Was hat sich bei Berater-CVs verändert? Eine Analyse

Dr. Axel Völker, Data Assessment Solutions GmbH

CVs sind nach wie vor ein wesentliches Mittel im Vertriebsprozess von Consultingunternehmen. Jeder Berater hat mindestens einen CV, obwohl eigentlich niemand Lust hat, es zu pflegen. Doch wie haben sich Berater-CVs in den letzten Monaten verändert? Und, was sagen CVs über die aktuellen Vertriebsaktivitäten der Consultants aus?

Dem Curriculum Vitae - kurz CV - kommt in der Beratungswelt eine große Bedeutung zu. Über CVs stellen Consultants ihre Expertise dar. Wir haben uns daran gemacht, interessante Fakten zu diesem Thema zu ermitteln. Dazu haben wir Daten unserer Skills- und CV-Management-Lösung decídalo statistisch ausgewertet. Unsere Kunden kommen vornehmlich aus dem Bereich IT-/Technologie-Consulting. Viele der Ergebnisse sollten aber auch für Unternehmen mit anderen Schwerpunkten interessant sein.

Insbesondere hat uns interessiert, ob man Auswirkung von Corona in der Beratungsbranche erkennt. Nutzen Consultants die reisefreie Zeit, um ihre Profile auf Vordermann zu bringen? Werden mehr oder weniger CVs verschickt?

Aber auch Corona-unabhängige Fragen haben uns interessiert. PDF, Word, PowerPoint - anonym oder namentlich - was ist das Mittel der Wahl für die Präsentation von Beraterkompetenz? Wie viele Skills hat ein Berater? Welche Skills werden am stärksten nachgefragt? Gibt es überhaupt einheitliche Trends?

Wie wurden Berater-CVs im Laufe des Jahres genutzt?

Zunächst betrachten wir Statistiken zur Nutzung von Beraterprofilen (CVs). In unserer Software decídalo können CVs heruntergeladen oder direkt per E-Mail verschickt werden. Wir haben beide Arten des CV-Exports zusammengefasst und betrachten diese im Folgenden synonym.

2020 wurden pro Monat CVs von ca. 10 Prozent der Mitarbeiter exportiert, d.h. heruntergeladen oder direkt per E-Mail verschickt. Von den Beratern, deren CVs exportiert wurden, wurden durchschnittlich 3,5 CVs pro Person heruntergeladen, bzw. verschickt. Diese Zahlen kann man folgendermaßen interpretieren: CVs werden primär verwendet, um Berater für Kundenprojekte anzubieten. Immer nur ein Teil der Consultants ist für neue Projektangebote verfügbar. Monatlich waren dies 2020 durchschnittlich 10 Prozent der Berater. Um diese verfügbaren Kollegen auf neue Einsätze zu bringen, wurden sie für mehrere Projekte angeboten, durchschnittlich jeder für 3,5 Projekte.

Interessanter ist der Vergleich mit dem Vorjahr. 2019 wurden pro Monat im Schnitt für 7 Prozent aller Berater CVs exportiert. Auch die Anzahl der Downloads pro Berater war mit durchschnittlich 2,6 messbar niedriger. CVs sind ein Vertriebsinstrument. Offensichtlich haben Consultingunternehmen ihre Vertriebsaktivitäten 2020 erhöht. Dies deckt sich mit der deutlich gestiegenen Anzahl an Anfragen, die wir zu unserer CV-Management-Lösung erhalten haben.

Unterjährig waren die Zahlen verhältnismäßig konstant. Nur im Dezember gab es in beiden Jahren deutlich weniger CV-Exporte. Auch das ist nicht überraschend. Der Dezember wurde daher bei der Berechnung der Mittelwerte ausgenommen. Wir sehen einen sprunghaften Anstieg der Zahlen im Januar und Februar 2020 und dann einen konstanten Verlauf für den Rest des Jahres.

Wie sieht es mit der Profilpflege aus?

2020 hat jeder Consultant sein Profil durchschnittlich alle 6,2 Monate aktualisiert. Das entspricht ziemlich genau dem Zielwert von 6 Monaten, den die meisten unserer Kunden für sich festlegen. Hierbei haben wir nur manuelle Änderungen durch den Mitarbeiter betrachtet, nicht von der Software (decídalo) automatisch vorgenommene Aktualisierungen, z.B. der Projekthistorien. Ebenso wurden kundenspezifische Anpassungen (Fine-Tuning) vor dem Export nicht berücksichtigt.

