"Auch mal ganz verrückte Dinge tun"

Nicole Schuler, EY

Wie bereitet man internationale Transformationsprozesse in globalen Konzernen vor? Welche Rolle spielt dabei das Team? Und wie lässt sich ein High-Performance-Job mit einem weiteren verbinden? Darüber spricht Nicole Schuler, die als Senior Managerin bei EY arbeitet, im Interview.

zwei Consultants im Gespräch (Bild: gettyimages) | CONSULTING.de

Wie lassen sich Familie und der Job als Consultant vereinbaren? (Bild: gettyimages)

Nicole, häufig beginnt die Karriere in einem Beratungsunternehmen ja direkt nach dem Studium. Dein Weg war etwas außergewöhnlicher ...

Nicole Schuler: Ja, das stimmt. Ich war schon immer eher praktisch orientiert und mir gefiel die Mischung aus Theorie und Praxis in einem großen Konzern. Daher habe ich bei Siemens ein duales Studium und anschließend noch einen berufsbegleitenden MBA abgeschlossen. Ich hatte das Glück, dort einen echten „Heimathafen“ gefunden zu haben, in dem ich mich dezidiert in die Bereiche Strategie, Projektmanagement und Controlling der Global Business Services (GBS) einarbeiten und Schritt für Schritt entwickeln konnte.

Wenn du zurückblickst: Was hat dich motiviert, zu EY zu wechseln? Und wie leicht ist dir dieser Wechsel gefallen?

Nicole Schuler: Der Schritt war wirklich verrückt. Nach über zehn Jahren bei Siemens wurde ich Mutter von zwei Kindern. Ich habe dann eine Pause eingelegt und zweieinhalb Jahre mit meiner Familie in Mexiko verbracht. Über das GBS-Netzwerk habe ich dann meinen zukünftigen Chef kennengelernt. Der sagte damals zu mir: „Nicole, ich bin sicher: das mit deiner familiären Situation und der Beratung bekommen wir bei EY auf jeden Fall hin!“

Du bist spezialisiert darauf, komplexe Transformationsprozesse in globalen Unternehmen aufzusetzen und zu begleiten. Wie läuft so ein Prozess ab?

Nicole Schuler: Die Projekte, die ich im Bereich Shared Services begleite, starten meist sehr strategisch. Es geht um Target Operating Models und Rollenkonzepte – wer arbeitet mit wem, woran und warum. Danach wird es sehr operativ und wir arbeiten mit unseren Mandant:innen daran, Prozesse zu identifizieren, die man ins Shared Service Center verlagern kann. Diese Verlagerung begleiten wir dann über sämtliche Funktionen hinweg.

Welche Rolle spielt dein Team für dich, wenn ihr bedeutende Projekte umsetzt? Und welche Fähigkeiten sind dir – bei deinen Kolleg:innen und bei dir selbst – dabei besonders wichtig?

Nicole Schuler: Mein Team steht für mich an erster Stelle, ich bin irrsinnig stolz auf jede:n Einzelne:n. Untereinander brauchen wir vor allem Vertrauen und Authentizität. Ich möchte, dass meine Kolleg:innen mich jederzeit anrufen und ganz im Vertrauen mit mir sprechen können. Wir tragen alle unser eigenes „Päckchen“ – und mir ist wichtig, dass wir im Team offen und unverstellt miteinander umgehen.

Deine zwei Kinder hast du schon angesprochen. Mutter und Consultant – das sind sicherlich zwei der anspruchsvollsten Jobs, die man sich vorstellen kann. Wie schaffst du es, gleich zwei High-Performance-Jobs unter einen Hut zu bringen?

Nicole Schuler: Es ist manchmal verdammt hart. Vor allem das erste Jahr war sehr herausfordernd. Auch heute ist es nach wie vor eine Grenzerfahrung, aber ich habe gelernt, besser damit umzugehen. In einem Coaching habe ich das Bild der Wippe für mich entdeckt: Eine Wippe ist meist in Bewegung, aber es ist auch völlig okay, wenn sie zeitweise mal auf einer Seite stehen bleibt. Beispielsweise, wenn die Kinder krank sind oder eine Eingewöhnung in der Kita ansteht – aber auch wenn es im Projekt um die nächste Verlängerung geht oder wir einen Pitch vorbereiten.

Hast du das Gefühl, dass sich unternehmensseitig etwas tut, um es Mitarbeitenden mit Kinder- und Familienwunsch etwas leichter zu machen?

Nicole Schuler: Es tut sich sehr viel und das ist gut. Erst recht seit der Pandemie: Das Reisen wurde reduziert, Home Office und eine begrenzte Zeit im Büro sind mittlerweile das „New Normal“. Ich glaube aber auch, dass wir uns da immer noch im Wandel befinden und die Entwicklung noch nicht ganz abgeschlossen ist. Auf meiner persönlichen Reise bei EY habe ich jedenfalls immer wieder die Rückendeckung meiner Kolleg:innen gespürt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Welche ganz persönlichen Tipps möchtest du zum Schluss jungen Talenten mitgeben, die eine Karriere im Consulting anstreben? Und gibt es vielleicht etwas, dass du besonders den weiblichen Bewerberinnen ans Herz legen möchtest?

Nicole Schuler: Für mich ist das Consulting eine geniale Chance – gerade am Anfang der Karriere, wenn man sich noch unsicher ist, in welchem Bereich man sich verwirklichen möchte. Man lernt in kürzester Zeit so viel über das Business, über Menschen und vor allem über sich selbst. Gerade für Frauen, die ihre Karriere planen wollen, bevor sie an Familienplanung denken, ist das Consulting ein exzellenter Start. Und das Wichtigste: ruhig mal etwas ausprobieren und auch manchmal ganz verrückte Dinge tun!

Zu Nicole Schuler

Nicole Schuler, EY (Bild: EY) | CONSULTING.de
Nicole Schuler ist Senior Managerin im Bereich Global Business Services bei EY. Dort leitet sie die Transformation großer Unternehmen hin zu nutzerzentrierten Organisationen. Sie hat über 15 Jahre Erfahrung und führt einen Executive MBA mit einem starken Fokus auf Global Business Services und der Implementierung von Shared Service Portfolios in Konzernen.

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