"Würdest Du es anders machen? Wir auch."

Recruiting im Consulting: Interview mit Sebastian Fletzberger, CPC

Wie spricht eine Unternehmensberatung potentiellen Nachwuchs an? Was zeichnet die Unternehmenskultur der CPC, einer "Great Place to Work"-Beratung aus? Wer passt zu ihr und zu wem passt sie? Diese und weitere Fragen beantwortet Sebastian Fletzberger (seit 2010 bei CPC) im Interview und erklärt, was hinter der ersten Video-Marketing-Kampagne seiner Firma steckt. Das Interview führte Tanja Fischer (seit 2018 bei CPC).

Sebastian Fletzberger, CPC

Tanja Fischer: Sebastian, unsere Videos unterscheiden sich in ihrer Art von dem, wie viele Unternehmen versuchen, potentiellen Bewerbern den Berufsalltag schmackhaft zu machen. Warum habt Ihr einen anderen Ansatz gewählt?

Sebastian Fletzberger: Nun zuerst einmal haben wir uns damals angeschaut, wie handhaben denn andere Beratungen das Thema Recruiting / Personalmarketing im Netz, da wir ja nun bis dato keine konkreten Erfahrungen in der Richtung hatten. In unserer Größenordnung um die 100 Mitarbeiter gab es auf den üblichen Plattformen wenig zu finden, deswegen sind wir schnell bei den bekannten, größeren Namen gelandet. Da gab es manches, was wir auffällig und teils auch überraschend fanden. Viele Auftritte bei Facebook, YouTube, Instagram & Co. fokussieren zum Beispiel stark auf das Thema Work-Life-Balance und die Möglichkeiten Sabbaticals zu nehmen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Print-Kampagne, in der durchweg Mitarbeiter in ihren 20ern mit Surfbrett am Strand oder beim Free Climbing gezeigt wurden. Persönlich habe ich das vor allem als unfreiwillige Selbstoffenbarung empfunden, weil für mich der Subtext lautete "Arbeite bei uns, dann bekommst Du Geld und Zeit, um all das zu tun, worauf Du eigentlich Bock hast". Der Beruf als reiner Mittel zum Zweck und damit notwendiges Übel. Dieser Blick auf das Beraterdasein oder auch das Berufsleben allgemein mag nicht unüblich sein, passt aber so gar nicht zu dem Typ Mensch, den wir suchen.

Tanja Fischer: Welcher Typ Mensch ist das?

Sebastian Fletzberger: Leute, die Freude an diesem Job mit all seinen Herausforderungen empfinden und die Lust darauf haben gemeinsam mit anderen "ihre" Firma langfristig zu gestalten. Diejenigen, denen das Leben zu kurz ist, um einen Großteil davon mit einer Arbeit zu verbringen, die als Belastung und etwas gesehen wird, das es gilt mit allen Mitteln möglichst gering zu halten.


Tanja Fischer
: Was ist Euch noch aufgefallen an der Art, wie sich Beratungsunternehmen im Netz für potentielle Bewerber interessant machen wollen?

Sebastian Fletzberger: Häufig stößt man auf Videos von Neueinsteigern, die erzählen, warum es so klasse ist, im Unternehmen XY zu arbeiten. Dabei gibt es dann Beispiele, die die Hälfte der Spieldauer damit verbringen die Kollegen beim Joggen zu zeigen. Da fanden wir den Aspekt "Authentizität" fragwürdig. Mir persönlich fehlen auch die Ehrlichkeit und der realistische Blick auf den Berateralltag. Sicher, der "typische" Berater arbeitet heutzutage auch bei den Großen keine 80h die Woche als Normalpensum. Wenn ich als Berufseinsteiger allerdings Work-Life-Balance als einen meiner wichtigsten Werte im Beruf sehe, dann ist die Beratungsbranche vielleicht nicht das Richtige für mich. Was nicht verwerflich ist, ganz im Gegenteil; zu wissen, was man will und was nicht, ist gerade mit Blick auf den Berufseinstieg viel wert und vermutlich den Wenigsten unter uns vergönnt.

Tanja Fischer: Und das hat Euch dazu gebracht zu sagen "wir machen das anders"?

