Ein Unternehmen finanziell führen (1): Zahlen und Menschen

Blick in die Bilanz: CONSULTING.de-Kolumne von Bert Erlen

Führung ist komplex! Motivieren, delegieren, Aufgaben verteilen, Konflikte managen – und eben auch finanziell mit Kennzahlen und Budgets führen. In einer dreiteiligen Artikelserie geben wir eine Einführung, was Finanzielle Führung bedeutet.

Finanzielle Führung von Unternehmen – Bert Erlen
Bert Erlen erklärt in einer dreiteiligen Artikelserie wie Finanzielle Führung funktioniert.

Betriebswirtschaftliche Unternehmensführung ist Füh­rung anhand von Zahlen, genauer gesagt anhand von monetären Kennzahlen. Und das wird immer wichtiger! Der Grund dafür sind die globalisierten Finanzmärkte, die das weltweit zur Verfügung stehende Kapital dorthin len­ken, wo die Rendite am höchsten ist. Um stets ge­nügend Investitionskapital zur Verfügung zu haben, ist die nachhaltige Erwirtschaftung einer ausreichenden Rendite daher oberstes Controllingziel jedes Unter­neh­mens.

Der Kreislauf des Geldes im Unternehmen

Aber Schritt für Schritt! Zunächst zu der Frage, wie ein Unternehmen funktioniert: Zur Gründung eines Unternehmens braucht man (1.) Geld, um damit (2.) in die Gegenstände zu investieren, die man zur Produktion braucht: Gebäude und Einrichtungsgegenstände, Maschinen, Rohstoffe und Verbrauchsmaterial etc. Darüber hinaus benötigt man Bargeld zur Bezahlung des Personals und weiterer Dienstleistungen, die man von Dritten in Anspruch nimmt. Dieses betriebsnotwendige Vermögen dient (3.) dem Ziel, im Rahmen der laufenden Geschäftstätigkeit Gewinn erwirtschaften zu können.

Unternehmerisches Handeln generiert Gewinn

Gewinn kann nur durch die unternehmerische Geschäftstätigkeit entstehen. Die Geschäftstätigkeit ist die Produktion eines Produktes oder einer Dienstleistung. Wenn deren Verkaufspreis höher ist als die Erstellungskosten, man also mit dem Unternehmen mehr Geld generiert als man hineingesteckt hat, erwirtschaftet der Eigentümer einen Überschuss, den Gewinn. Diesen Gewinn kann er für seine privaten Zwecke entnehmen (bei Aktiengesellschaften ist das die Dividende für die Aktionäre) oder das Geld kann im Unternehmen bleiben. Im zweiten Fall steht es unmittelbar für weitere Investitionen zur Verfügung, die ihrerseits wiederum das Potential zu weiterem zukünftigen Gewinn eröffnen. Betriebswirtschaftlich kann unternehmerisches Handeln also als ein Kreislauf aus

  1. Finanzierungsaktivitäten
  2. Investitionsaktivitäten und
  3. operativer Geschäftstätigkeit

beschrieben werden. Im Folgenden werden die Aktivitäten näher beschrieben.

1. Finanzierungsaktivitäten

Im Rahmen der Finanzierungsaktivitäten stellt zum einen der Eigentümer privates Kapital zur Verfügung, zum anderen gibt es in der Regel Fremdkapitalgeber - insbesondere Banken - die Kredite an das Unternehmen vergeben. Bei Aktiengesellschaften sind die Eigentümer meist eine große Zahl von Aktionären, Fremdkapitalgeber sind neben Banken auch andere Investoren auf den internationalen Fremdkapitalmärkten.

Eigenkapital

Das Charakteristikum von Eigenkapital ist, dass es dem Unternehmen unbefristet zur Verfügung steht, da der Eigentümer je nach Rechtsform nur eingeschränkten Anspruch auf die Rückzahlung seiner Kapitaleinlage hat. Im Extremfall kann er daher sein Kapital vollständig verlieren, wenn das Unternehmen nachhaltig Verluste erwirtschaftet. Im Gegenzug steht ihm allerdings auch der Gewinn zu - diese Chance ist der Hauptgrund, dass Personen und Organisationen überhaupt Eigenkapital zur Verfügung stellen. Unternehmen sollten also dafür sorgen, dass die Gewinne für die Eigenkapitalgeber hoch genug sind! Aber dazu später mehr.

