Wir brauchen Persönlichkeiten!

Fachartikel von Benjamin Schulz, Ben Schulz & Consultants

Authentizität ist das Gebot der Stunde - nicht nur, aber erst recht für Führungskräfte. Doch wie lässt sich die Forderung nach dem Echten, Unverfälschten umsetzen?

Benjamin Schulz

Von Benjamin Schulz

In Zeiten der Digitalisierung brauchen wir keine stromlinienförmigen Manager, sondern Personen mit Ecken und Kanten. Denn in Zukunft wird alles vom Digitalen durchdrungen sein: Mobilität, Finanzierungen, Mitarbeitergewinnung, Geld, Unternehmensgründungen, Wissenschaft - bis hin zu Freundschaften und Liebe. Die gesamte Gesellschaft verändert sich von Grund auf, und die Veränderungsprozesse kommen extrem schnell. Noch dazu ticken die Generationen Y und Z, die mit der Digitalisierung groß geworden sind, völlig anders: Sie respektieren Autoritäten nicht mehr. Wir können also nicht einfach so weitermachen wie bisher. 

Als Person zu erkennen geben 

Die Digitalisierung macht die Aufmerksamkeit der Menschen zu einem raren Gut - und jemand, der so ist wie alle anderen, geht im Meer des Digitalen unter. Wer in Zukunft Menschen führen will, muss sich als Person zu erkennen geben. Er muss sichtbar sein, aus der Masse heraustreten. Dabei darf Sichtbarkeit nicht mit laut oder marktschreierisch verwechselt werden. Es geht um wirkungsvolles 'Leadership': Nur wer glaubhaft ist in dem, was er tut, hat Follower und durch sie Einfluss. Der Manager muss durch seine Persönlichkeit überzeugen. 

Voraussetzung ist, dass er sich selbst kennt. Doch die meisten Führungskräfte wissen gar nicht, wer sie sind. Wer sich jahrzehntelang anpasst und funktioniert, vergisst irgendwann, wofür er wirklich steht. Derart im Ungleichgewicht, kann man kein Leader sein, dem Menschen begeistert folgen. Um sich selbst zu erkennen, die eigenen Stärken genauso wie die Schwächen, bietet sich eine Motivationsanalyse an, wie z. B das Reiss Motivation Profile®. Das Tool wird seit vielen Jahren in der Potenzialanalyse, dem Führungstraining, der Teamentwicklung und dem Coaching angewendet.

Die inneren Antreiber sind vielfältig

Die Analyse beruht auf einem Verfahren, das von Steven Reiss entwickelt wurde. Der amerikanische Psychologieprofessor hat in jahrelanger Forschungsarbeit 16 Lebensmotive identifiziert. Sie stehen für das, was einem Menschen wichtig ist, wonach er strebt. Die inneren Antreiber sind vielfältig. Sie reichen von A wie Anerkennung bis hin zu S wie Sparen. Wir teilen sie mit allen Menschen - und doch sind wir sehr unterschiedlich. Denn die Motive sind bei jedem anders ausgeprägt. 

Das ist der Grund, warum wir für bestimmte Tätigkeiten und Positionen geeignet sind und für andere nicht. Vereinfacht gesagt: Ein Mensch, der ein starkes Machtmotiv hat, könnte in einer Führungsposition gut aufgehoben sein. Ein Mensch mit schwachem Neugiermotiv ist eher nicht der richtige Kandidat für eine Tätigkeit in der Marktforschung. Jemand mit geringem Beziehungsmotiv fühlt sich im Großraumbüro unwohl etc. Natürlich ist das System ungleich komplexer. Und auch wenn man glaubt, das Ergebnis schon vorher zu kennen: Nicht wenige sind nach der Analyse überrascht, wie sie in Wahrheit ticken. Viele spüren die inneren Motive in sich als treibende Kraft, aber lassen sie nicht zu.

Es ist für jeden sinnvoll, die eigenen Motive zu entschlüsseln, nicht nur für Führungskräfte. Denn nichts spornt uns mehr an als die Motivation, die von innen kommt. Wenn die Situation mit unseren Lebensmotiven kompatibel ist, geht die Post ab. Lieben wir beispielsweise den Wettkampf und treffen auf einen hochkompetitiven Markt, schwimmen wir wie der Fisch im Wasser. Dann haben wir eine richtig gute Performance. Wenn sich der Erfolg dann einstellt, beflügelt uns das zusätzlich. Unsere innere Kraft und unsere Emotionen werden freigesetzt, wir empfinden uns als wirksam. Wir sind Meister der Situation. Der Umkehrschluss gilt aber auch: Wenn uns der Wettkampf nicht liegt, werden wir versagen, egal, wie erfolgreich wir vorher an einem anderen Ort unter ganz anderen situativen Bedingungen gewesen sind. 

Das, was den Kern unserer Persönlichkeit ausmacht, entscheidet darüber, ob wir bestimmten Aufgaben gewachsen sind oder ob wir scheitern. Deswegen sollten wir uns besser kennenlernen und uns die richtigen Aufgaben suchen. Dann wird unsere Arbeit von Erfolg gekrönt sein. 

Zum Autor: Benjamin Schulz ist Sparringspartner und Troubleshooter für strategische Fragen für einflussreiche Persönlichkeiten und Companies. Der Identitäts- und Marketing-Experte und Geschäftsführer von Ben Schulz & Consultants sowie der Agentur werdewelt begleitet seit vielen Jahren Firmen, Institute und Persönlichkeiten im gesamten deutschsprachigen Raum zu den Themen Strategie, Positionierung, Identität und Marketing. Er ist Autor zahlreicher Bücher wie "Goodbye McK... & Co." (Gabal Verlag 2015), "Raviolität: Identität oder Quatsch mit Soße" (Werdewelt Verlags- und Medienhaus 2012) oder "Erfolg braucht ein Gesicht" (Redline Verlag 2016). Sein aktuelles Buch, das er mit Co-Autor Brunello Gianella verfasst hat, heißt "Wenn Turnschuhe nichts bringen. Der CEO-Code für starke Führungskräfte" (Frankfurter Allgemeine Buch, März 2019). www.benschulz-consultants.com/

Veröffentlicht am: 28.05.2019

 

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