Impfstoffe, Toilettenpapier und Videokommunikation: Wer profitiert von der Coronakrise?

Blick in die Bilanz: CONSULTING.de-Kolumne von Bert Erlen

In der CONSULTING.de-Kolumne "Blick in die Bilanz" nimmt sich Bert Erlen die Bilanzen unterschiedlicher Branchen vor. In dieser Ausgabe geht es um Impfstoffentwickler, Toilettenpapierhersteller und Videokommunikationsanbieter; kurz: um die Profiteure der Coronakrise.

Profiteure der Coronakrise sind auch Impfstoff-Unternehmen (Bild: WikiImages - pixabay)
Neben Toilettenpapier und Software für Videokonferenzen, gehören auch Unternehmen, die Impfstoffe entwickeln zu den Profiteuren der Coronakrise. (Bild: WikiImages - pixabay)

Das Tübinger Pharmaunternehmen Curevac arbeitet als eines von drei führenden Unternehmen weltweit an der Entwicklung eines Impfstoffs gegen COVID-19. Normalerweise dauert es einige Jahre, bis ein Impfstoff einsatzbereit ist, aber Curevac macht Hoffnung, die sonst notwendigen klinischen Studien zügig angehen zu können und vielleicht schon im Herbst soweit zu sein. Ein hoffnungsvolles Versprechen.

Curevac war vor ein paar Wochen groß in den Medien, weil angeblich Donald Trump oder die US-Regierung versucht haben soll, das Unternehmen zu kaufen. Der Vorstandsvorsitzende hat das aber dementiert. Curevac gehört mehrheitlich dem Biotech-Investor Dietmar Hopp, beteiligt sind darüber hinaus die Bill und Melinda Gates Stiftung sowie einige andere Investoren, unter anderen die staatliche baden-württembergische Förderbank, ein Ärzte-Pensionsfonds und der Pharmahersteller Eli Lilly.

Und das Unternehmen verbrennt viel Geld. Seit seiner Gründung im Jahr 2000 wurden bis 2019 360 Mio. Euro an Finanzkapital eingeworben, die Investitionen betrugen 2018 14,7 Mio. Euro nach 19,6 Mio. im Jahr davor. Trotzdem war der Kassenbestand mit 60 Mio. Euro nach einer neuen Finanzierungsrunde sehr auskömmlich. Der operative Cashflow ist erwartungsgemäß negativ: minus 73,7 Mio. Euro in 2018.

Denn der Umsatz ist mit 12,6 Mio. Euro gering, dem stehen Kosten von beeindruckenden 87,1 Mio. Euro entgegen. Startup eben! Curevac ist zwar mit einem Alter von 20 Jahren nicht mehr ganz jung, aber vielleicht steht ja jetzt der Durchbruch bevor. 

Die großen Wettbewerber in diesen Tagen sind das Mainzer Unternehmen Biontech sowie Moderna aus Cambridge in den USA. Beide Unternehmen arbeiten ebenfalls an einem Impfstoff gegen COVID-19 und liefern sich einen veritablen Wettlauf. Die Finanzrelationen sind ähnlich, wobei Moderna seit seiner Gründung 2010 1,5 Mrd. Dollar Verlust angehäuft hat. Überhaupt sind die Zahlen Amerika-tyisch höher, allein im letzten Jahr beliefen sich die Forschungsausgaben auf 496 Mio. Dollar. Derzeit wird geklotzt.

Curevac kooperiert mit Eli Lilly, Biontech hat eine Partnerschaft mit Pfizer. Mal sehen, wer zuerst mit einem Impfstoff auf den Markt kommt. Dass nach erfolgreicher Markteinführung hohe Gewinne locken, zeigen Roche und seine Wettbewerber. Im Pharmageschäft liegt insgesamt die EBIT-Marge deutlich über 20%, Roche verdient schon seit Jahren über 30% mit seinen patentgeschützten Medikamenten.

Und das viel diskutierte Toilettenpapier?

Die Herstellung von Toilettenpapier ist nur dann ein gutes Geschäft, wenn man entweder bei großen Produktionsmengen hohe Effizienzvorteile generieren kann, oder wenn man sich am Markt mit seiner Nische differenziert und damit bei den Kunden höhere Preise durchsetzen kann.

