"Mir ist es wichtig, über meine Leistung erfolgreich zu sein"

Frauen im Consulting: Regine Siepmann, hkp/// group

von: Ulrike Schäfer

Regine Siepmann berät für die hkp/// group. Im Interview mit CONSULTING.de erzählt sie, was sie von einer Frauenquote hält, weshalb im Job der sprichwörtliche Einsatz der Ellenbogen für sie nicht in Frage kommt und was sie anderen Frauen in der Branche rät.

Regine Siepmann

Regine Siepmann

Consulting.de: Braucht man als Frau die berühmten "Ellbogen", um sich in der Beraterbranche durchzusetzen? Oder würden Sie eher andere Strategien empfehlen?

Regine Siepmann: Bei meinem Weg in der Beratung habe ich mir ein Zitat des US-Komikers Danny Kaye zu eigen gemacht: "Es gibt zwei Möglichkeiten, Karriere zu machen: Entweder leistet man wirklich etwas, oder man behauptet, etwas zu leisten. Ich rate zur ersten Methode, denn hier ist die Konkurrenz bei weitem nicht so groß." Mir war und ist es wichtig, über meine Leistung erfolgreich zu sein. Dass es dabei entsprechende Rahmenbedingungen, Selbstbewusstsein und immer auch eine Portion Glück braucht, ist nicht von der Hand zu weisen. Aber die Ellenbogen einzusetzen, bedeutet für mich, negative Energie auf andere zu verschwenden. Das erspare ich mir lieber.

Consulting.de: Können Quoten eine Lösung sein, um Frauen in Führung zu bringen?

Regine Siepmann: Quoten, welcher Art auch immer, sind im Grundsatz problematisch, weil sie in der Regel neue Ungerechtigkeiten schaffen. So halte ich eine Frauenquote für wichtige Fach- und Führungspositionen zwar nicht für die ideale Lösung, aber ich sehe in der Beratungspraxis sehr wohl, wie träge sich gerade in Leitungsgremien der Unternehmen notwendige Veränderungen vollziehen. Die Quote kann als temporärer Impuls wirken, um hier schneller Erfolge zu sehen. Aber das eigentliche Umdenken muss deutlich darunter beginnen.

Consulting.de: Sind Sie Mitglied in einem Frauen- oder gemischten Netzwerk?

Regine Siepmann: Ich gehöre keinem offiziellen beruflichen Netzwerk an. Ich bin in dieser Hinsicht nicht übermäßig engagiert. Aber natürlich habe ich mir über mein berufliches Engagement über die Jahre ein eigenes informelles Kontakt-Netzwerk aufgebaut. Auch ist mir die Pflege meines privaten Netzwerks sehr wichtig.

Consulting.de: Gab es eine Person, die Sie bei Ihrem Werdegang gefördert hat? Vielleicht sogar eine(n) Mentor/-in? Oder ein Vorbild?

Regine Siepmann: Mich beeindrucken Frauen, die sich in der Männerdomäne Wirtschaft durchgesetzt haben. Sie sind mir ein Vorbild. Hinzu kommen natürlich die eigenen Partnerkolleginnen und -kollegen, die mir über die gemeinsamen Jahre fachlich wie persönlich immer wieder Bestätigung und Orientierung gegeben haben. Dieses Fordern und Fördern möchte ich nicht missen.

Consulting.de: Geht es überhaupt noch ohne Coaching? Haben Sie selbst Erfahrungen damit gemacht?

Regine Siepmann: Stand heute halte ich Coaching für nicht zwingend erforderlich. Ich habe das eine oder andere in dieser Richtung ausprobiert und davon sicherlich auch profitiert. Für mich war es aber nie die Lösung, die mich um Längen nach vorn katapultiert hat. Aber vielleicht kommt dieser Moment auch noch, vielleicht braucht es konkrete Situationen, in denen ein externes Coaching möglicherweise genau das Richtige ist. Bislang hat mir aber das Feedback meiner Kolleginnen und Kollegen stets optimal weitergeholfen.

