5 Gründe, die für den M&A-Markt in 2021 und danach für Schwung sorgen können

Hanns-Peter Wiese, VIRETUM CONSULT

Anfang 2020 wurden Unternehmen und Dealmaker von der Pandemie überrascht. Der M&A-Markt wurde, wie die gesamte Wirtschaft, hart getroffen, bevor er sich später im Jahr wieder erholte. Die Erholung stimmt die Marktteilnehmer positiv für das Jahr 2021, doch wie sieht es für die Zeit danach aus? Gibt es Hoffnung auf einen anhaltenden Aufschwung?

Frau, die ein Tuch hinter sich in die Luft hält (Bild:Rawpixel)
Aufwind für den M&A-Markt (Bild: Rawpixel)

Dass sich Rezessionen nicht stimulierend auf M&A-Aktivitäten auswirken, steht außer Frage. Die aktuelle "Corona-Rezession" ist jedoch anders. Sie wirkt wie ein Brandbeschleuniger. 2021 und Folgejahre haben meines Erachtens daher das Potenzial, gute M&A-Jahre zu werden, auch wenn stetig steigende strategische, technische und regulatorische Herausforderungen Unternehmenslenker fordern und wertvolle Ressourcen binden. Alle diese Herausforderungen benötigen zu ihrer Bewältigung Kapital. Wer das nicht hat oder zumindest nicht in ausreichender Höhe, muss es sich besorgen oder eine Nische suchen, in die sich sein Unternehmen zurückziehen kann. Allein das wird nur wenigen gelingen. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, gehören daher strategische Überlegungen über M&A-Optionen und externe Formen der Unternehmensfinanzierung zum Rüstzeug eines jeden Unternehmers - ja, und deren Einsatz ist heute ab einer bestimmten Größenordnung und im internationalen Umfeld fast unverzichtbar. Deren Gebrauch dürfte darüber hinaus aus folgenden Gründen in den kommenden Jahren begünstigt werden:

Erstens: Zyklische marktwirtschaftliche Entwicklungen

Marktwirtschaftliche Entwicklungen folgen schon seit pharaonischen Zeiten gewissen Mustern bzw. Zyklen. Nicht immer sind es sieben fette Jahre, denen sieben magere Jahren folgen, aber Aufschwungsphasen folgen Abschwungsphasen folgen Aufschwungsphasen und so weiter. Derzeit ist laut des Statistischen Bundesamts das BIP im Jahr 2020 um ganze 5 % gesunken. Nach dieser rezessiven Phase hoffen nun viele Marktteilnehmer auf einen ähnlichen wirtschaftlichen Wiederaufschwung wie bereits vor 100 Jahren, zu den sog. "Golden Twenties". Damals kam es besonders zwischen 1924 und 1929 zu einem Aufschwung der weltweiten Konjunktur. Die Vorzeichen hierfür erscheinen heute ungleich günstiger.

Zweitens: Positive Aussichten des gesamtwirtschaftlichen Umfelds

Mit zunehmender politischer Stabilität, vor allem nach dem neuen eher konsensualen US-Präsidenten, dem absehbaren Ende der Pandemie und starken Kapitalmärkten getragen von den riesigen Konjunkturprogrammen ist die Zuversicht für 2021 und die Folgejahre in den Chefetagen groß. Diese Zuversicht ist durchaus berechtigt, da sich neben den genannten Rahmenbedingungen auch die Zinskosten für die Aufnahme zusätzlichen Kapitals auf weiterhin niedrigem Niveau befinden. M&A ist daher eine attraktive Option, um Wachstum zu erzielen. Statt des langwierigen Ausbaus einer Vertriebsabteilung oder der Einführung einer neuen Produktlinie kann Umsatz auf einen Schlag durch den Erwerb eines Unternehmens oder Unternehmensteils, zu möglicherweise sehr attraktiven post-Corona Konditionen, hinzugekauft und integriert werden. Noch dazu begünstigt durch historisch einmalig niedrige Kapitalkosten.

