"Wenn ich mich als Consultant interessant machen will, dann darf ich nicht nur im Selbstdarstellungsmodus unterwegs sein."

Interview mit Frank Behrendt zum Thema Social Media Profil (Teil 2/2)

Frank Behrendt ist einer der bekanntesten Kommunikationsberater Deutschlands. Als erfolgreicher Buchautor hat er sich einen Namen als "Guru der Gelassenheit" gemacht. CONSULTING.de hat mit ihm darüber gesprochen, wie man als Consultant in Social Media agieren sollte. Lesen Sie hier den zweiten Teil des Interviews.

Holger Geißler im Interview mit Frank Behrendt. (Bild: CONSULTING.de)
Holger Geißler im Interview mit Frank Behrendt. (Bild: CONSULTING.de)

CONSULTING.DE: Was ist bei der Pflege der Profile besonders wichtig? Was sind die Top-3-Learnings, auf die man achten sollte?

Frank Behrendt: Man sollte bei der Wahrheit bleiben. Wenn sich Leute darstellen, als wären sie schon CEO in fünf Firmen gewesen, da guckt man mit hochgezogener Augenbraue und sagt: "Das ist wahrscheinlich ein Blender und Showmaster". Auch bei den Interessen, die man angibt, muss man authentisch sein. Das Netzwerken im digitalen Bereich, ist ja wie im analogen. Wenn ich mich im Consulting-Bereich für IT interessiere, dann gehe ich nicht zu einer Messe, wo es um Wurst und Käse geht. Dann gehe ich zu einer IT-Messe. Wenn ich mich zu gewissen Themen einbringen und positionieren will, dann agiere ich themenspezifisch. Man sollte klar machen, für welche Bereiche man steht und was einen interessiert. Außerdem ist ein anständiges Foto wichtig. Ich persönlich schaue immer relativ schnell auf das Foto. Und wenn da einer positiv ist und lacht, ist er mir sympathischer als jemand, der mit finsterer Miene in die Kamera schaut.

CONSULTING.DE: Es muss nicht das Bewerbungsfoto sein, aber es sollte auch kein Schnappschuss aus dem letzten Urlaub sein?

Frank Behrendt: Wenn das Bewerbungsfoto eines ist, das in die heutige Start-Up-Welt passt, ist das okay. Neulich hatte ich den Fall, dass ich bei XING im Podcast war. Da gab es ein Interview mit mir. Die haben ein altes Bild aus den 90ern ausgegraben, wo ich mit Krawatte und Nadelstreifenanzug abgebildet war. Da habe ich mich kaputtgelacht. Denn so laufe ich gar nicht mehr rum. Ich weiß gar nicht, wann ich noch eine Krawatte trage, außer beim Botschaftsempfang oder einer Silberhochzeit.

CONSULTING.DE: Bei einigen Politikern merkt man deutlich, dass sie twittern lassen. Kann man sowas delegieren?

Frank Behrendt: Kann man natürlich, alles ist möglich. Wir wollen mal ehrlich sein: Als Agentur-Berater wissen wir ja, dass nicht jeder Vorstandsvorsitzende oder jede Führungskraft alle Kanäle selbst bespielt. Auch nicht jeder Namensartikel ist von dem geschrieben, dessen Name dabeisteht. Aber alles, was von einem nach draußen geht, sollte abgestimmt sein und der persönlichen Haltung und Meinung entsprechen. Und auch wenn ich nicht alles selbst, verfasse sollte ich immer wissen, was von mir irgendwo verbreitet wird.
Was man schließlich nie vergessen sollte, ist, wenn Politiker oder Prominente irgendwo live auftreten, werden sie als Erstes mit Sachen konfrontiert, die sie gesagt haben. Wenn ich dann sage: "Oh, weiß ich gar nicht. Das hat mein Team gemacht.", dann habe ich ein Problem.

CONSULTING.DE: Das Influencer-Marketing gewinnt ja immer mehr an Zug. Firmen ziehen mehr daraus, wenn Mitarbeiter die Studie posten, als wenn das Unternehmen eine Pressemitteilung rausgibt. Auf der anderen Seite stellt sich die Frage: Inwiefern gebe ich als Unternehmen meinen Mitarbeitern Richtlinien zum Umgang mit Social Media vor?

