Warum sich Digitalisierung und Globalisierung perfekt ergänzen

BDU-Präsident Hans-Werner Wurzel im Interview

Nach rund einem Jahr als BDU-Präsident spricht Hans-Werner Wurzel, Mitglied der Geschäftsführung von BearingPoint, im Interview mit CONSULTING.de über den Einstieg in die Consulting-Branche, das Qualitätsversprechen des BDU und die Auswirkungen der Digitalisierung.

BDU-Präsident Hans-Werner Wurzel

BDU-Präsident Hans-Werner Wurzel

CONSULTING.de: Herr Wurzel, vor Kurzem ist die diesjährige Ausgabe der Marktanalyse Facts & Figures des BDU erschienen. Welches ist das aus Ihrer Sicht zentrale Ergebnis?

Hans-Werner Wurzel: Für mich ist das herausragende Ergebnis, dass die Consulting-Branche deutlich schneller wächst als die Gesamtwirtschaft. Das bedeutet, dass die Gesamtwirtschaft mehr und mehr auf die Dienstleistung von Unternehmensberatungen zurückgreift. Immer mehr Kunden entscheiden sich demnach bei der Überlegung Make-or-Buy dafür, bestimmtes Wissen, Fertigkeiten und Know-how zuzukaufen.

CONSULTING.de: Die Tendenz, auf externe Dienstleistungen zu setzen, ist sicherlich nicht neu, seit wann können Sie die Entwicklung denn schon beobachten?

Hans-Werner Wurzel: Ja das stimmt, diese Tendenz gibt es schon seit Jahren, sie wurde lediglich zu zwei Zeitpunkten unterbrochen. Zunächst sind 2001 und 2002 zwei Effekte zusammengekommen: zum einen das Platzen der E-Commerce-Blase, zum anderen hatten gerade Unternehmensberatungen mit einem IT-Schwerpunkt dank der Umstellungen um die Jahrtausendwende zeitlich begrenzt sehr viele Aufträge. 2009 gab es dann noch einmal einen Einbruch aufgrund der Weltwirtschaftskrise. Aber davon abgesehen, existiert eine kontinuierliche Entwicklung, in deren Verlauf die Arbeitsteiligkeit konstant zugenommen hat. Dass im Hinblick auf Make-or-Buy die Aufgaben verstärkt auf Zulieferer entfallen, lässt sich unter anderem in vielen Bereichen der Industrie erkennen. Hier fokussieren sich Unternehmen auf ihr Kerngeschäft und alles, was nicht unmittelbar dazu gehört, wird outgesourct. Wenn es dann darum geht, Projekte durchzuführen, greifen Unternehmen auf die entsprechenden Know-how-Träger beziehungsweise die entsprechenden Ressourcen zurück …

CONSULTING.de: … Sie sprechen damit die oftmals zitierte Zeitarbeit in Nadelstreifen an …

Hans-Werner Wurzel: Gegen diese Formulierung wehre ich mich allerdings, denn bei dem Begriff Zeitarbeit schwingt die Vorstellung mit, es gäbe einen hauptsächlich durch einen Zeitfaktor bestimmten Ablauf, nach dem Motto: Die nächsten sechs Monate hole ich mir mal Unterstützung von außen. Hier vermisse ich den Bezug zu einem Projekt. Denn letztendlich geht es darum, dass die Personaldecke von unseren Kunden extrem dünn geworden ist – die langweilen sich alle überhaupt nicht, um es mal salopp zu formulieren. Wenn dann also etwa ein wichtiges Transformationsprojekt durchgeführt werden muss, fällt es Unternehmen oft schon schwer, entsprechende Personentage in solch ein Projekt einzubringen. Aber es macht natürlich wenig Sinn, dass ein Unternehmensberater ein Konzept alleine entwickelt. Unternehmensberatung bedeutet vielmehr, dass mit dem Wissen des Unternehmens über sich selbst eine neue Konzeption von Prozessen, Geschäftsmodellen und Abläufen entwickelt wird, und dafür ist natürlich das Know-how des Unternehmens wichtig. Dieses wird dann um Verfahrens- oder Vorgehensweisen und das Wissen über die Branche ergänzt. Meist fehlt es in Unternehmen an spezifischem Know-how, wie man etwa Transformationsprojekte angeht, wie man Prozesse abbildet, wie man sich mit anderen Wettbewerbern vergleicht. Da kann eine neutrale Person oder ein ganzes Team von Beratern vor Ort sicher sehr hilfreich sein.