Drittens: Tech-Druck nimmt weiter zu

Im Jahr 2020 dominierte der Technologie-Sektor die M&A-Aktivitäten und bewies, dass sich die Welt mehr und mehr online bewegt. Besonders im Einzelhandel wurde auch den letzten E-Commerce Kritikern eindrucksvoll klar, dass bei geschlossenen Geschäften, ein Online-Shop bzw. der Vertrieb über Online-Kanäle 'alternativlos' ist. So kam es, dass 2020 für viele Tech-Unternehmen, die bereits Online-Kanäle für sich erschlossen hatten, zu einem der bisher erfolgreichsten Geschäftsjahre seit ihrer Gründung wurde. Insbesondere Unternehmen, die über komplett digitale Geschäftsmodelle und Vertriebswege verfügen, konnten stark von der Corona-Krise profitieren und ihre Marktkapitalisierung vervielfachen. Dieser Digitalisierungstrend wird sich fortsetzen und Tech-Unternehmen auf allen Gebieten auf absehbare Zeit begehrte Targets für strategische und Finanzinvestoren bleiben.

Viertens: Von Corona betroffene Sektoren holen auf

Laut der Studie "Deals Watch Germany" von PwC lag die M&A-Aktivität von strategischen und Finanzinvestoren bis Ende des 3. Quartals 2020 insgesamt 24 Prozent unter dem Stand des Vorjahres. Die pandemie-bedingte Unsicherheit, die sich darin niederschlägt, ist mit den steigenden Impfungen allerdings nun in vielen Branchen größtenteils überwunden und es besteht, vorbehaltlich neuer Mutationen des Virus, Hoffnung die Krise in den Griff zu kriegen. Es ist daher zu erwarten, dass bisher stärker betroffene Branchen nun M&A-mäßig an Fahrt gewinnen und ihren Rückstand aufholen. Dies gilt insbesondere für Industrieunternehmen, zyklische Konsumgüter und im Rohstoffsektor. In diesen Sektoren war es vergangenes Jahr für Käufer und Verkäufer von Unternehmen schwieriger, sich auf angemessene Bewertungen zu einigen, da durch Lockdown und fehlende Konzepte, klare Perspektiven fehlten. Es ist zu erwarten, dass sich das bei neu-gewonnener Planungssicherheit ändert.

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Fünftens: Babyboomer Generation tritt ab

Der Eintritt der geburtenstarken Babyboomer Generation in das Rentenalter wird die M&A-Aktivitäten in diesem Jahrzehnt ebenfalls stark befeuern. Laut einer vom Verband Deutscher Bürgschaftsbanken, Creditreform Rating und der FOM Hochschule für Ökonomie & Management erstellten Untersuchung sollen allein bis ins Jahr 2023 etwa 500.000 Unternehmen in Deutschland vor einem altersbedingten Eigentümerwechsel stehen. Die bereits erwähnte Corona-Krise, ständig steigende regulatorische Anforderungen und Hürden für Unternehmer und Unternehmen seitens der Politik könnten das weiter befeuern - unabhängig von den Verlockungen sich im dritten Lebensabschnitt endlich der Familie und anderen Dingen widmen zu können. Nicht alle werden einen würdigen Nachfolger oder Nachfolgerin in der Familie finden, was vielfältige Perspektiven für M&A eröffnet.

Fazit:

Alle diese Argumente sprechen für eine mögliche Wiederkehr der Golden Twenties, allerdings nur so lange wie keine neuen exogenen Schocks die Weltwirtschaft belasten. Damit könnte M&A in den folgenden Jahren sogar eine Schlüsselrolle bei der Bewältigung der technischen, strategischen und ganz persönlichen Herausforderungen spielen.

Über den Autor:

Hanns-Peter Wiese von VIRETUM CONSULT (Bild: Hanns-Peter Wiese)
Hanns-Peter Wiese ist Inhaber & Geschäftsführer von VIRETUM CONSULT, einer M&A- und Corporate Finance Beratung, die seit 2014 mittelständische Unternehmen, reife Tech-Start-ups und private sowie institutionelle Investoren mit Fokus auf die D-A-CH Region berät.

 

/jr

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