Studie: Mit Gewinn die Corona-Krise nutzen

Was Unternehmen jetzt tun können

Was passiert, wenn Unternehmern durch die Coronakrise das unternehmerische Gleichgewicht abhanden kommt? Tim Thelen-Liesenfeld und Peter Gerlitz haben eine Studie unter Unternehmern durchgeführt und berichten, wie Unternehmen wieder festen Fuß unter dem Boden bekommen können und wie man als Unternehmer jetzt am besten agieren sollte.

Mit Gewinn die Corona-Krise nutzen (Bild: Robert Metz - unsplash)
Mit Gewinn die Corona-Krise nutzen (Bild: Robert Metz - unsplash)

Was ist die psychologische Bedrohung des Mittelstands? Was lässt sich darunter verstehen?

Peter Gerlitz: Dem Mittelstand droht der unternehmerische Stillstand. Die Wertschöpfungsketten sind unterbrochen, die Arbeitsprozesse laufen nicht wie gewohnt. Die UnternehmerIn hat nicht mehr den notwendigen unmittelbaren Kontakt zu Mitarbeitenden, zum laufenden Betrieb, zu den Produkten. Doch genau dieses unmittelbare Wahrnehmen des Betriebs ist essenziell. Wird ein unternehmerisch denkender Mensch dessen beraubt, verliert er die Witterung für das Geschäft, ist dies eine Bedrohung für die Zukunft, nicht nur des eigenen Unternehmens.

Sie schreiben Corona hat das unternehmerische Bauchgefühl zerstört? Was bedeutet das für den Unternehmer?

Tim Thelen-Liesenfeld: Durch diese Entkoppelung vom Alltag und die Zwangspause, von der niemand weiß, wie lange sie andauern wird und was danach kommen wird, verlieren UnternehmerInnen ihr Bauchgefühl. Aber genau das ist das Wichtigste für den Mittelstand. Daten und Fakten, die Entscheidungen vorbereiten sind das eine, aber erst wenn diese durch den unternehmerisch denkenden Menschen verarbeitet werden, wenn sein Bauchgefühl dazu kommt, entsteht eine Unternehmerische Entscheidung. Diese ist immer eine freie Entscheidung. 

Wie kann der Unternehmer jetzt agieren? Auf was muss er besonders achten?

Peter Gerlitz: Wichtig ist, jetzt Handlungsoptionen zu erkennen. Selbst bei Unternehmen, die vom völligen Shutdown betroffen sind, gibt es diese, vor allem intern. Zunächst kann sich der Unternehmer oder die Unternehmerin um das Wichtigste kümmern, um die Mitarbeitenden. Die sind in einer schwierigen Situation. Sie sind ihres Alltags beraubt, haben als Single kaum noch Sozialkontakte und als Familie müssen sie unter Umständen 24 Stunden am Tag das Familienleben managen und dabei noch im Home-Office konzentriert arbeiten. Aber nicht jeder hat ein abschließbares Arbeitszimmer. Da können soziale Nähe und soziale Distanz zum Stressfaktor werden. Hier kann das Unternehmen helfen, mit Zeitplänen und Zonierungen, die Arbeit in der Firma zu ermöglichen, mit Tipps für die körperliche und seelische Gesundheit, und vor allem mit einem Ausblick auf die Zukunft.

Welche Gefahr lauert, wenn er das Bauchgefühl verloren hat?

Tim Thelen-Liesenfeld: Das Bauchgefühl ist der Kompass der UnternehmerIn. Sind die Störungen im Umfeld so groß, wie in der derzeitigen krise, versagt der Kompass. Das Unternehmen wird auf Sicht gefahren, was gut und richtig ist. Es wird auf Kosten geachtet, was auch nicht falsch ist. Aber es werden Risiken überwertet und Chancen nicht wahrgenommen. Es wird nicht mehr unternehmerisch gedacht und gehandelt, und das ist die Gefahr mit langfristigen Folgen, nicht nur für das betroffene Unternehmen.