Consulting.de: Stichwort Selbstoptimierung: Heutzutage gilt es ja als verbreitetes Phänomen, dass gerade Frauen es damit leicht übertreiben. Wie ist das bei Ihnen?

Regine Siepmann: Das Phänomen war mir bis dato unbekannt. In Vorbereitung unseres Gesprächs musste ich erst nachschlagen, was damit gemeint ist. Ich sehe mich daher wohl eher als nicht betroffen. Menschen gehen unterschiedlich mit Verantwortung und Druck um. Ich halte das nicht für ein geschlechterspezifisches Thema.

Consulting.de: Noch ein beliebtes Stichwort: die Work-Life-Balance. Gelingt Ihnen der Ausgleich?

Regine Siepmann: Das Beratungsgeschäft ist natürlich eine Herausforderung. Den geregelten Arbeitstag von 9 bis 17 Uhr gibt es da nicht. Es mag für manche wenig inspirierend klingen, aber für mich ist meine Arbeit Teil meines Lebens. Sie macht mir Spaß, heute mehr denn je. Und gerade gelungene Projekte, tolle Kollegen und zufriedene Kunden geben mir einen Großteil der aufgebrachten Energie zurück. Natürlich müssen die Akkus auch aufgeladen werden, da darf das Privatleben nicht zu kurz kommen. Daran arbeite ich noch.

Consulting.de: Haben Sie schon Erfahrung gemacht mit der berühmten Stutenbissigkeit, die Frauen gerne unterstellt wird?

Regine Siepmann: Bislang habe ich mit Männern ebenso wie mit Frauen immer gut und kooperativ zusammengearbeitet. Entsprechende Ansätze – auf Frauen- wie auf Männerseite – nehme ich manchmal wahr, verschwende darauf aber keine Energie. Das ist es mir nicht wert.

Consulting.de: Wo holen Sie sich neue Inspirationen für den Job?

Regine Siepmann: Im Urlaub schalte ich total ab. Da bin ich weg, im Schnee oder in der Sonne, aber nur für mich und die Familie verfügbar. In der Regel verschlinge ich dann einen Roman nach dem anderen und genieße das Nichtstun. Fachbücher kommen mir auf keinen Fall in den Koffer. Aber erstaunlicherweise ist das Wieder-Auftauchen aus dieser Urlaubsblase, meistens auf der Rückfahrt oder dem Rückflug von irgendwo, mit einem kreativen Schub verbunden.

Consulting.de: Welchen Ratschlag würden Sie Kolleginnen für ihren Berufsweg geben?

Regine Siepmann: Leistung ist unabdingbare Voraussetzung für die berufliche Entwicklung. Stimmt diese in Qualität und Umfang, dann ist es auch einfacher, darüber zu sprechen und sich zu behaupten. Und es braucht eine gewisse Konstanz. Gutes Handwerk – und das braucht es ganz besonders in der Beratung – setzt Lernen und Erfahrung voraus. Beides bekommt man nicht notwendigerweise durch viele Wechsel. Gerade Berufseinsteiger sind mir heute oft zu unstet, wenngleich ich natürlich die Verlockungen auf dem Arbeitsmarkt sehe. Aber für mich war die mehrjährige Ausbildung in der Beratung der Grundstein für vieles, was mich heute stark macht.

Zur Person:
Nach ihrem Studium der Betriebswirtschaftslehre samt Abschluss als Diplom-Kauffrau an der Universität Köln stieg Regine Siepmann direkt in die HR-Management-Beratung ein. Inzwischen verantwortet sie als Partnerin bei der hkp/// group den Geschäftsbereich Board Services, also alle Beratungsaktivitäten rund um die Vergütung von Vorständen, Geschäftsleitungsmitgliedern sowie Aufsichtsräten. Regine Siepmann ist 38 Jahre alt und verheiratet.

Veröffentlicht am: 18.06.2018

 

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