Selbständige müssen private und geschäftliche Finanzen trennen

Selbstständig machen im Consulting

Wer sich in der Consulting-Branche selbstständig machen möchte, geht dieses Wagnis nicht ganz ohne Risiko ein. Ist die Hürde allerdings erst einmal geschafft, profitiert man als Selbstständige*r davon. Doch welche Rechtsform ist die Richtige und was sollte man bei der Trennung von Privat- und Geschäftsvermögen beachten?

Wer sich im Consulting selbstständig machen möchte, sollte einige Aspekte beachten (Bild: Adobe Stock, © mrmohock) 

Die Arbeit im Consulting ist zwar in einem klassischen Angestelltenverhältnis möglich, doch jedes Jahr entscheiden sich auch zahlreiche Berater*innen in Deutschland für die Selbständigkeit. Ganz ohne Risiko geht dieses Wagnis nicht einher, immerhin geben knapp 60 Prozent der selbständigen Consultants innerhalb der ersten fünf Jahre wieder auf. Wer es jedoch schafft, sich am Markt zu etablieren, genießt zahlreiche Vorteile. Neben monatlichen Verdiensten im fünfstelligen Bereich, handelt es sich dabei auch um mehr Selbstbestimmung und Flexibilität, eine bessere Work-Life-Balance und viele weitere Vorteile der Selbständigkeit. Um das zu schaffen, ist es jedoch wichtig, von Beginn an richtig mit den eigenen Finanzen umzugehen. Das bedeutet auch, Privates sowie Geschäftliches strikt zu trennen.

Welche Rechtsform als selbständiger Consultant?

Wer den Sprung in die Selbständigkeit wagen möchte, muss sich zu Beginn mit vielen Grundsatzfragen auseinandersetzen. Dazu gehört auch jene, welche Rechtsform gewählt werden soll. Schließlich macht diese einen großen Unterschied, wenn es um steuerliche Pflichten geht, aber auch für den Schutz des Privatvermögens. Schon vor der eigentlichen Gründung ist es daher wichtig, zwischen den privaten und geschäftlichen Finanzen zu unterscheiden. Die einfachste Variante, für die sich viele Consultants entscheiden, ist die Arbeit als Freiberufler oder Gewerbetreibender. Ob die eigene Tätigkeit als freier Beruf ausgeübt werden kann, hängt wiederum von verschiedenen Faktoren ab. Denn die Tätigkeit als Berater*in muss im Regelfall als Gewerbebetrieb angemeldet werden, es sei denn, der oder die Selbständige erfüllt die Anforderungen des EStG an eine*n „beratende*n Betriebswirt*in“. Das bedeutet gewisse Voraussetzungen wie ein entsprechendes Studium und ausreichend praktische Erfahrung in den Bereichen der Betriebswirtschaft. In den meisten Fällen ist die Gewerbeanmeldung daher die Wahl selbständiger Consultants. Allerdings bedeutet diese im Fall einer Insolvenz keinen Schutz des Privatvermögens. Auch andere Rechtsformen wie jene der GmbH können daher für Berater*innen sinnvoll sein, bringen aber wiederum spezifische Vor- und Nachteile mit sich. Dementsprechend ist eine umfassende Überlegung sowie Rücksprache mit dem Steuerberater sinnvoll, um die bestmöglichen Voraussetzungen für den Start in die Selbständigkeit zu kreieren. 

Ein Geschäftskonto ist in jedem Fall zu empfehlen

Die Trennung von einem Geschäftskonto und dem privatem Konto ist ratsam (Bild:Adobe Stock, © DOC RABE Media) 