Seit Wochen ist es ausverkauft, auch am Samstag bei dm in Köln ging ab 12 Uhr nichts mehr. Aber wird deshalb auch mehr verkauft und mehr verdient? Wohl eher nicht, der höhere Absatz jetzt wird ein Vorbote für geringere Verkäufe nach der Krise sein. Wir schauen uns die Bilanzen einiger Toilettenpapierhersteller an.

Mit einem Umsatz von 1,1 Mrd. Euro ist die WEPA-Gruppe der größte Toilettenpapierhersteller in Europa, abgeschlagen auf Platz 2 folgt die finnische Metsä-Gruppe mit 480 Mio. Euro. Beide führen zwar Eigenmarken, liefern aber auch Private Label-Marken an die großen europäischen Supermarktketten. Auch die kleineren Hersteller Nölken aus Montabaur und Temca aus dem thüringischen Pölzig beliefern Private Label, Hakle behauptet sich als Markenhersteller mit einer langen Tradition. Nölken und Hakle lieben bei einem Umsatz um die 75 Mio. Euro, Temca erwirtschaftet 41 Mio., wächst aber kräftig.

Hakle machte 2018 mit einer EBIT-Marge von -2,3% einen Verlust. Aber bis Anfang 2019 gehörte die Tissueproduktion auch noch zum amerikanischen Hygieneriesen Kimberley-Clark. Mittlerweile hat ein Privatinvestor die Papierwerke gekauft und möchte die traditionsreiche Marke neu positionieren, da hilft die Corona-Publicity. Insgesamt ist das Toilettenpapiergeschäft kein besonders ertragreiches, an das ebenso krisenfeste Pharmageschäft kommt es nicht heran.

Alle reden über Zoom

Zoom Video Communications aus dem Silicon Valley wird derzeit gehypt. Nicht erst seit Corona, auch schon vorher haben die Coolen nur Zoom genutzt. Im Gewinn spiegelte sich der Hype 2019 zwar nicht wieder, die EBIT-Marge betrug magere 2%.

Aber Zoom hat in den letzten Jahren stets beeindruckende 10% des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert. Das erinnert an Amazon; auch Amazon hat viele Jahre keinen Gewinn gemacht, weil der Personalaufwand für die Programmierer so hoch war.

Das zahlt sich auch bei Zoom jetzt aus, wenn die Zugriffsraten sich angesichts der weltweiten Homeoffice-Maßnahmen und der eingeschränkten globalen Flugtätigkeit plötzlich verdoppeln, wie es in den letzten Wochen passiert ist. Zoom war vorletztes Jahr übrigens pleite (negatives Eigenkapital) und hat 2019 eine Finanzspritze in Höhe von 800 Mio. US-Dollar durch die Ausgabe neuer Aktien bekommen. Aber Schwamm drüber; wenn jetzt nichts schiefläuft (keine neuen Datenpannen), steht dem weiteren Wachstum nichts im Weg. 

Spannende Zeiten!

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Die Corona-Pandemie wirbelt die Wirtschaft gehörig durcheinander. Die rapide gesunkenen Umsatzerwartungen spiegeln sich in erheblichen Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten wider. Nicht so bei Zoom, Moderna, Biontech, deren Kurse haben sich im letzten Monat bei allerdings großen Schwankungen gut gehalten oder sind sogar deutlich gestiegen.

Quellen:

Jahresabschlüsse der erwähnten Unternehmen: www.finanzen.net, www.wikipedia.com

Bert Erlen, Unternehmercoach, Managementtrainer und Blogger
 Bert Erlen begeistert Führungskräfte für unternehmerisches Denken und Handeln und erleichtert die Kommunikation zwischen Controllern und Führungskräften in Unternehmen. Er ist zertifizierter Unternehmercoach, langjähriger Managementtrainer für Finanzielle Führung und Blogger zum Thema Kennzahlenanalyse. Sein Fokus ist die nachhaltige Unternehmensführung als Kombination aus konsequenter Renditeorientierung, fundierter Kundenorientierung und ausgewogener Mitarbeiterorientierung.

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