Mitarbeiterorientierung wird zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil

Jennifer Hoffmann, Great Place To Work®

Es braucht für Beratungsunternehmen heute mehr, als ein sehr gutes Gehalt und die Aussicht auf Partnerschaft um gute Leute zu halten, geschweige zu finden. Deshalb wird es immer wichtiger, die Unternehmenskultur als kontinuierliches Investment zu betrachten, als strategisches Kernelement für Erfolg. Wie das gelingen kann, beschreibt Jennifer Hoffmann von Great Place To Work.

Veränderungsprozesse zu gestalten und Fachkräfte zu gewinnen, gelten derzeit als die Hauptprobleme der deutschen Wirtschaft. Mittelständischen Unternehmen entgehen nach Schätzungen von Ernst & Young (EY) pro Jahr knapp 50 Milliarden Euro Umsatz, weil sie wegen fehlender Mitarbeiter Aufträge ablehnen müssen. Und bei Einstellungskosten, die sich bis zum 1,5-fachen eines Jahresgehalts summieren können, hat die Fähigkeit, wertvolle Mitarbeiter zu binden, auch entscheidende Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens.

Ein gutes Gehalt reicht nicht aus

Dass Beratungsunternehmen in der Lage sind, Veränderungsprozesse zu managen, darf allgemein vermutet werden - kaum eine andere Branche wird stärker mit analytischer Kompetenz und Problemlösungs-Know-how in Verbindung gebracht. Wenn aber exzellente Arbeitskräfte fehlen, wird es selbst für Berater schwierig. Glaubte Goethe noch: "Wenn man von den Leuten Pflichten fordert und ihnen keine Rechte zugestehen will, muss man sie gut bezahlen" - reichen ein sehr gutes Gehalt und die Aussicht auf Partnerschaft in Beratung oder Kanzlei nicht mehr aus, um gute Leute zu halten, geschweige zu finden. Und auf ihre Rechte pochten schon die Babyboomer. Wertschätzung und Sinnhaftigkeit der Arbeit scheinen mittlerweile eine größere Rolle zu spielen, als Karriere, Gehalt oder Statussymbole.

Veränderte Lebenseinstellungen und Individualisierung

Wenn sich unsere Gemeinschaft darüber definiert, dass sich der Einzelne entwickeln kann, ist es notwendig zu fragen: Was entspricht dem Einzelnen? Die Menschen sind individueller denn je und streben nach dem, was ihnen persönlich entspricht. Zudem verlangen die fortschreitende Entgrenzung in Zeiten des Digitalen und die ständige Erreichbarkeit neue Modelle und Anreize, um es Mitarbeitenden zu ermöglichen, Arbeit und Privates intelligent zu verbinden. Um Zufriedenheit, Motivation und damit Bindung nachhaltig zu gewährleisten, müssen sich auch Berater mit ihren Angeboten den verändernden Lebenseinstellungen anpassen, auch für sie gilt: Sie müssen sich bei neuen Mitarbeitenden bewerben, nicht umgekehrt.

Zuhören und ernst nehmen

Laut Deloitte wird es zukünftig entscheidend sein, den Mitarbeitern glaubhaft zu vermitteln, dass sie ernst genommen werden und ihre Meinung zählt. Und dass ein Unternehmen alles unternimmt, um ihnen zuzuhören. Bleibt die Frage, wie Unternehmen sicherstellen, dass sie mit ihren Mitarbeitern so kommunizieren und interagieren, dass sie engagiert und dem Unternehmen treu bleiben.

Denn nur wenn es für den Mitarbeitenden möglich ist, seine Ansichten und Bedenken zu äußern, kann sich seine Motivation und Leistungsbereitschaft positiv entwickeln - und die Geschäftsführung verstehen, wie sie die Unternehmenskultur und das Management verändern muss, um Mitarbeitende zu motivieren: "The number one topic on the minds of CEOs and senior HR leaders is culture and engagement", ist sich Josh Bersin von Deloitte sicher.

Unternehmenskultur als strategisches Investment

Zunehmend wichtiger wird es demnach, Unternehmenskultur als kontinuierliches Investment zu betrachten, als strategisches Kernelement für unternehmerischen Erfolg. Wie können die Erwartungen und Bedürfnisse der Mitarbeiter besser erfüllt werden? Wie können wir uns stetig weiterentwickeln und den veränderten Bedürfnissen gerecht werden? Doch dafür muss man erstmal den Bedarf kennen. Wo stehen wir? Letztendlich ist dies nur möglich, wenn man seine Mitarbeitenden belastbar befragt, und die Erkenntnisse konsequent umsetzt. Eine Great Place to Work® Mitarbeiter- und Unternehmensbefragung leistet hier substantielle Einblicke, wie attraktiv ein Unternehmen als Arbeitgeber ist, zeigt Stärken und Schwächen und wo sie anzusetzen müssen, um ihre Attraktivität zu steigern.