Von der gewählten Rechtsform hängt wiederum ab, ob ein Geschäftskonto eröffnet werden muss oder nicht. Eine Pflicht gibt es hierfür zum Beispiel bei der Gründung einer GmbH, nicht aber als Gewerbetreibender. In vielen Fällen wäre es somit theoretisch möglich, die geschäftlichen Buchung über das private Girokonto abzuwickeln. Allerdings erlauben die meisten Banken dies nicht. Zudem wird das Geschäftskonto aus buchhalterischer Sicht empfohlen, denn es vereinfacht die Steuerangelegenheiten und somit auch den Überblick über die eigenen Finanzen. Somit ist es in jedem Fall sinnvoll, mindestens ein solches Geschäftskonto zu eröffnen – selbst, wenn der*die selbständige Berater*in hierzu nicht verpflichtet wäre. Ein Blick in die Nutzungsbedingungen bietet sich hierbei an, um die optimale Bank zu finden und zugleich ein möglichst günstiges Angebot. Denn Geschäftskonten sind zwar in der Regel teurer als Privatkonten, dennoch gibt es zwischen den Anbietern große Unterschiede.

Wann mehr als ein Geschäftskonto sinnvoll ist

Mindestens ein Geschäftskonto bedeutet, dass es auch Fälle gibt, in denen Selbständige sogar zwei oder mehr Geschäftskonten zusätzlich zu ihren privaten Konten haben sollten. Dies ist zum Beispiel sinnvoll, wenn der Berater sowohl freiberuflich als auch gewerbetreibend tätig ist. Das ist durchaus möglich, beispielsweise bei verschiedenen Dienstleistungen, die wiederum in die unterschiedlichen Kategorien fallen. Somit müssen diese auch steuerlich gesondert angegeben werden, weshalb es übersichtlicher sein kann, die jeweiligen Buchungen auf separate Geschäftskonten zu verteilen. Aber auch in anderen Fällen kann die Eröffnung mehrerer Konten die beste Entscheidung darstellen. Denn einige Experten empfehlen sogar, als Unternehmer*in fünf verschiedene Konten zu führen, und zwar ein privates Girokonto, zwei Geschäftskonten sowie zwei Tagesgeldkonten. Schlussendlich kann hier natürlich jeder seine eigene Strategie finden, denn je nach individuellem Fall, gibt es auch eine individuelle Lösung, die am besten passt.

 Wo die Stolpersteine für Unternehmer liegen

Die Beispiele haben bereits deutlich gemacht, dass in finanzieller Hinsicht einige Stolpersteine warten können, wenn sich ein Consultant selbständig machen möchte. Dass die Trennung von privaten und geschäftlichen Buchungen, vielleicht sogar eine Trennung innerhalb der geschäftlichen Zahlungsvorgänge, sinnvoll ist, dürfte damit deutlich geworden sein. Zudem sollten die unterschiedlichen Girokonten bei verschiedenen Bankinstituten eröffnet werden. Dies erhöht die Sicherheit, wenn es bei einer Bank zu Schwierigkeiten wie einer Kündigung des Girokontos oder einer Zahlungsunfähigkeit kommen sollte. Nur so kann der*die Berater*in in solchen Extremsituationen seine Zahlungsfähigkeit sicherstellen. Denn ein Liquiditätsengpass wird für jeden Selbständigen schnell existenzgefährdend. Weitere Vorteile bringt die Trennung bei der Beantragung von Krediten. Allerdings können genau hier auch die Probleme liegen. Denn bei der Eröffnung eines Geschäftskontos wird in der Regel eine Schufa-Auskunft durch die Bank eingeholt. Enthält diese Negativeinträge, kann der Antrag abgelehnt werden – unabhängig davon, ob es sich um einen berechtigten oder Falscheintrag handelt. Selbiges gilt bei der Beantragung von Krediten als Fremdkapital für die Gründung. Wichtig ist daher, die eigenen Schufa-Einträge vorab zu überprüfen und gegebenenfalls löschen zu lassen, sofern dies möglich ist. Ansonsten hilft nur ein Anbietervergleich, um eine Bank zu finden, die auf die Schufa-Auskunft verzichtet. 

