Wer braucht wen?

Freelance-Plattform für Managementberater

Im Oktober 2014 gründeten Dr. Christoph Hardt und Dr. Jan Schächtele, beide ehemalige McKinsey-Berater, das Startup COMATCH. Was sich hinter dieser Freelance-Plattform für Managementberater verbirgt und wieso gerade jetzt ein guter Zeitpunkt für solch eine Idee ist, berichten sie im Interview mit CONSULTING.de.

Dr. Christoph Hardt und Dr. Jan Schächtele, Co-Founder und Geschäftsführer COMATCH (Bild: COMATCH)
Dr. Christoph Hardt und Dr. Jan Schächtele, Co-Founder und Geschäftsführer COMATCH (Bild: COMATCH)

CONSULTING.de:
Wie kamen Sie auf die Idee COMATCH zu gründen?

Jan Schächtele: Wir haben beide selbst Beratungshintergrund und mit dem Gedanken gespielt, freiberufliche Berater zu werden. Dabei hat uns überrascht, wie intransparent der Markt war, vor allem wenn man sich anschaut, dass Plattformen in anderen Dienstleistungsbereichen wie Grafikdesign oder IT-Beratung zumindest marktähnliche Strukturen etabliert haben. So kam die Idee, dass ein Marktplatz für freiberufliche Berater für beide Markseiten nützlich sein könnte: Berater können sich von der breiten Masse differenzieren, Firmen können schnell und flexibel auf vorgescreente Profile zugreifen

CONSULTING.de: Wofür steht der Name COMATCH genau?

Christoph Hardt: COMATCH steht für das perfekte Match zwischen COmpany auf der einen und COnsultant auf der anderen Seite und enthält auch die Silbe COM als Anspielung darauf, dass wir einen digitalen Ansatz verfolgen. Wer etwas Fantasie hat, wird in unserem Logo in den Buchstaben COM zwei Personen entdecken, die sich die Hände schütteln – so wie gute Geschäftspartner. Zugegeben, das haben wir selbst erst gesehen, als das Logo bereits entworfen war, finden es aber großartig. Denn genauso verstehen wir COMATCH, als Matchmaker der Geschäftswelt.

CONSULTING.de: Sie waren zuvor bei McKinsey tätig – inwiefern profitieren Sie heute von Ihren Erfahrungen in der klassischen Unternehmensberatung?

Christoph Hardt: Enorm. Wir sind Berater und wissen, was einen guten Berater ausmacht, das ist essenziell für die Entscheidung, wen wir in den Pool aufnehmen und wen nicht. Wir wissen auch, wie Berater ticken und unter welchen Bedingungen sie am besten arbeiten. Das ist extrem wichtig für unser Community Management. Das Feedback unserer Berater zeigt, es funktioniert – sie fühlen sich gut aufgehoben und verstanden. Auf Klientenseite ist es ähnlich, angenommen ein Klient hat nur eine vage Vorstellung davon, wer genau ihm helfen könnte, so können wir im Gespräch klären, wie sein perfektes Match aussehen könnte: Braucht er ein oder mehrere Leute, einen Strategen oder einen Umsetzer? Auch zwischen Berater und Klient können wir gut vermitteln.

Die Arbeitsweisen, die wir bei McKinsey erlernt und gelebt haben, helfen uns natürlich obendrein im operativen Geschäft, beispielsweise bei Themen wie Teamführung und Feedbackkultur. Für den Schritt in die Niederlande konnten wir von unserer Erfahrung dort profitieren, wir haben uns 2012 auf einem Projekt in den Niederlanden getroffen – ganz klar, ohne McKinsey gäbe es kein COMATCH.

CONSULTING.de: Beschreiben Sie bitte, wie Ihre Plattform genau funktioniert!

Jan Schächtele: Wir haben einen Pool von gegenwärtig 600 ausgewählten, freiberuflichen Top-Management-Beratern und Industrieexperten. Der Klient übermittelt uns seine Projektanfrage – ob Berater, Projektleiter, Experte oder ganzes Team – und erhält basierend auf einem Algorithmus und unserer persönlichen Erfahrung mehrere passende Profile aus diesem Pool vorgeschlagen. Zusätzlich zur Vermittlung übernehmen wir die Vertrags- und Zahlungsabwicklung und es gibt ein institutionalisiertes Feedbacksystem zur Sicherung der kurz- und langfristigen Qualität. Für diesen Service erheben wir eine Gebühr von 15 Prozent auf den Tagessatz des Beraters vom Klienten. Für Berater ist der Service kostenfrei.

Mehr Selbstbestimmtheit ist gewünscht

CONSULTING.de: Welchen Bedarf an freiberuflichen Unternehmensberatern sehen Sie?

Christoph Hardt: Auch heute nutzen schon viele Firmen freiberufliche Berater, nur dabei geht eben vieles über persönliche Netzwerke und private Kontakte. Diesen Bereich wollen wir professionalisieren und somit den Beratungsmarkt erweitern. Mit der Erfahrung aus 2015 können wir sagen: Der Bedarf ist sehr groß. Basierend auf fundamentalen Veränderungen der individuellen Bedürfnisse der Arbeitnehmer – der Fokus auf der Work-Life-Balance und mehr Selbstbestimmtheit – und sich massiv wandelnden Firmenstrukturen, also mehr Projektarbeit und flexiblere Strukturen, glauben wir, dass der Bedarf sogar noch steigen wird.

CONSULTING.de: Wie würden Sie die junge Generation vor dem Hintergrund dieses Wunsches nach größerer Freiheit beschreiben?

