"Digitalisierung das mit Abstand wichtigste Thema"

Stellenanzeigen für Consultants

Die Metajobsuchmaschine Joblift hat rund 135.000 Berater-Stellenanzeigen analysiert, die in den 24 Monaten zuvor geschaltet worden waren. Und dabei einiges über Trends und Tendenzen erfahren. Wir unterhielten uns mit Julia Karlstetter, sie ist bei Joblift für PR und Content Marketing zuständig.

 

Julia Karlstetter, Joblift (Bild: Joblift)

Julia Karlstetter, Joblift (Bild: Joblift)



CONSULTING.de: Frau Karlstetter, Sie haben bei Joblift im Juni 2017 alle Stelleninserate für Beraterposten unter die Lupe genommen, die in den zurückliegenden zwei Jahren veröffentlicht wurden. Und haben dann erfasst, welche Merkmale und Fähigkeiten in den Anzeigen eine Rolle spielten. Ich gebe zu, wir hätten uns mal früher bei Ihnen melden sollen. Sind die Ergebnisse noch aktuell?

Julia Karlstetter: Sind sie. Wir haben uns insbesondere mit der Entwicklung des Berufsbildes beschäftigt, genauer gesagt mit den aktuellen Anforderungen, die an Berater gestellt werden. Da die Tendenzen nach wie vor dieselben sind wie zum Zeitpunkt der Veröffentlichung unserer Studie, sind die Ergebnisse auch heute noch relevant.

CONSULTING.de: Sie haben insgesamt knapp 136.000 Inserate ausgewertet, wie haben Sie das gemacht? Jede einzelne Anzeige durchgelesen und die Merkmale in ein Excel-Sheet übertragen?

Karlstetter: Der Technologie sei Dank verfügen wir über effizientere Analysemöglichkeiten. Als Metasuchmaschine für Jobs steht uns eine umfangreiche Datenbasis aus allen online geschalteten Stellenanzeigen der letzten zwei Jahre zur Verfügung, die wir anhand spezifischer Schlüsselwörter und Kriterien wie Region und Art des Vertrags filtern können. Die dadurch erhaltene Datensammlung können wir im Anschluss weiter semantisch auslesen, umfassend analysieren und so Schlüsse für die untersuchten Jobprofile oder ganze Branchen ziehe
 
CONSULTING.de: Ein Ergebnis ist, dass es eine steigende Zahl von Stellenanzeigen für Berater gibt. Wie sieht es denn bei den Beraterthemen aus, gibt es welche, die im Vordergrund stehen? 

Karlstetter: Das ist richtig. Die Anzahl der Stellenanzeigen für Berater stieg im ersten Quartal dieses Jahres um 116 Prozent im Vergleich zum Vorjahr – das ist sicherlich als positives Zeichen für die Branche zu werten. Die Analyse hat uns außerdem gezeigt, dass die Digitalisierung derzeit das mit Abstand wichtigste Thema im Consulting ist.

CONSULTING.de: Welche Zahlen haben Sie dabei verglichen?

Karlstetter: Mit über 6.200 Erwähnungen im Bereich der Tätigkeitsprofile lag sie weit vor anderen Mega-Trends. Zwar gehören auch eng mit der digitalen Transformation verknüpfte Herausforderungen, wie etwa die Industrie 4.0 und die Automatisierung, nach wie vor zu den Top-Themen, diese werden aber nur knapp 3.500- beziehungsweise 2.850-mal als Kernaufgabe aufgeführt. Besonders überraschend schien uns nur die verhältnismäßig seltene Erwähnung des Themas Globalisierung, das wurde nämlich 1.689 mal genannt. Das war vor einigen Jahren noch deutlich mehr, hatte also einen sehr viel höheren Stellenwert. 

CONSULTING.de: Sie haben auch danach geschaut, welche Soft Skills gefragt sind. Und haben festgestellt, dass es offenbar einen Wandel im Berufsbild gibt. Gibt es Persönlichkeitsmerkmale, die häufiger gefragt sind als früher?

Karlstetter: Interessanterweise, ja. Genau wie die gerade beschriebenen Inhalte verändert sich zunehmend auch das Aufgabenspektrum. Mit gut 40.350 Nennungen ist das derzeit beliebteste Persönlichkeitsmerkmal die Kommunikationsstärke, gefolgt von Teamgeist mit 32.100 Nennungen sowie analytischen Fähigkeiten, die über 30.650 mal erwähnt werden. Mit etwas Abstand werden fast 23.500 mal Engagement sowie etwa 17.500 mal Anpassungsfähigkeit erwartet. Auf den ersten Blick mag das wenig überraschen, weil diese Kompetenzen dem klassischen Bild des Beraters entsprechen, jedoch fiel uns die inzwischen hohe Prozentzahl an Anzeigen auf, die Teamfähigkeit hervorhebt.

CONSULTING.de: Warum meinen Sie, haben sich diese Zahlen im Laufe der Zeit verschoben?

Karlstetter: Die Erklärungen können vielfältig sein. Ein Faktor ist aber sicherlich, dass Beratungsfirmen angesichts der zunehmend freien Verfügbarkeit von Informationen nicht mehr allein auf ihr Fachwissen setzen können. Stattdessen sind sie einem ständigen Innovationsdruck ausgesetzt, dem sie nur durch die Einbeziehung der im Unternehmen tätigen Experten gerecht werden können. Aus der ehemaligen "Lehrerrolle" wird zunehmend die des Moderators und langfristigen Begleiters – und als solcher muss man eben viel enger mit dem Team zusammenarbeiten, statt nur die Richtung vorzugeben. Einzelkämpfer wären da fehl am Platz.

CONSULTING.de: Vielen Dank!

Die Metasuchmaschine Joblift.de bündelt insgesamt mehr als 4,5 Millionen Jobs in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und UK. Diese Datenbasis dient als Grundlage für Analysen zu aktuellen Arbeitsmarktentwicklungen, die insbesondere mit Megatrends wie der Digitalisierung zusammenhängen.

ts

Veröffentlicht am: 16.10.2017

 

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