Gleichstellung bei uns Frauen klappt nicht? Wir sind doch selber schuld!

Kolumne von Sabine Lansing

Wie lange schimpfen die Frauen auf die Gesellschaft, die es ihnen nicht ermöglicht, gleichberechtigt im Berufsleben zu stehen? Warum schimpfen wir auf eine Gesellschaft, die zu 50,7 Prozent aus Frauen besteht? Warum schafft es die Mehrheit der Gesellschaft nicht, sich zu solidarisieren und einfach ihr Recht einzufordern?

Warum schaffen wir es nicht, uns zu solidarisieren?

Der Gedanke ist nichts Neues? Stimmt, aber noch immer gibt es darauf keine Antwort und der Weltfrauentag ist ein guter Zeitpunkt, um sich mal an die eigene Nase zu fassen.

Vielleicht kennen Sie das auch. Sie arbeiten in einem Team, alles läuft gut, man versteht sich untereinander prima und vielleicht ist man nach Feierabend zusammen unterwegs gewesen. Nun kommt es zu einer Beförderung. Der Kollege wird zum Teamleiter ernannt – kein Problem.

Wehe dem, eine Frau aus dem Team wird befördert. Kaum ist dies geschehen, geht in den vielen Fällen der "Zickenkrieg" los. "Warum die und nicht ich?"

Warum wird die Kollegin zur Konkurrentin, nur weil sie einen Schritt auf der Karriereleiter gemacht hat? Ist das bei den Männern auch so?

Männer heben andere Männer in höhere Positionen. Warum? Damit diese Männer ihnen bei ihrem eigenen Weg weiterhelfen.

Männer schaffen sich Verbündete. Frauen sehen Frauen, die aufsteigen, als Konkurrentinnen an.

Warum agieren Frauen so? Ist es wirklich evolutionär zu begründen? Liegt es an unserer Erziehung? Egal was es ist – das muss aufhören.

Der Newsletter der Consultingbranche

News +++ Jobs +++ Whitepaper +++ Webinare

Wollen wir wirklich Männer beauftragen, sich ihre eigene Stellung streitig zu machen?

Glauben wir ernsthaft, dass sich ein Mensch, egal ob Frau oder Mann, sich selber schlechter positioniert, um einem anderen den Vortritt zu lassen? Mag sein, dass es diesen Menschen gibt, aber er gehört sicher nicht zu der vorherrschenden Spezies.

Warum sollten uns also Männer freiwillig den Platz räumen, den sie für sich beanspruchen?

Brauchen wir wirklich die Männer, um unsere Stellung zu behaupten?

Mein Mann fragte mich letztens, braucht ihr wirklich uns Männer, um euch zu behaupten? Warum fordert ihr euer Recht nicht einfach ein? Ihr seid die Mehrheit. Wenn alle Frauen an einem Strang ziehen, was passiert dann? Ja, was passiert dann? Eine ganze Menge.

Wenn also jede Frau ihr Scherflein dazu beiträgt, dann schaffen wir den Schritt. Kein Mann möchte seine Frau oder seine Tochter schlechter dargestellt wissen als ein Mann in der vergleichbaren Position. Also woran liegt es? An den Männern? Oder daran, dass wir nicht alle gemeinsam unser Recht einfordern?

Quotenregelung - Nein Danke, oder vielleicht doch?

Als ich das erste Mal von der Quotenregelung gehört habe, musste ich aufstöhnen. Nur das nicht, dachte ich. Wer will schon eine Quotenfrau sein? Wir hatten heftige Diskussionen innerhalb unseres Teams. Ich stand fest auf dem Standpunkt – die Quotenregelung schadet uns Frauen.

Und heute? Mittlerweile denke ich, die Quotenregelung brauchen wir Frauen, um uns zu trauen. Der Geschmack, eine Quotenfrau zu sein wird sich verflüchtigen, wenn wir Frauen uns beweisen, dass wir es können. Dass wir Führung können, dass wir keinen Vergleich scheuen brauchen.

Wie kann ich meine Position einfordern?

  • Wir sind gut – wir müssen es nur selber glauben.
  • Wir müssen selbstbewusst auftreten.
  • Wir müssen uns unserer Stärke bewusst sein.
  • Wir dürfen uns nicht auf unsere Schwächen konzentrieren.
  • Wir müssen dahin schauen, wo wir hinwollen, nach oben.

Nein, wir müssen nicht bessere Männer sein.

Wir müssen unsere weiblichen Stärken erkennen und einsetzen. Dies wird auch dazu führen, dass der Führungsstil in Deutschland familienfreundlicher wird. Dass Unternehmen Frauen als Gewinn und nicht als potenzielle "Fehlzeiten-Mitarbeiter" wegen eventueller Schwangerschaften wahrnehmen.

Dass wir selbstbewusster werden müssen, ist ja auch nicht neu. Aber warum sind wir es nicht?

