein können, beweisen zahlreiche Praxisbeispiele.  Treffen obige Punkte nicht zu, stehen die Chancen gut, mit der Methode weit zu kommen. Für Innovationen, die von der Pike auf erdacht werden, zahlt sich die Arbeitsweise meistens aus. Design Thinking funktioniert gut, wenn das gesamte Umsetzungsteam an einem Ort arbeitet, Lösungen und Produkte entwickelt werden sollen, die sich dem Alltag der User orientieren und erlebnisnah gestaltet sind. Auch der Diversität im Unternehmen kommt die Methode zugute: Design Thinking lässt verschiedene Perspektiven und Sichtweisen zu, bezieht sie mit ein und liebt kritische Stimmen. Die Vorgehensweise stärkt das Unternehmen und fördert Teamarbeit sowie Zusammenarbeit der einzelnen Mitarbeiter. Gleichzeitig gibt die Methode Raum für neue Ideen sowie bisher unbekannte und ungewohnte Lösungsansätze. Sie stärkt das Verständnis für eine positive Fehlerkultur und lässt jeden einzelnen zu Wort kommen, was sich insgesamt affirmativ auf einen guten Unternehmenszusammenhalt auswirkt. 

Entscheidungshilfe

Prinzipiell gilt: Probieren geht über Studieren. Ob Design Thinking die richtige Wahl fürs eigene Unternehmen darstellt, können letztendlich nur die Betroffenen selbst beurteilen. Auch wenn einige Punkte aus der Contra-Liste zutreffen, liegt es immer auch an den Beteiligten, ob sie sich mit der Vorgehensweise identifizieren und sie ausprobieren oder nicht. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt – im Worst Case haben Teilnehmer wichtige Erfahrungen gesammelt, können ihr weiteres Vorgehen anpassen und andere Ansätze ausprobieren. 

Zum Autor: Björn Ruland ist agiler Coach und Trainer aus Leidenschaft. 15 Jahre Erfahrung bei der Deutschen Telekom als Mitarbeiter und Führungskraft in unterschiedlichen Aufgabenbereichen helfen ihm dabei, die jeweilige Situation aus Sicht des Kunden bestens zu verstehen und mit gesundem Menschenverstand zielgerichtete Lösungen zu entwickeln. Seine umfangreichen praktischen Erfahrungen sind eine wichtige Grundlage seiner Arbeit. 2015 gründete Björn gemeinsam mit Lars Guillium die 4craft GmbH. 

Die Agile Coaches und Unternehmensberater des Darmstädter Unternehmens 4craft packen das Problem an der Wurzel: Egal ob Angestellte, Entwickler oder Führungskräfte – für alle, die bei der Kreation neuer Produkte auf Granit beißen, bieten sie Workshops in Design Thinking an und unterstützten bereits mehr als 100 Organisationen und Teams auf dem Weg in die Agilität.

Veröffentlicht am: 30.10.2019

 

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