Sebastian Fletzberger: Unter anderem, ja. Überraschend fanden wir, dass viele Videos ganz ohne Humor daherkamen und mehr oder weniger unterschwellig am Ende doch zeigten, wie ernst man sich selbst nimmt. Da wussten wir auch schnell, dass wir am anderen Ende des Spektrums unterwegs sein wollen, weil es mehr unserem Selbstbild entspricht und dem, wie wir sein und agieren wollen. Klar war also, was wir nicht wollten. Da der Wurm ja nun aber dem Fisch schmecken muss und nicht dem Angler, haben wir eine nicht-repräsentative Umfrage unter rund 100 Studenten durchgeführt. Dabei ging es einerseits um das Bild des "Beraters", das in den Köpfen steckt. Andererseits haben wir ihnen auch Beispiele gezeigt und sie nach ihrer Einschätzung gefragt. Die überragende Mehrheit kommentierte die Videos mit einem deutlichen "Ja, ne, is' klar", glaubwürdig fanden diese Art der Selbstdarstellung die Wenigsten.

Tanja Fischer: Das heißt, der Blick auf den Beraterberuf ist eher ein kritischer?

Sebastian Fletzberger: Sogar noch deutlich kritischer, als wir das erwartet hätten. Klassische, negative Beraterklischees scheinen weiterhin stark verbreitet: Up-or-out-Prinzip, arrogantes Auftreten, Ellenbogenmentalität. Mit Blick auf für uns interessante Bewerber und den Recruiting-Erfahrungen der letzten Jahre kamen wir zu dem Schluss, dass wir gerne auch Menschen erreichen möchten, die aus den oben genannten Gründen bisher überhaupt nicht erst in Betracht gezogen haben sich Richtung Beratung zu orientieren. Am Ende haben wir entschieden, dass wir mit diesen nach unserem Empfinden antiquierten Vorurteilen spielen und uns selbst auf humorvolle Art präsentieren wollen, um eine größtmögliche Aufmerksamkeit zu erzeugen. Aber auch, um zu unterhalten und neugierig zu machen. 


Tanja Fischer
: Napoleon, Tebartz van Elst und Pennywise sind recht spezielle Charaktere, wieso gerade diese drei?

Sebastian Fletzberger: Jegliche Ähnlichkeiten mit lebenden Personen oder urheberrechtlich geschützten Figuren sind selbstverständlich rein zufällig. Das Konzept eines fiktiven Beratungsgesprächs ist in Zusammenarbeit mit einem enorm talentierten und wahnsinnig engagierten Team der Filmakademie Baden-Württemberg entstanden. Die Figuren kamen letztlich in die engere Auswahl, weil sie visuell einiges hergeben und andererseits von einem breiten Publikum mit einer konkreten persönlichen "Niederlage" assoziiert werden können. Dazu die Frage "wie hätte den wohl ein Klischee-Berater im negativen Sinne beraten?". Charmant fanden wir auch, dass sich selbst in den 30 Sekunden pro Clip Anspielungen unterbringen ließen, die nicht unbedingt jeder sofort versteht, wie zum Beispiel die Referenz auf Napoleons Cent-Jours. 


Tanja Fischer
: Alle Videos tragen die Botschaft "Wir würden's anders machen". Was ist es, das die CPC anders macht und sie von anderen Beratungshäusern unterscheidet?

Sebastian Fletzberger: Nun ja, da könnte ich nun natürlich die nächsten zwei Stunden eine wohlfeile Laudatio auf die CPC halten. Zuerst einmal wichtig zu wissen: Die wenigsten Kollegen werden für uns beanspruchen, dass wir dies und jenes kategorisch anders machen als andere Beratungen - und damit implizit besser. Man könnte auch sagen "so etwas ziemt sich für den gemeinen CPCer nicht", weil es sich mit unserem Wert zero arrogance beißt.

Tanja Fischer: Wie steht es denn dann aber nun um den Claim der Videos?

