Der Generationen-Mix macht's

Generationenkonflikte - Standpunkt von Nele Kreyßig

16.02.2018

Das Rentenalter steigt, die Studienzeit wird kürzer. Da kann es in Unternehmen schon einmal vorkommen, dass bis zu vier Generationen gemeinsam in einem Büro sitzen. Dass hier Konflikte entstehen können, liegt auf der Hand. Die Frage ist, wie Unternehmen diese Altersvielfalt für sich nutzen können. Denn jenseits er Konflikte bringt genau diese Vielfalt große Chancen.

Nele Kreyßig, HRperfomance Institut

Nele Kreyßig, HRperfomance Institut

Teamsitzung: Ein junger Mitarbeiter macht einen Vorschlag, wie sich mehr Reichweite durch Social Media generieren lässt. Sein Kollege, ein Mitfünfziger lehnt ab: "Viel zu unsicher. Wer weiß, wo da unsere Daten und Ideen noch landen! Und was wir da messen, sagt noch lange nichts über die Qualität aus. Besser, wir bleiben bei gutem Kundenservice. Von Mensch zu Mensch. So hat das immer gut funktioniert."


Jung gegen Alt

Es entsteht eine lebhafte Debatte. Anfangs freut sich der Teamleiter noch, wie engagiert heute alle über das Thema streiten. Doch irgendwann stellt er fest, dass die Front zwischen jungen und älteren Mitarbeitern verläuft und das eigentliche Thema gar nicht mehr im Mittelpunkt steht. Die Jungen kritisieren veraltete Methoden, während die Älteren ihnen Verantwortungslosigkeit und Naivität vorwerfen. 

Immer wieder wird deutlich, dass sich unterschiedliche Generationen in Unternehmen mit Unverständnis begegnen. Das ist normal, denn jede Generation ist mit unterschiedlichen Werten aufgewachsen. Der 50-jährige Mitarbeiter ist von einem hierarchischen Arbeitsstil, Durchsetzungskraft als Erfolgsrezept sowie materieller Sicherheit geprägt. Nach seiner Auffassung fehlt es den jüngeren Kollegen an Überblick, Weitsicht, Biss und Kompetenz. Dem jungen Mitarbeiter geht es um Sinnhaftigkeit der Arbeit und um persönliche Weiterentwicklung. 

Kräfte vereinen

Unternehmen, die diese unterschiedlichen Wertewelten miteinander kombinieren, haben einen Wettbewerbsvorteil. Die ältere Generation hat fundierte Erfahrung in dem, was funktioniert und was nicht. Sie hat tiefgründiges Produktwissen. Die junge Generation bringt die perfekte Ergänzung mit: Innovatives Querdenken, infrage stellen, digitales Geschick und globales Denken. Ein Mix aus generationenübergreifenden Eigenschaften macht das Unternehmen flexibel und kraftvoll. Voraussetzung dafür ist gegenseitiger Respekt und Wertschätzung. 

Denn beide Seiten können voneinander lernen! Und jede Führungskraft weiß: findet regelmäßiger Wissenstransfer statt, steigert sich das Knowhow aller Mitarbeiter – und damit die Produktivität im Unternehmen. Es ist wichtig, ein gemeinsames Verständnis füreinander zu schaffen – und herauszuarbeiten, welchen Nutzen jede Generation für den Unternehmenserfolg hat. 

Gemeinsame Wertekultur 

Hilfreich ist beispielsweise, in einem Workshop einen gemeinsamen Werte- oder Verhaltenskodex zu erarbeiten. Hier legen alle Mitarbeiter fest, wie sie in Zukunft miteinander umgehen möchten. Dabei tauschen sie sich über ihre persönlichen Wertevorstellungen aus. Normalerweise überschneiden sich die Wertesysteme von Mitarbeitern und Führungskräften eines Unternehmens in ein paar Punkten voneinander. Das ist ein wichtiger Erfolgsfaktor in der HR, eine funktionierende Unternehmenskultur zu etablieren. Denn auch hier gilt: Der Mix macht’s!

Auch Konfliktmanagementmethoden helfen dabei, ein gegenseitiges Verständnis der Generationen untereinander zu bekommen. Je nach Gruppe und Bedarf, können auch Kommunikationsregeln erlernt werden oder bestimmte Feedback-Regeln eingeführt werden. So etabliert sich Schritt für Schritt gegenseitiges Verständnis und eine gemeinsame Wertekultur. 

Was bedeutet das für HR?

Vorgesetzte brauchen also klare Antworten auf die Fragen, wie man Mitarbeiter unterschiedlicher Generationen zu gemeinsamer, kollegialer Zusammenarbeit motivieren kann. Um die neue Wertekultur zu festigen, sollten Führungskräfte auch bewusst junge und alte Mitarbeiter zusammenarbeiten lassen. Es beginnt mit Aufklärungsarbeit. Wenn die Führungsebene Generationenkonflikte ausmacht, muss sie sich das eingestehen und anfangen, einen Change Prozess mit dem Team einzuleiten.

Das bedeutet als erstes, gegenseitige Vorurteile auszuräumen und Erwartungen aller Beteiligten zu klären. Anschließend sollten Führungskräfte auch Raum für Anerkennung geben. Denn spätestens, wenn sich die Generationen gegenseitig bezeugen, was sie an ihrem Gegenüber wertschätzen, lockert sich die Spannung im Team. Akzeptanz und Anerkennung hilft nicht nur in diesem Fall enorm. 

Altersvielfalt als Unternehmenswert

Sobald der Prozess greift ist und das generationenübergreifende Arbeiten funktioniert, sollten HR-Abteilungen das für die Mitarbeitergewinnung nutzen. Denn es bedeutet einen Mehrwert für Unternehmen. Eines der größten Fehler im Employer Branding ist, nur auf junge Talente zu setzen. Gerade in unserer alternden Gesellschaft muss Raum und Offenheit für Mitarbeiter in jedem Alter sein. Denn: Jede Generation bringt Stärken und Schwächen mit. Kombiniert man diese Skills, schafft man eine leistungsstarke Mannschaft. 

Für das Management bedeutet das, altersunabhängige Karrieremöglichkeiten anzubieten und aktiv für die Vorteile der Altersvielfalt einzutreten. Eine wertschätzende Führungskultur ist dabei ebenso wichtig, wie die Einführung eines strategischen Gesundheitsmanagements in die Unternehmenskultur. 

Fazit: Klischees brechen

Generationenkonflikte entstehen, weil Mitarbeiter unterschiedlichen Alters sich mit Klischees begegnen. Gelingt es, dies Klischees zu brechen und eine Atmosphäre der Zusammengehörigkeit und des gegenseitigen Respekts zu etablieren, nimmt die Team Performance an Fahrt auf. Externe Trainings können dabei helfen, Konflikte auszuräumen und den Generationenmix zu einem Produktivitätstreiber zu entwickeln.

Nele Kreyßig ist Business Trainerin und Geschäftsführerin des HRperfomance Instituts in Freiburg. Mit ihrem Thema über generationenübergreifende Zusammenarbeit gewann sie am 2. Februar 2018 den Internationalen Speaker Slam 2018 in München und gehört damit zu Deutschlands Top-Speakern. 

 

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