Über den Einstieg in die Consulting-Branche

CONSULTING.de: Lassen Sie uns das Thema Recruiting näher betrachten, das ja auch in den Facts & Figures eine Rolle spielt. Große Kampagnen von Unternehmensberatungen lassen den Schluss zu, dass es gar nicht so einfach ist, passenden Consultingnachwuchs zu finden – Sie selbst haben sich hierzu an anderer Stelle auch schon einmal eher gelassen geäußert. Wie ordnen Sie das Thema aktuell ein?

Hans-Werner Wurzel: Natürlich sind wir von der Consultingbranche sowohl im Wettbewerb mit Nicht-Beratungsunternehmen als auch innerhalb der Branche. Wir müssen als Consultingunternehmen immer wieder herausstellen, dass man sich als Einsteiger in unserer Branche deutlich schneller als in anderen Unternehmen weiterentwickeln kann.

CONSULTING.de: Sehen die jungen Einsteiger das denn genauso?

Hans-Werner Wurzel: Natürlich gibt es eine demografische Entwicklung und demzufolge den War for Talents, das stimmt – das trifft aber sowohl auf Industrie- als auch auf Consultingunternehmen zu. Wenn ich jetzt einmal von BearingPoint sprechen darf: Wir haben heute durchaus Bewerber, deren Qualität deutlich höher ist als vor zehn Jahren, und es ist auch nicht so, dass wir insgesamt einen Mangel an Bewerbern hätten. Das wird den anderen namhaften Consultingunternehmen sicher auch ähnlich ergehen. Natürlich müssen wir hier den Mitbewerber ausstechen, damit die entsprechenden Bewerber zu uns kommen und deswegen auch weiterhin offensiv auf dem Markt tätig sein. Es ist also härter geworden und die jungen Kollegen wissen, was sie wert sind und möchten sich das aussuchen, was für sie am besten passt. Aber ist das eine Sorge? Nein, ich glaube eben, dass sich auch andere Unternehmen stärker profilieren müssen als früher.

CONSULTING.de: Sie sagten gerade, dass die Qualität der Bewerber mittlerweile höher ist als in der Vergangenheit – woran könnte das aus Ihrer Sicht liegen?

Hans-Werner Wurzel: Es heißt ja häufig, dass die Schulbildung heute so viel schlechter sei als früher, diesen Eindruck teile ich überhaupt nicht. Und wenn wir uns jetzt noch die akademische Ausbildung anschauen, so spielt die Internationalität eine deutlich größere Rolle. Außerdem gibt es dank der Zweistufigkeit der Ausbildung durch Bachelor- und Masterstudiengang andere Möglichkeiten. So kann man sich zum Beispiel im Bachelor allgemeiner aufstellen und im Master auf ein spezielles Thema vertiefen. Zu dem ersten Punkt Internationalität möchte ich noch ergänzen, dass Englisch heute keine Fremdsprache mehr ist, die junge Generation spricht durch die Bank besser Englisch als die Kollegen, die schon 20 Jahre im Beruf sind.

Eine Frage der Qualität

CONSULTING.de: Stichwort Werbung in eigener Sache, es gibt in den Facts & Figures die Trendthese: "Die Qualitätsvermutung des betreffenden Beratungsunternehmens wird auf Seiten des Klienten zu einem zentralen Auswahlkriterium." Was bedeutet denn "Qualitätsvermutung" in diesem Kontext für den BDU?

Hans-Werner Wurzel: Wir möchten den Kodex der Qualität noch stärker als bisher nach vorne treiben. Man muss absolut sicher sein können, dass ein Beratungsunternehmen, das im BDU Mitglied ist, Qualitätskriterien genügt, auf die sich Kunden verlassen können. Dies gilt auch innerhalb der Branche, denn manchmal pitchen zwei Unternehmensberatungen gemeinsam und müssen sich dann sicher sein können, dass der andere eine Qualität liefert, die über jeden Zweifel erhaben ist. Qualitätsvermutung kann man auch als ausreichend hoch definierte Mindestanforderung beschreiben. Das heißt, wenn jemand im BDU ist, genügt er diesen Qualitätsanforderungen. Das ist im Übrigen auch für Absolventen oder andere Jobsuchende relevant, die ja im Grunde eine Wette auf ihren zukünftigen Arbeitgeber abschließen und für die sich die Frage stellt, ob sie sich darauf verlassen können, dass sie entsprechend ausgebildet und dass die Projekte hochwertig durchgeführt werden.

