Moderation und Workshops in digitalen Formaten

Bernhard Wolff, Online Event Consultant und Moderator

Die Corona-Krise hat die Kommunikation von Unternehmen massiv verändert. Das betrifft auch die sogenannte "Live-Kommunikation", also Formate wie Tagungen, Konferenzen und Events. An der Konzeption und Moderation dieser Veranstaltungen sind häufig auch Consultants beteiligt. Oder sollten es sein. Denn hier gibt es viel richtig oder falsch zu machen!

Worin besteht der durch die Corona-Krise ausgelöste Paradigmenwechsel? Nicht mehr das Tagungshotel definiert den Raum der Begegnung, sondern die virtuelle Plattform, auf der die Teilnehmer sich einloggen. Hieraus resultieren völlig neue Anforderungen. Gelernte Tagungsformate sind hinfällig und Unternehmen suchen nach neuen Lösungen. Inzwischen lassen sich Erfolgsfaktoren für Online Events, hybride Tagungen und digitale Konferenzen formulieren. Konkret auch für deren Moderation sowie die Gestaltung von Workshops.  

Inzwischen ist klar: Die alten Formate kommen nicht zurück. Zwar werden wir uns wieder begegnen, aber fast immer in "hybriden" Formaten - also in einer Mischung aus Teilnehmern "vor Ort" und Teilnehmern "im Netz". Die ersparten Reise- und Umweltkosten unterstützen diesen Umbruch. Aber was konkret bedeutet das für die Konzeption und Moderation eines Online-Events?

Die größte Herausforderung ist es, das Erlebnis und den Nutzen der Teilnehmer in den Mittelpunkt der Konzeption zu stellen. Nicht mehr der Sitzplatz im Plenum oder der Stehtisch in der Break-Out Session sind der Wahrnehmungskontext. Sondern der Bildschirm. Ganz platt. Der Teilnehmer sitzt im Office oder im Homeoffice und schaut auf sein Notebook. Die gesamte Konzeption und Dramaturgie sollten darauf angelegt sein, die Aufmerksamkeit und Motivation der Teilnehmer auch am Bildschirm aufrecht zu erhalten. Das erfordert eine Anpassung an Sehgewohnheiten. Eine gestreamte Tagung ist plötzlich - wenn man so will - zu einer Live-TV-Show geworden. Allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass die "Zuschauer" über entsprechende Online-Tools am Dialog teilnehmen und ihren Beitrag leisten können.

Nähe trotz Abstand?

Die Aufgabe eines Moderators in einem Online-Event ist es, Nähe zu den Teilnehmern herzustellen, auch wenn der Abstand groß ist. Das hat mit Präsenz vor der Kamera zu tun, aber auch mit der Fähigkeit, den Dialog über Chats, Q&A, Wordclouds oder Votings permanent zu beleben und den Teilnehmern das Gefühl zu geben: "Ich bin live dabei". Mindestens im Abstand von 20-30 Minuten sollten unmittelbare TN-Interaktionen durchgeführt werden. Präsentationen sollten die "TED-Länge" von 12-18 Minuten nicht überschreiten. Und sämtliche Inhalte müssen klar, gut strukturiert und auf das Wesentliche reduziert durchs Netz transportiert werden. Aus gutem Grund sind Online-Formate deutlich kürzer als ihre analogen Vorfahren.

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Die Erfahrung zeigt: Dort wo auf der Tagungsbühne Unternehmensberater oder auch Führungskräfte aus Unternehmen einen guten Job als Moderatoren gemacht haben, ist für die Online-Arbeit ein intensives Coaching erforderlich. Plus: Proben im Studio. Denn der Online-Moderator muss in jeder Sekunde wissen, in welche Kamera er spricht und was der nächste Cue im Drehbuch bedeutet.

Die Herausforderungen der "neuen Welt"

Eine besondere Herausforderung in digitalen Formaten sind Workshops in kleinen Gruppen. In der "alten Welt" war das kein Problem. Da gab es im Tagungshotel ein paar nummerierte Räume - und nach einem Stündchen Brainstorming sind alle ins Plenum zurückgekommen. Auch online sind Workshops in kleinen Gruppen möglich, dafür allerdings müssen entsprechende Funktionalitäten und Collaboration-Tools wie Whiteboards etc. in die virtuelle Plattform integriert werden. Noch wichtiger als "früher" sind dann klare Instruktionen und Verhaltensspielregeln in den einzelnen virtuellen Kleingruppen.  

Fazit

Die Krise hat viele Innovationen beschleunigt. Unter anderem die Entwicklung neuer Formate in der Live-Kommunikation. Alle Akteure sind gefragt, sich mutig auf die neuen Anforderungen einzustellen. Experimentieren ist erlaubt, und Fehler werden passieren. Lernen werden wir daraus alle gemeinsam.

Über den Autor

Bernhard Wolff ist Moderator und Konzeptioner von Online Events. Schon als Kind liebte er die Bühne und entdeckte sein Talent, mit Sprache zu überraschen. Er wurde jüngster Werbetexter in Deutschlands kreativster Agentur Springer & Jacoby. Während er tagsüber Wirtschaft studierte, begeisterte er abends im Varieté. Er inszenierte Deutschlands erste Comedy Show zum Thema Denken und Gehirn - und war als "Rückwärtssprecher" zu Gast in über 50 TV-Shows. Als Gründer und Unternehmer in der Kreativwirtschaft hat er Tagungen und Events zu seiner Spielwiese gemacht.

Bernhard Wolff ist einer der namhaften Dozenten beim diesjährigen Zertifikatslehrgang der Akademie der German Speakers Association (GSA): "Professional Speaking". Der Lehrgang beginnt am 13. November. Bewerbungen sind noch möglich. Hier erhalten Sie noch mehr Informationen.

Veröffentlicht am: 21.09.2020

 

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