Neue Blickwinkel gegen Betriebsblindheit

Shopfloor Management

Bei manchen Fachbegriffen aus der Beraterwelt haken wir gerne nach. Was versteht man darunter? Heute erklärt uns Hans-Sönke Hartmann, bei fischer Consulting zuständig für die Implementierung von Shopfloor Management in Unternehmen, den Begriff Shopfloor Management.

Hans-Sönke Hartmann, fischer Consulting

CONSULTING.de: Herr Hartmann, Wikipedia erklärt uns den Begriff Shopfloor Management so: "Unter dem Begriff Shopfloor Management sind die Leitungs- und Führungsaufgaben einer Fertigung zu verstehen. Ferner kann Shopfloor Management als Instrument zum "Führen am Ort der Wertschöpfung" gesehen werden." Schlau wurde ich daraus nicht wirklich und merkte dann, dass fischer Consulting in den Suchergebnissen immer wieder auftaucht, darum fragen wir jetzt bei Ihnen nach. Wie erklären Sie den Begriff?

Hans-Sönke Hartmann: Führen am Ort der Wertschöpfung - das heißt, die Führungskräfte sind präsent bei den Mitarbeitern in den Prozessen und führen auch die meiste Zeit dort, nicht im Büro. Es wird anhand von Kennzahlen geführt, Abweichungen werden erkannt und Maßnahmen abgeleitet. Dies geschieht vor Ort mit den Mitarbeitern, die an den Prozessen beteiligt sind, in denen Probleme auftreten. Der Zustand von Prozessen wird so einfach visualisiert, dass Prozessfremde ohne Erklärung erkennen können, ob Prozesse gut laufen oder eben nicht. 

CONSULTING.de: Und was hat man nun davon, eine solche Begegnungsstätte zu haben? 

Hans-Sönke Hartmann: Die Führungskräfte bekommen in diesem Meeting alle wichtigen Informationen. Für die Mitarbeiter bedeutet dies gleichermaßen, dass Sie alle relevanten Informationen erhalten - auch über ihre eigene Abteilung hinweg. Somit liegt auch ein großer Mehrwert darin, dass Informationen von den Anwesenden direkt validiert und kommentiert werden können. Daraus ergeben sich folgende Vorteile: Ein schnellerer Informationsfluss, direkte Validierung der Informationen und damit verbunden eine schnellere Entscheidung auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten.

CONSULTING.de: Bei einem Kunden haben Sie Shopfloor Management vorgeschlagen, um so eine neue "Problemlösungskultur" zu schaffen. Was war dort genau los? Wie lautete der Auftrag?

Hans-Sönke Hartmann:  Wir werden oft damit beauftragt, als Außenstehende ohne "Betriebsblindheit", dafür mit professionellem Prozesswissen über Themen zu schauen und dann mit fundiertem Rat zur Seite zu stehen. Berater bieten neue Blickwinkel. Sie bringen Erfahrung in der Analyse und Interpretation von Problemen sowie im Erarbeiten von Lösungen mit. Der Kunde wollte eine neue Problemlösekultur in seinem Werk schaffen. Auf den Punkt gebracht bedeutet dies: Weg von der Frage "Wer ist schuld? Wer hat den Fehler gemacht?" hin zu "Was bedeutet dieses Problem in Zahlen? Welchen Prozess müssen wir anpassen, um das Problem zu beheben?" Dies scheint auf den ersten Blick nur eine geänderte Fragestellung zu sein. In der Realität bedarf es eines Wechsels der Sichtweise. Nicht Personen sind das Problem, sondern die Prozesse. Unser Ziel ist es, dass Menschen das Gefühl haben, es ist gewünscht zu sagen, dass es ein Problem gibt. Wenn Sie fühlen, dass das Team nach Lösungen sucht und nicht nach Schuldigen,dann erreichen wir die Basis, um langfristig unsere Probleme zu lösen. Somit war der Auftrag, Schulung aller Führungskräfte, Ausbilden eines internen Trainers in den Themen Shopfloor Management, Kennzahlen-Kaskade und strukturierte Problemlösung, Aufbauen der Shopfloor Management Boards und Begleitung bei den ersten Meetings.

CONSULTING.de: Woran hakt es in Unternehmen immer wieder, wenn es um das Lösen von Problemen geht? Kann man das verallgemeinern?

Hans-Sönke Hartmann: Es gibt Ähnlichkeiten in den Problemstellungen, die Ursache ist wiederum oft sehr verschieden und vielschichtig. Häufig treffen wir die Situation an, dass Unternehmen  gleichzeitig mit vielen wiederkehrenden Problemen zu kämpfen haben. Oft wird an Symptomen gearbeitet. Weil es so viele Probleme gibt, kommt man nicht mehr dazu, die wahren Ursachen fundiert zu analysieren. Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein. Mitunter erhalten wir Antworten wie"Wir sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Es fehlen Ressourcen, Wissen zur strukturierten Problemlösung und so weiter". Auch hier stellt sich natürlich die Frage: Warum fehlen Ressourcen? Warum sehen wir den Wald nicht mehr? Es kostet Zeit und Kraft, ein Problem zu lösen, indem Ursachen dauerhaft abgestellt werden. Diese Investition sollte sich natürlich rentieren. Das heißt, man sollte sicherstellen, dass die Probleme auch nicht mehr auftreten.

CONSULTING.de: Wer hat die Shopfloor-Idee ins Leben gerufen? War das fischer Consulting?

Hans-Sönke Hartmann: Shopfloor Management hat seine Wurzeln, soweit bekannt, in Japan und ist hier auch ein Bestandteil der Toyota Kultur. fischer Consulting nutzt die Methode sehr erfolgreich, leider waren wir nicht der Erfinder dieser Methode.

CONSULTING.de: Dennoch gebührt Ihnen unser Dank für die Aufklärung!

Das Interview führte Tilman Strobel

Veröffentlicht am: 29.11.2018

 

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