Wie führt man Mitarbeiter im Home-Office?

Führungskompetenz auf Distanz

Führungskräfte begegnen in diesen Zeiten großen Herausforderungen. Ein Grund für diese Entwicklung ist die dezentrale Verteilung vieler Teams auf Home-Office Arbeitsplätze. Führung aus der Distanz heraus ist nicht jeder Führungskraft aus sich heraus gegeben. Hier besteht Weiterbildungsbedarf, weil Home-Office nach derzeitiger Tendenz zumindest in hybriden Arbeitsmodellen längerfristig erhalten bleiben wird. Auf welchen Säulen man seine Führungskompetenz auf Distanz aufbauen kann, das beschreibt dieser Artikel.

Frau Hund Homeoffice (Bild: picture alliance / Zoonar | Robert Kneschke)

Wie führt man Mitarbeiter im Homeoffice? (Bild: picture alliance / Zoonar | Robert Kneschke)

Home-Office gilt nicht zuletzt seit der Corona Pandemie als das "neue Normale" - das New Normal. Viele Manager und andere Führungskräfte tun sich schwer mit dieser veränderten Normalität. Sie fühlen sich verunsichert, wenn sich ihre Mitarbeiter flexibel auf verschiedene Standorte zum Beispiel im Home-Office verteilen. Teams ihrerseits beklagen, dass die Kommunikation zum Vorgesetzten leide und sie sich nicht ausreichend geführt fühlten. Es besteht die große Gefahr, den einen oder anderen Mitarbeiter unterwegs zu verlieren, wenn die Kommunikation zwischen Führungskraft und Team nicht stimmt. Verlieren ist dabei auf Dauer auch ganz wörtlich gemeint, weil die Kündigungsbereitschaft aufgrund von Unzufriedenheit steigen kann. Auch wissen die Mitarbeiter nicht immer, wie sie ihre Leistung unter Beweis im Home-Office stellen können. Hier stehen Managementebenen und Unternehmen insgesamt vor der Aufgabe, neue Modelle der Zusammenarbeit zu entwickeln, die Führung auch auf Distanz ermöglichen.

Wovon lebt Führung auf Distanz?

Modelle zur Mitarbeiterführung gibt es viele. Klassische Ansätze stellen dabei häufig die Präsenz und damit auf das Charisma einer Führungsperson in den Vordergrund. Digital kommt eine solche Präsenz wenig zur Geltung. Außerdem fallen die vielen persönlichen Begegnungsmöglichkeiten im Büro, die Beziehungen zwischen Mitarbeitern und Führungskräften stärken, in der Distanz weg. Entfremdungsprozesse können die Folge sein.

Unbedingt muss der Vorgesetzte weiterhin für sein Team ansprechbar sein. Er darf sich dabei selbst nicht überfordern, was seine zeitliche Auslastung angeht. Hier gilt es für ihn und das gesamte Team, eine gute Balance zu finden. Auf den Punkt gebracht muss bei der Führung auf Distanz vieles betont und hervorgehoben werden, was uns in Anwesenheit völlig selbstverständlich erscheint.

Dabei spielt das Beziehungsmanagement eine Schlüsselrolle. Einer Entfremdung wird nur vorgebeugt, wenn Führungspersonen proaktiv mit ihrem Team kommunizieren, und jedem das Gefühl vermitteln, weiter Bord an zu sein. Feedback muss in angemessener Form jederzeit möglich sein. Dabei kann es auch wichtig sein, einmal deutlich zu benennen, was führungstechnisch zurzeit noch nicht besonders gut klappt.

Neue Führungskompetenzen und alte im neuen Gewand

Es sind neue Kompetenzen bei den Führungskräften gefragt, die diese teilweise bisher kaum entwickeln mussten. Dazu zählen zum Beispiel:

  • Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter und in sich selbst.
  • Eigene Regeln für Home-Office Tätigkeiten oder hybride Arbeitsmodelle.
  • Veränderte sichere Kommunikationswege.
  • Andere Rituale als bei Arbeit in Präsenz.
  • Eine verbesserte Fehler- und Feedbackkultur.
  • Ein optimiertes Beziehungsmanagement.
  • Ein möglicherweise angepasstes Zeit- und Organisationsmanagement.

Führungskräfte können lernen, mit Führung auf Distanz umzugehen. Sie sollten die Möglichkeiten zur Weiterbildung unbedingt nutzen, insbesondere wenn sie unsicher werden, wie Führung auf Distanz funktionieren kann.

