Das geben wir jetzt nach draußen

Interview mit Friedrich Löer, Partner bei ISG Information Services Group Germany

SaaS boomt. Immer mehr Unternehmen nutzen Software-as-a Service-Angebote und schicken Daten ins Netz, die früher nur das Kernteam bearbeitete. Fielen bislang in erster Linie Startups mit SaaS-Angeboten auf, mischen künftig auch Platzhirsche wie SAP mit. Wir haben uns mit Friedrich Löer unterhalten, er ist Partner bei der ISG Information Services Group Germany.

Friedrich Löer, ISG

Friedrich Löer, ISG

CONSULTING.de: Herr Löer, wir berichteten vor kurzem über die Entwicklungen beim EMEA ISG Index, der vierteljährlich Daten und Trends des Outsourcing-Markts anzeigt. In den Ergebnissen Ihrer aktuellen Analyse sehen wir, dass es im Bereich Outsourcing derzeit große Verschiebungen gibt. Was passiert momentan, wenn Sie das nochmal zusammenfassen möchten?

Löer: Die Nachfrage verlagert sich vom Sourcing klassischer, vor allem funktional geprägter IT-Dienste hin zu den diversen As-a-Service-Angeboten. Hierbei weist der Software-as-a-Service-Bereich zur Zeit die größte Dynamik auf. Ein wesentlicher Treiber sind die Fachbereiche, die SaaS als leicht zu nutzendes Mittel erkannt haben, um sich von der internen IT zu lösen. Denn anstatt sich mit ihren Entwicklungswünschen in die Auftrags-Pipeline ihrer IT-Kollegen einzureihen, suchen sie sich lieber einen Anbieter am Markt, der eine sofort verfügbare Applikation oder auch gleich den kompletten Service liefern kann.

CONSULTING.de: Sie sagen, es gebe einen As-a-Service-Boom. Können Sie Beispiele nennen, in welchen Bereichen das besonders zu spüren ist?

Löer: Das kompromissloseste Vorgehen sehen wir bei den Startups. Da diese Unternehmen auf keinerlei Altlasten Rücksicht zu nehmen haben, benötigen sie allenfalls in ihrem strategischen Angebotskern eine spezifische Prozessunterstützung. Bei allen anderen Aufgaben können sie problemlos auf As-a-Service-Leistungen zurückgreifen. Parallel dazu wächst aber auch in vielen etablierten Unternehmen und hier gerade auch im Mittelstand die Bereitschaft zu hinterfragen, an welchen Stellen der Wertschöpfung es denn tatsächlich noch erforderlich ist, eine IT-Dienstleistung selbst zu erbringen.

CONSULTING.de: Und was beobachten Sie bei den Großunternehmen?

Löer: Auch da zeichnet sich dieses Umdenken immer deutlicher ab. Zusätzlicher Handlungsdruck entsteht nicht zuletzt auch durch die As-a-service-Strategie der SAP. 2025 wird die On-premise-Lösung SAP/R3 aus der Wartung gehen. Angesichts der tiefen Business-Durchdringung mit den unterschiedlichsten R3-Lösungen müssen sich die IT-Verantwortlichen bereits jetzt intensiv Gedanken darüber machen, wie sie den Wechsel auf das neue As-a-Service-Angebot SAP HANA organisieren werden.

CONSULTING.de: Beim Thema Outsourcing gab es immer schon die warnenden Stimmen: Man mache sich zu sehr abhängig von externen Dienstleistern. Mit As-a-Service-Angeboten wird das nicht gerade weniger, oder?

Löer: Mit As-a-Service wird das Outsourcing keineswegs neu erfunden. Es findet lediglich auf einer anderen Ebene statt. Im Vergabemanagement lassen sich die bereits erprobten Instrumente und Vorgehensweisen daher weiterwenden. Eine zusätzliche Achtsamkeit gilt es eher nach innen zu entwickeln. Mehr denn je geht es darum, den unkontrollierten Wildwuchs von heterogenen IT-Lösungen zu verhindern. Das Risiko dazu ist nun noch einmal erheblich gestiegen.

CONSULTING.de: Wie meinen Sie das?

Löer: Sehen Sie, die leicht zugänglichen As-a-Service-Angebote laden die Fachbereiche geradezu zu Alleingängen ein. Vor diesem Hintergrund muss die Enterprise-IT ein neues Rollenverständnis entwickeln: Statt sich wie bisher auf die Bereitstellung von IT-Dienstleistungen zu konzentrieren, wird es in erster Linie darum gehen, die unterschiedlichen As-a-Service-Angebote im Sinne einer Komplettlösung zu orchestrieren. Das reicht von der Steuerung des Auswahlprozesses und der Vertragsgestaltung über die Integration der Services in das IT-Gesamtkonzept bis zum Aufbau funktionierender Operating-Modelle. Mit einem solchen Selbstverständnis nimmt die Unternehmens-IT die As-a-Service-Dienste dann nicht mehr als Störfeuer wahr, sondern als Normalfall, der sich verlässlich managen lässt.

CONSULTING.de: Vielen Dank!

Veröffentlicht am: 17.01.2018

 

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