„Viele Beratungen arbeiten auch für Familienunternehmen – wir ausschließlich“

Interview mit Moritz Weissman von Weissman & Cie.

Weissman & Cie. gehört zu den besten Arbeitgebern im Consulting. Das Nürnberger Beratungshaus mit Spezialisierung auf die Beratung von Familienunternehmen wurde in der Größenklasse 10-49 Mitarbeiter ausgezeichnet. Moritz Weissman, geschäftsführender Gesellschafter, erklärt im Interview mit CONSULTING.de, was das Haus von anderen Häusern unterscheidet, was es mit der „Feel Good Management-Arbeitsgruppe“ auf sich hat und welche Mitarbeiter am besten in das Familienunternehmen passen. Und warum Peer-Recruiting im Auswahlprozess besser funktioniert als die Lösung von Case-Studies.

Johannes Josnik, Associate Partner. (Bild: Weissman & Cie.)

Sie nennen sich selbst „Das Beratungshaus für Familienunternehmen“. Weissman & Cie. ist selbst ein Familienunternehmen. Wodurch unterscheidet sich Ihr Haus von anderen Beratungen? Was macht den Unterschied?

Moritz Weissman: Wir sind überzeugt, dass die Besonderheiten von Familienunternehmen, die mittelständisch geprägten Strukturen, im Beratungsprozess explizit berücksichtigt werden müssen, um die Ziele des Kunden zu erreichen.

Viele Beratungen arbeiten auch für Familienunternehmen – wir ausschließlich.

Nicht zuletzt, weil wir selbst auch ein Familienunternehmen sind und uns seit über 35 Jahren auf diese Zielgruppe spezialisiert haben, sind uns die Themen bestens vertraut. Berater, die sonst in Konzernen unterwegs sind, sprechen eine ganz andere Sprache, gehen anders vor und bauen Projekte anders auf. Mittelständische Familienunternehmen benötigen jedoch besondere Unterstützung, zum Beispiel im Rahmen der Inhaberstrategie. Dafür braucht es aus meiner Sicht Berater, mit einer anderen Haltung, mit viel Fingerspitzengefühl, die Probleme anders angehen und interdisziplinär arbeiten. Wir arbeiten weniger schematisch und streben eine ganzheitliche Betrachtung des Unternehmens an – in einem größeren Kontext, der natürlich auch die Situation der Unternehmerfamilie beinhaltet. Ob man lieber für Großunternehmen oder Familienunternehmen arbeitet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Aber alle in unserem Team haben diese Entscheidung klar getroffen.

Wie wir immer wieder bestätigt bekommen, schaffen wir den Spagat zwischen einem sehr lockeren, familiären Umgang bei gleichzeitig hoher Arbeitsleistung. Als Boutique-Beratung können wir unseren Mitarbeitern viel Freiraum und Verantwortung geben und die zahlen es uns mit hoher Leistung und Einsatzfreude zurück.

Sie nennen Ihr Team selbst ein „familiäres Team“. Das scheint mir ein hoher Anspruch zu sein. Wie prüfen Sie, wer in die Familie passt und wer nicht?

Moritz Weissman: Wir investieren sehr viel Zeit in Gespräche mit potenziellen Mitarbeitern, weil wir sichergehen wollen, dass es für beide Seiten das Richtige ist. Dabei finden mit potenziellen Kandidaten persönliche Bewerbungsgespräche mit verschiedenen Kollegen aus unterschiedlichen Hierarchien bzw. Abteilungen statt.

Wir sind überzeugt, dass dieses Peer-Recruiting besser geeignet ist als unzählige Fallstudien und Assessments, da es umgekehrt auch den Bewerbern die Möglichkeit gibt, die potenziellen Kollegen gleich besser kennenzulernen.

Natürlich sind ein paar fachliche Themen wichtig, aber entscheidend sind für uns die Einstellung und der „Nasenfaktor“ – wer passt zu uns und zu unseren Kunden und wer hat wirklich Lust auf die Aufgabe und hat hier eine hohe Lernbereitschaft? Anschließend hat sich bewährt, den Bewerber/die Bewerberin noch zur gemeinsamen Mittagspause einzuladen, damit wir hier einen Eindruck unter informellen Bedingungen gewinnen.

Offene Stellenangebote und weitere Informationen zu Weissmann & Cie. finden Sie auf den Karriereseiten des Unternehmens.

Maximilian Beisl, Senior Berater, und Dr. Alexander Koch, Partner. (Bild: Weissman & Cie.)

