Wie arbeitet ein Wirtschaftsdetektiv? Ein Interview mit Marcus Lentz

Interview, Marcus Lentz

Recherchieren, beschatten und Vergehen aufdecken – Wirtschaftsdetektive können Unternehmen einen wertvollen Dienst erweisen. Dabei ist es besonders wichtig, dass sie diskret und feinfühlig arbeiten, um mögliche wirtschaftskriminelle Handlungen aufzudecken.

Fingerabdruck (Bild: picture alliance / Bildagentur-online/McPhoto | Bildagentur-online/McPhoto)

Es ist meist eine Kombination aus verdeckter Observation (Beobachtung), auftragsbegleitenden Ermittlungen und Informationsgewinnung durch Vertrauenspersonen. (Bild: picture alliance / Bildagentur-online/McPhoto | Bildagentur-online/McPhoto)

Laut der KPMG-Studie "Wirtschaftskriminalität in Deutschland 2020" schätzen 78 Prozent der befragten Unternehmen das Risiko, von Wirtschaftskriminalität betroffen zu sein, als hoch ein. Doch wie arbeitet ein Wirtschaftsdetektiv und was sind seine Aufgaben? Wir fragen bei Marcus Lentz nach. Er leitet die Detektei Lentz in Köln. Die Detektei kann auf eine mehr als 25-jährige Geschichte zurückblicken. Mittlerweile hat die Lentz Gruppe Niederlassungen auf der ganzen Welt.

Herr Lentz, Sie sind also selbst Inhaber eines Unternehmens. Wie wichtig ist es da den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vertrauen zu können?

Marcus Lentz: Wir haben bei uns sehr flache Hierarchien, kennen uns seit Jahren und alle Mitarbeiter wissen, dass Sie mich und meine Geschäftsführungskollegen auch jederzeit privat erreichen können, wenn ein Problem – auch privater Natur – ansteht und dass wir dann immer helfen. Das ist Teil unserer sehr familiären Unternehmenskultur hier im Hause Lentz. Dadurch hatten wir in den letzten Jahren eine Krankheitsquote von unter 1% und konnten auch in der Corona-Pandemie Kurzarbeit bislang vermeiden.

Als Wirtschaftsdetektiv gehen Sie wirtschaftskriminellen Handlungen auf den Grund. Sind diese immer auf die Belegschaft zurückzuführen? Wie sehen solche Handlungen aus?

Marcus Lentz:

Wirtschaftskriminelle Handlungen sind nicht immer – aber meistens – auf die eigene Belegschaft zurückzuführen.

Dafür haben die KMPG Wirtschaftsprüfer 300 Unternehmen quer durch alle Branchen befragt. Jeder dritte gab an, selbst Opfer gewesen zu sein. Die größten Schäden entstanden durch das Zutun eigener Mitarbeiter; bewusst, oder unbewusst.

Sie stehen Unternehmen mit Rat und Tat zur Seite. An welchem Punkt kommen die Firmen auf Sie zu?

Marcus Lentz: Meistens leider viel zu spät. Gerade Mittelständler glauben, dass sie gut aufgestellt sind. Aber das stimmt meist nicht. Industriespionage durch eigene Mitarbeiter kostet jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag.

Was sind die häufigsten Fälle, bei denen Sie gerufen werden?

Marcus Lentz: Rund 65% unserer Auftragsmandate kommen aus der Wirtschaft. Meist geht es um Problemsituationen das Fachgebiet des Arbeitsrechts betreffend, d. h. Lohnfortzahlungsbetrug, Arbeitszeitbetrug, Schwarzarbeit o. ä.. Die restlichen 35% unserer Auftragsmandate kommen aus dem sensiblen Privatbereich. Hier geht es meist um Untreueverdacht in der Ehe/Partnerschaft, Nachweis von Unterhaltsbetrug bei Trennungsunterhalt, oder nachehelichem Unterhalt und Prüfung von Anhaltspunkten bei Kindeswohlgefährdung, oder Überwachung der eigenen Kinder wegen Verdachts von Drogenkonsum oder Jugendprostitution. Wir betreuen jährlich knapp 110 Auftragsmandate hier in Köln.

Es besteht ein Verdacht, Sie werden angerufen – Wie geht es dann für Sie weiter?

Marcus Lentz: Wir führen zunächst eine vertrauliche Bedarfsanalyse durch. Dann erarbeiten wir eine Vorgehensweise, aufgrund der Bedarfsanalyse und unserer knapp 30-jährigen Berufserfahrung und der Interessent erhält einen Kostenvoranschlag. Bis dahin war alles kostenfrei und unverbindlich.

Und wie laufen solche Ermittlungen ab?

Marcus Lentz: Es ist meist eine Kombination aus verdeckter Observation (Beobachtung), auftragsbegleitenden Ermittlungen und Informationsgewinnung durch Vertrauenspersonen. Am Ende erhält der Mandant einen absolut gerichtsverwertbaren schriftlichen und visuellen Bericht, der von allen eingesetzten Wirtschaftsermittlern unterschrieben ist.

Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit eines Wirtschaftsdetektivs von der eines Privatdetektivs?

Marcus Lentz: Der Wirtschaftsdetektiv benötigt wirtschaftliches Know-How. Das muss nicht unbedingt ein BWL-Studium sein. Aber eine Bilanz sollte er schon lesen und verstehen können. Er muss Dolose Handlungen ebenso kennen, wie die Abläufe bei Wirtschaftskriminalität, die sich meist ähneln. Man kann sagen, Erfahrung ist durch nichts zu ersetzen.

Was würden Sie Unternehmen raten, die einen Verdacht hegen?

Marcus Lentz: Weihen Sie niemanden ein. Nicht einmal ihre Sekretärin. Das ist absolute Chefsache. Sie können nicht wissen, wem Sie im eigenen Unternehmen eventuell misstrauen müssen. Wir haben da schon die kuriosesten Sachen erlebt. Sprechen Sie mit ihrem Anwalt und rufen Sie uns an – gern mit ihrem Anwalt zusammen. Der Mailverkehr mit uns, läuft über ihre private Mailadresse, oder über ihren Anwalt und niemals über ihre Firmenserver.

Diskretion ist das A und O und beginnt bei dem Mandanten selbst.

Vielen Dank Marcus Lentz, Leiter der Detektei Lentz in Köln.

Über Marcus Lentz

Marcus Lentz (Bild: Marcus Lentz)
Marcus R. Lentz, Jahrgang 1968, ist ZAD geprüfter Privatermittler (IHK), Mediator (Univ.) und sachverständiger Fachgutachter für das Detektei- und Bewachungsgewerbe und in dieser Funktion für zahlreiche Gerichte und Anwaltschaften als Fachgutachter tätig, seit 1987 als Privatdetektiv tätig; seit 1995 als selbständiger Detektiv und geschäftsführender Gesellschafter tätig und spezialisiert auf Ermittlungen und Internetrecherchen. In seiner Freizeit ist der zweifache Vater viel und gern mit dem Motorrad unterwegs und Inhaber einer PPL(A)-Lizenz.

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