Jan Schächtele: Ich denke, diese Generation ist zielstrebig und will etwas für sich und die Gesellschaft erreichen, stellt aber bisherige Arbeitsformen in Frage, weil sie aufgrund technischer Möglichkeiten dazu in der Lage ist. Wenn ich das schaffe, was von mir verlangt wird, vielleicht sogar noch mehr – weshalb muss ich dazu zu festen Zeiten im Büro sitzen? Das gilt zumindest für den gut ausgebildeten Teil dieser Generation, das muss man dazu sagen. Für Unternehmensberater können wir aus eigener Erfahrung sagen, dass ihr oberster Wert Flexibilität ist, das heißt nicht unbedingt, dass diese Menschen weniger arbeiten wollen, sie wollen aber selbst bestimmen unter welchen Bedingungen. Das wird uns in den Gesprächen, die wir mit jedem Bewerber führen, immer wieder gesagt.

Ein sich ändernder Beratermarkt

CONSULTING.de: Sehen Sie sich in direkter Konkurrenz zu Unternehmensberatungen, wie etwa Ihrem ehemaligen Arbeitgeber McKinsey?

Christoph Hardt: Wir sehen uns als Dienstleister für Firmen, die freiberufliche Berater engagieren möchten und dabei nicht auf einen professionellen Service drum herum verzichten möchten. Insofern sehen wir uns nicht als direkte Konkurrenz zu klassischen Unternehmensberatungen, sondern als eine Erweiterung des Beratungsmarktes in andere Bereiche hinein.

CONSULTING.de: In welcher Beziehung können Sie mit klassischen Unternehmensberatungen nicht konkurrieren?

Jan Schächtele: Es gibt Projekttypen, bei denen klassische Unternehmensberatungen einfach besser geeignet sind. Zum Beispiel, wenn proprietäre Datenbanken zu einer bestimmten Industrie benötigt werden oder wenn die Reputation der Beratung aus politischen Gründen eine wichtige Rolle spielt.

CONSULTING.de: An welcher Stelle sehen Sie denn einen Vorteil oder auch ein Alleinstellungsmerkmal Ihres Angebots?

Christoph Hardt: Das ist zum einen die Flexibilität, zum anderen die Qualitätssicherung und der kuratierte Ansatz. Flexibilität heißt, ich kann als Kunde sehr schnell, nämlich innerhalb von 48 Stunden, und sehr bequem den für mich passenden Freiberufler finden, egal ob einzelner Berater, Industrieexperte oder ein ganzes Team – ich muss lediglich mein Projektbriefing formulieren. Dabei zahle ich erst, wenn ich mit einem Berater einverstanden bin, auch hier bin ich also flexibel. Ich kann mich auf die Qualität verlassen.

Es gibt Aufnahmebedingungen für den Beraterpool, Anforderungen an den Lebenslauf, zusätzlich wird mit jedem einzelnen Berater ein Interview geführt. Zusätzlich gibt es ein institutionalisiertes Feedbacksystem auf der Plattform, sodass ich sehen kann, wie andere Klienten die Projektarbeit der Berater bewertet haben.

Kuratiert heißt für uns, dass der Auftraggeber nicht selbst eine lange Liste an möglichen Kandidaten durchgehen muss, sondern dass wir aus dem großen Pool die passendsten Kandidaten für ihn aussuchen, so dass er sich nur zwischen einem kleinen Set an geeigneten Kandidaten entscheiden muss.

Berater wagen sich in die Selbstständigkeit

CONSULTING.de: Inwiefern denken Sie, gibt es einen Wandel in der Beraterbranche?

Jan Schächtele: Die Konkurrenz und das Angebot wird weiter zunehmen. Boutiqueberatungen sind inzwischen Hidden Champions mit wachsendem Marktanteil und die Wirtschaftsprüfungen kommen massiv zurück ins Beratergeschäft. Zusätzlich kommen digitalbasierte Vermittler wie wir auch noch dazu. Für Auftraggeber bedeutet das mehr Auswahlmöglichkeiten und besser auf den individuellen Bedarf zugeschnittene Lösungen, bei wahrscheinlich niedrigeren Preisen als früher. Für die Berater tun sich mit dieser Entwicklung auch neue Karrierepfade auf. Die Selbstständigkeit wird attraktiver.

CONSULTING.de: Sie sind bisher in Deutschland und in den Niederlanden aktiv  – verraten Sie uns Ihre weiteren (Expansions-)Pläne?

Jan Schächtele: Gegenwärtig decken wir mit über 600 Beratern vor allem die DACH-Region ab. In den Niederlanden wachsen wir aber derzeit sehr schnell und werden schon bald 100 Berater erreicht haben. Im ersten Quartal 2016 wollen wir zusätzliche Länder erschließen. Wir sind uns sicher, das Modell funktioniert überall.

CONSULTING.de: Wo sehen Sie sich mit Comatch in fünf Jahren?

Christoph Hardt: COMATCH wird DIE Adresse für hochqualifizierte freiberufliche Berater sein. Jeder Klient, der ein spannendes Projekt hat und dieses extern besetzen möchte, hat COMATCH auf dem Schirm. Zudem wollen wir einen Qualitätsstandard für freiberufliche Berater etablieren, der über die Grenzen unserer Plattform hinausgeht.

CONSULTING.de: Welchen privaten Traum möchten Sie sich in nächster Zeit erfüllen?

Christoph Hardt: Ich werde mir für meine Berliner Wohnung eine neue Matratze kaufen. Meine derzeitige ist etwas durchgelegen.

Jan Schächtele: Ich wandere gerne und werde diesen Sommer versuchen die Alpen zu Fuß zu überqueren. Sport ist ja ein guter Ausgleich zu dem vielen Sitzen im Büro.

Das Interview führte Dorothee Ragg.

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Veröffentlicht am: 20.01.2016

 

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