Die Fluktuation ist in Unternehmensberatungen bekanntlich hoch. Was tun Sie, um Ihre Mitarbeitenden langfristig zu halten?

Moritz Weissman: Wechsel gehören in unserer Branche dazu – auch wir bleiben davon nicht verschont. Fakt ist, dass die Nachfrage nach Beratenden weiterhin hoch ist und diese tendenziell kürzer in den Beratungshäusern verweilen und öfter wechseln – in Beratungen mit spezifischer Ausrichtung und auch in andere Branchen. Gerade Mitarbeitende der unteren Karriere-Level wollen und sollen nach ein paar Jahren etwas Neues ausprobieren oder gar selbst unternehmerisch tätig sein.

Wir setzen auf unsere gelebten Werte Vertrauen, Verantwortung und Verbindlichkeit und ermöglichen so den Mitarbeitenden eine hohe Abwechslung und damit auch eine entsprechende persönliche Weiterentwicklung. Und mit unserer von Herzlichkeit geprägten Unternehmenskultur, verschiedenen Benefits, individueller Weiterentwicklung und einer stets transparenten Kommunikation versuchen wir das Ganze noch zu verstärken.

Die Corona-Pandemie hat viel verändert. Wie haben sie gemeinsame Team-Aktivitäten wie Kickern, Feierabendbier und Grillen ersetzt? Wie schafft man eine vertrauensvolle Arbeitsatmosphäre, wenn man sich nur selten persönlich begegnet?

Moritz Weissman: Das war und ist gerade für uns, die sehr viel Wert auf gemeinsame Aktivitäten und Austausch legen, tatsächlich eine sehr schwierige Zeit. Seit der Corona-Pandemie konnten wir die von uns geschätzten Freizeitaktivitäten und After Work-Abende nicht mehr durchführen und hier fehlt uns definitiv etwas. Wir sind allerdings überzeugt, dass Kultur primär durch den alltäglichen Umgang miteinander als durch unregelmäßige Team-Events geprägt wird und hier haben wir es, als Team, auch gut geschafft aus der Distanz und online in einem regelmäßigen Austausch zu bleiben.

Und wann immer es möglich war, haben wir die Gelegenheit für persönlichen Austausch genutzt – sei es bei unserem Sommerfest, bei Gin-Tastings oder beim eigens organisierten „Weissman Altstadtfest“ für unsere Mitarbeitenden und ihre Familien – mit fränkischen Spezialitäten, zünftiger Musik und entsprechendem Dresscode.

Jonas Reif, Berater. (Bild:Weissman & Cie.)

Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Ihren Kunden verändert?

Moritz Weissman: Unsere Kunden sind auch immer Teil der Lösung: wir arbeiten nicht im stillen Kämmerlein, sondern entwickeln gemeinsam mit den Inhabern/Gesellschaftern wie auch mit der Führungsmannschaft ein umsetzbares Konzept. Das heißt der Kontakt zu unseren Kunden ist für uns unerlässlich. Während Corona mussten wir natürlich zunächst einmal alle Begegnungsformate wie Interviews und Workshops virtuell durchführen, inzwischen setzen wir auf einen Mix aus remote Terminen und Terminen vor Ort beim Kunden. Dabei entscheidet der Projektleiter in Abstimmung mit dem Kunden, welche Form eines Termins am zielführendsten ist und wir glauben, dass sich dieser Modus zukünftig etablieren wird.

Der neue Arbeitsmodus ist für unsere Mitarbeitenden mit Familie und Freizeit besser vereinbar. Zudem hat er sich auch für unsere Kunden bewährt, weil viele kurze Termine oder Arbeitssessions schnell und unkompliziert virtuell stattfinden ohne große Anreisezeit und Organisation.

Wir haben ein hybrides Modell etabliert – unsere Berater arbeiten von zu Hause, mit und bei den Kunden sowie im Büro mit bewusstem Austausch bzw. gemeinsamer Zeit, je nach eigenen Bedürfnissen und Projektanforderungen. Wir setzen dabei voll und ganz auf eigenverantwortliches Arbeiten – das Ergebnis zählt. Flexible Rahmenbedingungen und Vertrauensarbeitszeit sind daher selbstverständlich.

Sie schreiben sich auf die Fahne die Ziele der Kunden zu erreichen? Was ist denn das Besondere an Ihrer Arbeitsweise?
Moritz Weissman: Wir versuchen zu verstehen, was die Ziele des Unternehmers sind und was damit verknüpft ist.

