Das Schnalzen der Hosenträger - Der digitale Reifegrad der Management-Beratungen

Deep Dive Consulting: Kolumne von Jörg Hossenfelder, Lünendonk

Wie schätzen Management-Beratungen den Digitalisierungsgrad ihres Business ein? Und wie den Reifegrad der Konkurrenz? Jörg Hossenfelder vergleicht in seiner Kolumne Ergebnisse zur Selbst- und Konkurrenz-Wahrnehmung und fördert Erstaunliches zutage.

Ein schönes Bild für Selbstüberschätzung - das Schnalzen mit den Hosenträgern wie hier von Schauspieler Sergej Kolyosov demonstriert  (Bildnachweis: picture alliance / dpa | Ekaterina Chesnokova)

In den Lünendonk-Studien werden abseits der Standardfragen zu Umsatz- und Mitarbeiterentwicklung, Leistungsspektrum und Marktsektoren auch stets solche Themen behandelt, die Lünendonk als aktuelle Trendthemen identifiziert. Zwei dieser Themen sind der „digitale Reifegrad“ sowie der Stellenwert der „Digitalisierung in der Beratung“. Die Covid-19-Pandemie hat – das ist allgemein bekannt – vieles digital möglich gemacht, was vorher undenkbar war oder vielleicht auch nicht mit genug Einsatz vorangetrieben wurde. Manche vergleichen den Corona-Impact mit einem Katalysator-Effekt für die Digitalisierung.

Daher wollten wir von den Beraterinnen und Beratern wissen:

Wie nehmen die diesjährigen Studienteilnehmer ihren eigenen Digitalisierungsgrad im Vergleich zur gesamten Consulting-Branche wahr?

Ist das eigene Unternehmen kompetenter als die Konkurrenz?

In der Tat ist ein signifikanter Unterschied in der Wahrnehmung des Digitalisierungsgrades der Branche und des eigenen Unternehmens auszumachen.

Zunächst der Blick auf die Branche: Zwei Prozent der Studienteilnehmer schätzen die Managementberatungs-Branche als vollständig digitalisiert ein, 40 Prozent als teilweise digitalisiert, und 42 Prozent bleiben im Hinblick auf eine Einschätzung neutral. Aber: 17 Prozent der Befragten sieht einen geringen digitalen Reifegrad der Branche.

Und wie fällt der Blick auf das eigene Unternehmen aus? Er gestaltet sich um einiges positiver: Jeder zehnte Studienteilnehmer gibt an, bereits einen Top-Reifegrad zu besitzen (11 %). 56 Prozent halten sich für teilweise digitalisiert, und 25 Prozent sehen sich auf dem Niveau wie die Mitbewerber. Lediglich acht Prozent der Teilnehmer gibt zu, einen geringeren Reifegrad zu haben.

Das "Hosenträgerschnalzen" ist keine Besonderheit der Branche, aber auffällig

Dieses Hosenträgerschnalzen ist indes keine alleinige Attitüde der Beraterinnen und Berater. Auch in anderen Dienstleistungsmärkten beobachten wir das Phänomen, dass sich die Unternehmen im Mittel besser einschätzen als der Wettbewerb. Aber eines zeigen die Ergebnisse deutlich: Für das Gros der Studienteilnehmer ist der Weg der Digitalisierung noch mit weiteren Investitionen, Schulungen und Neueinstellungen verbunden. Kooperationen mit IT-Unternehmen, Start-ups und Hochschulen gewinnen an Bedeutung. Und damit wird die Digitalisierung als „Langläufer“ auch die Managementberatungen im Jahr 2022 in Atem halten.

Zu Jörg Hossenfelder

Jörg Hossenfelder, Geschäftsführer - Lünendonk & Hossenfelder
Jörg Hossenfelder ist Kommunikations- sowie Politikwissenschaftler und studierte bis 2000 an den Universitäten Mainz und Bologna. Nach seinem Studium beriet er als Kommunikations-Berater Business-to-Business-Unternehmen. 2004 übernahm er die Leitung der Research-Abteilung bei Lünendonk & Hossenfelder. Seit Juli 2005 ist Hossenfelder Geschäftsführer, seit 2009 Geschäftsführender Gesellschafter. Jörg Hossenfelder verantwortet die Marktsegmente Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Advisory und Business Consulting.

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