"Die Consulting-Branche polarisiert"

trendence-Befragung Young Professionals

13.10.2017

CONSULTING.de berichtete über eine groß angelegte Studie von trendence zur Arbeitszufriedenheit von Beratern. Wir wollten noch etwas tiefer bohren und bekamen aus Berlin Antworten von trendence-Geschäftsführer Holger Koch.

"Eine Frage des Mindsets" (Bild: trendence)

"Eine Frage des Mindsets" (Bild: trendence)

 

CONSULTING.de:  Herr Koch, Ihre Befragung hat ergeben, dass die Beraterbranche nach wie vor eine große Anziehungskraft für junge Menschen ausstrahlt. Viele Young Professionals mit Hochschulabschluss möchten ins Consulting. Warum ist das so?

Holger Koch: Zunächst muss man sagen, dass die Consulting-Branche durchaus polarisiert. Den 34 Prozent, die sich auf jeden Fall in der Branche bewerben wollen, stehen auch 20 Prozent der Young Professionals gegenüber, für die die Branche keinesfalls infrage kommt. Für die Vorliebe und Abneigung sprechen ganz unterschiedliche Gründe. Wir ermitteln für jedes einzelne Unternehmen in der Consulting-Branche, was es für die Young Professionals attraktiv macht. Die meisten Beratungen punkten mit der Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung, hoher Eigenverantwortung und guten Karriereperspektiven. Aber klar, auch mit dem Gehalt. Übrigens:  Für eine ausgewogene Work-Life-Balance steht die Branche überhaupt nicht. Kein Wunder: In keiner Branche wird so viel gearbeitet wie im Consulting, im Schnitt 47,7 Stunden pro Woche. Das schreckt auch viele potenzielle Kandidaten ab.

CONSULTING.de: Ein Zehntel der von Ihnen befragten Young Professionals sind bereits Berater. Nun haben diese laut Ihrer Befragung im vergangenen Jahr im Schnitt 4,5 Jobangebote bekommen. Meistens läuft das über einen Headhunter. Was macht die Leute so begehrt? 

Holger Koch: Darüber können wir nur mutmaßen, weil wir nur die Young Professionals, nicht aber die abwerbenden Unternehmen befragen. Aber aus unseren intensiven Gesprächen mit den Top-Arbeitgebern Deutschlands wissen wir: Ihre strategischen Fähigkeiten und ihr Wissen über viele Unternehmen unterschiedlichster Branchen, das sie während ihrer Beratertätigkeit gewinnen konnten, macht Berater so wertvoll für andere Arbeitgeber.

CONSULTING.de: Knapp die Hälfte aller befragten Consultants sind laut Studie sogenannte "Digitals", die, wie die Studie das definiert ,  ein "besonders gut ausgeprägtes digitales Know-how" haben und besonders wichtig für die digitale Transformation in der Unternehmenswelt sind. Was muss ich als Berufswechsler oder als Einsteiger denn alles können, um als richtiger Digital durchzugehen? Reicht es, wenn ich der Held bei PowerPoint und Prezi bin?

Holger Koch: Nein, sicher nicht. Das Digitale muss Ihnen in Fleisch und Blut übergegangen sein. Das ist nicht nur eine Frage des Know-hows, sondern vor allem des Mindsets. Sind die Young Professionals offen für die Digitalisierung und ihre Auswirkungen? Wenn sie neue Projekte angehen, denken sie die Möglichkeiten der digitalen Welt automatisch mit? Oder sehen sie es eher als lästiges "Daran müssen wir dann irgendwann auch noch denken“? Natürlich müssen wir das in unserer Studie operationalisieren und können nicht einfach fragen "Bist du ein Digital?“. Also haben wir einen Kriterienkatalog entwickelt, der ganz verschiedene Punkte des digitalen Lebens abdeckt, von einfachen bis hin zu komplexeren Themen. 

Übrigens: Auch unter den Digital Natives ist keineswegs jeder automatisch ein Digital. Nur weil jemand mit Smartphone & Co. aufgewachsen ist, verrät das noch nichts über seine digitalen Kompetenzen und sein digitales Mindset.

Direkter Link zum Artikel über die Studie.

ts

 

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