Herausforderungen von Online Meetings

Ein ganz eigenes Thema bei der Führung auf Distanz sind Online Meetings. Hier müssen die Führungspersonen wie auch alle anderen Beteiligten besonders daran arbeiten, dass diese effektiv und wirtschaftlich sind. Sie können eine gute Möglichkeit sein, auch den menschlichen Kontakt untereinander aufrechtzuerhalten. Schon aus Konzentrationsgründen müssen sie aber straffer organisiert werden als Präsenzmeetings. Die Regelmäßigkeit von Online Meetings ist wichtig. Hier hat man zumindest in eingeschränktem Maße die Möglichkeit, sich zu sehen. Nur per Telefon lässt sich auf längere Zeit hinweg kein befriedigender Kontakt erhalten.

Der Vorbereitung, Organisation und Nachbereitung kommt noch mehr Bedeutung zu als im Präsenzmeeting. Vor allem dürfen diese Meetings sich nicht zu sehr in die Länge ziehen, um nicht alle Teilnehmer zu ermüden. Anders als bei einem Treffen in Präsenz, muss online vielfach zielorientierter und fokussierter getagt werden. Es kann empfehlenswert sein, dass sich Führungskräfte mit ihren Mitarbeitern zunächst einmal über ein Verfahren für Online Meetings verständigen.

Führungskräfte und die Datensicherheit im Home Office

Führen auf Distanz wirft noch weitere Fragen auf. Die Datensicherheit ist immens wichtig, wenn aus der Distanz heraus kommuniziert wird. Das Management von Unternehmen muss sich auch mit diesen Fragen auseinandersetzen. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit lässt sich nur erreichen, wenn der Schutz vor Cyber Kriminalität auf allen Ebenen gegeben ist. Das Thema muss im Zusammenhang mit Home-Office und Führung angesprochen werden. Hier müssen gegebenenfalls verstärkte Sicherheitsmaßnahmen angeordnet und ihre Umsetzung auch von der Führungsebene her kontrolliert werden.

Führen auf Distanz: Eine Chance für neue Projektmanagementmethoden

Die verstärkte Verbreitung von Home-Office kann noch eine Chance sein, im Unternehmen neue Projektmanagementmethoden einzuführen, die einer digitalen Umgebung gut angepasst sind. Das gilt insbesondere für agile Strukturen. Führungskräfte sollten sich mit den Möglichkeiten agiler Methoden auseinandersetzen und auch deren Instrumente näher betrachten. Vielfach bieten hier beispielsweise Dashboards und Aufgabenbereiche für ein Team nützliche Werkzeuge für eine erfolgreiche Teamarbeit auf Distanz. Es kann sich lohnen, sich mit den Grundsätzen von Scrum oder Kanban sowie kleinere Programmen wie Trello vertraut zu machen, um sich agiler aufzustellen. In den meisten agilen Ansätzen zum Projektmanagement bestehen standardisierte Kommunikationsstrukturen, die es auf Distanz erleichtern, miteinander im Gespräch zu bleiben.

Wichtig: Das richtige Mindset entwickeln und beibehalten!

Auf Distanz fallen wichtige Ausdrucksmöglichkeiten der Menschen untereinander weg. Das gilt selbst für die Videokonferenz. Aus der Mimik und den Gesten des Gegenübers die richtigen Schlüsse zu ziehen, fällt virtuell schwer. Umso wichtiger ist es, dass Führungskräfte auf Distanz unbedingt ein Mindset der gegenseitigen Wertschätzung entwickeln und dieses auch leben.

Führungskräften muss es dabei gelingen, auch virtuell und online so persönlich wie möglich zu bleiben. Nur so bleibt der Kontakt zu den Mitarbeitern erhalten und gegenseitiges Vertrauen kann sich noch vertiefen.

Nicht zuletzt durch die weitere Digitalisierung wird die Flexibilisierung der Arbeit sich noch weiter entwickeln. Die jetzige Situation mit Home-Office und hybriden Arbeitsplätzen ist deshalb eine hervorragende Chance für alle Führungskräfte, sich bereits jetzt auf die kommenden Veränderungen noch besser einzustellen. Führung wird in Zukunft viele Gesichter haben, von denen eines das Führen auf Distanz ist.

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