"Ich habe mich immer mit der Zukunft beschäftigt"

Von Tüftlern und Beratern: Interview mit Prof. Klaus Fischer, fischer Consulting

Es ist eine Geschichte aus dem Märchenbuch der Unternehmensgründungen: 1948 gründete Artur Fischer im Waldachtal mit Webstuhlschaltern, elektrischen Feuerzeugen, dem Synchronblitz und in den 50ern dann mit dem berühmten Dübel das spätere Imperium. Unter der Leitung seines Sohnes Klaus kamen über die Jahrzehnte Unternehmensbereiche dazu, es wurde internationaler und der Beratungsbedarf stieg. Und weil die Schwaben die Dinge einfach gerne selbst in die Hand nehmen, gründeten sie 2004 fischer Consulting. Wir sprachen mit Unternehmenschef Prof. Klaus Fischer.

Prof. Klaus Fischer, fischer Consulting GmbH

Prof. Klaus Fischer, fischer Consulting GmbH

CONSULTING.de: Herr Fischer, hat man es als Berater leichter, wenn man selbst schon ein paar richtige Produkte erfolgreich in der Welt verkauft hat?

Fischer: Man hat es vor allem dann leichter, wenn man erfolgreich Prozesse im eigenen Unternehmen optimiert hat. Unsere Prozessberater bearbeiten Projekte innerhalb der Unternehmensgruppe und beraten Kunden aus unterschiedlichen Branchen auf Basis des fischer ProzessSystems, kurz fPS. Das ist unser im Unternehmen entwickeltes Prinzip zur kontinuierlichen Verbesserung. So befruchten sich Erfahrungen und Erkenntnisse bei externen und internen Projekten gegenseitig. Dies ist ein unschätzbarer Vorteil gegenüber anderen Beratungsunternehmen. 

CONSULTING.de: Wie ist Ihre Beratungseinheit entstanden? Weil es intern nichts mehr zu beraten gab und die Prozesse komplett verschlankt waren? Oder weil Sie sagten: Wir sind so erfolgreich, jetzt sagen wir anderen, wie’s geht?

Fischer: Wir haben in den 90er-Jahren angefangen, unsere firmeninternen Prozesse systematisch zu analysieren und zu optimieren. Dabei haben wir uns beim Austausch mit japanischen Unternehmen inspirieren lassen. Dieser Austausch wird übrigens auch heute noch sehr gepflegt, zum Beispiel mit unserem japanischen Partnerunternehmen, dem Automobilzulieferer KSK. Bei der damaligen Einführung von Kaizen in unserem Unternehmen haben wir gemerkt, dass wir unser eigenes System entwickeln müssen, um wirklich sinnvoll zu optimieren. Eine Art schwäbisches Kaizen sozusagen. Unsere Mitarbeiter waren von Anfang an beteiligt und zunehmend begeistert von der selbständigen Weiterentwicklung der eigenen Arbeitsprozesse. Im Jahr 2004, als wir bereits Erfolge im Unternehmen hatten, gründeten wir unsere fischer Consulting, um damit auch extern zu beraten.

CONSULTING.de: Ihre Teams beraten auf breiter Ebene, doch neulich hat fischer consulting einem Unternehmen beim Umzug geholfen, was war da los?

Fischer: Die Unterstützung bei einem Firmenumzug war ein internationales Projekt eines Unternehmens mit Hauptsitz in der Schweiz und zeigt, dass fischer Consulting auch international gut aufgestellt ist. Wir haben im vergangenen Jahr zwei neue Tochterunternehmen gegründet. Mit fischer Consulting Italia bearbeiten wir den italienischen Markt. In Schanghai sind wir seit ein paar Monaten mit der fischer Consulting China vertreten. Bereits vor dem offiziellen Start der Geschäfte in China erreichten uns die ersten Projektanfragen, zum Beispiel vom Schweizer Unternehmen Schindler Aufzüge. Der Großkonzern hat im vergangenen Jahr eine der größten Investitionen der Firmengeschichte vorgenommen. In der Nähe von Schanghai errichtete Schindler einen Campus, um dort Synergien aus verschiedenen Bereichen zu konzentrieren. So wurde die Produktion mehrerer Aufzugstypen von Suzhou in der Jiangsu Provinz nach Jiading in Schanghai verlagert. Die fischer Consulting nahm dafür eine detaillierte Risiko-Bewertung vor, eine wichtige Entscheidungsgrundlage für solche Großprojekte, zu der eine detaillierte Analyse und Auswertung zählt. Zwischenzeitlich betreut fischer Consulting in China weitere europäische Firmen bei der Realisierung ihrer Großprojekte, zum Beispiel einen Hersteller von mechanischen Komponenten für den Maschinenbau.

