"Ich rate dazu, sich von Beginn an ein gutes Netzwerk aufzubauen"

Frauen im Consulting: Svenja Dittmann, Roland Berger Digital

Svenja Dittmann arbeitet heute bei Roland Berger Digital. Ihre ersten Einblicke in ein Unternehmen erhielt sie jedoch in der Produktionslogistik bei Carl Zeiss AG. In Interview erklärt sie unter anderem, warum sie in die Beratung gewechselt hat.

Svenja Dittmann

Svenja Dittmann

CONSULTING.de: Sie haben zunächst auf Unternehmensseite gearbeitet und sich dann für einen Wechsel in die Beratung entschieden. Wie kam es dazu?

Svenja Dittmann: Ich habe fast vier Jahre lang auf Unternehmensseite in unterschiedlichen Fachbereichen gearbeitet, bevor ich mich entschieden habe, noch einmal zu studieren und dann in die Beratung zu gehen. Wichtig waren dabei sowohl die steile Lernkurve als auch die Neugierde, neue Industrien, Unternehmen und Aufgabenfelder kennen zu lernen.

CONSULTING.de: Wie ist Ihr Eindruck: Ist es schwierig, sich als Frau in der Branche zu behaupten? Müssen Frauen mehr leisten als ihre männlichen Kollegen?

Svenja Dittmann: Innerhalb unseres Unternehmens sehe ich keine Leistungsunterschiede zwischen Frauen und Männern. Was bei uns zählt ist, unsere Klienten professionell zu unterstützen. Meine Erfahrung ist, dass heterogene Teams oftmals sogar besser im Zusammenspiel funktionieren als homogene Teams. In den Branchen, die wir beraten, gibt es teilweise aber schon Unterschiede. Die Luftfahrt oder der Maschinenbau etwa sind traditionell eher männerdominiert. Frauen werden da schon mal auf die Probe gestellt oder müssen sich ihren Platz am Tisch härter erkämpfen als in anderen Industrien. 

CONSULTING.de: In welcher Form haben Sie in Ihre Weiterbildung investiert? 

Svenja Dittmann: Kontinuierliches Lernen ist gerade für Dienstleistungsberufe, in denen wir  mit unterschiedlichen Menschen und Problemen zu tun haben, sehr wichtig und wird bei Roland Berger stark gefördert. Dazu gehören regelmäßige Seminare zur fachlichen sowie zur persönlichen Weiterbildung. Auf jeder Karrierestufe gibt es viele spannende Möglichkeiten und Angebote. Auch in meiner Freizeit bilde ich mich weiter. Ich besuche zum Beispiel verschiedene Sprachkurse, lese Fachliteratur oder nehme an vielen spannenden Veranstaltungen teil. 

CONSULTING.de: Welches Ereignis in Ihrer beruflichen Laufbahn hat Sie besonders geprägt?

Svenja Dittmann: In der Beratung habe ich laufend mit neuen Herausforderungen und Menschen zu tun, auf die ich mich immer wieder neu einstellen muss und von denen ich viel Neues lerne. Jedes einzelne Projekt prägt mich also auf irgendeine Art und Weise und das ist auch das Schöne an meinem Beruf. 

CONSULTING.de: Was ist Ihnen neben der Arbeit besonders wichtig? 

Svenja Dittmann: Eine gute Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden zu verbringen. Reisen, um möglichst viel zu sehen und zu lernen. Und ab und zu einfach mal ein entspanntes Wochenende mit einem interessanten Buch und gutem Essen auf dem Sofa zu verbringen. 

CONSULTING.de: Pflegen Sie Freundschaften innerhalb der Branche? Oder trennen Sie Privates und Berufliches lieber?

Svenja Dittmann: Da der Beratungsjob bekanntlich kein Nine-to-five-Job ist und man eine Menge Zeit mit seinen Kollegen verbringt, bin ich sehr froh, dass viele meiner Mitstreiter in den letzten Jahren gute Freunde für mich geworden sind. Mit ihnen unternehme ich einiges außerhalb der Firma. Auch in meinem engsten privaten Umfeld tummeln sich viele Berater oder Ex-Berater. Ich empfinde den Austausch und das gegenseitige Verständnis für den Beruf des Anderen als sehr bereichernd. Aber es ist natürlich auch schön, Freunde zu haben, die etwas ganz anderes machen und mit denen ich am Wochenende über andere Themen sprechen kann.

CONSULTING.de: Sind Sie Mitglied in einem Frauen- oder gemischten Netzwerk? 

Svenja Dittmann: Ja, wir haben bei Roland Berger ein Netzwerk für Beraterinnen, in dem wir uns in regelmäßigen Abständen treffen. Hier tauschen sich Kolleginnen über alle Senioritätslevel hinweg, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene aus. Außerdem bin ich vor kurzem nach Berlin umgezogen und diese Stadt bietet unendlich viele Möglichkeiten sich zu vernetzen, insbesondere im Digitalbereich. Denn genau das ist mein Schwerpunkt bei Roland Berger.

CONSULTING.de: Haben Sie schon Erfahrung gemacht mit der berühmten Stutenbissigkeit, die Frauen gerne unterstellt wird?

Svenja Dittmann: Auch das kommt gelegentlich vor, was wohl daran liegt, dass Frauen Dinge tendenziell schneller persönlich nehmen und oftmals emotionaler reagieren als Männer. Ich schließe mich da nicht aus, kann diesbezüglich aber nicht für die Allgemeinheit sprechen.

CONSULTING.de: Gab es eine Person, die Sie bei Ihrem Werdegang gefördert hat? Vielleicht sogar eine(n) Mentor/-in? Oder ein Vorbild? 

Svenja Dittmann: Bei Roland Berger bekommt jeder Berater von Beginn an eine(n) Mentor/-in zur Seite gestellt, der nicht nur Vorgesetzter ist, sondern einen kontinuierlich fördert, fordert und  durch die gesamte Beraterkarriere unterstützt. Dieses "eine Vorbild" habe ich nicht. In der Wirtschaft gibt es unzählige inspirierende Persönlichkeiten, die in ihrem jeweiligen Gebiet viel erreicht haben, natürlich auch zahlreiche Frauen. Die Finanzexpertin Ann-Kristin Achleitner, Nicola Leibinger-Kammüller (Trumpf) oder Dorothee Blessing (J.P. Morgan) zum Beispiel, um nur einige zu nennen. 

CONSULTING.de: Welchen Rat würden Sie Kolleginnen geben, die noch ganz am Anfang Ihres Berufslebens stehen? 

Svenja Dittmann: Ich rate dazu, sich von Beginn an ein gutes Netzwerk aufzubauen, sowohl innerhalb als auch außerhalb des eigenen Unternehmens. Denn ein breites Netzwerk ist meines Erachtens das A und O einer guten Karriere, insbesondere in einer Zeit, in der sich immer neue spannende Möglichkeiten ergeben. 

Zur Person: 
Svenja Dittmann absolvierte nach ihrem Bachelor in Business Administration ein Traineeprogramm bei der Carl Zeiss AG und arbeitete dort im Anschluss in der Produktionslogistik. 2012 begann sie ein Studium an der Leipzig Graduate School of Management, das sie 2014 mit dem Master of Science in Management abschloss. Seitdem arbeitet sie bei Roland Berger Digital, zunächst in München, inzwischen in Berlin. 

Das Interview führte Ulrike Schäfer

 

 

Veröffentlicht am: 10.07.2018

 

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