CONSULTING.de: Bleiben wir noch bei den Trendthesen. An anderer Stelle heißt es: Die Einflussnahme bei Compliance- und Rechtsabteilung im Einkauf von Beratungsleistungen nimmt zu. Welche Auswirkungen hat das auf die Vermarktung der Dienstleistung Consulting – wird diese dadurch eher schwieriger?

Hans-Werner Wurzel: Bei dem Thema Compliance geht es hauptsächlich um Scheinselbstständigkeit und um Werksverträge. Da hatten wir eine relativ schwierige Phase, weil die Rechtsprechung in der Beziehung unklar war und Unternehmen demzufolge sehr strenge Compliance-Regeln entwickelten. Es gab zum Beispiel Projekte, bei denen die beteiligten Firmen nur über ein Repräsentanten-Modell und nicht direkt miteinander kommunizieren durften. Da die Gesetzgebung wieder etwas klarer wird, gehe ich davon aus, dass sich die Situation diesbezüglich wieder beruhigt. Aber auch an anderer Stelle gibt es Veränderungen: Firmen schreiben verstärkt Projekte aus – dies geschieht mittlerweile zum Beispiel schon ab 500.000 Euro und nicht erst ab 1 Mio. Euro. Ich empfinde das aber nicht als problematisch, es ändert natürlich die Vertriebstätigkeit und bringt mehr Aufwand mit sich, aber unsere Kunden haben das Recht auszuschreiben und sollen das auch tun.

Hinter der These steht eben auch der Umstand, dass es eigentlich nicht mehr möglich ist, Aufträge händisch zu vergeben. Das heißt, wo vielleicht früher, um einmal das Klischee zu bemühen, auf dem Golfplatz per Handschlag ein Auftrag zustande kam, läuft es heute sowohl bei Konzernen als auch bei größeren Mittelständlern über die Einkaufsabteilung. Manchmal kann es zwar schwierig sein, wenn Projekte ausgeschrieben werden, die noch nicht ausschreibungsfähig sind. Wenn etwa der Scope noch nicht klar ist, kommt es zu Angeboten, die schwer vergleichbar sind, weil die beiden Anbieter unterschiedliche Annahmen treffen. Aber grundsätzlich haben unsere Kunden an der Stelle ganz klar ein Anrecht auf Transparenz.

Warum die Digitalisierung nicht alles ändert

CONSULTING.de: Auch an anderer Stelle gibt es große Veränderungen: Welche Auswirkungen des omnipräsenten Themas Digitalisierung auf die Consultingbranche können Sie ausmachen und welche weiteren Effekte werden sich aus Ihrer Sicht noch zeigen?

Hans-Werner Wurzel: Consultingunternehmen müssen ihre Dienstleistungen in dem Bereich aufrüsten beziehungsweise verbessern. Wenn Consultants in Sachen Supply Chain Management beraten, funktioniert das nicht mehr, ohne das Thema Digitalisierung zu berücksichtigen. Aspekte sind hier etwa die digitale Steuerung von Fertigungsnetzwerken oder die unternehmensübergreifende Optimierung von Supply Chain, bei der digital erhobene Informationen eine große Rolle spielen. Wenn Sie heute in der Fertigungssteuerung beraten, dann müssen Sie zumindest im Hinterkopf haben, was das Internet of Things für Möglichkeiten bietet. Die Anzahl der Ausprägungen nimmt also zu, und Sie werden sich sowohl stärker mit technologischen Komponenten als auch mit digitalen Geschäftsmodellen befassen müssen, über die viele Firmen jetzt erst nachdenken. Die Erstellung von Beratungsprodukten und -projekten ist dank Digitalisierung auch schneller global möglich. Digitalisierung und Globalisierung ergänzen sich perfekt, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Hier kommt demzufolge ein zusätzlicher Globalisierungsdruck auf die Unternehmensberater zu.