Vorteile der Trennung zwischen Privat- und Geschäftsvermögen

In der Praxis bringt die Trennung von Privat- und Geschäftsvermögen selbstständigen Consultants viele Vorteile (Bild: Adobe Stock, © Philip Steury 

Theoretisch wäre es für selbständige Consultants somit in vielen Fällen nicht verpflichtend, ihr privates und geschäftliches Vermögen zu trennen. In der Praxis bringt das aber viele Vorteile. Einerseits erleichtert dies die Buchhaltung, denn so ist für den Steuerberater und das Finanzamt – ebenso natürlich wie für den Berater selbst – auf den ersten Blick ersichtlich, welche Einnahmen sowie Ausgaben privater und welche geschäftlicher Natur sind. Das bedeutet auch mehr Überblick für den*die Unternehmer*in, wie viel Geld er tatsächlich zur Verfügung hat und wie viel er stattdessen als Rücklagen oder für eine eventuelle Steuernachzahlung zur Seite legen muss. Denn gerade zu Beginn der Selbständigkeit kommt es oftmals noch zu hohen Voraus- oder Nachzahlungen, sodass ein ausreichender finanzieller Puffer unverzichtbar ist. Die Trennung von Privat- und Geschäftsvermögen dient somit dem Aufbau von Reserven für schlechte Zeiten, welche wiederum die Kreditwürdigkeit des Unternehmens erhöhen und das Risiko einer Insolvenz mindern.

Privatvermögen bei einer Insolvenz – und jetzt?

Trotzdem lässt sich die Insolvenz als Unternehmer*in natürlich niemals vollständig ausschließen. Immerhin können viele Gründe eine Zahlungsunfähigkeit verursachen, sei es eine schlechte Auftragslage, ein Kalkulationsfehler oder eine Klage durch einen Kunden. Auch diesbezüglich steht daher die Frage im Raum, inwiefern das Geschäfts- und Privatvermögen bei einer Insolvenz getrennt werden. Hier schließt sich der Kreis zur eingangs gestellten Frage nach der Rechtsform. Denn sie hat einen großen Einfluss darauf, ob der*die selbständige Consultant lediglich mit dem geschäftlichen oder auch dem privaten Vermögen haftet. Wer beispielsweise als Freiberufler*in oder Gewerbetreibende*r tätig ist, haftet vollständig, sprich auch mit dem Privatvermögen. Bei anderen Rechtsformen wie einer UG oder GmbH ist die persönliche Haftung hingegen eingeschränkt. Dennoch kann es Fälle geben, in denen das private Vermögen in die Haftung eingeschlossen wird, zum Beispiel für Verpflichtungen gegenüber der GmbH selbst oder bei Sondertatbeständen wie einer Insolvenzverschleppung. Das Thema ist somit auf den zweiten Blick komplizierter, als es auf den ersten Blick erscheint, und eine Haftung mit dem Privatvermögen für jeden Fall und vollständig auszuschließen, ist nicht möglich. Durchaus kann das Risiko aber minimiert werden, indem eine entsprechende Rechtsform gewählt wird. Auch dann ist natürlich die Trennung zwischen dem geschäftlichen und dem privaten Vermögen unerlässlich.

Fazit

Die Trennung zwischen den privaten und den geschäftlichen Finanzen ist somit nicht in allen Fällen für selbständige Consultants verpflichtend – aber sie ist in jedem Fall zu empfehlen. Denn sie bringt viele Vorteile mit sich, die indirekt die Erfolgschancen der Selbständigkeit erhöhen, indem zum Beispiel durch den besseren Überblick eventuelle Liquiditätsengpässe aufgrund von Steuernachzahlungen vermieden werden. Weiterhin ist es sinnvoll, sich von Beginn an Gedanken über den Schutz des Privatvermögens zu machen. Auch dann ist natürlich wichtig, überhaupt bestimmen zu können, welches Vermögen privat ist und welches eben nicht. Obwohl also die Rechtslage nicht immer die Trennung von privatem und geschäftlichem Vermögen vorschreibt, so gilt sie in der Praxis doch für jede*n Unternehmer*in als ein „Muss“. 

cb

Veröffentlicht am: 29.07.2020

 

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