2019 lag der Wert bei 7,7 Monaten. Im Corona-Jahr 2020 wurden nicht nur mehr CVs verschickt, Berater haben auch ihre Profile häufiger aktualisiert.

Wie viele Skills hat ein durchschnittlicher Berater?

Die Anzahl der Skills, die Berater in ihren Profilen angeben, hängt stark vom Unternehmen ab. Der Spitzenwert beträgt 100 Skills pro User, durchschnittlich wohl gemerkt, bei einem Unternehmen mit über 400 Usern. Die meisten Unternehmen liegen jedoch in einem Bereich zwischen 20 und 60 Skills pro Berater (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Verteilung der durchschnittlichen Anzahl von Skills pro Beraterprofil nach Unternehmen. Bei 15 Prozent aller Unternehmen haben Berater zwischen 1 und 20 Skills angegeben. Bei 27 Prozent sind es zwischen 21 und 40 Skills, etc. (Quelle: Data Assessment Solutions)

Die unterschiedlichen Zahlen beruhen im Wesentlichen auf unterschiedlichen Granularitäten, in denen Skills erhoben werden. Je technischer und spezialisierter ein Beratungsunternehmen ist, um so detaillierter werden Skills erfasst, teilweise bis runter auf Versionsnummern von Tools und Produkten.

Noch größer sind die Unterschiede bei Zertifizierungen. Während Zertifikate für einige Unternehmen keine Rolle spielen, sind sie für andere elementar. 15  Prozent der Unternehmen haben durchschnittlich weniger als ein Zertifikat pro Berater. Die meisten unserer Kunden liegen im Bereich zwischen 1 bis 6 Zertifikate pro User. Immerhin 9 Prozent haben durchschnittlich 10 oder mehr Zertifikate pro Mitarbeiter. Wobei man hier mit Vergleichen vorsichtig sein muss, da teilweise auch interne Schulungen und Prüfungen als Zertifikate erfasst werden.

Neben Skills und Zertifikaten sind Projekterfahrungen zentraler Bestandteil eines Berater-CVs. Auch hier haben wir uns die Zahlen angeschaut.

Bei der Mehrzahl (ca. 55 Prozent) der Unternehmen sind es durchschnittlich zwischen 5 und 10 Projekte pro Berater-CV. Wie bei allen Zahlen zuvor wurden die Mittelwerte über alle User eines Unternehmens genommen. Bei immerhin 15 Prozent der Firmen sind es durchschnittlich 20 oder mehr Projekte pro Berater.

Abbildung 2: Verteilung der durchschnittlichen Anzahl von Projekten pro Beraterprofil nach Unternehmen. Bei 18 Prozent aller Unternehmen haben Berater bis zu 5 Projekte in ihren Projekthistorien. Bei 36 Prozent sind es zwischen 6 und 10 Projekte, etc. (Quelle: Data Assessment Solutions)

Entsprechend unterscheiden sich auch die typischen Projektlaufzeiten. In Unternehmen mit hoher Spezialisierung unterstützen Consultants oft parallel mehrere Kunden in Projekten mit Größenordnungen von Wochen bis wenigen Monaten.

Word oder PowerPoint?

Als nächstes hat uns interessiert, wie Beratungsunternehmen ihre Kompetenzen nach außen präsentieren. Die klassischen Varianten sind Langprofile in Word oder Kurzprofile (One-Pager) in PowerPoint. Verschickt werden in beiden Fällen in der Regel PDF-Kopien der Dokumente.

Zudem gibt es beide Varianten als anonyme CVs oder mit Namen und Bild des Beraters.

Die Datenlage ist hier eindeutig: Langprofile sind klar dominierend und machen insgesamt den Großteil aller CV-Downloads aus. Knapp 30 Prozent aller Unternehmen verwenden gar keine Kurzprofile. Bei weiteren 30 Prozent liegt der Anteil über Null, aber unter 10 Prozent. Nur bei 15 Prozent unserer Kunden machen Kurzprofile über 30 Prozent aller CV-Exporte aus.