Wie bekommt man wieder festen Boden unter den Füssen?

Peter Gerlitz: Zunächst gilt es, wie vorhin schon angedeutet, die noch bestehenden Handlungsoptionen zu erkennen und auszuschöpfen.

Das sind vor allem interne Dinge; am besten ist es, wenn die erzwungene Pause nicht erduldet wird, sondern als kreative Pause genutzt wird. Es können Strategien überdacht werden, die Organisation kann flexibler strukturiert werden, die Sinn-Dimension des Unternehmens kann überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Doch all diese Überlegungn brauchen eine optimistische Grundstimmung. Und diese kann durch eine Beschäftigung mit Zukunftsszenarien, mit dem eigenen unternehmerischen Tpyus usw. erzeugt werden. Hierzu haben wir in unserer Studie einige wenige Fragen entwickelt, die jede UnternehmerIn für sich beantworten kann.

Wie wird sich das Bauchgefühl zukünftig verändern? Werden wir alle sehr viel vorsichtiger und risikobewußter nach der Krise agieren?

Tim Thelen-Liesenfeld: Wer die Krise jetzt gut nutzt, wird danach ein sensibleres Bauchgefühl haben. Damit ist gemeint, dass auch schwache Signale wahrgenommen werden können und ein wirklich globales Bewusstsein, also eins, das über den Tellerrand des eigenen Marktes blickt,  das eigene Handeln steuern wird. Wenn dies gelingt, dann wird der deutsche Mittelstand, mit seiner Innovationskraft, Produkte und Dienstleistungen anbieten, die die Welt braucht. Wir werden innovative Prozesse sehen und neue Wertschöpfungspartnerschaften werden als Schicksalsgemeinschaften geschmiedet.

In persönlichen Gesprächen mit Bürgern hört man oft, dass die Krise auch positive Effekte hat, wie z.B. Entschleunigung. Was denken Sie, wird man auch als Unternehmer positives mitnehmen aus der Krise?

Peter Gerlitz: Ich möchte es so sagen: "Erkenne dich selbst" und "es kann alles anders sein“. Wer den eigenen Wahrnehmungs- und Handlungstypus erkennt und übt in Szenarien zu denken, vor allem selbst denkt und nicht vorgekautes nachplappert, der wird gestärkt aus der Krise hervorgehen.

Wie kann Ihre Studie den Unternehmen helfen? Welche Tools empfehlen Sie jetzt?

Peter Gerlitz: Ich habe die Ergebnisse der wichtigsten Studien und Szenarien zusammengefasst und eine tiefenpsychologische Pilot-Studie durchgeführt. Um die  Analyse dieser Daten nutzbar für UnternehmerInnen zu machen, steht ein Fragenkatalog zur Verfügung. Wer sich mit diesem Fragen beschäftigt, wird mit mehr Klarheit agieren. Es ist natürlich kein Patentrezept, aber eine Inspirationsquelle. 

Wir haben in unserem Newsletter davon gesprochen, dass viel Wissen über Nichtwissen vorhanden ist. Sie haben ebenfalls aktuelle Studien gesichtet: Welche Studien sind in der Krise aktuell besonders hilfreich? Was ist ihr Fazit nach der Sichtung der Studien?

Peter Gerlitz: Die Szenarien und Studien die ich betrachtet habe von Nielsen, McKinsey, von Harari und anderen, machen vor allem deutlich, dass die Zukunft offen ist. Es ist wie immer: die Zukunft ruft uns und wir als UnternehmerInnen sind gefragt, empfänglich für die Zukunft zu werden. Jetzt können wir historische Weichen stellen.

Kann man sich als Unternehmer eigentlich auf so eine Situation vorbereiten? Kann man etwas trainieren, dass so selten vorkommt?