Frank Behrendt: Wenn Leute etwas posten, was deren Meinung ist, aber klar gegen Company-Interessen geht, dann glaube ich nicht, dass man dort eine große Zukunft vor sich hat. Das ist ein schmaler Grat. Man ist als Company gut beraten, Regularien vorzugeben. Das betrifft auch das Wording oder das Ausspielen von Bildern. Wenn ein Mitarbeiter plötzlich Inhalte jugendgefährdender Art auf seinem Profil teilt, dann ist das, auch für die Company, ein Problem.

CONSULTING.DE: Das sind ja die Extreme. Habt Ihr bei Serviceplan eine explizite Vorgabe?

Frank Behrendt: Es gibt eine Richtlinie: Wie verhält man sich im Netz? Da steht aber nicht explizit drin, was ich schreiben darf und was nicht. Der gesunde Menschenverstand ist in der Regel oft ein gutes Korrektiv, die Kolleginnen und Kollegen beraten schließlich auch unsere Kunden sehr gut, da sind sie auch in der Lage einzuschätzen, was im Zusammenhang mit ihrem Arbeitgeber angemessen ist. Auf dem Kommunikationskongress hat Philipp Schindera von der Telekom mal gesagt: "Die Zeiten der Kommunikationspolizei in Unternehmen sind vorbei." Da hat er recht.

CONSULTING.DE: Wie kann ich denn beeinflussen, dass meine Mitarbeiter positiv über Themen meines Unternehmens schreiben? Ich kenne zum Beispiel Unternehmen, wo es Boni gibt, wenn man Artikel in Fach-Journals veröffentlicht hat.

Frank Behrendt: Ich tue mir schwer damit, wenn jemand Geld oder Boni dafür erhält. Weil man damit eine eigene Klasse schafft. Da können Missgunst und ein falscher Fokus entstehen. Dass Unternehmen Mitarbeiter nutzen, um über das Unternehmen zu berichten, ist völlig in Ordnung. Aber es sollte immer auch der Grad der Freiwilligkeit gegeben sein. Man kann sie motivieren, aber es sollte kein Druck ausgeübt werden.

CONSULTING.DE: Wir haben über das Thema Fotos gesprochen. Gerade beim Thema Personal Branding gibt es unterschiedliche Aspekte, die wichtig sind. Wie wichtig ist das Thema Kleidung?

Frank Behrendt: Sehr. Es ist ein Teil der Marke. Wir reden ja vom Personal Branding. Ich bin eine Marke, eine Personenmarke. Wenn ich Persönlichkeiten, wie etwa Fußballtrainer berate, geht es immer auch darum, wie sie sich darstellen wollen. Ich glaube, dass es am Ende des Tages ein Puzzleteil ist. Das, was du schreibst, das was du sagst, wie du dich äußerst und auch, wie du dich optisch darstellst.

Ich laufe auf vielen Bildern mit Jeans und einem blauen Sakko rum. Meine Lieblingsfarbe ist blau. Das gehört zu meinem Branding. Und auch auf Vorträgen habe ich immer das gleiche an. Immer eine verwaschene Jeans, ein weißes Hemd und ein blaues Sakko. Diese Jeans, das Sakko und auch das Hemd, passen aus meiner Sicht gut zu meiner Positionierung. "Der ist kein langweiliger Schlipsträger. Er ist anständig oben herum angezogen und du kannst immer ein gutes Foto machen. Aber trotzdem hat er eine Jeans und Timberlands an und ist ein lässiger Typ."

Neulich habe ich bei einer Veranstaltung in Südwestfalen jemanden getroffen, der geht immer mit einem Hütchen auf die Bühne. Er ist der Mann mit dem Hütchen. Max Thinius, witziger Typ. An ihn erinnert man sich und sagt später: "Da war doch so ein Typ. Der mit dem Hütchen." Genauso hat es auch der legendäre Apple-Gründer Steve Jobs gemacht. Er trat bei den relevanten Präsentationen immer im schwarzen Rollkragenpullover auf. Leute sind also auch zu einer Marke geworden, weil sie eine bestimmte Optik haben.

Der Kloppo (Jürgen Klopp) ist ja auch so einer. Immer mit Brille, Mütze und Bart. Lässig. Er ist nie Jose Mourinho. Da ist ein Gesamtbild zu erkennen. Warum ist Kloppo so erfolgreich? Nicht nur sportlich, sondern auch als Typ, alle lieben ihn und wollen ihn als Werbeträger? Weil er eine authentische Persönlichkeit und Marke ist.

Aber, zurück zur Frage: Wenn ich mich in einer Jeans und einem Sakko am wohlsten fühle: Anziehen!