Auch bei anonym vs. personalisiert gibt es ein interessantes Phänomen. Hier hängt der Anteil der anonym exportierten CVs klar von der Unternehmensgröße ab, zumindest bei deutschen Unternehmen. Bei 85 Prozent der untersuchten Firmen sind weniger als 10 Prozent aller heruntergeladenen CVs anonymisiert. Über alle Firmen hinweg sind jedoch 25 Prozent der Berater-CVs anonymisiert. Bei einigen unserer großen Kunden liegt der Anteil der anonymisierten CVs bei fast 100 Prozent. Für deutsche Unternehmen kann man feststellen: Je mehr Mitarbeiter, umso seltener werden Berater namentlich angeboten. Dies liegt in der Regel an Betriebsvereinbarungen, die Berechtigungen für nicht-anonyme Exporte stark einschränken.

Welche Skills werden gesucht?

Hinter jedem Beratereinsatz steckt ein Anforderungsprofil. Dieses wird vom Kunden oder Projekt üblicherweise anhand von Skills definiert. Um geeignete Berater zu finden, wird in decídalo anhand der Anforderungsprofile gesucht. Die Software kann diese Suchanfragen protokollieren, um eine Auswertung von Kunden- und Projektanforderungen zu ermöglichen. Da wir aus den Berater-CVs die vorhandenen Skills kennen, können Bedarf und Bestand direkt verglichen werden.

Es zeigt sich, dass typischerweise nicht einzelne Skills, sondern Kombinationen mehrerer Skills gesucht werden. Durchschnittlich enthält eine Suchanfrage fünf Skills. Wir haben uns angeschaut, welche Skills besonders oft enthalten sind.

Naturgemäß sind dabei generische Skills, die für viele Projektrollen relevant sind, häufiger enthalten als spezifische Anforderungen. Wie bei Stellenanzeigen besteht ein Suchprofil aus generischen und spezifischen Anforderungen.

Ganz oben auf der Liste stehen Skills aus dem Bereich Projektmanagement, insbesondere agiles Projektmanagement und Scrum. Projektmanagement-Kenntnisse sind für Berateranfragen das, was Teamfähigkeit für Stellenausschreibungen ist - die Default-Anforderung.

Damit ist Projektmanagement-Kompetenz aber auch kein Differenzierungsmerkmal mehr. So wie niemand wegen seiner überragenden Teamfähigkeit eingestellt wird, reicht Projektmanagement allein nicht aus.

An zweiter Stelle stehen generische Skills aus dem Bereich Anforderungsanalyse, insbesondere Business-Analyse und Requirements-Engineering.

Cyber-Security-Skills stehen bei den gesuchten technischen Fähigkeiten vorne. Gleichzeitig ist dies noch ein dünn besetztes Expertenthema. Für Berater bietet sich hier die Chance, Skills in einem Gebiet aufzubauen, in dem die Nachfrage größer als das Angebot ist.

Das Berater-CV lebt

Auch wenn CV-Pflege bei Mitarbeitern selten auf Begeisterung trifft, sind CVs weiter das Mittel der Wahl für die Darstellung von Beratungskompetenz. Tendenz steigend. Die Ansprüche an Aktualität und Qualität nehmen zu. Wachsender Aufwand und sinkende Qualität im CV-Management mit Bordmitteln sind einer der häufigsten Gründe, warum sich Beratungsunternehmen an uns wenden.

Über den Autor

Dr. Axel Völker ist Mitgründer und Geschäftsführer der Data Assessment Solutions GmbH. Er promovierte in theoretischer Physik an der Georg-August-Universität Göttingen. Seinen beruflichen Werdegang begann er bei IBM. Dort war er sieben Jahre als Berater in internationalen IT-Projekten tätig, bevor er sich zunächst als Freiberufler selbständig machte.

 

Über Data Assessment Solutions GmbH

Seit ihrer Gründung 2008 beschreitet die Data Assessment Solutions neue Wege für die effiziente Nutzung von Skills und Mitarbeiterkapazitäten in dynamischen Wachstumsbranchen – insbesondere für IT-Services- und Consulting-Unternehmen.
Sie vereinen langjährige Branchenerfahrung mit tiefer Expertise in maschinellem Lernen und Datenanalyse. Mit ihrer SaaS-Lösung decídalo können sie ihren Kunden so eine verlässliche Quelle für alle Informationen zu Mitarbeitern und Projekten liefern.

 

 

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Veröffentlicht am: 12.02.2021

 

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