Kein Kunde braucht z. B. ein Strategie-Papier – sondern immer das Ergebnis, das dadurch entsteht.

Was wie eine semantische Kleinigkeit klingt, ist im Beratungsalltag ein enormer Qualitätsunterschied. Wir sehen uns als Partner auf Augenhöhe – nicht darüber und nicht darunter. Mit dieser Ausgangssituation ist es unser Ansatz, gemeinsam eine Lösung zu entwickeln. Und obwohl wir in unsere Projekte unsere Erfahrung aus über 2.000 Projekten einbringen, stellen wir uns dennoch immer wieder auf die neue Situation des Kunden ein, um seine Ziele zu erreichen. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Familienunternehmen, wenn sie ihre Strategien auch umsetzen wollen, bereits Teil der Lösungsentwicklung sein müssen. Es muss sich wie „ihr“ Konzept anfühlen und nicht wie das des Beraters.

Es gibt bei Weissman & Cie eine „Feel Good Management-Arbeitsgruppe“. Wie kann man sich den Output dieser Arbeitsgruppe konkret vorstellen?

Moritz Weissman: Unsere Feel Good Management-Arbeitsgruppe hat zum Ziel, den Austausch, Diskussion, Lösung von Konflikten aber auch kleineren Unzufriedenheiten sowie Realisierung von Wunsch-Arbeitsbedingungen der Mehrheit in unserem Unternehmen zu fördern. Es handelt sich hier um eine offene Arbeitsgruppe, in der jeder, gleichwohl aus welcher Hierarchie-Ebene, willkommen ist. So gewährleisten wir, dass Themen aus Hierarchie-Ebenen in die AG rein- und Ideen aus der AG in die Hierarchie-Ebenen rausgetragen und vermittelt werden. Wir prüfen eingereichte Ideen und schaffen gemeinsam Entscheidungsgrundlagen, die dann mit der Geschäftsführung abgestimmt werden.

In den letzten Wochen haben wir aus der FGM-AG heraus z. B. die Anschaffung neuer Möbel für unseren Essbereich auf der Terrasse, die Festlegung unserer Ablageregeln auf Server und Microsoft Teams-Kanälen und die Einführung eines Software-Tools für unser Wissensmanagement realisiert. Dieser regelmäßige, hierarchieübergreifende Austausch wirkt sich äußerst positiv auf unsere Kommunikation, die Realisierung von Ideen zur Verbesserung unserer Arbeitsplatzbedingungen sowie die gesamte Unternehmenskultur aus. Für die Mitarbeiter ist es die Möglichkeit aktiv am Unternehmen zu arbeiten – für die Geschäftsführung ein toller Modus, um das Unternehmen permanent zu verbessern.

Sie haben sich nicht nur Ihre hohe Qualität als Arbeitgeber bestätigen lassen, sondern nutzen auch andere Wettbewerbe im Consulting. Warum ist es Ihnen wichtig sich der Herausforderung solcher Wettbewerbe zu stellen?

Moritz Weissman: Wir sind stolz und dankbar für die Empfehlungen und das Vertrauen unserer Kunden, die sich in Auszeichnungen der Beraterbranche widerspiegeln. Gerne stellen wir uns mit unseren Projekten dem Vergleich mit anderen Beratungen und den Bewertungen von Jurys, die meist aus Vertretern von Klienten-Unternehmen, Wissenschaft und Medien bestehen, um auch nach 35 Jahren dazuzulernen und besser zu werden. Hier zeigt es sich häufig, dass das Feedback aus solchen Wettbewerben nochmals eine andere Qualität hat, und wir bekommen wertvolle Impulse für unsere Weiterentwicklung. Und natürlich sind wir auch als Team stolz für die ein oder andere Auszeichnung unserer Arbeit.

Über Moritz Weissman

Moritz Weissman ist geschäftsführender Gesellschafter der Strategieberatung Weissman & Cie. in Nürnberg und führt das Unternehmen in zweiter Generation. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in der Begleitung von Unternehmen in Fragen der Unternehmensstrategie und der Organisationsentwicklung. Darüber hinaus steht er als aktiver Beirat in Familienunternehmen sowie Mitglied des Expertenkreises „Nachfolge“ des BVMW (Bundesverband mittelständische Wirtschaft) Familienunternehmen als Gesprächspartner, Referent und Impulsgeber zur Seite.

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