Erfolgreiche Sanierung mit Business Analytics und Big Data

Meinung von Matthias Müller, Mitglied der Geschäftsleitung bei Dr. Wieselhuber & Partner

Der Digitale Wandel kann gerade in Zeiten der Corona-Krise für Unternehmen kriegsentscheidend sein. Ist er noch nicht vollzogen, hilft oft nur noch eine Sanierung. Wie eine solche Sanierung aussehen kann, dazu liefert Matthias Müller von Wieselhuber Einblicke.

Wieselhuber Sanierung Beitrag (Bild: Wieselhuber)

Schleppend abflachende Corona-Infektionen, eine zögerliche Impfstrategie und der damit einhergehende Lockdown führen zu hohen Unsicherheiten in der deutschen Konjunktur. Denn laut einer aktuellen Umfrage des ifo Instituts ist die Corona-Krise für 15 Prozent der deutschen Firmen existenzbedrohend. Eine Studie des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigt jedoch, dass innovative Unternehmen Wirtschaftskrisen deutlich besser überstehen als jene ohne Innovation. Damit wird eines sehr deutlich: All jene Unternehmen, die den digitalen Wandel vor Corona noch nicht vollzogen haben, laufen jetzt Gefahr, der Insolvenzwelle zum Opfer zu fallen. 

Doch es gibt auch Licht am Ende des Tunnels für die Digitalisierungs-Nachzügler: Eine rasche und moderne Sanierung bietet nun die Möglichkeit, die Coronakrise noch als Chance zu nutzen und zielgerichtet die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen. 

Daten – "Rohöl" auch in der Sanierung

Die letzten Jahre waren regelrecht eingenommen vom "Rush" rund um die effektive Nutzung des digitalen Goldes "Big Data". Immer leistungsstärkere IT-Methoden bieten Unternehmen das Potential, der rasant steigenden Datenflut Einhalt zu gebieten. Durch eine zielgerichtete Verarbeitung und Analyse von Unternehmensdaten (Business Analytics) kann somit ein kompetitiver Wettbewerbsvorteil gewonnen werden. Eine Entwicklung, die zunehmend auch in einer modernen Sanierung und Restrukturierung Fuß fasst. Durch Business Analytics können rascher präzisere, aussagekräftigere und zuverlässigere Maßnahmen definiert werden, um das Unternehmen auf ein solides Fundament für eine erfolgreiche Zukunft zu stellen. Konkreter können in der Sanierung durch gezielten Einsatz von Business Analytics, wie beispielsweise aus Manufacturing/Operational Analytics oder Working Capital Analytics, massiv Potentiale gehoben werden. Deren Anwendung bringt schnell Klarheit in die Ausgangssituation des Unternehmens und es lassen sich konkrete Maßnahmen ableiten. 

Rasche Transparenz als Gebot der Stunde 

Zentrale Aufgabenstellung zu Beginn eines Sanierungsprojektes: Transparenz schaffen, um auf dieser unabdingbaren Grundlage das Vertrauen der Stakeholder wiederzuerlangen. Auf dieser Basis kann dann das Sanierungs- und Restrukturierungskonzept entwickelt werden. Ein nachhaltiger und erfolgreicher Turnaround umfasst neben der strategischen Neuausrichtung des Unternehmens aus der "Marktsicht", immer auch die operative "Wertschöpfungssicht" und die finanzielle Restrukturierung aus der "Finanzierungssicht". Grundsätzlich ist die Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit und die Gewinnung von Planungssicherheit in den meisten Sanierungsprojekten von höchster Bedeutung. Working Capital Analytics setzt genau hier an und verfügt über besonderes Potential: Die interne Finanzierungskraft des Unternehmens kann freigesetzt werden. In übergeordneter und detaillierter Betrachtung können aus großen Datenmengen Bestand, Lieferverbindlichkeiten sowie -forderungen erfasst und optimiert werden. BI-Tools ermöglichen zu Beginn die schnelle und übersichtliche Aufbereitung der zentralen historischen Daten zu Kunden- und Produktionsaufträgen, Einkaufsvolumen sowie Zahlungsverhalten.

