Mut statt Mainstream!

In vino veritas – Die Weinkolumne

09.01.2018

Nun ist es also amtlich. Und überrascht hat es uns nicht wirklich. Wenn Winzer Spitzenweine produzieren möchten, sollten sie keine Berater engagieren.

Dr. Ralf Schmidt, team steffenhagen consulting

Dr. Ralf Schmidt, team steffenhagen consulting

Von Ralf Schmidt, team steffenhagen consulting

Doch der Reihe nach: Eine kürzlich im Harvard Business Manager zitierte und von einem zumindest uns bis dato unbekannten Professor Jérôme Barthélemy geleitete Studie der französischen Business School ESSEC brachte zu Tage, womit man anscheinend zu rechnen hat, wenn man unsere Zunft, also Unternehmensberater, engagiert. Aufmerksam auf diese Notiz sind wir natürlich nur geworden, weil sie sich auf einen Markt bezieht, der mehr als 8.000 Jahre alt ist und an dem wir selbst auch regelmäßig mit viel Vergnügen teilhaben.

Nein, ich spreche natürlich nicht von der Prostitution, sondern vom Wein, um den sich in unserer Firma viele nette Anekdoten ranken, von denen zu berichten den Rahmen hier leider sprengen würde. Die Studie ging der Frage nach, was der Einsatz von Beratern – auf die übrigens mehr als zwei Drittel der Winzer regelmäßig zurückgreifen –  eigentlich für die Qualität der Weine bringt. 

Berater helfen, miserable Weine zu vermeiden

Das für uns als weinliebhabende Berater eher ernüchternde Ergebnis: Zwar sorgen die Berater tatsächlich für Qualitätssteigerungen, aber eben leider nur dort, wo es vorher auch nicht gerade gut um die Qualität stand. Wirkliche Spitzenweine entstanden dagegen dort, wo keine Berater im Einsatz waren. So profitierten in Bordeaux vor allem Weingüter mit schlechten Böden vom Beratereinsatz. Berater helfen laut Studie also, miserable Weine zu vermeiden. Aber sie helfen nicht, Spitzenweine entstehen zu lassen. Das Ergebnis: langweiliger Mainstream. Der Grund: Berater vertrauen auf Methoden, die sie woanders bereits erfolgreich eingesetzt haben. Copy & Paste im Weinbau. Dass so keine über dem Branchendurchschnitt liegenden Spitzenleistungen entstehen können, liegt auf der Winzerhand. 

Besser auf eigene Expertise verlassen 

Überrascht hat es uns nicht wirklich, aber enttäuscht waren wir an der Stelle schon. Ausgerechnet in einem Markt, dessen Kernprodukt laut Wikipedia "ein wesentlicher Bestandteil ritueller Praktiken in verschiedenen Kulturen" war und ist, sollen wir Berater nicht helfen können? Offenbar, denn bei der Gärung der Daten kommt die Studie zu dem Schluss, dass man sich als Winzer besser auf die eigene Expertise verlassen solle, wenn man außergewöhnliche Spitzenleistungen erzeugen möchte. 

Spitzenleistung statt Copy & Paste 

Und jetzt fragen Sie sich sicherlich, mit welchen Gefühlen wir als Berater angesichts dieser Erkenntnisse zum nächsten prall gefüllten Kelch gegriffen haben. Wir haben unseren Lieblingswein in vollen Zügen und mit Freude genossen.  Denn die Studie bestätigt, dass wir Berater nicht per Copy & Paste optimieren, sondern unternehmens- und kulturspezifisch angepasste Ansätze anwenden sollten. Das führt nicht nur zu mehr Erfolg und Spitzenleistungen, sondern macht auch noch viel mehr Spaß!

Stoßen wir also an auf weitere gute Zusammenarbeit mit unseren Kunden ohne Langeweile und ohne Mainstream.

Dr. Ralf Schmidt ist geschäftsführender Gesellschafter bei team steffenhagen consulting. Seit über 25 Jahren ist er als Berater in der chemischen, Automotive- und Maschinenbauindustrie tätig und betreut Projekte in den Bereichen Marketing Excellence, Vertriebsentwicklung, Pricing und Strategieentwicklung. Hands-on und fundiert anstelle von Copy & Paste. | www.tsc-ac.com / info@tsc-ac.com

 

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