And the winner is... – Sport-Metaphern im Management

Kolumne von Dr. Simone Burel

Sport-Metaphern sind omnipräsent im Wortinventar des Managements zu finden. Doch was machen solche Metaphern mit uns? Und warum ist es sinnvoll, bestimmte Metaphern bewusst einzusetzen?

Warum es Sinn macht, Sport-Metaphern im Consulting einzusetzen (Bild: Pexels- Pixabay)

Sport-Metaphern sind schon vielfach und lange Zeit im festen Wortinventar des Managements zu finden, sodass wir sie gar nicht mehr als solche wahrnehmen. Die Linguistik spricht dann von „toten Metaphern”, etwa bei dem Wort Team oder der Mehrwortverbindung am Ball bleiben.

Metaphern können durch ihre Bildhaftigkeit sowie positiven Assoziationen gerade in komplexen Sachverhalten unterstützend hinzugezogen werden, da sie schwierige Darstellungen leichter erfahrbar machen. Linguistische Forschungen zum semantischen Priming zeigen zudem, dass diese dann auch in das Wortinventar der Mitarbeiter*innen übergehen und durchaus etwas an deren Einstellungen ändern können (z. B. positivere Wahrnehmung der Kolleg*innen als Mitspieler*innen auf der Spielfläche).

Wie funktioniert eine Metapher im Genauen?

Eine Metapher besteht immer aus zwei Vorstellungsbereichen – einer Ursprungsdomäne (hier: Sport) sowie einer Zieldomäne (X). Die Metapher wird dann genutzt, wenn ein abstrakter Sachverhalt der Zieldomäne, der für uns schwerer erfahrbar ist, veranschaulicht bzw. exemplarisch dargestellt werden soll. Da „Sport“ für fast alle Menschen direkt am eigenen Leib erfahrbar ist, besitzen wir leicht Zugang zu diesem Konzeptbereich und können abstrakte Lebensbereiche (wie Wirtschaft, Unternehmen(sgruppen/bereiche), Transaktionen, Zeit, Geld, Managementhandlungen) leichter begreifen.

Der Bereich „Sport“ besitzt darüber hinaus positive Assoziationen, die einem eher negativ stigmatisierten Bereich wie „Wirtschaft“ (Unternehmensmacht, Managerleben, Leistungsstreben, Macht des Geldes, Egoismus) positiv entgegengesetzt werden können, z. B. Teamplay, Fairness, Leichtigkeit, Spaß etc.

Je mehr Begriffe aus dem Assoziationsfeld „Sport“ gewählt werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass die positive Attribution dauerhaft verbunden bleibt, bzw. der Sachverhalt auch nachhaltiger (durch die Bildlichkeit) erinnert wird.

Welche Sport-Metaphern sind gängig im Management?

Im Folgenden werden brauchbare Metaphern in Einzel- und Mehrwörtern aufgeführt sowie mit exemplarischen sprachliche Einsatzsituationen im Management kontextualisiert:

Metaphern - Einsatzmöglichkeiten

Spieler / Player Allgemeine Bezeichnung von Managern innerhalb des Unternehmens
Spielleiter / Kapitän / Coach / Trainer Bezeichnung für hierarchische Abstufungen innerhalb des Managements
Mitspieler / Wettbewerber / das Feld Bezeichnung von Managern konkurrierender Unternehmen sowie anderer Unternehmen per se (wertschätzend); daher nicht: Gegner oder Konkurrenten
Mannschaft / Team Bezeichnung zur Betonung des Kollektivs „Management“ (zur Herausstellung des Zusammenhalts und des Gemeinschaftssinns)
Abwehr / Stürmer / Front / Back / Steuermann Bezeichnung für unterschiedliche Rollen / Aufgaben innerhalb des Managements
Spiel / Match / Partie / Traning /Auf dem Feld/auf dem Platz Allgemeines Management-Geschehen; auch zur Aufwertung einer harten Verhandlung
Nummer eins / Spitze des Feldes; zum Wurf kommen / Tor schießen / An die Spitze setzen Betonung einer besonderen Leistungs-(Position)
Abschlag / Aufschlag / Anpfiff Beginn einer Handlung
Stürmen / weit springen / eifrig trainieren Engagiert arbeiten
In den Seilen hängen / es herrscht Windstille / mit harten Bandagen kämpfen / den Ball abgeben / Sand im Getriebe haben Schwierige Phase (abschwächend)
Den Motor ölen / Die Pferde satteln / gegen den Wind segeln / sich durchboxen / Über die Runden kommen /Mit dem Wind segeln Übergangsphasen
Mit dem Wind segeln / den Ball ins Spiel bringen / Die Latte hoch legen Gute Phase
In Schach halten / in den Ring steigen / gut im Rennen liegen / nicht ins Abseits geraten / Rote Karte zeigen / Eine Steilvorlage geben / Den längeren Atem haben / An die Leine nehmen / Mit offenen Karten spielen / „ein Spiel dauert 90 Minuten“ (S. Herberger) Konfrontation mit anderen (Unternehmen)
Gegen den Strom schwimmen/rudern / Ins Spiel bringen / Das Pferd von hinten aufzäumen / „das Runde muss ins Eckige“ (S. Herberger) Neue Ideen einbringen

