"Die Art und Weise, wie beraten wird, wird sich ändern"

Die Zukunft der Beratung

Es ist schon eine Weile her, dass im schönen Oldenburg ein Berater-Symposium stattfand, bei dem die Redaktion von CONSULTING.de aus zeitlichen Gründen leider nicht teilnehmen konnte. Nach Auswertung der Workshops stand uns jetzt Hans Jürgen Heinecke von TPO Consulting Rede und Antwort, er ist der Veranstalter des alljährlichen Symposiums.

Jürgen Heinecke, TPO Consulting

CONSULTING.de: Herr Heinecke, das Beratersymposium in Oldenburg hatte einige existenzielle Fragen für Beraterinnen und Berater im Programm, zum Beispiel, ob es künftig auch Discount-Beratung geben könnte. Oder ob virtuelle Kommunikation die Beratung ersetzen kann und wird. Wie kam das Thema auf die Agenda, haben Sie Sorge, dass es Ihr Berufsfeld in der heutigen Form so in 10-20 Jahren noch geben wird?

Heinecke: Doch, das Berufsfeld Beratung wird es sicherlich auch noch in 20 Jahren geben. Unternehmen werden auch in dieser fernen Zukunft Beratung und Unterstützung nachfragen. Es ist allerdings meine feste Überzeugung, dass sich nicht nur die nachgefragten Problemlösungen ändern werden, sondern auch die Art und Weise, wie beraten wird. Unsere Geschäftsmodelle werden sich im Zuge von Digitalisierung, machine learning & Co gravierend ändern. Das haben wir in diesem Jahr in den Mittelpunkt unseres Beratersymposiums gestellt.

CONSULTING.de: Die Branche hat genug zu tun und damit das Problem vieler Branchen, die schlecht Nachwuchs finden. Ein Thema des Symposiums war daher, wie Berater sich über das richtige Employer Branding interessanter machen für potentielle Bewerber. 

Heinecke: Dieser Symposium-Workshop hat im Schwerpunkt das Employer Branding der kleinen und mittleren Beratungsunternehmen (KMBU) thematisiert. Unsere Arbeitshypothese war, dass die Großen in der Branche sich leichter tun, ein Arbeitgeber-Image aufzubauen und am Arbeitsmarkt durchzusetzen. Herausgearbeitet wurden die Stärken der KMBU: umfassendere und anspruchsvollere Aufgabenstellung auch für jüngere Berater, einen stärkeren lokalen Bezug zu den Klienten und eine bessere Work-Life-Balance. Ich glaube, dass diese Aspekte tatsächlich die Attraktivität der KMBU ausmachen und wir können das auch hier in Oldenburg bei den Absolventen unseres Master-Studiengangs beobachten. Für viele ist die Arbeit in einem KMBU aus diesen Gründen attraktiv. Die Fehler leiten sich daraus ab: Die Großen zu imitieren ist wenig Erfolg versprechend und das wachsende  Bedürfnis nach einer humanen und inspirierenden Arbeitsumgebung mit größerer Eigenverantwortlichkeit (in Anlehnung An Frithjof Bergmanns "New Work") zu ignorieren dürfte der größte Fehler sein. Letzteres gilt sicherlich auch für die Großen. 

CONSULTING.de: Das Thema von Workshop 6 lautete: "Welche Berater-Kompetenzen werden zukünftig gebraucht?" Was kam dabei heraus?

Heinecke: Wir haben es in Zukunft immer stärken mit "beratungserfahrenen" Klienten zu tun. Gleichzeitig nimmt die Veränderungsgeschwindigkeit zu und wir müssen uns mit der VUCA-Ökonomie auseinandersetzen. In dieser Situation wird es in der Beratung verstärkt auf nichtfachliche Kompetenzen ankommen. Die wichtigsten sind in unseren Augen: Klare, eindeutige und Vertrauen aufbauende Kommunikation mit dem Klienten; Bereitschaft, Klienten mit ihren blinden Flecken zu konfrontieren und eine tragfähige Beziehung zu den Führungskräften und Mitarbeitern des Klientenunternehmens aufbauen.

CONSULTING.de: Vielen Dank!

Veröffentlicht am: 04.05.2018

 

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