"Als Frau in der Beratung erlebe ich im Erstkontakt manchmal überraschte Klienten"

Frauen im Consulting: Anna-Lena Kuhlmann, Berg Lund & Company

Wann merken Unternehmen, dass sie sich verändern müssen? Und wie können Berater dabei helfen? Warum leistet vor allem das mittlere Management Widerstand, wenn Veränderungen anstehen? Und wie setzt man Veränderungen am besten durch? Über diese und weitere Fragen sprachen wir mit Anna-Lena Kuhlmann, Berg Lund & Company.

Anna-Lena Kuhlmann, Berg Lund & Company

Anna-Lena Kuhlmann, Berg Lund & Company

CONSULTING.de: Sie haben sich nach Ihrem Studium und diversen Praktika für einen Einstieg in die Beratung entschieden. Was hat den Ausschlag gegeben?

Anna-Lena Kuhlmann: Zu Beginn meines Studiums war der Berufswunsch "Unternehmensberaterin" noch ziemlich weit weg. Mit voranschreitendem Studium und Erfahrungen aus mehreren Praktika zeichnete sich vielmehr ein Berufsbild anstelle eines Jobprofils ab. Abwechslungsreiches Arbeitsumfeld, eigener Gestaltungsspielraum und steile Lernkurve – meine Top-3-Punkte bei der Berufswahl. Fast noch wichtiger war mir jedoch der persönliche Fit zum Team. Letztlich war deshalb das gute Bauchgefühl im Bewerbungsgespräch der ausschlaggebende Grund, den Jobeinstieg bei Berg Lund & Company und damit als Unternehmensberaterin zu wählen – denn neben dem guten Bauchgefühl erfüllt der Job meine Top-Liste zu 100 Prozent, auch drei Jahre nach dem Einstieg.

CONSULTING.de: Welche Eigenschaften braucht man als Frau, um in der Branche erfolgreich zu sein?

Anna-Lena Kuhlmann: Im Consulting sind fachliche und methodische Kenntnisse neben exzellenten Kommunikations-Skills das A und O, unabhängig ob Mann oder Frau. Für mich persönlich ist es wichtig, im Job authentisch zu bleiben, meine Überzeugungen zu vertreten und mich nicht zu verstellen oder in eine Rolle pressen zu lassen. Das gilt vor allem dann, wenn ich als Frau in eher männlichen Teams arbeite. Ich glaube: Wer authentisch ist, wirkt glaubwürdiger und kann am Ende überzeugen.

CONSULTING.de: In welcher Form haben Sie in Ihre Weiterbildung investiert?

Anna-Lena Kuhlmann: Der Job des Beraters ist in seiner Struktur schon darauf ausgelegt, schnell zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Seniore Kollegen werden dabei zu Mentoren, Coaches und Trainern und die individuellen und regelmäßigen Feedbackgespräche legen den Grundstein für die weitere, berufliche Entwicklung. Für mich sind diese Gespräche sehr wichtig, denn auf dieser Basis kann ich meine Weiterentwicklung in die eigenen Hände nehmen – auch ganz ohne Seminar, Weiterbildung oder externen Trainer. Bei Berg Lund & Company haben wir darüber hinaus ein umfangreiches Qualifizierungsprogramm, welches in Abhängigkeit von der Berufserfahrung die Möglichkeit bietet, die eigenen fachlichen, methodischen und sozialen Skills weiter auszubauen. Als Ergänzung meines persönlichen Skill-Profils habe ich zudem eine Weiterbildung zum Thema Changemanagement absolviert.

CONSULTING.de: Gab es eine Person, die Sie bei Ihrem Werdegang gefördert hat?

Anna-Lena Kuhlmann: Nach Vorbildern und Unterstützern muss ich zum Glück nicht lange suchen. Das fängt bei der Familie an, geht über den Freundeskreis und endet im Kollegenkreis. Bei meinen Vorbildern kann ich mir deshalb beinahe täglich abgucken, wie sie berufliche Herausforderungen meistern und das Beobachtete auf meine eigene Entwicklung übertragen.

CONSULTING.de: Sind Sie Mitglied in einem Frauen- oder gemischten Netzwerk?

Anna-Lena Kuhlmann: Nein – es sei denn, soziale Netzwerke wie Xing oder LinkedIn sind gemeint.

CONSULTING.de: Hatten sie jemals das Gefühl, als Frau eine Sonderbehandlung zu bekommen? Wie sind Sie damit umgegangen?

Anna-Lena Kuhlmann: Nein. In meinem beruflichen Umfeld ist Leistung und nicht Geschlecht der ausschlaggebende Punkt, ob jemand befördert, fachlich akzeptiert und respektiert wird. Eine "Sonderbehandlung" habe ich nicht erhalten. Als Frau in der Beratung erlebe ich allerdings im Erstkontakt manchmal überraschte Klienten. Ganz klassisch ist das Bild des Unternehmensberaters eben doch in den meisten Köpfen immer noch männlich.

CONSULTING.de: Wir leben in Zeiten ständiger Erreichbarkeit. Wie gehen Sie damit um?

Anna-Lena Kuhlmann: Innerhalb der Projektteams versuchen wir Erreichbarkeiten klar zu kommunizieren und verbindliche Zeitfenster für die Absprachen einzuhalten. Dazu gehört auch – sofern projektseitig vertretbar – Feierabende und Wochenenden zu respektieren. 

CONSULTING.de: Was ist Ihnen neben der Arbeit besonders wichtig?

Anna-Lena Kuhlmann: Mir ist es enorm wichtig, Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen und Gelegenheiten für Sport zu finden. Diese Zeit brauche ich, um immer mal wieder Abstand zu beruflichen Themen zu bekommen und neue Energie zu tanken. Wenn man so möchte, ist das mein Effizienzhebel, denn häufig fällt mir beim Joggen die Lösung des Problems ein, an dem ich zuvor gearbeitet habe. Darüber hinaus versuche ich einmal pro Jahr eine längere Reise zu unternehmen und mir fremde Länder anzusehen. Der Einblick in fremde Kulturen und Gebräuche erdet, rückt eigene Vorstellungen wieder in einen richtigen Rahmen und inspiriert zu neuen Ideen und Projektansätzen.

CONSULTING.de: Jeder hat mal einen schlechten Tag. Wie stärken Sie sich in solchen Momenten selbst?

Anna-Lena Kuhlmann: Kein Tag ist zu 100 Prozent schlecht – mir hilft es, meinen Blick auf die Dinge zu lenken, die funktionieren oder gut laufen, auch wenn es kleine Dinge sind. Und letztlich hilft auch das Wissen, dass rein statistisch die Wahrscheinlichkeit von zwei aufeinanderfolgenden schlechten Tagen ziemlich gering ist.

CONSULTING.de: Was war der beste Ratschlag, den Sie für Ihr Berufsleben bekommen haben?

Anna-Lena Kuhlmann: "Kann ich nicht heißt: will ich nicht".

CONSULTING.de: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Ulrike Schäfer.

Veröffentlicht am: 08.08.2018

 

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