Die Bedeutung des chinesischen Renminbi

Fachartikel von Dennis Schetschok und Alexander Schroff

Die chinesische Währung Renminbi, auch genannt Yuan, gewinnt für Finanzinstitute und -dienstleister zunehmend an Bedeutung. Trotz eines prognostizierten Abflauens der chinesischen Konjunktur lässt sich im Vergleich zum europäischen Wirtschaftswachstum immer noch ein überproportionales Wachstum feststellen.

Wachstumspotenzial durch Internationalisierung des chinesischen Renminbi (Bild: zhu difeng - fotolia.com)
Wachstumspotenzial durch Internationalisierung des chinesischen Renminbi (Bild: zhu difeng - fotolia.com)

Betrachtet man Chinas Anteil am kaufkraftbereinigten globalen Bruttoinlandsprodukt 2016, stellt sich heraus, dass China mit einem Anteil von 17,65 Prozent weltweit zu den Top 3 der wirtschaftsstärksten Länder zählt. Neben der Tatsache, dass der Renminbi in den Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF) als fünfte Weltreservewährung aufgenommen wurde, nimmt er aktuell Platz 5 der weltweit meistgehandelten Währungen ein. Wie eine aktuelle Umfrage der Commerzbank zeigt, steigt insbesondere die Nachfrage des Mittelstands nach Renminbi stark an. Dies stellt Finanzdienstleister und Banken vor neue Herausforderungen, die auf die gesteigerte Währungs- und Produktnachfrage reagieren müssen. Neben der Implementierung von Produkten in Renminbi müssen speziell die Bereiche Liquiditätsmanagement, Risikomanagement und Treasury von Finanzinstituten einerseits in der Lage sein, Kundenbedürfnisse aus Finanzierungs- und Zahlungsverkehrsnachfragen zu befriedigen und andererseits kosten- und risikooptimiert am Geld- und Kapitalmarkt agieren können. Hierzu ist es für Finanzinstitute wichtig, nach Möglichkeit direkten Zugang zu chinesischem Zentralbankgeld zu erhalten und direkt am chinesischen Zahlungsverkehrssystem (CNAPS) teilzuhaben.

Neue Anbindungsmodelle zur Clearingoptimierung

Im Juni 2014 wurde die Bank of China am Finanzplatz Frankfurt durch die chinesische Zentralbank, Peoples Bank of China, als direkte Zweigniederlassung ernannt und zugelassen. Damit erhöht sich die Anzahl der Clearingmodelle für Finanzinstitute im Wesentlichen auf drei relevante.

Renminbi Clearing, Deloitte
Die Grafik veranschaulicht die drei bekannten Clearing-Modelle. (Bild: Deloitte)

Während Modell A (Korrespondenzbank-Modell) davon ausgeht, dass ein Finanzinstitut über eine Drittbank mit Niederlassung China die benötigte Liquidität, das Clearing und die Zahlungsverkehrsabwicklung fristgerecht bereitstellt, wird bei Modell B (Niederlassungsmodell) eine eigene Niederlassung in China betrieben, die diese Aufgaben für das Finanzinstitut übernimmt. Das Modell C (Direktanbindungsmodell) basiert auf der neuen Anbindungsmöglichkeit direkt in Frankfurt. Hier übernimmt die Niederlassung der chinesischen Zentralbank in Frankfurt direkt alle Clearing-Aufgaben für das angebundene Finanzinstitut und stellt einen direkten Zugang zu chinesischem Zentralbankgeld und dem chinesischen Zahlungsverkehrssystem CNAPS dar.

Die vorgestellten Modelle unterscheiden sich nicht nur deutlich in den Kostenstrukturen und Liquiditätsrisiken, sondern auch in den damit verbundenen Settlement-Risiken und Zeiten im Renminbi-Währungsgeschäft.

Heben von Potenzialen durch richtige Anbindungsstrategie

Für Finanzinstitute mit einem Kundenkreis mit starkem Chinageschäft oder solchen Instituten, die diesen Kundenkreis strategisch fokussieren, gilt es die Anbindungsmodelle mit den strategischen Zielen im Renminbi-Währungsgeschäft abzugleichen und Optimierungspotenziale hinsichtlich der Risiken und Kosten zu identifizieren und zu heben.

Neben einer Optimierung der Anbindungsstrategie sollten Institute ebenfalls die Wachstumspotenziale im Renminbi-Wertpapiergeschäft betrachten. Die Eröffnung der China Europe International Exchange Mitte November 2015 als erstem offiziellem Handelsplatz für chinesische Anlageprodukte in Renminbi außerhalb der Volksrepublik China wird diesen Trend noch beschleunigen. Finanzinstitute haben die Möglichkeit durch Neuemissionen in Renminbi eigene Währungsrisiken zu minimieren, Mittelstandsbedürfnisse zu befriedigen und zusätzliche Spreads trotz Niedrigzinsumfeld zu generieren.

Ausgehend von den strategischen Zielen, den Kostenstrukturen und dem Exposure im Renminbi-Währungsgeschäft sollten Banken strukturiert die neuen Anbindungsoptionen im Renminbi-Clearing genauer untersuchen. Je nach Anbindungsoptionen und zukünftiger Renminbi-Produktpalette sind die Liquiditätsmanagementstrategie in Renminbi anzupassen wie auch risikoreduzierende Maßnahmen im Währungsgeschäft umzusetzen. Des Weiteren gilt es im Wertpapiergeschäft die Neuemissionsprozesse für Renminbi-basierte Finanzinstrumente entsprechend anzupassen und auch die entsprechenden Europäischen Regulationsanforderungen hierfür umzusetzen. Beispielhaft sind die zentrale Clearingpflicht aus EMIR und die Anforderungen rund um die Genehmigung von neuen Produkten (Product Governance) der MiFID II zu nennen.

Ein solches Vorgehen lohnt sich. Durch optimal aufgestellte Renminbi-Clearingstrukturen werden nicht nur Kosteneinsparungen durch Senkung des Währungs- und Liquiditätsrisikos in Renminbi erreicht. Effizientere Prozesse und eine effizientere Organisation im Renminbi-Clearing sowie der Emission und Abwicklung von Renminbi-Wertpapieren schaffen Wettbewerbsvorteile durch eine verkürzte Time-to-Market. Auf der Ertragsseite werden schließlich neue Potenziale durch die Optimierung des Portfolios von Renminbi-Produkten geschaffen.

Die Autoren

Alexander Schroff, Dennis Schetschok, Deloitte
Alexander Schroff (li.) und Dennis Schetschock sind beide Senior Manager Capital Markets bei Deloitte. (Bild: Deloitte)

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Veröffentlicht am: 16.08.2016

 

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