Fremdkapital mit Verbindlichkeiten und Rückstellungen

Fremdkapital wird immer nur auf der Basis einer vertraglichen Rückzahlungsverpflichtung gewährt. Für diesen Vorteil erhalten die Fremdkapitalgeber aber auch keine gewinnabhängige Vergütung (so wie die Eigentümer), sondern in der Regel einen fest vereinbarten Zins. Dieser Zins wird unabhängig von der Gewinnsituation gezahlt. Das Fremdkapital unterteilt sich in Verbindlichkeiten (beispielsweise die Kreditgewährung durch eine Bank oder die Kreditgewährung durch den Lieferanten, dessen Rohstofflieferung noch nicht durch das Unternehmen bezahlt wurde) und in sogenannte Rückstellungen. 

Rückstellungen sind finanzielle Verpflichtungen gegenüber Dritten, die in ihrer Höhe noch nicht feststehen - Beispiele sind künftige Garantieleistungen an Kunden oder Pensionsverpflichtungen des Unternehmens gegenüber seinen Mitarbeitern. Sie sind also finanzielle Schulden des Unternehmens gegenüber Dritten, die aber nicht zwangsläufig genau in der angenommenen Höhe eintreten.

Die Summen der beschafften Finanzmittel stehen auf der rechten Seite der Bilanz, der "Passivseite". Diese Bilanzseite gibt also Auskunft darüber, welche und wie viele Finanzmittel dem Unternehmen zur Verfügung stehen.

2. Investitionsaktivitäten

Dieses dem Unternehmen zur Verfügung stehende (Eigen- und Fremd-) Kapital hat nur eine Aufgabe: in die bereits erwähnten Vermögensgegenstände, die man zur Erstellung und zum Verkauf der Produkte sowie zur Verwaltung des Unternehmens benötigt, investiert zu werden. Man unterscheidet hierbei in Vermögensgegenstände, die man gebraucht und die daher dem Unternehmen langfristig zur Verfügung stehen ("Langfristiges Vermögen") und solche die man verbraucht, die also nur kurz im Unternehmen sind ("Kurzfristiges Vermögen").

Zum Langfristigen Vermögen gehören im Wesentlichen die Grundstücke und Gebäude, die Maschinen, die Einrichtungen sowie der Fuhrpark des Unternehmens ("Sachanlagen"). Darüber hinaus besitzt das Unternehmen auch immaterielle Vermögensgegenstände: Patente, Rechte und Lizenzen, aber auch den Wert eines Tochterunternehmens, das in der Vergangenheit gekauft und für das ein höherer Preis, als der Wert der in dessen Bilanz ausgewiesenen Vermögensgegenstände und Schulden, bezahlt wurde (sog. "Goodwill" oder "Firmenwert"). Falls das Unternehmen an anderen Unternehmen finanziell beteiligt ist, steht auch deren Wert beim langfristigen Vermögen, unter "Finanzanlagen".

Das Kurzfristige Vermögen umfasst hauptsächlich die Vorratslagerbestände, die Forderungen gegenüber denjenigen Kunden, die ihre bereits erhaltenen Waren noch nicht bezahlt haben, sowie den Bargeldbestand (Kasse und Bankguthaben) des Unternehmens.

Aktiva und Passiva und Unternehmenswert

Alle diese Vermögensgegenstände stehen auf der linken Seite der Bilanz des Unternehmens, der "Aktivseite". Die linke Bilanzseite zeigt also, wie man das dem Unternehmen zur Verfügung gestellte Kapitel (auf der Passivseite) investiert hat. Aus dieser Gegenüberstellung ergibt sich zwingend, dass die aufgeführten Vermögensgegenstände auf der linken Bilanzseite wertmäßig genau den Fremd- und Eigenkapitalpositionen der rechten Bilanzseite entsprechen. Denn man kann ja nicht mehr Geld investieren, als man zur Verfügung hat. Die Bilanz ist in der Summe also ausgeglichen. 

Darüber hinaus erkennt man, dass der Wert des gesamten Unternehmens die Differenz zwischen dem Wert aller Vermögensgegenstände abzüglich des (noch zurück zu zahlenden) Fremdkapitals ist - im Ergebnis also das Eigenkapital, das den Eigentümern zusteht.