Aber wenn es um die Frage geht, was Digitalisierung für Sie als Unternehmer bedeutet, dann erhalten Sie die Antwort nicht überall auf der Welt. Denn hier muss jemand das Unternehmen, die Abläufe und die Kultur vor Ort kennen. Und Unternehmensberater müssen wissen, was einem Unternehmen überhaupt zuzumuten ist. Denn wenn zum Beispiel ein Transformationsprojekt ansteht, dann entwickeln sich in einem Unternehmen sehr rasch mehrere Lager mit unterschiedlichen Vorstellungen – da mag etwa der eine weiter springen wollen als der andere, und als Unternehmensberater muss man ein Gespür entwickeln, wie weit man so eine Firma entwickeln oder was sich das Unternehmen zutrauen kann. Und an der Stelle, davon bin ich überzeugt, geht nichts über Kundennähe. Damit meine ich jetzt nicht den Golfplatz, sondern ob der Unternehmensberater die Abläufe und den Businessplan versteht und die Kultur kennt und außerdem die Frage beantworten kann, was eine Firma leisten kann oder will. Ich möchte noch einmal den Bogen zu unserem vorigen Thema Ausschreibung wagen, denn hier gilt dasselbe: Nur wenn Sie eine Firma wirklich gut kennen, können Sie auch auf eine Ausschreibung intelligent antworten. Denn der Kunde muss sich ja in Ihrer Antwort wiederfinden – und  der merkt sehr schnell, ob es ein generisches oder ein spezifisches Angebot ist.

CONSULTING.de: Das heißt in dem Zusammenhang ändert sich die Consultingtätigkeit trotz all der Globalisierung und Digitalisierung doch nicht?

Hans-Werner Wurzel: Genau! Wir haben ja alle das Ziel ein Trusted Advisor für unsere Kunden zu sein – und das im besten Sinne. Zum Beispiel muss sich der Kunde darauf verlassen können, dass es nicht um die Optimierung der Unternehmererlöse des Beraters geht und dass der Unternehmensberater einen Spezialisten dazu holt, wenn er sich selbst in einem Gebiet nicht perfekt auskennt. Ein anderer Aspekt ist, das Vertrauen, das sich entwickelt und aufgrund dessen sich ein Unternehmer auf die Einschätzung und das Urteil des Beraters verlässt. Und auch dieses Gefühl können Sie digital noch nicht erzeugen.

Aber das Thema Digitalisierung an sich birgt schon großes Potenzial und es ist faszinierend, wer über digitale Geschäftsmodelle nachdenkt und welche Dynamik das Thema entwickelt. Hierzu passt die berühmte Aussage von Jeff Immelt, CEO von General Electric: "Gestern sind Sie noch als Industrieunternehmen ins Bett gegangen und wachen als Software- und Analyseunternehmen wieder auf."

Wenn Virtual Reality ins Spiel kommt

CONSULTING.de: Würden Sie sagen, dass es bestimmte Branchen gibt, die die Auswirkungen der Digitalisierung am stärksten zu spüren bekommen?

Hans-Werner Wurzel: Es wird auf jeden Fall alle Branchen betreffen. Die Industrielandschaft wird zum Beispiel über die Digitalisierung aus meiner Sicht erhebliche Produktivitätszuwächse bekommen. Hier ist es allerdings wichtig, nicht zu schnell umzustellen, denn da könnte man sich eine blutige Nase holen. Aber dann muss man doch Smart Follower sein und schauen, welche Trends sich wirklich durchsetzen und darauf setzen. Im Übrigen wird man Massenware immer als Massenware herstellen müssen – da ist auch der 3D-Drucker nicht schneller – aber wenn es um Mass Customization geht, also die individuelle Anpassung von Seriengütern, dann werden wir noch starke Zuwächse erleben. Das ist wirklich spannend zu beobachten.

Ich war kürzlich auf dem Mobile World Congress in Barcelona und konnte einen Eindruck gewinnen, was sich etwa im Bereich Virtual Reality tut. Hier geht es um die Steuerung von Operationen oder auch die Ausführung von Reparaturen. Das heißt, es steht ein Mitarbeiter an einer hochkomplexen Maschine, setzt sich die virtuelle Brille auf, respektive eine Brille, die virtuell ergänzt wird, und dann bekommt er eingespielt, wo er den Schraubenzieher ansetzen oder den Chip auswechseln muss. Das bedeutet sowohl Qualitätszuwächse, weil es zur Fehlervermeidung beiträgt, als auch Produktivitätszuwächse, die sicher unglaublich sein werden.

