Ein Büro ohne Müll – Wie man sich auf den Weg zum Zero Waste Büro machen kann

Interview zum Thema Zero Waste mit Maren Teichert

Kann man im Büro "Zero Waste" umsetzen? Auf was muss man als vielreisender Consultant besonders achten, wenn man umweltbewusst leben und reisen will? Wie lässt sich Mobilität klimaneutral gestalten? Wir haben mit Maren Teichert, Bloggerin und Zero Waste-Pionierin aus Köln, darüber gesprochen, wie sich im Büro "Zero Waste" realisieren lässt und worauf man genau achten muss. Lesen Sie auf CONSULTING.de, wie Sie sich auf den Weg zum Zero Waste Büro machen.

Zero Waste im Büro
Zero Waste im Büro

Zahlen darüber, wie groß die Müllmenge genau ist, die täglich in Büros anfällt, fehlen zwar. Aber, wer einen Blick in seinen Büro-Mülleimer wirft, dem ist bewusst, dass die Mär vom papierlosen Büro bislang reine Fiktion ist. Aber Papier ist nur ein Bereich, in dem viel Müll im Büro anfällt. Gerade für Consultants, die viel unterwegs sind, stellt sich die Frage nach klimaneutralem Reisen und klimaneutralen Übernachtungen. "Zero Waste" ist ein Konzept, bei dem es darum ein Leben zu führen, bei dem möglichst wenig Abfall produziert und Ressourcen nicht verschwendet werden. Wir haben mit Maren Teichert, Bloggerin und Zero-Waste Pionierin aus Köln, darüber gesprochen, wie sich im Büro "Zero Waste" realisieren lässt.

CONSULTING.de: Auf welche Dinge muss man besonders achten, wenn man ein "Zero Waste" Büro haben möchte?

Maren Teichert: Die Einflussfaktoren sind vielfältig, die naheliegendsten sind der Papierverbrauch und das Druckverhalten, die Utensilien am Schreibtisch, die Versandorganisation und die Müllentsorgung, der Einkauf (Büro, Teeküche), das Ersetzen von Einwegprodukten durch Mehrwegprodukte, die Wahl der Fortbewegungsmittel auf den Arbeitswegen.

CONSULTING.de: Welche Bereiche werden gerne übersehen?

Maren Teichert: Bei meiner Recherche zum Thema wiederholten sich die oben angeführten Punkte. Weniger im Fokus steht die Betrachtung der Architektur und Haustechnik, die Beschaffung und Qualität der Büroeinrichtung vom Bodenbelag über die Lampen und PC’s bis zum Schreibtischstuhl. Eine bedeutende Rolle spielt die Wahl der Energieversorger und das Nutzerverhaltens im Büro, die Entscheidung für eine Bank, das Versicherungsangebot und die Kommunikationsdienste, sowie stromsparende Voreinstellungen an Computern und Smartphones. Weitere Punkte sind das Raumklima, die Büroreinigung, die Ausstattung von Sanitäranlagen vom Toilettenpapier bis zur Handtrocknung. Folgend ebenso interessant ist die Betrachtung der Präsentationsvarianten bei der Gestaltung von Meetings. Dazu gehört die Bereitstellung von Getränken und Naschwerk bei Sitzungen. Die Gestaltung der Mittagspause in Betrieben mit und ohne Kantine sind Punkte, auf die es sich zu schauen lohnt, wie auf die Ausstattung der Teeküche und die Haltung zur Ausgestaltung von Geschäftsreisen, Büroausflügen, Feierlichkeiten (Weihnachtsfeier, Tag der offenen Tür, Neujahrsempfang). Und zum Thema ‘Einkauf’ wären da noch die Bereiche Berufsbekleidung, Werkzeuge, Maschinen, Geräte, etc.

CONSULTING.de: Wo fängt man am besten mit dem Prozess an?

