"Sie müssen die Kabine erreichen!"

Interview mit Marcel Derakhchan, Managing Director DLA Digital Leaders Advisory GmbH

Mit welchen Leadership-Kompetenzen gelingt Transformation? Im Interview erläutert Marcel Derakhchan, Managing Director der DLA Digital Leaders Advisory GmbH, was gute Führung in turbulenten Zeiten ausmacht.

Herr Derakhchan, viele Unternehmen wollen digitaler, grüner, effizienter sein - und das möglichst rasch. Wie managt man das? 

Marcel Derakhchan: Falls Sie nach einer Erfolgsformel suchen, viel Glück. Für jede Transformationsdimension - strategisch, organisatorisch, kulturell - gibt es ja eine Fülle von Lösungsansätzen. Allerdings kristalisieren sich mit der transaktionalen und transformationalen Führung zwei generelle Stile heraus, mit denen sich Führungskräfte auseinandersetzen sollten.

Was kennzeichnet diese Stile?

Marcel Derakhchan: Ganz kurzgefasst, entspricht der transaktionale Führungsstil dem Ansatz "Management-by-Objectives", mit dem sich kurz- und mittelfristige Ziele gut umsetzen lassen. Transformationale Führung wiederum berücksichtigt einen langfristiger Zeithorizont und entwickelt eine wertebasierte Vision. Sie will Mitarbeiter motivieren, begeistern, aber auch auf langfriste Veränderungsprozesse mit energiezehrenden Kurswechseln vorbereiten. 

Transformationale Führung entwickelt eine wertebasierte Vision

Das passt natürlich gut in unsere Zeit der ungewissen Zukunft und der "Fail fast, fail often"-Prediger. Und einige Unternehmen und Top-Manager zeigen ja auch schon seit Jahren, das transformationale Führung funktioniert - zum Beispiel Jeff Bezos bei Amazon, Satya Nadella bei Microsoft oder Jürgen Klopp und "Pep" Guardiola.

Also braucht man einen charismatischen Transformations-Guru oder Helden? 

Marcel Derakhchan: Nein, eben diese Wahrnehmung verzerrt das Bild. In der öffentlichen Darstellung prägen die Erfolge dieser TOP-Manager natürlich das Bild vom Manager im Superhelden-Modus. Aber das trügt, denn hinter ihnen stehen viele weitere Transformationshelden in allen möglichen Funktionen. Zumal die Herausforderungen in den Unternehmen heute so komplex sind, dass man sie nur im Teamverbund bewältigen kann. Oder wie Thomas Hitzlsperger dieser Tage sagte: "Sie müssen die Kabine erreichen!". 

Die Transformations-Meisterschaft kann nur das Team gewinnen

Und genau das tun Bezos, Nadella, Klopp und Co. ja auch: wie im Mannschaftssport übernehmen sie die Rolle des Kapitäns bzw. Coachs für die Ausrichtung. Die Transformations-Meisterschaft kann aber nur das Team gewinnen. Dieses Verständnis von Management halte ich für wegweisend, auch für alle anderen Führungshierarchien in der Organisation.

Um beim "Coach" zu bleiben: auf welche konkreten Kompetenzen achten Sie als Personalberater, wenn Ihre Kunden eine solche Führungsposition besetzen wollen?

Marcel Derakhchan: Sie oder er sollte natürlich über Fähigkeiten verfügen, die in eine Zeit ständiger Veränderung passen. In unserem Leadership Profiling unterscheiden wir zum Beispiel zwischen Eigenschaften eines "Transformation Managers" und eines "Transformation Leaders". Beide sind wertvoll und wichtig für die Organisation, aber sie führen ihre Mitarbeiter unterschiedlich: ein Transformation Manager wird zum Beispiel eher Regeln ohne Kompromisse befolgen, also 'Dinge richtig machen'. Ein Transformation Leader hingegen `macht die richtigen Dinge`, d.h. er bricht auch mal regeln, um weiterzukommen. Beide eint aber im Idealfall eine ganz wesentliche Fähigkeit: sie trauen ihren Mitarbeitern zu, eigene Entscheidungen zu treffen und Aufgaben übernehmen zu können, die nach hierarchischer Sichtweise vielleicht nicht per se in ihrer Zuständigkeit liegen. Auch das macht transformationale Führung aus. Im Profiling gleichen wir anhand dieser und weiterer Aspekte ab, wie gut ein Kandidat zum bestehenden Team passt und in welchen Teamkonstellationen sich beide Führungstypen ideal ergänzen könnten.

Führt das langfristig zum Modell 'Unternehmen ohne Chefs'?

Marcel Derakhchan: Nein, das glaube ich nicht. Die Beispiele, bei denen das heute funktioniert, sind absolute Ausnahmen. Der Regelfall, ob im Startup oder Konzern, ist die Orientierung an einer Führungsstruktur - Hierarchien wird es in meinen Augen immer geben, aber das Verständnis von Hierarchie verändert sich. 

Hierarchien wird es immer geben

Leadership wird wie gesagt sicherlich stärker davon geprägt sein, für die Mitarbeiter Coach und Mentor zu sein, also auch mehr Vertrauen zuzulassen. Allerdings sollte man das nicht missverstehen: Mit mehr Vertrauensvorschuss führen bedeutet nicht, Verantwortung abzugeben. Nicht nur auf Teamebene, sondern an allen Stellen der Organisation. 

Weitere Informationen: https://www.dladvisory.de/perspektiven

Marcel Derakhchan, Managing Director DLA Digital Leaders Advisory GmbH

Marcel Ramin Derakhchan ist bei dla digital leaders advisory verantwortlich für die Besetzung von Top-Managementfunktionen in Business & Professional Services Unternehmen sowie Software- und Hochtechnologieunternehmen. Sein Spezialgebiet sind komplexe Suchmandate, die einen interdisziplinären Ansatz aus Search, Organisationsberatung und individuellem Coaching erfordern.

Veröffentlicht am: 19.11.2019

 

Über CONSULTING.de

consulting.de ist das zentrale Informationsportal für Unternehmensberatungen. Unser breites Informationsangebot rund um Consulting richtet sich sowohl an Management- und Strategieberatungen, Personalberatungen, Controlling- und Finanzberatungen, Wirtschaftsprüfungen, Marketing- und Kommunikationsberatung und IT-Beratungen als auch deren Kunden aus Industrie, Handel sowie Dienstleistung.