CONSULTING.DE: Man will ja nicht nur eine Marke sein. Für die meisten Consultants steht im Vordergrund, dass sie ihre Expertise vermarkten wollen. Wie kann man das, gerade auch in sozialen Netzwerken, idealerweise darstellen?

Frank Behrendt: Ich glaube, dass eine gute Berater-Persönlichkeit eine Mischung aus Mensch, Inhalt und Optik ist. Es gibt einen guten Typen, Dr. Aaron Brückner. Der hat in seinem Profil stehen: "Consultant, Podcaster, Autor und Model". Der macht es in meinen Augen sehr clever.

CONSULTING.DE: Wir haben über die Schwelle zwischen Beruflichem und Privatem gesprochen. Es gibt auch eine Schwelle zwischen Personenmarke und Selbstdarsteller. Wo ist die Grenze?

Frank Behrendt: Das kommt auf die Zielsetzung an. Wenn ich mich inhaltlich als Consultant für einen Markt und Kunden interessant machen will, dann darf ich nicht nur im Selbstdarstellungsmodus unterwegs sein. Dann muss ich über Inhalte kommen. Wenn ich Berater sein will, dann muss ich auch als Berater wahrgenommen werden. Wenn ein Consultant sich nur mit Selfies positioniert, wo er wann, wo, wen getroffen hat und nie was Eigenes schreibt, da würde ich sagen: "Wunderbar. Den kann ich als Fotografen für unsere nächste Firmenveranstaltung buchen. Aber nicht als Consultant."

CONSULTING.DE: Welche Consultants machen aus Deiner Sicht ein gutes Marketing? Wen kann man sich als Inspiration ansehen?

Frank Behrendt: Das sind oft Leute, die nicht unbedingt klassische Consultants sind. Die sind einfach Typen und verkaufen Inspiration. Zum Beispiel Hermann Scherer, als Speaker. Wie der sich vermarktet und darstellt, finde ich hochspannend. Seine besten Sprüche habe ich als inspirierende Postkarten auch in meinem Büro stehen.

Oder auch Martin Gaedt. Der hält Vorträge zum Thema "um die Ecke denken". Der hat eine Art und Weise, sich zu positionieren, sich darzustellen, zu reden, und zu denken, die besonders ist. Von denen kann man lernen.

CONSULTING.DE: Es gibt viele Berater, die sich dazu entscheiden, selbst ein Unternehmen zu gründen. Besser das eigene Unternehmen oder sich selbst als Person in den Vordergrund stellen?

Frank Behrendt: Am Ende des Tages, wenn ich eine kleine Company bin, die sehr stark auch von dem Gründer, also der Leuchtturmfigur, getragen wird, dann wird es nicht ausbleiben, dass ich diese Person feature. Selbst große Companies, beispielsweise Roland Berger machen das: Roland Berger hat selbst lange diesen Spagat gemacht, die Company zu pushen und auch die Person "Roland Berger" zu promoten. Der hat es sehr gut verstanden, seine Personality mit der Company zu verknüpfen.

Der Vorteil ist: Die Company kann eine Studie veröffentlichen, oder einen Preis vergeben, und gleichzeitig kann ich meinen persönlichen Eindruck von Davos oder der South-South-West schildern. Wenn ich, Frank Behrendt, sage, dass ich eine Studie mache, dann ist das eine Lachnummer. Wenn Serviceplan oder ein Unternehmen eine Studie macht, ist das etwas ganz anderes. Diese Zangenstrategie ist ein guter Weg um Inhalte und Personality gut miteinander zu verknüpfen.

Den ersten Teil des Interviews mit Frank Behrendt finden Sie hier.

Das Interview führte Holger Geißler

Zur Person

Frank Behrendt
Frank Behrendt

Frank Behrendt ist einer der bekanntesten Kommunikationsberater Deutschlands. Der Absolvent der Deutschen Journalistenschule war Top-Manager in der Musikindustrie, beim Fernsehen und in großen Agenturen. Seit Februar 2017 ist er in der Serviceplan-Gruppe tätig. 2017 wurde er von der Deutschen Public Relations Gesellschaft (DPRG) als "PR-Kopf des Jahres" ausgezeichnet. Über die Branche hinaus wurde er mit seinem Werk "Liebe dein Leben und nicht deinen Job - 10 Ratschläge für eine entspannte Haltung" bekannt. Weitere Infos: www.frankzdeluxe.de

Veröffentlicht am: 11.03.2020

 

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