CONSULTING.de: Wusste Ihr Team vorher, dass es so etwas auch kann? Gibt es Themen, bei denen Sie auch mal sagen müssen: 'Nein, das lassen wir lieber!'

Fischer: Wir waren schon in Landratsämtern, in Krankenhäusern, in Handwerksbetrieben und in Großkonzernen tätig. Da gibt es so gut wie keine Beschränkungen. Selbst der Pferdesport profitiert von unseren Fachkenntnissen: Wir arbeiten seit mehreren Jahren erfolgreich mit dem Vielseitigkeitsreiter und dreifachen Olympiasieger Michael Jung zusammen. Er ist Markenbotschafter unseres Unternehmens. Auf seinem Reiterhof visualisierten unsere Berater in einem Workshop die Arbeitsabläufe über Plantafeln, sodass alle Mitarbeiter einfach erkennen können, welches Pferd zu welchem Zeitpunkt welche Betreuung erhalten soll. Sie sehen, es gibt eigentlich keine Branche, die nicht von fischer Consulting betreut werden kann. Eines muss jedoch vorhanden sein: Der Wille und die Begeisterung der Führungskräfte zu Veränderung. 

CONSULTING.de: Das fischer ProzessSystem, kurz fPS, ist ein Ansatz, der das schlanke Unternehmen zum Ziel hat. Ich finde auf der entsprechenden Seite auf Ihrer Homepage nicht einmal das Wort „digital“, das verwirrt mich. Sagen Sie bloß,  die digitale Transformation spielt im Waldachtal keine Rolle.

Fischer: Da muss ich Ihnen widersprechen. Sowohl der Begriff findet sich auf unserer Internetseite, als auch verschiedene Prozesse in der Richtung. Seit einiger Zeit haben unsere Kunden zum Beispiel die Möglichkeit, über die Webseite, über den App Store oder im Google Play Store die App „Dübelfinder“ herunterzuladen, um schnell zum benötigten Produkt zu gelangen. Unsere Produkte kann man auf unserer Webseite gleich online kaufen. fischer Consulting bietet Seminare an, um Unternehmen auf dem Weg in die digitale Transformation zu begleiten. Unser Spielwarenbereich fischertechnik hat kleine, fertig aufgebaute Fabrikstraßen im Angebot, die in vielen Unternehmen eingesetzt werden, um Großprojekte hinsichtlich Industrie 4.0 zu simulieren. Seit einigen Monaten ist fischertechnik offizieller Kooperationspartner von SAP. Auch innerhalb des Unternehmens arbeiten wir in allen Bereichen schon seit langem an diversen Digitalisierungsprojekten. Übrigens werden auch unsere Auszubildenden in der Richtung trainiert. 

CONSULTING.de: Ihr Vater Artur starb vor zwei Jahren im Alter von 96 Jahren. Seit über 40 Jahren sind Sie an der Spitze des Unternehmens. Wie haben Sie es geschafft, den kleineren Erfinderbetrieb zum internationalen Konzern zu entwickeln?

Fischer: Es ist wichtig, klare Ziele zu haben. Vor allem müssen wir immer den Kunden im Fokus haben, aber auch Veränderungen, wie es sie aktuell zum Beispiel durch die Digitalisierung gibt. Ich habe immer die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen vor Augen, den Wettbewerb im Zuge der Globalisierung, die Herausforderungen der Digitalisierung und die damit wachsende Komplexität im eigenen Haus. Ich habe mich aber auch immer mit der Zukunft beschäftigt, mit den Menschen und mit Aus-und Weiterbildung. Das wichtigste Gut in unserem Unternehmen sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, nicht Anlagen oder  Maschinen. Deshalb ist mir besonders wichtig, dass bei jedem Einzelnen das Bewusstsein zur täglichen Verbesserung vorhanden ist, dass sich jeder Tag für Tag kritisch hinterfragt, wo seine Arbeitsschritte noch besser, noch effizienter sein können. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dürfen auch Fehler machen, allerdings jeden Fehler nur einmal. Nur so wird jeder Einzelne zum Unternehmer im Unternehmen. Dadurch entstehen jeden Tag neue Ideen. Unsere Mitarbeiter erhalten so die Möglichkeit, selbst das Unternehmen zu verändern.

CONSULTING.de: Vielen Dank!

Das Interview führte Tilman Strobel

Veröffentlicht am: 14.03.2018

 

Über CONSULTING.de

consulting.de ist das zentrale Informationsportal für Unternehmensberatungen. Unser breites Informationsangebot rund um Consulting richtet sich sowohl an Management- und Strategieberatungen, Personalberatungen, Controlling- und Finanzberatungen, Wirtschaftsprüfungen, Marketing- und Kommunikationsberatung und IT-Beratungen als auch deren Kunden aus Industrie, Handel sowie Dienstleistung.