Maren Teichert: Vor der Umsetzung steht das Bewusstsein und das braucht Wissensfutter. Ist die Motivation geweckt, beginnt man wie auch daheim, am besten da wo es leicht fällt. Sei es, Papier nur bei tatsächlichem Bedarf und je nach Nutzen beidseitig auszudrucken, Versandkartons wieder und wieder zu verwenden, Visitenkarten abzufotografieren und digital zuordnen statt Kartentausch, je nach Möglichkeit im WC Handtücher auszuhängen statt Einmalpapiertücher nachzulegen, Kaffee, Kekse und mehr in eigenen Behältern auffüllen lassen oder per Pfandsystem beziehen, Treppe nutzen statt Aufzug, Geräte zum Feierabend runter fahren statt sie im Standby-Modus zu lassen, stromsparende Kommunikationswege nutzen (z.B. ein paar Schritte zum Büro des anderen) statt vielem Hin- und Hergemaile, Leitungswasser in büroeigene Glasflaschen abzapfen und z.B. aufbereiten, für notwendige Tagungen mal ein Biohotel mit Zero Waste Philosophie nutzen und auf möglichst kurze Wege für alle achten, für den Snack zwischendurch saisonal regional erhältliches Obst statt verpackte Schokoriegel bereitstellen oder andere einmalige Stellschrauben drehen mit langer Wirkungsdauer. Da wäre zum Beispiel der Wechsel der Energieversorger, die Voreinstellungen an Computern und Smartphones. Die Umstellung des Einkaufs von Bürobedarf ist nur eine kleine Recherche weit entfernt. Es ergeben sich an vielen Punkten keine Verluste an Komfort. Im Gegenteil und gleichzeitig sind wesentliche Schritte zur Vermeidung von Verschwendung und damit Ressourcenschonung getan.

CONSULTING.de: Was sind in einem Büro normalerweise die größten Müll-Quellen?

Maren Teichert: Zumindest am offensichtlichsten ist das Papieraufkommen, da liegt Deutschland mit seinem Pro-Kopf-Verbrauch von 250 kg pro Jahr im weltweiten Vergleich auf Platz 4. Dazu kommt viel vermeidbares Verpackungsmaterial durch Einwegverpackungen und Kleinstgrößen (Bsp. Zuckertütchen). Ist dem Büro eine Kantine angegliedert, lassen sich weitere enorme Mengen an Verpackungs- und Lebensmittelmüll einsparen.

CONSULTING.de: Geht die Gleichung so auf: Umso digitaler das Büro, umso weniger Müll?

Maren Teichert: Ist der Stand eines papierlosen Büros erreicht, ist zwar Papiermüll eingespart, aber der Verbrauch von anderen Ressourcen gestiegen. Server verbrauchen Strom und im digitalen Büro lassen sich eine Vielzahl von Hebeln bewegen, um Verschwendung zu vermeiden. Ein Mailversand zum Beispiel braucht ca. 10 Gramm CO2, ein Brief das doppelte. Es macht aber einen Unterschied, wie groß die Datenmenge der stets mit versendeten Signatur ist, wie viele Dateien beim Antworten ggf. unnütz wiederholt mitgeschickt werden. Es macht einen Unterschied, ob 20 Kurzmails versendet werden oder eine Mail mit kompaktem Inhalt. Es kann inhaltlich effektiver sein, über den Büroflur zu gehen oder zum Telefonhörer zu greifen, um das persönlich zu besprechen. Ein bedeutender Faktor ist das digitale Archiv. Es gehört ebenso gepflegt, wie das Archiv in Kellern und Lagerräumen: Altes sollte raus.

CONSULTING.de: Auf was muss man bei Handy und PC besonders achten?

Maren Teichert: Bei der Anschaffung lohnt sich der Blick auf generalüberholte gebrauchte Geräte, um die Verschwendung von endlichen Ressourcen und damit u.a. einhergehenden Menschenrechtsverletzungen zu meiden. Der Markt mit aufbereiteten Geräten wächst.

An den Geräten sind stromsparende Voreinstellungen sinnvoll: datenminimierte Mail-Signatur, eine nachhaltige agierende Suchmaschine wie z.B. Ecosia, schwarz eingestellte Hintergründe bei OLED-Bildschirmen verbrauchen weniger Strom als helle Farben. Durch die Nutzung von Smartphones lassen sich viele Funktionen verbinden: Pdf statt Handout, Flyer und Visitenkarte abfotografieren und direkt zuordnen, Protokolle direkt in den PC eingeben, Synchronisationsmöglichkeit von Smartphone und Computer nutzen.

Fortsetzung: Der zweite Teil des Interviews mit Maren Teichert erscheint am 13. Februar.

Maren Teichert
Maren Teichert Minzawillsommer
Maren Teichert ist Pädagogin, hat Architektur studiert mit der anschließenden Spezialisierung zum 'Planen und Bauen im Bestand'. Seit 2005 arbeitet sie in einem Kölner Architekturbüro mit den Schwerpunkten 'Wohnen' und 'Holzbau'. Seit 2012 schreibt sie auf ihrem Blog über Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen. Ehrenamtlich engagiert sie sich unter anderem bei Zero Waste Köln e.V. mit Sitz im Vorstand.

Das Interview führte Holger Geißler.

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