Zero Waste im Büro: Will man Teil des Problems oder Teil der Lösung sein?

Interview zum Thema Zero Waste mit Maren Teichert

Im zweiten Teil des Interviews mit Maren Teichert steht die Frage, wie man Zero Waste bei Geschäftsreisen realisieren kann, welche Kosten und Einsparungsmöglichkeiten entstehen und wie man seine Mitarbeiter mit auf den Weg zum "Zero Waste Büro" nehmen kann. "Zero Waste" ist ein Konzept, bei dem es darum geht, ein Leben zu führen, bei dem möglichst wenig Abfall produziert wird und Ressourcen nicht verschwendet werden.

Meist noch der Regelfall - volle Papierkörbe (Bild: Holger Geißler, CONSULTING.de)
Meist noch der Regelfall - volle Papierkörbe (Bild: Holger Geißler, CONSULTING.de)

CONSULTING.de: Welche Rollen spielen Geschäftsreisen und die Mobilität der Mitarbeiter?

Maren Teichert: Ein paar Fragen zur Einschätzung der Notwendigkeit und Gestaltung von Geschäftsreisen: Welchem Zweck dient die Geschäftsreise? Reichen ggf. andere Mittel aus, wie eine Videokonferenz? Lassen sich notwendige Termine zusammenlegen? Braucht es die Anzahl der Leute oder können Aufgaben von anderen mit übernommen werden? Welcher Ort ist der mit den kürzesten und gleichzeitig umweltfreundlichsten Wegen für alle? Lässt sich die Zeit vor Ort effizienter gestalten und damit Übernachtungen einsparen? Je nach Angebotsauswahl, gehen Hotelbesuche mit einem hohen Maß an Müll und ökologischer Ressourcenverschwendung einher (hilfreiche Kriterien zur Einsparung: Bio, Zero Waste).

Für jedes Fortbewegungsmittel das CO2-Emissionen frei setzt, kann man über verschiedene Anbieter, den verursachten Anteil errechnen und den Schaden mittels finanzieller Unterstützung von Klimaschutzprojekten entgegensteuern. Dabei gilt stets: Vermeiden ist effektiver als Kompensieren.

Es wird zunehmend verstanden, dass das Leitbild der autogerechten Stadt hinsichtlich der negativen Auswirkungen auf die Umwelt, und somit auf Mensch und Tier, einer schrittweisen Wandlung bedarf. Das Fahrrad ist dem Auto, Bus und Bahn vorzuziehen, Bus- und Bahnfahren wiederum dem Auto. Carsharing-Angebote können Bedarfslücken füllen, ebenso das Bilden von Fahrgemeinschaften mittels Absprachen mit Kollegen oder via Intranet / schwarzem Brett. Wünschenswert ist, dass Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber den nachhaltigen Arbeitsweg mittels gestelltem Monatsticket für den ÖPNV fördern. Wenn Geschäftswagen nötig sind, gilt es hier eine weise, langfristige, ressourcenschonende Lösung zu finden.

Consulting.de: Eine große Müllquelle sind Umverpackungen. Gibt es auch schon Unverpackt-Shops für Büromaterial? Auf was muss man beim Einkauf achten?

Maren Teichert: Unverpacktläden bieten diverse Utensilien an Büromaterial an. Je größer das Büro, desto mehr lohnt es sich die großen verpackungsoptimierten Margen zu beziehen - wie ein Unverpacktladen. Hauptkriterien beim Einkauf sind z.B.: Mehrweg statt Einweg, Behälter auffüllen statt neu kaufen, Pfandsystemangebote nutzen, Verzicht auf Schadstoffe, 100% Recyclingpapier, Verbundprodukte aufgrund der Recycle-Unfähigkeit meiden.

CONSULTING.de: Wie kann man die Mitarbeiter auf den Prozess mitnehmen? 

Maren Teichert: Den Anfang macht das Wissen. Problem erkannt, Lösung benannt. Vorreitende und Mitstreitende, die zeigen wie es geht, bereiten den Weg zur Umstellung im Großen. Das funktioniert in hierarischen Strukturen leichter von oben nach unten als andersrum. Viele Menschen motiviert der Wettbewerb, ob die Fahrradkilometer der Abteilungen gezählt werden, der geringste Papierverbrauch, eine Energie-Uhr, die den Stromverbrauch misst oder die Teilnahme an landesweiten Wettbewerben als Unternehmen. 

CONSULTING.de: Wie schafft man den Transfer nach Hause?

Maren Teichert: Was einmal funktioniert und das Wohlbefinden steigert, schwappt automatisch in andere Lebensbereiche über. Denn ist die Motivation zur Müllvermeidung und Ressourcenschonung einmal im Kopf, sind die Antennen auf Empfang gestellt und nach und nach finden sich Lösungen.

CONSULTING.de: Kostet die Umstellung auf "Zero Waste" nicht sehr viel Geld?

Maren Teichert: Manche Posten gehen mit Mehrkosten einher, andere verringern sich drastisch. Stromsparen spart Geld, der Einkauf von Groß- gegenüber Kleinmengen, der bewusste Umgang mit Geschäftsreisen, das Setzen auf längere Nutzungsdauer und generalüberholte Gebrauchtwaren.

CONSULTING.de: Wie groß kann der Effekt überhaupt sein, wenn man in seinem Büro "Zero Waste" umsetzt? 

Maren Teichert: Wie groß ist der Effekt der Büros, die den Zero Waste Gedanken nicht verfolgen? Ich weiß es - bezogen auf die Gesamtheit - nicht in Zahlen auszudrücken, auch noch nicht im Vorher/Nachher-Vergleich eines Büros, das den Prozess bereits vollzogen hat. Die Auswirkungen unseren jahrzehntelangen Handelns insgesamt sind mess- und spürbar. Welche Entscheidung sich immer wieder selbst treffen lässt ist, ob man Teil der Lösung oder des Problems sein möchte.

Maren Teichert ist Pädagogin, hat Architektur studiert mit der anschließenden Spezialisierung zum 'Planen und Bauen im Bestand'. Seit 2005 arbeitet sie in einem Kölner Architekturbüro mit den Schwerpunkten 'Wohnen' und 'Holzbau'. Seit 2012 schreibt sie auf ihrem Blog über Nachhaltigkeit in allen Lebensbereichen. Ehrenamtlich engagiert sie sich unter anderem bei Zero Waste Köln e.V. mit Sitz im Vorstand.  

Das Interview führte Holger Geißler.

Ihre Erfahrungen mit Zero Waste im Büro

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