Warum sich der Einsatz von Sport-Metaphern im Consulting anbietet

Die Beispiele zeigen, dass eine Metapher selten allein kommt. Das liegt daran, dass unser mentales Lexikon, also unsere Wörter, die wir gewohnt sind, zu nutzen, als Netzwerk organisiert ist. Dadurch können wir mit einer einzigen Metapher ein ganzes Bündel an Assoziationen auslösen und uns oft viel präziser und schneller verständlich machen, als es uns mit langen Erläuterungen möglich wäre. Ratsuchenden Unternehmen hilft es oft, auf Metaphern zurückzugreifen, um schwer greifbare Probleme wie beispielsweise Spannungen im Team, zum Ausdruck zu bringen. In Beratungsgesprächen kann sich mit Metaphern sukzessive dem Kern des Problems angenähert werden, indem ausgehend von einem Satz wie Wir haben Sand im Getriebe spezifiziert wird, ob das Getriebe dadurch schon zum völligen Erliegen gekommen ist, ob es nur leichten Schaden genommen hat oder ob es völlig erneuert werden muss.

Voraussetzung für das Gelingen einer Metapher ist, dass beide Gesprächspartner*innen Ursprungs- und Zieldomäne kennen. Zwischen verschiedenen (Unternehmens-)Kulturen kann es andernfalls zu Missverständnissen kommen, wenn Konzepte unterschiedlich konnotiert sind. Dies ist insbesondere bei internationalen Projekten von Belang. Berater*innen sollten sich bewusst machen, dass sie es beispielsweise bei einer Produktkampagne mit kulturell und historisch unterschiedlich sozialisierten Zielgruppen zu tun haben, deren Assoziationsnetzwerke nicht identisch aufgebaut sind. Folglich können Metaphern unterschiedliche Wirkungen entfalten (z.B. ist Fußball in Deutschland ein beliebter Nationalsport, aber nicht in den USA).

Metaphern helfen es Dinge auf den Punkt zu bringen

Metaphern haben zudem ein großes Machtpotenzial. Indem sie bestimmte Eigenschaften hervorheben und andere verschleiern, strukturieren sie unser Denken und unsere Wahrnehmung von Dingen und Ereignissen. Denken wir an die Unternehmensführung, so sind Metaphern hier ein wichtiges Instrument des Storytellings, mit denen bewusst erwünschte Werte der Unternehmenskultur hervorgehoben, das Gemeinschaftsgefühl der Mitarbeiter*innen gestärkt und potenzielle Kund*innen überzeugt werden können. In der Unternehmensberatung ist es wichtig, dieses Potenzial auszuschöpfen. Dabei kann es helfen, gemeinsam mit den Führungskräften darüber nachzudenken, wie sie auftreten und gesehen werden möchten. Verstehen sie sich eher als Ruderteam, bei der es auf Synchronie, Stetigkeit und Ausdauer ankommt, verkörpern sie ein Fußballteam, bei dem es klare domänenspezifische Rollenverteilungen gibt (Kapitän*in, Stürmer*in etc.) oder sehen sie sich als faire, aber bewusst für sich allein arbeitende Einzelkämpfer*innen ?

Metaphern sind somit ein gutes Beispiel, wie Sprache Realitäten schaffen kann und uns zu Handlungen bewegt. Eben dieser Umstand, dass Unternehmensberater*innen damit andere, dem Alltagsdenken und -sprechen der Kund*innen fremde Perspektive ins Spiel bringen können, birgt ein erhebliches Problemlösungspotenzial. Gleichzeitig zeigen Metaphern, wie subtil uns Sprache manipulieren kann, wenn wir nicht merken, wie Metaphern Bilder und Denkmuster in unseren Köpfen prägen.

Zu Guter Letzt sind Metaphern aufmerksamkeits- und gedächtnisfördernd. Die Verknüpfung zweier semantischer Felder erhöht die Verarbeitungstiefe und wirkt einem schnellen Vergessen entgegen. Wer also erinnert werden will und sich nicht selbst ins Aus spielen möchte, der oder die sollte die Metapher nicht unterschätzen! 

Über die Autorin

Dr. Simone Burel ist geschäftsführende Gesellschafterin der LUB GmbH - Linguistische Unternehmensberatung. Für ihre Forschung und Praxisarbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u.a. vom Karriereportal academics und dem höchstdotierten Wirtschaftsförderpreis der Stadt Mannheim. Dr. Simone Burel ist Fachbuchautorin bei Springer Gabler und Mentorin an den Universitäten Mannheim, Mainz und Konstanz. 2020 wurde sie in den Wirtschaftsbeirat von bw-i (Baden-Württemberg International GmbH) berufen sowie in das Kuratorium der Freunde der Universität Mannheim.

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