"Eine private Mädchenschule, von Nonnen geführt – das tut sein Weiteres"

Interview zum Web-Seminar am 19.03.2021 um 11 Uhr

Sympathisch und erfolgreich: So sehen wir uns selbst gerne und so möchten wir auch von anderen wahrgenommen werden. Was aber haben gute Manieren mit Sympathie und Erfolg zu tun?

Sabine Lansing, KNIGGE-WISSEN

Frau Lansing, Sie beraten rund um den Knigge. Wie haben Sie Adolph Freiherr von Knigge kennengelernt? Sind Sie zum Knigge gekommen oder ist der Knigge zu Ihnen gekommen?

Sabine Lansing: Knigge war schon immer Teil meines Lebens. Bei uns zu Hause wurde viel Wert auf gutes Benehmen gelegt. Ja und dann noch eine private Mädchenschule, von Nonnen geführt - das tut sein Weiteres. Mir war nie bewusst, dass Knigge ein eigenständiges Thema ist.

Erst als ich nach meiner Ausbildung nach Köln ging, um bei Juwelier Wempe zu arbeiten, wurde mir klar, welchen Unterschied es macht, die Benimmregeln oder neudeutsch Umgangsformen zu kennen. Ohne sie, wäre mein Weg, dahin wo ich heute stehe, viel schwerer gewesen.

Warum ist der Knigge eigentlich in Deutschland so vielen ein Begriff?

Sabine Lansing: Wir verbinden mit Knigge gutes Benehmen. Gutes Benehmen ist der Inbegriff von souveränem und sicherem Auftreten. Menschen mit gutem Benehmen werden als sympathisch und erfolgreich wahrgenommen. Und ist es nicht das, was wir sein wollen oder wie wir wahrgenommen werden wollen? Sympathisch und erfolgreich?

Welchen Stellenwert hat für Sie persönlich das richtige Auftreten und gute Manieren? Und unterscheidet sich das vom Privaten ins Berufliche?

Sabine Lansing: Erst einmal möchte ich erklären, wie ich Knigge und gute Manieren sehe. Knigge ist für mich kein Selbstzweck. Menschen, die sich formal perfekt den Regeln entsprechend verhalten, können auf andere unhöflich wirken. Warum? Weil Sie Knigge als den Maßstab betrachten. Der Maßstab ist aber, dass sich die Menschen in ihrer Gegenwartwohl fühlen - sich wertgeschätzt und respektiert fühlen.

Wenn ich dafür Knigge-Regeln über Bord werfen muss, ist das, das richtige Auftreten. Das richtige Benehmen muss dabei auch immer zum Menschen passen. Ein kreativer, innovativer Mensch tritt anders auf als jemand, der Sicherheit vermitteln will.

Das Wissen um die richtigen Umgangsformen hilft uns, zu entscheiden, welche "Regeln" wir befolgen wollen oder sollten und welche wir für uns anpassen müssen. Wenn ich mich gegen die klassischen Umgangsformen entscheide, muss ich damit rechnen, Irritationen auszulösen. 

Dann weiß ich, dass der fragende Blick meines Gegenübers wahrscheinlich mit meinem Statement T-Shirt zusammenhängt, welches ich zum Anzug trage. Ich prüfe nicht mehr, ob ich mich falsch vorgestellt habe oder in einem anderen Fettnapf stehe. Ich kann mit dieser Irritation umgehen.

Deswegen ist es so wichtig, die Regeln zu kennen, um zu entscheiden, wie ich mich präsentieren möchte. Starke Abweichung von der Norm bedeutet für mich, ich muss meine Kompetenz stärker unter Beweis stellen.

Hier geht's zur kostenlosen Web-Seminar-Anmeldung

Zwischen Beruf und Privatleben gibt es einen Unterscheid  natürlich. Und da gehören Jeans, weite Pullover und dicke Schuhe zu meiner bevorzugten Winteralltagskleidung. Wenn wir privat Essen gehen, gibt es Grundregeln der Tischkultur, die eingehalten werden, aber die sind natürlich entspannter als bei einem Geschäftsessen.

In welcher Umgebung ist man? Wem stehe ich gegenüber? Welchen Eindruck und welche Seite von mir möchte ich zeigen? Das sind die Fragen, die wichtig sind. All das hat doch einen Einfluss auf mein Verhalten und wie ich mich präsentiere.

Ist der Knigge in gewisser Weise ein analoger Vorläufer der heute so allgegenwärtigen, meist digitalen, Selbstdarstellung und -vermarktung? Oder ist das eine Verunglimpfung des einen Buches über Umgangsformen, das jeder Deutsche zumindest namentlich kennt?