In den vielen Jahren, in denen ich als Karriereberaterin gearbeitet habe, stellte ich immer wieder fest, dass Männer sich mehr zutrauen als Frauen, manchmal sogar zu viel. Frauen hingegen sind vor Stellenausschreibungen zurückgezuckt, bei denen sie die eine oder andere Anforderungen nicht erfüllen konnten. Objektiv betrachtet waren sie für die Stelle eigentlich überqualifiziert. Aber zugetraut haben sie es sich nicht.

Eine Teilnehmerin hat nach einer Kündigung mal gesagt: "Jetzt ist es meinem Chef aufgefallen, dass ich den Job gar nicht kann."
Totaler Unsinn. Die Kündigung hatte gar nichts mit ihrer Qualifikation zu tun, es lag am Sozialplan. Sie war top qualifiziert und ihr Chef hätte sie gerne behalten. Selbstbild vs. Fremdbild. Ach übrigens: Meine ehemalige Teilnehmerin sitzt jetzt im Vorstand eines Unternehmens.

Fangen wir einfach mal an unsere Fähigkeiten Wert zu schätzen und unsere vermeintlichen Defizite nicht so ernst zu nehmen.

Die nachfolgende Generation Frauen ist schon selbstbewusster. Ich habe da große Hoffnungen. Aber auch hier stelle ich im Coaching oft fest, wenn es um fachliche Fragen geht – steht Frau ihren "Mann", doch geht es um eine persönliche Einschätzung, wird Frau unsicher. Lassen Sie uns daran arbeiten, dass wir selbstbewusst und aktiv unseren Weg gehen. Stellen wir uns und anderen kein Bein, sondern unterstützen wir uns nach besten Kräften.

Jetzt stellen Sie sich die Frage, warum ich als Knigge-Trainerin diese Kolumne geschrieben habe?

  1. Ich bin eine Frau.
  2. Ich bin eine berufstätige Frau.
  3. Ich habe vorwiegend in männerdominierenden Arbeitsfeldern gearbeitet.
  4. Ich sehe Knigge als perfektes Werkzeug an, um äußerlich wie innerlich an einem selbstbewussten Auftreten zu arbeiten.

Zur Person

Sabine Lansing ist Gründerin von Knigge-Wissen. Es gibt einen Lebenslauf davor und einen danach. Der danach resultierte aus einer Gefahrensituationen, die Sabine Lansing im Vertrieb einer deutschen Schmuckmanufaktur im Ausland erlebte, die sie dazu brachte ihre berufliche Situation zu ändern. Dazu bildete sie sich zur Karriereberaterin weiter, ergänzte das mit einer Weiterbildung zur Personalreferentin und arbeitete im Bereich Outplacement für Konzerne, wie z.B. Siemens, Thyssen, Adobe, Vodafone aber auch KMUs. Doch ihre Leidenschaft war schon immer der Umgang miteinander, weshalb sie seit 2004 als Trainerin für Umgangsformen arbeitet, also Knigge. Und dabei geht es ihr nicht um veraltete Regeln, sondern darum, mit Knigge Sicherheit zu gewinnen und sich mit Menschen in der eigenen Gegenwart wohlzufühlen.

/cb

Kommentare (3)

  1. Bernadette am 12.03.2021
    Gleichstellung vs. Gleichberechtigung
    Bei uns "musste" ein Arbeitsplatz mit einer Frau besetzt werden (sic: Gleichstellung). Meines Wissens nach bewarben sich nur Männer auf den fordernden Posten. Es wurde von HR eine Frau "ausgewürfelt", die zu eitel war, diese Beförderung abzulehnen. Ergebnis: Ein Totalausfall.

    Wer Gleichstellung einfordert, muß auch Gleichleistung bringen wollen bzw. können.
  2. Nick am 09.03.2021
    hello

    ich kann das gejammer nicht mehr ausstehen.
    Bitte diskutiert auch über die PFLICHTEN .
    Frauen plappern immer nur über Rechte.
    Nick
  3. Dr. Rolf Meier am 09.03.2021
    Meine Frau sagt: wer was kann, setzt sich durch. Sie ist gegen die Quote.

Neuen Kommentar schreiben

Kommentare geben ausschließlich die Meinung ihrer Verfasser wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht oder gekürzt zu veröffentlichen. Das gilt besonders für themenfremde, unsachliche oder herabwürdigende Kommentare sowie für versteckte Eigenwerbung.

Über CONSULTING.de

consulting.de ist das zentrale Informationsportal für Unternehmensberatungen. Unser breites Informationsangebot rund um Consulting richtet sich sowohl an Management- und Strategieberatungen, Personalberatungen, Controlling- und Finanzberatungen, Wirtschaftsprüfungen, Marketing- und Kommunikationsberatung und IT-Beratungen als auch deren Kunden aus Industrie, Handel sowie Dienstleistung.

facebook twitter xing linkedin linkedin