"Ich bin ein großer Freund von informellen, gemischten Netzwerken"

Frauen im Consulting: Patricia Moubarak, Accenture

09.05.2018

In unserer Reihe "Frauen im Consulting" sprachen wir mit Patricia Moubarak, sie ist Managing Director im Bereich Life Sciences Strategy bei Accenture in Berlin und berät vor allem Pharma- und Consumer Health-Firmen.

Patricia Moubarak, Accenture

CONSULTING.de: Sie kommen ursprünglich aus der Medizin. Warum hat es Sie in die Wirtschaft gezogen?

Patricia Moubarak: Für mich ist das kein Gegensatz. Eine hochklassige, medizinische Behandlung hat immer auch eine wirtschaftliche Seite. Ich glaube, dass Fragen zur Versorgungsqualität immer gemeinschaftlich mit der Wirtschaftlichkeit der Versorgung betrachtet werden müssen. Und dafür braucht es "Hybride" wie mich, die eine medizinische mit einer wirtschaftlichen Ausbildung verbinden.

CONSULTING.de: Welche Eigenschaften braucht man als Frau, um in der Beraterbranche erfolgreich zu sein?

Patricia Moubarak: In dieser Reihenfolge:

  1. Eine gesunde Portion Selbstbewusstsein
  2. Spaß an der Arbeit mit Menschen und Interesse an ihren Motivationen (umgesetzt wird nur, was von den Menschen in einem Unternehmen als sinnvoll erachtet wird)
  3. Neugierde und Freude daran, sich immer wieder in neue Themen einzuarbeiten
  4. Solide Frustrationstoleranz (denn nicht jedes Angebot, das man schreibt, endet auch in einem Projekt)

CONSULTING.de: Hatten sie jemals das Gefühl, als Frau eine Sonderbehandlung zu bekommen – sei es positiver oder negativer Natur? Wie sind Sie damit umgegangen?

Patricia Moubarak: Ja, ehrlich gesagt schon. Und zwar sowohl positiv als auch negativ. Ein Vorteil ist, dass ich in der überwiegend noch männlichen Beraterwelt auffalle. Kollegen und Klienten merken sich schnell meinen Namen, in einem Team habe ich damit die Möglichkeit, Punkte "prominenter" zu platzieren. Ein Nachteil ist, dass ich auf den ersten Blick gerne unterschätzt werde – ich entspreche nicht dem traditionellen Bild eines Managing Directors. Das ist allerdings nur so lange ein Nachteil, wie ich das zulasse – je deutlicher mein Verhalten vom optischen Eindruck abweicht, desto eher verwandelt sich das Ganze in einen Vorteil.

CONSULTING.de: Sie haben selbst Gründererfahrung, haben mit Nestpick ein Unternehmen mit aufgebaut. Was glauben Sie: Warum gibt es immer noch vergleichsweise wenig Frauen, die gründen?

Patricia Moubarak: Frauen haben mehr Angst zu scheitern – und empfinden kleinere Rückschläge viel schneller als grundsätzliches Versagen. Wenn man ein Unternehmen gründet, ist die Chance, dass dieses Unternehmen langfristig erfolgreich am Markt besteht, relativ gering. Was man durch die Erfahrung lernt, ist dagegen von unschätzbarem Wert. Diesen Aspekt übersehen Frauen oft, und suchen stattdessen Sicherheit in einem Angestelltenverhältnis.

CONSULTING.de: Stichwort Work-Life-Balance: Wie bekommen Sie Berufliches und Privates unter einen Hut?

Patricia Moubarak: Ich habe eine zweieinhalbjährige Tochter und erwarte im August noch ein kleines Mädchen. Mein Mann und ich teilen uns Kindererziehung, Haushalt etc. 50:50. Nichts anderes wäre für mich akzeptabel. Zusätzlich nehmen wir Hilfe an, wo immer das möglich ist. Unsere Familien helfen uns sehr, wir lagern aber auch ganz gezielt Tätigkeiten wie den Hausputz aus, weil wir unsere freie Zeit lieber als Familie verbringen wollen.

CONSULTING.de: Sind Sie Mitglied in einem Frauen- oder gemischten Netzwerk?

Patricia Moubarak: Ich bin ein großer Freund von informellen, gemischten Netzwerken. Die Frauennetzwerke, die ich mir angeschaut habe, waren mir persönlich zu sehr rund um die Kinderbetreuung fokussiert. Ich denke, dass es beim aktuellen Überwiegen von Männern in Führungspositionen auf jeden Fall Sinn macht, sich gemischt zu vernetzen – ansonsten läuft man Gefahr, gemeinsam die Zustände zu bedauern, aber niemanden dabei zu haben, der sie verändern kann.

CONSULTING.de: Gerade wird ja viel darüber geredet, wie Frauen sich gegenseitig pushen und kooperieren können. Wie ist es bei Ihnen: Haben Sie Frauen besonders im Fokus, um sie bei Bedarf zu fördern?

Patricia Moubarak: Absolut. Ich versuche die Frauen bei mir im Team ganz aktiv durch Feedback und Coaching zu fördern, und meine Erfahrungen sehr offen zu teilen. Ich kommuniziere, was in meiner Laufbahn gut funktioniert hat, was weniger gut, und auch mit welchen Herausforderungen ich täglich konfrontiert bin. Ich möchte das Verständnis fördern, dass es völlig normal ist, manchmal nicht sofort eine Lösung für jedes Problem zu haben, dass es normal ist, auch mal etwas nicht gut zu machen – und dass das Wichtigste ist, trotzdem am Ball zu bleiben, nicht zu selbstkritisch zu sein und etwas entspannter den eigenen beruflichen Werdegang zu betrachten. Karriere ist kein Sprint, sondern ein Marathon.

CONSULTING.de: Gab oder gibt es ein weibliches Vorbild?

Patricia Moubarak: Ich habe sowohl weibliche als auch männliche Vorbilder. Die (zugegeben noch recht seltenen) Partnerinnen, mit denen ich über die Zeit hinweg zusammen arbeiten durfte, waren für mich immer sehr direkte Vorbilder. Und auch wenn das paradox klingen mag: meine Mutter ist ein großes Vorbild für mich. Sie hat einen ganz anderen Weg gewählt als ich – aber viele der Werte, die sie mir vermittelt hat, sind für mich auch beruflich unantastbar. Dazu gehört, dass man sich anstrengen muss, um seine Ziele zu erreichen – und immer wieder aufstehen muss, wenn man mal stolpert. Aber auch, dass Verlässlichkeit, Pünktlichkeit und Loyalität zählen und dass man grundsätzlich so mit den Menschen umgehen soll, wie man selbst gerne behandelt werden möchte.

CONSULTING.de: Wo holen Sie sich neue Inspirationen für den Job?

Patricia Moubarak: Mich interessiert weiterhin die Startup-Szene sehr. Es ist großartig zu sehen, dass die Funding-Runden für HealthTech-Startups größer werden, und es auch schon sehr erfolgreiche Exits in diesem Bereich gibt.

CONSULTING.de: Was war der beste Ratschlag, den Sie im Berufsleben bekommen haben?

Patricia Moubarak: Nimm’s nicht so verdammt ernst.

Zur Person: Patricia Moubarak studierte Medizin an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Als Managing Director im Bereich Life Sciences Strategy bei Accenture in Berlin berät sie Pharma- und Consumer Health-Firmen. Ihr Fokus sind dabei Themen rund um den digitalen Wandel sowie Marketing- und Sales-Themen.

Das Interview führte Ulrike Schäfer

 

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