Vertrauen ist die Kernqualität

Erfolg braucht heute eine Kultur, die sich ganz auf die Potenziale der Mitarbeitenden einlässt und sie fördert und fordert - eine Kultur, in der sie sich erst genommen und wertgeschätzt fühlen - nur dann bringen Sie sich ein und schöpfen ihre Potentiale voll aus. Mitarbeiterorientierung ist die Kernkompetenz, um Mitarbeiter zu gewinnen und zu binden und den Unternehmenserfolg langfristig zu sichern. Sie ist für die Zukunft der entscheidende Wettbewerbsvorteil.

"Wichtig ist was hinter der Arbeitgebermarke steckt", sagt Stefan Kemény, Geschäftsführer von Kemény Boehme & Company (KBC), ein 2019 von Great Place to Work® als exzellenter Arbeitgeber ausgezeichnetes Beratungsunternehmen. "Eine auf Vertrauen basierende und motivierende Unternehmenskultur bindet Mitarbeiter und ist auch für Bewerber attraktiv. Unsere Mitarbeitenden kommen gerne zur Arbeit, weil Sie als Mensch und nicht als Arbeitskraft gesehen und behandelt werden und sie spüren diesen besonderen Teamgeist. Sie sehen das aufrichtige Interesse der Führungskräfte an ihrer Person, den Sinn in ihrer Arbeit und die Anerkennung, die Ihnen für gute Arbeit und besonderen Einsatz entgegengebracht wird." 

Positive wirtschaftliche Effekte

Was man bekommt, wenn man Mitarbeitenden zuhört und ihnen vertraut, sind eine höhere Leistungsbereitschaft, Eigeninitiative und Verantwortungsbewusstsein - und das wirkt sich eben auch wirtschaftlich positiv aus. "Die Krankentage bei den von uns ausgezeichneten Unternehmen sind nur halb so hoch, wie der im AOK Fehlzeiten Report 2019 genannte Bundesdurchschnitt, sie erzielen eine 3-fach höhere Bewerberquote und ihre Mitarbeiterfluktuation ist um fast 50 Prozent geringer", sagt Andreas Schubert, Geschäftsführer beim Forschungs- und Beratungsinstitut Great Place to Work®, "zudem sind ihre Innovationskraft und Umsatzentwicklung signifikant besser, ihre Rentabilität im Branchenvergleich höher."

Transparenz der Arbeitsbedingungen

Eine Vertrauenskultur zu entwickeln, ist mithin die Grundlage für den nachhaltigen Erfolg eines Unternehmens. Vertrauen schafft Bindung und Begeisterung. Die Great Place to Work® Initiative und der jährliche Arbeitgeberwettbewerb "Beste Arbeitgeber im Consulting" - gemeinsam mit dem BDU und consulting.de - machen deutlich, dass immer mehr Unternehmen dies verstanden haben. Und über eines muss man sich klar sein: wir leben in einem Zeitalter höchster Transparenz, Mitarbeitende bewerten ihre Arbeitgeber, teilen ihre Erfahrungen. Darin liegt aber auch eine Chance. Wenn die Mitarbeitenden glaubhaft erlebte Attraktivität kommunizieren, die entsprechenden Foren nutzen und transparent machen, wie die Arbeitsbedingungen wirklich sind, machen sie damit die Kultur von außen erlebbar. Sie werden zu Botschaftern ihres Unternehmens. Gerade mittelständische Beratungsunternehmen können sich durch eine besondere Kultur von den globalen Playern abgrenzen.

Weitere Informationen auf Great Place to Work®

Über die Autorin:

Jennifer Hoffmann ist Kundenberaterin bei Great Place to Work® und Projektmanagerin des Wettbewerbs „Beste Arbeitgeber im Consulting“. Schwerpunkt ihrer Beratertätigkeit während und nach ihrem Studium zum Master in Wirtschaftspsychologie waren Fragen zur zukünftigen Zusammenarbeit in Unternehmen und deren Veränderungsfähigkeit. 

Great Place to Work® ist ein internationales Forschungs- und Beratungsinstitut, das in rund 60 Ländern Unternehmen dabei unterstützt, ihre Unternehmens- und Arbeitsplatzkultur zu entwickeln. Great Place to Work® zertifiziert die Kultur von Unternehmen auf Grundlage anonymer Mitarbeiterbefragungen und der Analyse der Personalmaßnahmen. Daneben reicht das Portfolio von Entwicklungs-Workshops und Austauschforen über Führungskräfte-Schulungen bis hin zur Umsetzungsbegleitung. Jedes Jahr werden darüber hinaus besonders exzellente Arbeitgeber, für Ihre Leistung international, national, regional und branchenspezifisch ausgezeichnet.

Veröffentlicht am: 16.10.2019

 

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