Peter Gerlitz: Die meisten Studien leiden daran, dass sie in zwei Dimensionen denken. Ich rege an, zur Abwechslung mal in sechs Dimensionen zu denken. Das führt natürlich alles zu vorhersehbaren Ergebnissen. Aber die Beschäftigung mit den Szenarien und Studien hilft ungemein, das eigene Denken beweglicher werden zu lassen. Und darum geht es ja. Erst in alle Richtungen denken. Dann empfänglich für die Zukunft werden. Und wenn man eine Zukunftsoption entdeckt hat, dann gilt es Wege zu finden, diese Wirklichkeit werden zu lassen. Dann sind auch Umwege kein Problem mehr.

Was empfehlen Sie Unternehmern aktuell besonders?

Peter Gerlitz: Nutzen Sie den erzwungenen Stillstand und stellen sie grundsätzliche Fragen, prüfen Sie Strategien und machen Sie ihr Unternehmen anpassungsfähig für die Zukunft.

Wie sind Sie bei der Rekrutierung der Testpersonen vorgegangen. Nach welchen Kriterien haben Sie die Testpersonen ausgewählt?

Tim Thelen-Liesenfeld: Eine der wichtigsten Voraussetzungen für valide Marktforschung sind die richtigen Testpersonen. Die Experten unserer hauseigenen Foerster & Thelen Rekrutierungsabteilung verfügen über eine große Erfahrung bei der Auswahl passender Probanden. Von unserem Bochumer Standort aus ermitteln festangestellte Supervisoren und Rekrutierer geeignete Testpersonen, auch für komplexe Anforderungen. Zwei festangestellte Datenschutzbeauftragte verpflichten unser Unternehmen nach aktueller DSGVO zu arbeiten. Zur aktuellen Studie "Mit Gewinn die Corona-Krise nutzen/ Was Unternehmen jetzt tun können" haben wir bewusst einen Mix aus Unternehmen und Branchen gewählt, um unterschiedliche Betroffenheit abbilden zu können. Wichtig bei Studien die den Mittelstand betreffen ist das "Fingerspitzengefühl" was man im Rahmen der Rekrutierung an den Tag legen muss da die Auskunftspersonen (Probanden) bei einem solchen Projekt selbstständige Unternehmer sind denen man einen großen Nutzen und zugleich Dank Ihrer Mitarbeit vermitteln muss. Wir freuen uns sehr dass wir hier das Vertrauen von Herrn Peter Gerlitz gewonnen haben und sind dankbar dass wir Ihn unterstützen konnten.

Mit dieser Studie möchten wir einen Beitrag leisten, dass das, was unsere Wirtschaft stark und einzigartig macht, nämlich dass sie durch innovativen Mittelstand geprägt ist, nach der Corona-Krise umso stärker sein wird.

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Peter Gerlitz, Stakeholder Insights
Peter Gerlitz ist Gründer von Stakeholder Insights. Seit 1991 kultiviert er als unabhängiger, forschender Berater die Kunst des Fragens und damit des Mit- und Weiterdenkens, um seine Auftraggeber zu inspirieren. Durch ein tiefes Eintauchen in die Fragestellung und mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden werden die notwendigen Erkenntnisse gewonnen.

Tim Thelen-Liesenfeld, Foerster & Thelen Teststudio GmbH
 Tim Thelen-Liesenfeld ist Diplom-Kaufmann (FH) und seit 12 Jahren für Foerster & Thelen als Geschäftsführender Gesellschafter im Familienunternehmen in der 2. Generation tätig. Spezielle Aufgabenbereiche sind Kundenkommunikation und Weiterentwicklung des Unternehmens. F&T operiert nach Gründung 1990 in Bochum, seit 2009 in Hannover, seit 2010 in Düsseldorf und seit 2014 in Mannheim. In diesem Jahr, am 01.04.2020, eröffnete das Unternehmen zudem ein Sensoriklabor in Hannover und betreibt nun fünf Teststudios in Deutschland.

Veröffentlicht am: 07.04.2020

 

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