3. Operative Geschäftstätigkeit

Die Vermögensgegenstände auf der Aktivseite der Bilanz verkörpern das Erfolgspotential des Unternehmens. Nach Einschätzung des Managements stellen sie sicher, dass das Unternehmen bei optimaler Nutzung dieses Vermögens zukünftig mehr Geld mit seiner operativen Geschäftstätigkeit generieren wird, als die Vermögensgegenstände und deren Nutzung kosten - also finanziell erfolgreich sein wird. Dieser Erfolg wird anhand des Gewinns gemessen, den ein Unternehmen für jedes Geschäftsjahr ausweisen muss. Da der Gewinn den Eigentümern zur Verfügung steht, wird er nach Beendigung des Jahres, in dem er erwirtschaftet wurde, dem Eigenkapital hinzuaddiert.

Input und Output

Aus der Tatsache, dass beide Bilanzseiten immer den gleichen Wert haben, wird damit auch deutlich, dass, wenn in Form des Eigenkapitals die rechte Bilanzseite zunimmt, auch die linke Seite wertmäßig größer geworden sein muss. Dieser Effekt ist der logische Ausdruck der Tatsache, dass der Wert der verkauften Produkte und Dienstleistungen (Output) höher war, als deren Erstellung durch Einsatz der Vermögensgegenstände gekostet hat (Input). Sofern die Kunden bereits alle bezahlt haben und das Geld vom Unternehmen zwischenzeitlich nicht wieder investiert wurde, steht dieses in Form von Barmitteln zur Verfügung. Damit ergibt sich ein erneuter Finanzierungseffekt und der beschriebene Kreislauf beginnt von Neuem.

Falls der Output dagegen geringer ausfällt als der Input, entsteht ein Verlust, der das Eigenkapital verringert. Sollte in der Folge irgendwann das gesamte Eigenkapital verbraucht sein, muss das Unternehmen Insolvenz anmelden.

Aber das ist zum Glück nicht der Regelfall.

Und die Finanzielle Führung?

Der beschriebene Geldkreislauf kann nicht funktionieren, wenn nicht die Menschen, also die Mitarbeitenden im Unternehmen ihn immer wieder gestalten und voranbringen. Der Kreislauf wird im Rahmen der Unternehmensplanung in Budgets überführt, die wiederum mit persönlichen Zielen jedes Mitarbeiters verknüpft sind. Und nur wenn alle ihre persönlichen Ziele erreichen, wird auch das Unternehmen als Ganzes seine Ziele erreichen. 

Sorgen Sie also für die Zielerreichung! Seien Sie eine gute Führungskraft, die ihre Mitarbeiter begleitet und motiviert, die ihre Mitarbeiter fair und gemäß ihrer Kompetenzen und Fähigkeiten einsetzt, die Konflikte managt und zu guten Lösungen führt. Dann klappt es auch mit dem Geldkreislauf!

Fortsetzung folgt

Das war der erste Teil der dreiteiligen Serie zur Finanziellen Führung. Im nächsten Artikel geht es um die Frage, wie der Geldkreislauf controllt wird, welche Controllinginstrumente damit verknüpft sind und welche Führungswirkungen sich daraus ergeben. Freuen Sie sich auf eine spannende Lektüre!

Über den Autor:

Bert Erlen
Bert Erlen begleitet Unternehmen in Veränderungsprozessen. Er begeistert Führungskräfte für unternehmerisches Denken und Handeln, erleichtert die Kommunikation zwischen Controllern und dem operativen Management und stärkt die Finanzielle Führung in Organisationen. Gerade in betriebswirtschaftlichen Schwächephasen kann er mit Wissen und Klarheit eine neue Vision vermitteln. Er ist zertifizierter Unternehmercoach, langjähriger Managementtrainer für Finanzielle Führung, Blogger und veröffentlicht einen Business Podcast.

Kommentare (2)

  1. Steffi Lange vor 6 Tagen
    sehr übersichtlich, knapp und doch vollständig verständlich
  2. Wolfgang Buchner vor 1 Woche
    Ein sehr guter, übersichtlicher, verständlicher Beitrag, vielenDank!

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