Sabine Lansing: Bei der digitalen Selbstdarstellung bin ich mir sicher: dort ist viel Show. Mehr Schein als Sein. Wie oft hört man z. B. über Datingplattformen, dass die realen Menschen nur wenig mit den Profilen gemeinsam haben.

In der realen Welt ist es viel schwieriger den Schein aufrecht zu halten. Ich muss mich ja jedes Mal wieder beweisen. In der digitalen Welt kann ich an meiner Selbstvermarktung feilen und sie optimieren, ohne dass es ein wirkliches Abbild meines Selbst ist.

Der Knigge heißt ja eigentlich "Über den Umgang mit Menschen". Welche Rolle spielt der Umgang mit sich selbst, wenn man mit anderen Menschen richtig umgehen möchte?

Sabine Lansing: Natürlich sollte ich nicht nur gut mit anderen umgehen. Sich selber zu schätzen und zu respektieren, gehören zu einem gesunden Umgang dazu.

Wenn ich zu mir selber stehen kann, wirke ich glaubwürdig, sicher und souverän. Dann bringt mich auch eine Irritation, ein Fettnapf nicht aus der Fassung und ich kann locker und schlagfertig solche Situationen meistern. Dann ist der Fleck auf der Bluse keine Katastrophe, sondern nur ein Missgeschick. Leben live.

Kann ich mit dem richtigen Auftreten meine Kompetenzen stärken oder kann ich mit dem richtigen Auftreten sogar Kompetenzen vortäuschen, wo gar keine sind?

Sabine Lansing: Oh ja, es gibt HochstaplerInnen die sich durch Vortäuschung einen Vorteil verschafft haben. Spannend ist dabei, sie galten immer als sehr höflich und charmant. 

Leider kann man auch mit guten Manieren schlechte Taten verüben.

Doch jetzt gehen wir einfach mal vom Normalfall aus. Wenn ich sicher und souverän auftrete, stellt mein Gegenüber meine Kompetenz nicht in Frage. Ich kann dann meine Fähigkeiten und Kompetenz schneller und glaubwürdiger unter Beweis stellen. Denn der Punkt, an dem meine Kenntnisse geprüft werden, kommt ja im zweiten Schritt und da hilft auch kein Knigge.

Wie groß ist Ihrer Erfahrung nach die Differenz zwischen Selbst- und (Ihrer) Fremdwahrnehmung des Erreichungsgrades guter Umgangsformen?

Sabine Lansing: Da geht die Schere weit auseinander:

Die, die glauben alle Umgangsformen zu beherrschen, sind oft nicht auf dem neusten Stand. Wie oft im Leben: Wer glaubt Defizite zu haben, ist meist reflektierter und geht sorgsam mit seinem Umfeld um.

Ein großes Thema ist ja auch Social Selling: Gehen Sie in Ihrem Seminar auch darauf ein, wie man im Social Web einen guten ersten Eindruck macht?

Sabine Lansing: Ja genau. Für viele Menschen hat sich das berufliche Miteinander in die virtuelle Welt verlagert, deswegen wird es in dem Seminar auch zu einem Teil um den Eindruck in dieser Welt drehen. Von der Vorbereitung, Technik, Kleidung, Selbstpräsentation bis hin zum Verhalten in Meetings.

Wer sollte Ihr Web-Seminar am 19. März nicht verpassen? Oder ist wirklich für jede/n etwas dabei? Worauf können sich die TeilnehmerInnen freuen?

Sabine Lansing: Das Seminar ist für die Menschen geeignet, die sich selbst überprüfen wollen. Die in der realen und der virtuellen Welt einen guten Eindruck hinterlassen wollen. Dabei geht es um Körperhaltung, Kleidung, Duft und Sprache. In der virtuellen Welt können wir auf Duft verzichten und ergänzen es um Technik, Raum und Unterschiede zu persönlichen Begegnungen. Alles sehr praxisnah mit vielen konkreten Tipps.

Hier geht's zur kostenlosen Web-Seminar-Anmeldung

Veröffentlicht am: 10.03.2021

 

Über CONSULTING.de

consulting.de ist das zentrale Informationsportal für Unternehmensberatungen. Unser breites Informationsangebot rund um Consulting richtet sich sowohl an Management- und Strategieberatungen, Personalberatungen, Controlling- und Finanzberatungen, Wirtschaftsprüfungen, Marketing- und Kommunikationsberatung und IT-Beratungen als auch deren Kunden aus Industrie, Handel sowie Dienstleistung.

facebook twitter xing linkedin linkedin