Ein interessantes Beispiel gibt es von Apple: Das Unternehmen wirbt mit dem Video eines Servicetechnikers von Schindler-Aufzügen, dem Informationen über das iPhone zugestellt werden und der bei Problemen sofort mit einem Spezialisten verbunden wird. Hier sind wir bei einer ganz wichtigen Komponente, nämlich dass zu der Digitalisierung auch der Aspekt „Mobile“  hinzukommt. Sie verfügen dann anytime und anywhere über die Informationen, die Sie benötigen. Das ist extrem faszinierend, wir leben diesbezüglich wirklich in einer spannenden Zeit.

CONSULTING.de: Wie lassen sich denn die notwendigen digitalen Strategien in Unternehmen implementieren und an der richtigen Stelle verankern?

Hans-Werner Wurzel: Es stellt sich die Frage: Ist digital eine spezielle Komponente, die andere ersetzt oder ist digital eher etwas, das überall eine Rolle spielt? Sowohl Firmen als auch Unternehmensberatungen müssen überlegen, wie sie die Digitalisierung bestmöglich organisieren. Vorhin hatten wir ja das Beispiel Supply Chain. Sie haben als Unternehmensberatung und natürlich auch als Unternehmen Bereiche, die sich mit Logistik und mit Supply Chain beschäftigen. Wenn Sie als Unternehmen entscheiden, dass digital wichtig ist und für den Bereich einen Pool mit schlauen digitalen Mitarbeitern einrichten, heißt das denn, dass sich die Logistiker nicht mit dem Digitalen beschäftigen müssen oder dürfen? Oder müssen sich jetzt die für das Digitale zuständigen Mitarbeiter auch noch um das Rechnungswesen, HR  und die Reisekostenabrechnung kümmern? Wo fängt das Digitale also an, wo hört es auf? Vor allem: Wie stellen Sie sicher, dass das Rad nicht an verschiedenen Stellen im Unternehmen gleichzeitig neu erfunden wird? Und wie vermeiden Sie ein Bottleneck, das darin besteht, dass Sie Ihre Mitarbeiter ausbremsen, die eigentlich schon viel weiter wären, aber nicht dürfen, weil es eben diese eine zentrale Stelle gibt, die für das Digitale zuständig ist?

Nach meiner Überzeugung können Unternehmen das wirklich nur so lösen, indem sie zwar ein paar Vorreiter bündeln, aber indem sie um Gottes willen nicht verbieten dürfen, dass sich die anderen auch mit dem Digital-Thema beschäftigen, sonst lähmen sie ihre Organisation. Und das alles gilt, wie schon erwähnt, auch für uns Unternehmensberater. Es kann einige Leute geben, die dann als Evangelisten agieren und vielleicht auch mal einen Tipp geben, aber es darf nicht darauf hinauslaufen, dass nur die sich um das Digitale kümmern dürfen, denn sonst haben Sie als Unternehmen Ihre digitale Energie zerstört.

CONSULTING.de: Möchten Sie einen Ausblick wagen, wie die Consultingbranche in zehn Jahren aussehen wird?

Hans-Werner Wurzel: Sie wird so aussehen wie heute und sie war auch schon vor zehn Jahren so. Sie besteht aus engagierten Menschen, die bereit sind, sich mit Technologie auseinanderzusetzen und das Gefühl haben, dass sie bei ihren Endkunden Wirkung erzeugen können. Ich bin der Überzeugung, dass aufgrund der verstärkten Arbeitsteiligkeit, Unternehmensberatungen nicht weniger, sondern mehr eingesetzt werden und dass es immer noch darauf ankommt, dass man mit Engagement Verantwortung übernimmt und sich darauf freut, dass man schneller lernt als vielleicht in anderen Branchen.

CONSULTING.de: Eine persönliche Frage zum Schluss: Spielt Musik für Sie eine wichtige Rolle und wenn ja, gibt es für Sie Musik, die jeder unbedingt gehört haben muss?

Hans-Werner Wurzel: Ja, Musik spielt in meinem Leben durchaus eine Rolle. Im Moment ist mir das 3. Klavierkonzert von Rachmaninow besonders wichtig, das höre ich sehr häufig. (Zum Beweis zückt er sein Tablet und lässt einige Takte davon laufen.) Aber ich höre auch sehr gerne Jazz und aktuelle Charts, da bin ich nicht einseitig festgelegt.

Das Interview führten Dorothee Ragg und Claas Lübbert.

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Veröffentlicht am: 06.04.2016

 

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