Case Study "Cash is King": Business Analytics als Erfolgsfaktor in der Sanierung

Ein Use-Case-Szenario aus dem Maschinenbau zeigt, dass bei einem Anlagebauer mit 105 Mio. Euro Umsatz pro Jahr kurzfristig vier Mio. Euro an Umlaufvermögen/Cash durch eine moderne Working Capital Datenauswertung freigesetzt werden konnten. Hierbei halfen Daten-visualisierende Dashboards auf Basis von Big Data aufgebauten Schlüssel-KPIs, um tiefliegende Liquiditätspotentiale optimal zu nutzen. Eine schnelle, aber trotzdem umfassende Analyse der Debitorenstruktur, war Basis für einen erfolgreichen Mahnlauf. Analysen hinsichtlich Mindestbestellmengen/Sicherheitsbeständen senkten den Lagerbestand, während die Auswertung des historischen Zahlungsverhaltens der Eingangsrechnungen ebenso Potentiale für eine Verbesserung des Zahlungsverhaltens freilegte.

Die notwendige Datengrundlage für diese Maßnahmen wurden innerhalb von zwei Tagen gelegt, die daraus abgeleiteten Handlungen zeigten bereits in der ersten Woche Erfolg.

Durch die so generierte Liquidität konnte eine Zahlungsunfähigkeit abgewendet und der Grundstein für die erfolgreiche Sanierung gelegt werden. Besonders interessant ist in näherer Zukunft der Einsatz von fortgeschrittenen Methoden wie Predictive oder gar Prescriptive Analytics in der Sanierung. Mit deren Hilfe können Entwicklungen im Working Capital vorhergesagt und diese in weiterer Folge auch wie gewünscht gesteuert werden. 

Kompetenz in digitaler Transformation als unabdingbare Basis zukünftiger Sanierungen

In der Sanierung gestartete Initiativen im Bereich Business Analytics sind jedoch nicht nur für den reinen Sanierungsprozess interessant. Nein, durch die effektive und zielgesteuerte Nutzung dieser digitalen Werkzeuge, kann ein solider Grundstein für eine erfolgreiche Transformation und kernkompetenzorientierte Neuausrichtung des Unternehmens gelegt werden. Sie heben das Potential, bereits bekannte Kundenbedürfnisse besser zu erfüllen, betriebliche Prozesse effizienter zu steuern und zu einer evidenzbasierten Entscheidungsfindung zu gelangen. Voraussetzung: Eine solide Datenbasis, die moderne Speicher- und ERP-Systeme nutzt, ohne die sich die digitalen Technologien nicht in ihrem vollen Potential entfalten könnten. Es würde schlicht an "Rohstoff" fehlen. 

Wie diese Schritte schnell & effektiv zu bewerkstelligen sind? Es bedarf der Zusammenarbeit von Experten mit reicher Erfahrung aus Corporate Restructuring, Operations und digitaler Transformation/Business Analytics. Gemeinsam können sie einen nachhaltigen Mehrwert generieren – und Unternehmen auch für die Post-Corona Zeit auf solide, digitale Beine stellen.

Wieselhuber Sanierung (Bild: Wieselhuber)
Praxisbeispiel: Liquiditätsgenerierung durch BI-gestütztes Working-Capital-Management (Bild: Wieselhuber)

Zur Person

Matthias Müller, Dr. Wieselhuber & Partner GmbH (Bild: Dr. Wieselhuber & Partner GmbH)
Matthias Müller ist Mitglied der Geschäftsleitung der Dr. Wieselhuber & Partner GmbH. Er verantwortet Projekte rund um Sanierung, Restrukturierung, Finanzierung und Insolvenz. Sein fachlicher Schwerpunkt liegt dabei auf der Lösung von komplexen Fragestellungen an der juristisch-betriebswirtschaftlichen Schnittstelle.

 

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