Sebastian Fletzberger: Den Claim anders zu sein in den Videos zu verwenden hat einige hitzige interne Debatten ausgelöst, die auch lange und leidenschaftlich unter uns Mitunternehmern ausgefochten wurden. Wir haben dabei ein knappes Dutzend unterschiedlicher Interpretationsmöglichkeiten diskutiert, wer das eventuell warum wie interpretieren könnte. Am Ende stand die Kernbotschaft, dass wir für uns beanspruchen, anders zu sein als der Klischee-Berater, und Menschen ansprechen möchten, die ein solches oder ähnliches Gebaren ebenfalls absurd und albern finden.

Tanja Fischer: Dann mal ohne Blick auf andere gefragt: Was ist es, das unsere Arbeit im Alltag ausmacht?

Sebastian Fletzberger: Das lässt sich mit einer Formulierung aus unserer aktuellen Vision gut auf den Punkt bringen: "Dafür schätzt man uns, dafür stehen wir: Erfolgreiche, robuste Organisationen in denen Menschen mit Freude und Sinn arbeiten". Um das zu erreichen, spielt gutes Change Management eine essentielle Rolle. Dazu zwei Sätze, weil das gerne zu Missverständnissen führt: Wir verstehen Change Management als Dreiklang verschiedener Disziplinen - Projektmanagement, Organisationsentwicklung und - plakativ formuliert - die Arbeit an und mit Menschen, also alles, was mit Personalentwicklung und Lernprozessen zu tun hat. In allen drei Bereichen gilt es sich eine große Menge Wissen anzueignen, Methodenkompetenz zu erlernen und Erfahrung zu sammeln. Das heißt auch, dass ich in meinen ersten Jahren bei der CPC in der Regel auf Projekten mit unterschiedlichem Fokus unterwegs bin. Mit diesem Verständnis von Change Management als der Königsdisziplin unserer Arbeit erklärt sich auch, warum ein CPCer im ersten Jahr nach unserem Anspruch noch nicht dem Titel "Change Manager" gerecht werden kann. Das ist auch ein Hinweis darauf, wie wir kulturell und von unserem Selbstverständnis her ticken.

Tanja Fischer: À propos, Kultur. Wie würdest Du unsere Unternehmenskultur beschreiben?

Sebastian Fletzberger: Da kann ich nur stellvertretend das ein oder andere herauspicken, das würde sonst den Rahmen sprengen: Einer der wichtigsten Pfeiler der CPC, der einen stark Kultur-prägenden Charakter hat, ist unser Personalentwicklungskonzept, das die persönliche Weiterentwicklung von Anfang an in den Vordergrund stellt. Unsere Erfahrungsstufen basieren auf dem jeweiligen Entwicklungsstand einer Person - quantitativ ausgedrückt als Punktestand. Befördert wirst Du, wenn Du einen bestimmten Punktestand erreicht hast. Die Beurteilung darüber erfolgt durch alle Vertreter der nächsthöheren Stufe, in die Du aufrücken sollst. So stellen wir sicher, dass eine möglichst gerechte Beurteilung über alle Kollegen hinweg erfolgt - auch wenn selbst das natürlich nie 100% Gerechtigkeit bringen kann. Wir haben keine Quoten oder Stellen, auf die befördert wird. Bei uns gibt es kein Up-or-out-Prinzip. Du wirst befördert, wenn Du soweit bist.

Tanja Fischer: Warum ist das für die Kultur so prägend? 

Sebastian Fletzberger: Weil es unseren Umgang miteinander stark beeinflusst. Hässliche Effekte wie Konkurrenzdenken und Ellenbogenmentalität werden damit nicht systemisch befördert. Im Gegenteil: Jeder von uns hat ein Interesse daran seine Kollegen in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Weil: Je schneller sich die Leute entwickeln, umso eher können sie mehr Verantwortung und anspruchsvollere Aufgaben übernehmen. Damit wiederum für höhere Tagessätze eingesetzt werden und mehr Geld für die WG-Kasse verdienen, die am Ende des Jahres als Erfolgsbeteiligung ausgeschüttet wird. Sprich, selbst wenn wir in unserem Menschen- und Weltbild nicht übermäßig sentimental wären, ergibt es selbst aus einer knallhart wirtschaftlichen Sicht viel Sinn seine Kollegen zu fördern und ihnen Gutes zu tun. Dazu kommt, dass wir eine transparente Gehaltsstruktur haben und das Gehalt einheitlich für einen Entwicklungsstand gezahlt wird. Individuelle Gehaltsverhandlungen auf Kosten anderer gibt es nicht. Zu unserer Kultur gibt es noch einiges mehr zu erzählen. Vieles davon findet sich auf unserer Website wieder, ich stehe aber auch jedem Interessierten gerne für einen direkten Austausch zur Verfügung.

Tanja Fischer: Noch einmal mit Blick auf die Videos: Wen sollen sie ansprechen, sprich, wen sucht die CPC?

Sebastian Fletzberger: Die Videos richten sich in erster Linie an Bachelor- und Masterabsolventen kurz vor ihrem Abschluss. Angesprochen fühlen sollen sich aber natürlich auch all diejenigen, die bereits einiges an Berufserfahrung mitbringen oder noch mitten im Studium stecken und ein Praktikum absolvieren möchten. Für einen CPC-Berater sehen wir eine Reihe notwendiger, aber nicht hinreichender Voraussetzungen wie man sie in vielen Stellenanzeigen liest: Schnelle Auffassungsgabe, natürlich sehr hohe Leistungswilligkeit und -fähigkeit. Um den Job längerfristig mit Freude zu machen, muss ich den inneren Antrieb verspüren etwas rocken zu wollen und dazu auch imstande sein. 

Entscheidend sind die Fähigkeit und der Wille sich schnell neues Wissen anzueignen und Neues zu lernen, die Bereitschaft sich auch mit sich selbst kritisch auseinanderzusetzen und der Wunsch sich kontinuierlich weiterzuentwickeln - fachlich, aber vor allem auch persönlich. Böse gesagt: Im Grunde nie zufrieden zu sein und bei allem mithilfe unserer Feedback-Kultur stets noch besser werden zu wollen. Das ist gerade in der Anfangszeit enorm anstrengend und verlangt einem einiges ab: Sich nicht nur nonstop Feedback anzuhören, sondern auch darüber nachzudenken und bewusste Anstrengungen zu unternehmen es sinnvoll umzusetzen.

Tanja Fischer: Soviel zu unseren Wunschkandidaten. Wer sollte sich denn bei uns bewerben?

Sebastian Fletzberger: Alle die, die sich schnell entwickeln möchten. Und zwar nicht als Mittel zum Zweck, weil sie die Beratung als Sprungbrett nutzen und zwei Jahre später in ihren eigentlichen Wunschjob wechseln möchten. Sondern als Selbstzweck. Aus Freude an der eigenen Entwicklung und dem Bedürfnis heraus morgen mehr zu wissen und zu können als heute. Diejenigen, die hard skills und soft skills erlernen wollen, über die sie heute noch nicht verfügen, und das in einer anspruchsvollen Kombination. All diejenigen, die breite Aufgabenfelder spannend finden, vom Projektmanagement über die Organisationsentwicklung mit Prozessdesign bis hin zu unkonventionellen Workshop- und Trainingskonzeptionen in allen erdenklichen Branchen.

Last but not least: Menschen, die mitunternehmerisch denken, also auch ihre eigene Firma voranbringen möchten, weil sie ihnen letztlich mitgehört und die ein herzliches Verhältnis mit ihren Kollegen nicht für neumodischen Hippiequatsch halten. Ich darf häufig als einer der Assessoren bei unseren Project Days mit darüber entscheiden, wer unsere zukünftigen Kollegen sind und da ist neben den oben genannten Faktoren für mich persönlich immer eine wichtige Prüffrage: Hätte ich Lust mit demjenigen das nächste Jahr gemeinsam auf einem Projekt zu verbringen? Das Gute ist: Da draußen gibt es wirklich eine Menge tolle Menschen und wir freuen uns darauf möglichst viele davon kennenzulernen.

Tanja Fischer: Zum Schluss: Du hast erwähnt, dass Du gerne für Fragen von Interessenten zur Verfügung stehst. Wie erreicht man Dich?

Sebastian Fletzberger: Gerne per E-Mail oder auch direkt telefonisch
unter +49/160/96079052.

Tanja Fischer: Danke für das Gespräch.

Veröffentlicht am: 02.01.2019

 

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